Ersatz der Pädagogischen Rekrutenprüfungen (PRP)

ShortId
94.3207
Id
19943207
Updated
10.04.2024 14:35
Language
de
Title
Ersatz der Pädagogischen Rekrutenprüfungen (PRP)
AdditionalIndexing
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Es mangelt an gesamtschweizerischen Studien, die Aufschluss geben über die Jugendlichen in unserem Land, über ihre Bildung, ihre Wertvorstellungen und Ideen. Die PRP sind kein geeignetes Mittel, um diese Lücke zu beheben:</p><p>- Ihre Resultate sind nicht repräsentativ, da sie nur Angaben über die diensttauglichen jungen Schweizer Männer liefern; über Dienstuntaugliche oder Dienstverweigerer und junge Ausländer erfahren wir nichts, vor allem aber fehlen Aussagen über die jungen Frauen.</p><p>- Auch die Umstände, unter welchen die PRP stattfinden (Gruppendynamik, Abhängigkeit von militärischen Vorgesetzten usw.), verletzen die Regeln der empirischen Sozialwissenschaft.</p><p>Laut Artikel 1 der Verordnung über die PRP dienen die Rekrutenbefragungen der Grundlagenforschung für das schweizerische Erziehungs- und Unterrichtswesen. Das ist inakzeptabel, da ausgerechnet die von der PRP nicht erfassten Jugendlichen, nämlich Mädchen und junge Ausländer und Ausländerinnen, in unserem Bildungswesen benachteiligt sind (vgl. den jüngsten Bericht der Eidgenössischen Kommission für Jugendfragen). Dazu kommt, dass die vor kurzem publizierten Resultate der PRP 1991 zu vorschnellen Interpretationen betreffend berufstätiger Mütter geführt haben. Es wäre angezeigt, von Anfang an differenzierte und wirklich repräsentative Studien durchzuführen, und nicht zuerst einen falschen Eindruck entstehen zu lassen. Auch aus repräsentativen Stichproben könnten die Angaben der Rekruten herausgefiltert werden, so dass bei einem Ersatz der PRP nicht auf den Vergleich mit früheren Rekrutenbefragungen verzichtet werden müsste.</p>
  • <p>1. Rechtsgrundlagen. Die Pädagogischen Rekrutenprüfungen (PRP) sind im geltenden Bundesgesetz über die Militärorganisation in Artikel 118 gesetzlich verankert. Der Entwurf für das neue Militärgesetz, der vor dem Nationalrat liegt, übernimmt sie in Artikel 46, spricht aber nicht mehr von Prüfungen, sondern von Befragungen.</p><p>2. Jugendrepräsentativität. Es trifft zu, dass die PRP nur einen (allerdings sehr grossen) Teil der männlichen Jugend erfassen. Dieser Nachteil ist bekannt. Die PRP sind deshalb seit einigen Jahren dazu übergegangen, auf repräsentativer Basis verschiedene Ergänzungsbefragungen bei nichtdienstleistenden Männern und gleichaltrigen Frauen durchzuführen. Solche Ergänzungsbefragungen erfassen in der Regel 1000 bis 2000 Personen. Die Anstrengungen zur Erlangung jungendrepräsentativer Aussagen werden intensiviert (siehe Ziff. 4).</p><p>Neben dem Nachteil, bisher zu wenig jugendrepräsentativ zu sein, weisen die Rekrutenbefragungen auch unbestreitbare Vorteile auf, die mit den üblichen Methoden der demoskopischen Feldforschung nicht wettzumachen und überdies von staatspolitischer Bedeutung sind.</p><p>Die sehr grosse Zahl von Befragten (derzeit rund 25 000 pro Jahr) erlaubt eine Auswertungstiefe, die mit den kleinen Stichproben, wie sie in der empirischen Sozialforschung aus Kostengründen üblich sind, nicht möglich ist. Aus der Vergangenheit liessen sich zahlreiche Beispiele von Untersuchungen anführen (beispielsweise diejenige in den Jahren 1978 und 1987 über die Entwicklung regionaler Lebensqualitäten), die dank der sehr grossen Zahl von Befragten überhaupt erst möglich waren.</p><p>Eine weitere Stärke der Rekrutenbefragungen liegt in der Möglichkeit von Langzeitstudien. Indem Befragungen in regelmässigen Abständen wiederholt werden, lassen sich bildungs- und sozialpolitisch wichtige Trends sichtbar machen. Die private Langzeitforschung sieht sich demgegenüber mit dem Problem konfrontiert, dass sie für Trendstudien immer wieder teure und nicht selten methodisch fragwürdige Stichproben zu erheben hat.</p><p>3. Umstände der Befragungen in den Rekrutenschulen. Die Kritik an den Umständen, unter welchen die PRP in den Rekrutenschulen durchgeführt werden, trifft nicht zu. Tatsache ist, dass die Befragungen durch zivile Prüfungsexpertinnen und -experten durchgeführt werden und die militärischen Vorgesetzten dabei nicht anwesend sein dürfen. Zudem sind militärische Themen für die Befragungen tabu; es werden ausschliesslich zivil bedeutsame Forschungsthemen aufgegriffen. Die ausgefüllten Fragebogen werden von den Prüfungsexperten behändigt und die militärischen Stellen haben keinen Einblick in die Arbeiten. Die Anonymität der Befragten nach allen Regeln des Datenschutzes ist ausnahmslos gewährleistet; die Rekruten werden darüber zu Beginn der Prüfung orientiert.</p><p>Die kontrollierte Befragungssituation kann eher als Stärke, denn als Schwäche der PRP interpretiert werden, weil bei den in der Meinungsforschung üblichen Interviews die Umfeld- und Ablaufsituation der Befragung nicht selten unklar bleibt. Über diesen Schwachpunkt der kommerziell organisierten demoskopischen Interviewforschung sind sich die Experten der empirischen Sozialforschung einig. Bei "Klassenzimmerbefragungen", wie sie die PRP letztlich darstellen, sind die Kontrollbedingungen besser.</p><p>Das häufig geäusserte Vorurteil, die Rekruten würden unsorgfältig antworten und häufig vorformulierte Fragen beliebig ankreuzen, ist durch mehrfache Tests und ein von einem privaten Institut erstellten Gutachten eindeutig widerlegt worden. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass sich ein Rekrut weigern kann, an der Befragung teilzunehmen und die Fragebogen in der Regel die Vorgaben "keine Meinung" oder "keine Antwort" enthalten.</p><p>4. Zukunft der Rekrutenprüfungen. Der Bundesrat sieht keine Veranlassung, in Zukunft auf die Rekrutenbefragungen zu verzichten. Die Anstrengungen zur Erlangung von jugendrepräsentativen Aussagen sollen aber fortgeführt und intensiviert werden. Eine von der Kommission für die PRP im Einvernehmen mit dem EMD eingesetzte Arbeitsgruppe arbeitet seit einiger Zeit an einem neuen Konzept für die Rekrutenbefragungen. Organisation, Zweck und Durchführung der Befragungen sollen den schulischen, sozialen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen Rechnung tragen. Unter anderem wird gegenwärtig geprüft, ob und wie im Rahmen der PRP Ergänzungsbefragungen bei nichtdienstleistenden Männern und gleichaltrigen Frauen institutionalisiert, d. h. zur Regel gemacht werden können. Entscheide hat aber der Bundesrat noch nicht getroffen.</p> Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
  • <p>Der Bundesrat wird eingeladen, auf die Pädagogischen Rekrutenprüfungen (PRP) zu verzichten und die entsprechenden Mittel in eine Jugendforschung zu investieren, welche sich mit der Gesamtheit der jugendlichen Bevölkerung in unserem Lande befasst.</p>
  • Ersatz der Pädagogischen Rekrutenprüfungen (PRP)
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Es mangelt an gesamtschweizerischen Studien, die Aufschluss geben über die Jugendlichen in unserem Land, über ihre Bildung, ihre Wertvorstellungen und Ideen. Die PRP sind kein geeignetes Mittel, um diese Lücke zu beheben:</p><p>- Ihre Resultate sind nicht repräsentativ, da sie nur Angaben über die diensttauglichen jungen Schweizer Männer liefern; über Dienstuntaugliche oder Dienstverweigerer und junge Ausländer erfahren wir nichts, vor allem aber fehlen Aussagen über die jungen Frauen.</p><p>- Auch die Umstände, unter welchen die PRP stattfinden (Gruppendynamik, Abhängigkeit von militärischen Vorgesetzten usw.), verletzen die Regeln der empirischen Sozialwissenschaft.</p><p>Laut Artikel 1 der Verordnung über die PRP dienen die Rekrutenbefragungen der Grundlagenforschung für das schweizerische Erziehungs- und Unterrichtswesen. Das ist inakzeptabel, da ausgerechnet die von der PRP nicht erfassten Jugendlichen, nämlich Mädchen und junge Ausländer und Ausländerinnen, in unserem Bildungswesen benachteiligt sind (vgl. den jüngsten Bericht der Eidgenössischen Kommission für Jugendfragen). Dazu kommt, dass die vor kurzem publizierten Resultate der PRP 1991 zu vorschnellen Interpretationen betreffend berufstätiger Mütter geführt haben. Es wäre angezeigt, von Anfang an differenzierte und wirklich repräsentative Studien durchzuführen, und nicht zuerst einen falschen Eindruck entstehen zu lassen. Auch aus repräsentativen Stichproben könnten die Angaben der Rekruten herausgefiltert werden, so dass bei einem Ersatz der PRP nicht auf den Vergleich mit früheren Rekrutenbefragungen verzichtet werden müsste.</p>
    • <p>1. Rechtsgrundlagen. Die Pädagogischen Rekrutenprüfungen (PRP) sind im geltenden Bundesgesetz über die Militärorganisation in Artikel 118 gesetzlich verankert. Der Entwurf für das neue Militärgesetz, der vor dem Nationalrat liegt, übernimmt sie in Artikel 46, spricht aber nicht mehr von Prüfungen, sondern von Befragungen.</p><p>2. Jugendrepräsentativität. Es trifft zu, dass die PRP nur einen (allerdings sehr grossen) Teil der männlichen Jugend erfassen. Dieser Nachteil ist bekannt. Die PRP sind deshalb seit einigen Jahren dazu übergegangen, auf repräsentativer Basis verschiedene Ergänzungsbefragungen bei nichtdienstleistenden Männern und gleichaltrigen Frauen durchzuführen. Solche Ergänzungsbefragungen erfassen in der Regel 1000 bis 2000 Personen. Die Anstrengungen zur Erlangung jungendrepräsentativer Aussagen werden intensiviert (siehe Ziff. 4).</p><p>Neben dem Nachteil, bisher zu wenig jugendrepräsentativ zu sein, weisen die Rekrutenbefragungen auch unbestreitbare Vorteile auf, die mit den üblichen Methoden der demoskopischen Feldforschung nicht wettzumachen und überdies von staatspolitischer Bedeutung sind.</p><p>Die sehr grosse Zahl von Befragten (derzeit rund 25 000 pro Jahr) erlaubt eine Auswertungstiefe, die mit den kleinen Stichproben, wie sie in der empirischen Sozialforschung aus Kostengründen üblich sind, nicht möglich ist. Aus der Vergangenheit liessen sich zahlreiche Beispiele von Untersuchungen anführen (beispielsweise diejenige in den Jahren 1978 und 1987 über die Entwicklung regionaler Lebensqualitäten), die dank der sehr grossen Zahl von Befragten überhaupt erst möglich waren.</p><p>Eine weitere Stärke der Rekrutenbefragungen liegt in der Möglichkeit von Langzeitstudien. Indem Befragungen in regelmässigen Abständen wiederholt werden, lassen sich bildungs- und sozialpolitisch wichtige Trends sichtbar machen. Die private Langzeitforschung sieht sich demgegenüber mit dem Problem konfrontiert, dass sie für Trendstudien immer wieder teure und nicht selten methodisch fragwürdige Stichproben zu erheben hat.</p><p>3. Umstände der Befragungen in den Rekrutenschulen. Die Kritik an den Umständen, unter welchen die PRP in den Rekrutenschulen durchgeführt werden, trifft nicht zu. Tatsache ist, dass die Befragungen durch zivile Prüfungsexpertinnen und -experten durchgeführt werden und die militärischen Vorgesetzten dabei nicht anwesend sein dürfen. Zudem sind militärische Themen für die Befragungen tabu; es werden ausschliesslich zivil bedeutsame Forschungsthemen aufgegriffen. Die ausgefüllten Fragebogen werden von den Prüfungsexperten behändigt und die militärischen Stellen haben keinen Einblick in die Arbeiten. Die Anonymität der Befragten nach allen Regeln des Datenschutzes ist ausnahmslos gewährleistet; die Rekruten werden darüber zu Beginn der Prüfung orientiert.</p><p>Die kontrollierte Befragungssituation kann eher als Stärke, denn als Schwäche der PRP interpretiert werden, weil bei den in der Meinungsforschung üblichen Interviews die Umfeld- und Ablaufsituation der Befragung nicht selten unklar bleibt. Über diesen Schwachpunkt der kommerziell organisierten demoskopischen Interviewforschung sind sich die Experten der empirischen Sozialforschung einig. Bei "Klassenzimmerbefragungen", wie sie die PRP letztlich darstellen, sind die Kontrollbedingungen besser.</p><p>Das häufig geäusserte Vorurteil, die Rekruten würden unsorgfältig antworten und häufig vorformulierte Fragen beliebig ankreuzen, ist durch mehrfache Tests und ein von einem privaten Institut erstellten Gutachten eindeutig widerlegt worden. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass sich ein Rekrut weigern kann, an der Befragung teilzunehmen und die Fragebogen in der Regel die Vorgaben "keine Meinung" oder "keine Antwort" enthalten.</p><p>4. Zukunft der Rekrutenprüfungen. Der Bundesrat sieht keine Veranlassung, in Zukunft auf die Rekrutenbefragungen zu verzichten. Die Anstrengungen zur Erlangung von jugendrepräsentativen Aussagen sollen aber fortgeführt und intensiviert werden. Eine von der Kommission für die PRP im Einvernehmen mit dem EMD eingesetzte Arbeitsgruppe arbeitet seit einiger Zeit an einem neuen Konzept für die Rekrutenbefragungen. Organisation, Zweck und Durchführung der Befragungen sollen den schulischen, sozialen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen Rechnung tragen. Unter anderem wird gegenwärtig geprüft, ob und wie im Rahmen der PRP Ergänzungsbefragungen bei nichtdienstleistenden Männern und gleichaltrigen Frauen institutionalisiert, d. h. zur Regel gemacht werden können. Entscheide hat aber der Bundesrat noch nicht getroffen.</p> Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
    • <p>Der Bundesrat wird eingeladen, auf die Pädagogischen Rekrutenprüfungen (PRP) zu verzichten und die entsprechenden Mittel in eine Jugendforschung zu investieren, welche sich mit der Gesamtheit der jugendlichen Bevölkerung in unserem Lande befasst.</p>
    • Ersatz der Pädagogischen Rekrutenprüfungen (PRP)

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