Lebenserwartung von Frauen. Statistische Unterlagen

ShortId
94.3278
Id
19943278
Updated
10.04.2024 07:57
Language
de
Title
Lebenserwartung von Frauen. Statistische Unterlagen
AdditionalIndexing
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>In der Diskussion um die Erhöhung des AHV-Alters der Frauen wird unter dem Argument der Gleichstellung als Rechtfertigung immer wieder die höhere mittlere Lebenserwartung der Frauen herbeigezogen.</p><p>Statistiken anderer europäischer Länder zeigen aber, dass erwerbstätige Frauen eine kürzere Lebenserwartung als nichterwerbstätige haben. Für die Schweiz fehlen meines Wissens bis heute vergleichbare veröffentlichte Zahlen. Gerade in der Schweiz ist das klassische Familienbild mit dem erwerbstätigen Familienvater und der nichterwerbstätigen, Familienarbeit verrichtenden Hausmutter noch fest in den Köpfen der Bevölkerung verankert. Die Realität hat sich aber inzwischen davon entfernt; der Anteil der alleinstehenden erwerbstätigen Mütter nimmt ständig zu. Die Diskussion um die Erhöhung des AHV-Alters für die Frauen sollte diesen unterschiedlichen Frauenrealitäten und den Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand und ihrer Lebenserwartung Rechnung tragen und einen Beitrag zu differenzierten Lösungen ermöglichen.</p>
  • <p>1. Der "Lebenserwartung für ein bestimmtes Alter" genannte demographische Indikator wird aufgrund der Sterbetafeln berechnet. Die Angaben, welche zur Erstellung dieser Tafeln benötigt werden, sind in dem statistischen Meldeformular enthalten, das die Zivilstandsämter dem Bundesamt für Statistik bei jedem Todesfall zustellen. Die Angaben über Erwerbstätigkeit und familiäre Betreuungsaufgaben sowie über Wechsel von einem Stadium zum anderen, welche notwendig wären, um die Fragen der Interpellantin zu beantworten, sind nicht verfügbar.</p><p>Die Berechnung der Lebenserwartung setzt voraus, dass der Zeitpunkt des Todes der Personen bekannt ist. Würden die benötigten Informationen anlässlich des Todesfalls erhoben, wäre das Ergebnis qualitativ unbefriedigend. Auf dem statistischen Meldeformular müsste dann nämlich angegeben werden, ob und wie lange eine Frau vor 20, 30 oder 50 Jahren alleinstehend oder verheiratet, erwerbstätig oder nichterwerbstätig war und allenfalls Betreuungs- und Erziehungsaufgaben in der Familie wahrgenommen hat.</p><p>Da die Zivilstandsbeamten über keine derartigen Informationen verfügen, müssten sie Angehörige und Bekannte über Sachverhalte befragen, die Jahrzehnte zurückliegen. Informationen, die auf diese Art erhoben werden, sind erfahrungsgemäss praktisch unbrauchbar.</p><p>2. Sterbetafeln können für Untergruppen der Bevölkerung berechnet werden, deren Mitglieder zeit ihres Lebens die untersuchten Eigenschaften aufwiesen: zum Beispiel das Geschlecht oder der ledige Zivilstand. Verändern sich diese Eigenschaften wird die Analyse beträchlich erschwert: das zeigt sich bereits beim Zivilstand, wo eine Person als verheiratet, dann als verwitwet und später wieder als verheiratet gemeldet sein kann.</p><p>Die Verknüpfung zweier oder mehrere Ereignisse (wie: verheiratete erwerbstätige Frau mit familiären Betreuungsaufgaben) verursacht zusätzliche methodische Schwierigkeiten, weil diese Ereignisse oft in einem Zusammenhang stehen und es nicht möglich ist, den spezifischen Einfluss jedes einzelnen Ereignisses auf die Sterblichkeit zu eruiren.</p><p>Auch aus methodischen Gründen ist es deshalb nicht möglich, die Lebenserwartung der in der Interpellation genannten Bevölkerungsuntergruppen zu berechnen. Dies trifft übrigens auch auf die amtliche Statistik in anderen europäischen Ländern zu, die ebenfalls keine derartige Indikatoren publizieren.</p><p>3. Schliesslich sei an die folgenden Ergebnisse erinnert, welche die Gesamtheit aller Frauen betreffen: Die Lebenserwartung der Schweizer Frauen bei Geburt ist zwischen 1970 und 1991 um rund fünf Jahre gestiegen, während jene der Männer nur um vier Jahre zugenommen hat. Dieser zunehmende Unterschied zwischen der Lebenserwartung der Frauen und der Männer bei Geburt ist ein Phänomen, das auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern zu beobachten ist, selbst in solchen, wo die Erwerbsbeteiligung der Frauen bedeutend höher ist als in der Schweiz.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>In der Debatte um die Angleichung des AHV-Alters von Frauen an dasjenige der Männer wird unter anderem mit der längeren mittleren Lebenserwartung der Frauen gegenüber derjenigen der Männer argumentiert.</p><p>In diesem Zusammenhang ist für die weitere Diskussion und das AHV-Alter der Frauen von Interesse, die mittlere Lebenserwartung der Frauen nicht nur als gesamte Gruppe, sondern entsprechend ihrer unterschiedlichen Lebenssituationen in Betracht zu ziehen.</p><p>Ich ersuche den Bundesrat deshalb, die statistischen Unterlagen für die aktuelle und zu erwartende mittlere Lebenserwartung folgender Frauengruppen in Form einer Querschnittinformation vorzulegen:</p><p>- alleinstehende nichterwerbstätige Frauen mit und ohne Betreuungspflichten;</p><p>- alleinstehende erwerbstätige Frauen mit und ohne Betreuungspflichten;</p><p>- verheiratete nichterwerbstätige Frauen mit und ohne Betreuungspflichten;</p><p>- verheiratete erwerbstätige Frauen mit und ohne Betreuungspflichten.</p>
  • Lebenserwartung von Frauen. Statistische Unterlagen
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>In der Diskussion um die Erhöhung des AHV-Alters der Frauen wird unter dem Argument der Gleichstellung als Rechtfertigung immer wieder die höhere mittlere Lebenserwartung der Frauen herbeigezogen.</p><p>Statistiken anderer europäischer Länder zeigen aber, dass erwerbstätige Frauen eine kürzere Lebenserwartung als nichterwerbstätige haben. Für die Schweiz fehlen meines Wissens bis heute vergleichbare veröffentlichte Zahlen. Gerade in der Schweiz ist das klassische Familienbild mit dem erwerbstätigen Familienvater und der nichterwerbstätigen, Familienarbeit verrichtenden Hausmutter noch fest in den Köpfen der Bevölkerung verankert. Die Realität hat sich aber inzwischen davon entfernt; der Anteil der alleinstehenden erwerbstätigen Mütter nimmt ständig zu. Die Diskussion um die Erhöhung des AHV-Alters für die Frauen sollte diesen unterschiedlichen Frauenrealitäten und den Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand und ihrer Lebenserwartung Rechnung tragen und einen Beitrag zu differenzierten Lösungen ermöglichen.</p>
    • <p>1. Der "Lebenserwartung für ein bestimmtes Alter" genannte demographische Indikator wird aufgrund der Sterbetafeln berechnet. Die Angaben, welche zur Erstellung dieser Tafeln benötigt werden, sind in dem statistischen Meldeformular enthalten, das die Zivilstandsämter dem Bundesamt für Statistik bei jedem Todesfall zustellen. Die Angaben über Erwerbstätigkeit und familiäre Betreuungsaufgaben sowie über Wechsel von einem Stadium zum anderen, welche notwendig wären, um die Fragen der Interpellantin zu beantworten, sind nicht verfügbar.</p><p>Die Berechnung der Lebenserwartung setzt voraus, dass der Zeitpunkt des Todes der Personen bekannt ist. Würden die benötigten Informationen anlässlich des Todesfalls erhoben, wäre das Ergebnis qualitativ unbefriedigend. Auf dem statistischen Meldeformular müsste dann nämlich angegeben werden, ob und wie lange eine Frau vor 20, 30 oder 50 Jahren alleinstehend oder verheiratet, erwerbstätig oder nichterwerbstätig war und allenfalls Betreuungs- und Erziehungsaufgaben in der Familie wahrgenommen hat.</p><p>Da die Zivilstandsbeamten über keine derartigen Informationen verfügen, müssten sie Angehörige und Bekannte über Sachverhalte befragen, die Jahrzehnte zurückliegen. Informationen, die auf diese Art erhoben werden, sind erfahrungsgemäss praktisch unbrauchbar.</p><p>2. Sterbetafeln können für Untergruppen der Bevölkerung berechnet werden, deren Mitglieder zeit ihres Lebens die untersuchten Eigenschaften aufwiesen: zum Beispiel das Geschlecht oder der ledige Zivilstand. Verändern sich diese Eigenschaften wird die Analyse beträchlich erschwert: das zeigt sich bereits beim Zivilstand, wo eine Person als verheiratet, dann als verwitwet und später wieder als verheiratet gemeldet sein kann.</p><p>Die Verknüpfung zweier oder mehrere Ereignisse (wie: verheiratete erwerbstätige Frau mit familiären Betreuungsaufgaben) verursacht zusätzliche methodische Schwierigkeiten, weil diese Ereignisse oft in einem Zusammenhang stehen und es nicht möglich ist, den spezifischen Einfluss jedes einzelnen Ereignisses auf die Sterblichkeit zu eruiren.</p><p>Auch aus methodischen Gründen ist es deshalb nicht möglich, die Lebenserwartung der in der Interpellation genannten Bevölkerungsuntergruppen zu berechnen. Dies trifft übrigens auch auf die amtliche Statistik in anderen europäischen Ländern zu, die ebenfalls keine derartige Indikatoren publizieren.</p><p>3. Schliesslich sei an die folgenden Ergebnisse erinnert, welche die Gesamtheit aller Frauen betreffen: Die Lebenserwartung der Schweizer Frauen bei Geburt ist zwischen 1970 und 1991 um rund fünf Jahre gestiegen, während jene der Männer nur um vier Jahre zugenommen hat. Dieser zunehmende Unterschied zwischen der Lebenserwartung der Frauen und der Männer bei Geburt ist ein Phänomen, das auch in zahlreichen anderen europäischen Ländern zu beobachten ist, selbst in solchen, wo die Erwerbsbeteiligung der Frauen bedeutend höher ist als in der Schweiz.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>In der Debatte um die Angleichung des AHV-Alters von Frauen an dasjenige der Männer wird unter anderem mit der längeren mittleren Lebenserwartung der Frauen gegenüber derjenigen der Männer argumentiert.</p><p>In diesem Zusammenhang ist für die weitere Diskussion und das AHV-Alter der Frauen von Interesse, die mittlere Lebenserwartung der Frauen nicht nur als gesamte Gruppe, sondern entsprechend ihrer unterschiedlichen Lebenssituationen in Betracht zu ziehen.</p><p>Ich ersuche den Bundesrat deshalb, die statistischen Unterlagen für die aktuelle und zu erwartende mittlere Lebenserwartung folgender Frauengruppen in Form einer Querschnittinformation vorzulegen:</p><p>- alleinstehende nichterwerbstätige Frauen mit und ohne Betreuungspflichten;</p><p>- alleinstehende erwerbstätige Frauen mit und ohne Betreuungspflichten;</p><p>- verheiratete nichterwerbstätige Frauen mit und ohne Betreuungspflichten;</p><p>- verheiratete erwerbstätige Frauen mit und ohne Betreuungspflichten.</p>
    • Lebenserwartung von Frauen. Statistische Unterlagen

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