Drogenpolitik. Ombudspersonen in den Schulen
- ShortId
-
94.3423
- Id
-
19943423
- Updated
-
14.11.2025 08:45
- Language
-
de
- Title
-
Drogenpolitik. Ombudspersonen in den Schulen
- AdditionalIndexing
-
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Drogentoten vervierfacht: 1982 wurden 109 Fälle registriert, 1992 waren es 419.</p><p>Diese Zahlen führen uns vor Augen in welch tragischer Situation sich die tausenden Familien befinden, die vom Drogenelend direkt betroffen sind. Sie zeigen auch das Scheitern unserer Drogenpolitik und sollten uns eher zum Handeln bewegen als dazu, das Drogenelend als Schicksal hinzunehmen.</p><p>In Tat und Wahrheit sollte die Gesellschaft viel mehr Mittel im Bereich der Drogenprävention einsetzen, um das positive Verhalten der Jugendlichen zu stärken. Natürlich muss der Staat auch jenen unglücklichen jungen Menschen helfen, die zutiefst im Drogenelend stecken. Aber er sollte in Zukunft mit seinen beschränkten Mitteln hauptsächlich Massnahmen zur Drogenprävention unterstützen. Dies ist der Ort, wo das Geld der Steuerzahler am besten eingesetzt ist!</p><p>Die Einsetzung von Ombudspersonen in den Schulen stellt eine erste Prävention dar, die deshalb wirkungsvoll ist, weil sie sich die Rolle der Lehrkräfte als Bezugspersonen für die Jugendlichen zunutze macht. Die Idee besteht gerade darin, die Zusammenarbeit der Lehrkräfte zu nutzen. Sie sind es nämlich, die an forderster Front Präventivarbeit leisten. Diese Ombudspersonen werden speziell ausgebildet und widmen einen Teil ihrer Arbeitszeit diesem ausserordentlich wichtigen Auftrag der Schule.</p><p>Das Wallis hat eine zehnjährige Erfahrung mit Ombudspersonen. Mittlerweile arbeiten in den Schulen verschiedenster Typen (Schulen der Sekundarstufe, Handesschulen, Gymnasien und Berufsschulen) etwa 70 Ombudspersonen. Die Kosten für deren Einsatz belaufen sich für den ganzen Kanton auf etwa 250'000 Franken pro Jahr. Das entspricht gerade etwa dem Betrag, der für die Wiedereingliederung eines einzigen Rauschgiftsüchtigen aufgewendet werden müsste!</p>
- <p>Das Modell des Einsatzes von Ombudspersonen in den Schulen und die Erfahrungen die die Kantone Waadt und Wallis damit gemacht haben, sind dem Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) schon bekannt. Die letzte Weiterentwicklung des Modells in den beiden Kantonen und in den Kantonen Neuenburg, Fribourg, Jura und Tessin wurde zu ca. 50 Prozent durch den Bund finanziert. Für die Weiterbildung der Ombudspersonen in den Westschweizer Kantonen ist eine Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für Berufspädagogik des BIGA vorgesehen. Gespräche sind auch mit den Kantonen Aargau und Zürich im Gange. Leicht unterschiedliche Projekte in Bern und im Kanton St. Gallen werden ebenfalls vom Bund unterstützt.</p><p>Das vom BAG und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren gemeinsam entwickelte Programm "Santé jeunesse" sorgt ausserdem dafür, dass die gesammelten Erfahrungen - insbesondere über das "Netzwerk der gesundheitsfördernden Schulen" weiterverbreitet werden.</p><p>In der vom BAG entwickelten Präventionsstrategie werden erwachsene Bezugspersonen auch anderswo als im schulischen Bereich eingesetzt: In Sportvereinen, in spezialisierten Erziehungsanstalten, bei Jugendgerichten und bei Aktionen auf Gemeinde und Stadtebene.</p><p>Ausserdem hat das BAG bei der Entwicklung und Ausdehnung von verschiedenen Programmen mit jugendlichen Bezugspersonen mitgewirkt, insbesondere in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände, mit der Arbeitsgruppe der Schweizerischen Schulärzte und der Walliser Liga gegen Suchtprobleme.</p><p>Alle diese Aktionen sind Teil des "Massnahmenpakets des Bundes zur Verminderung der Drogenprobleme" und werden im Verlauf der nächsten Jahre in dem durch das Budget begrenzten Rahmen fortgesetzt. Eine bedeutende Weiterentwicklung dieser Programme wäre nur dann möglich, wenn das Parlament den Kredit "Präventionsmassnahmen" des Bundesamtes für Gesundheitswesen erhöhen würde.</p><p>Abschliessend ist der Bundesrat der Ansicht, dass die Forderungen des Motionärs teilweise schon erfüllt werden. Der Bundesrat erklärt sich bereit, die Kantone und Gemeinden weiterhin zum Einsatz von Ombudspersonen zu ermuntern. Es muss in Erinnerung gerufen werden, dass Aktionen im Schulbereich in den Aufgaben und Kompetenzbereich der Kantone fallen. Die Dienststellen des Bundes können die Kantonsbehörden lediglich auf mögliche Programme aufmerksam machen, Fachhilfe leisten, den Start von Projekten mitfinanzieren, Fachleute ausbilden und die Koordination fördern.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
- <p>Der Hauptakzent einer erfolgreichen Drogenpolitik in unserem Land sollte auf der Prävention liegen.</p><p>Für einen wirksamen Kampf gegen die Ursachen des Drogenkonsums verdient die Erfahrung in Betracht gezogen zu werden, welche die Kantone Waadt und Wallis und seit kurzem auch die Kantone Jura und Neuenburg mit der Einsetzung von Ombudspersonen für die Schulen gemacht haben: Der Einsatz von erwachsenen Bezugspersonen in den verschiedenen Schulen schafft Freiraum für den Dialog sowie Ruhepole, die für die Jugendlichen unentbehrlich sind. Diese Massnahme ist für die Verhütung einer Drogenkatastrophe von entscheidender Bedeutung.</p><p>Gestützt auf die Erfahrungen in der Westschweiz, vor allem in den Kantonen Waadt und Wallis, ersuchen wir den Bundesrat nachdrücklich, in Zusammenarbeit mit den Kantonen und Gemeinden alle erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, damit der Einsatz von Ombudspersonen in den Schulen der ganzen Schweiz gefördert wird. Der Bund sollte diese Massnahme namentlich finanziell unterstützen, statt im nachhinein für die Therapie Geld auszugeben.</p>
- Drogenpolitik. Ombudspersonen in den Schulen
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Drogentoten vervierfacht: 1982 wurden 109 Fälle registriert, 1992 waren es 419.</p><p>Diese Zahlen führen uns vor Augen in welch tragischer Situation sich die tausenden Familien befinden, die vom Drogenelend direkt betroffen sind. Sie zeigen auch das Scheitern unserer Drogenpolitik und sollten uns eher zum Handeln bewegen als dazu, das Drogenelend als Schicksal hinzunehmen.</p><p>In Tat und Wahrheit sollte die Gesellschaft viel mehr Mittel im Bereich der Drogenprävention einsetzen, um das positive Verhalten der Jugendlichen zu stärken. Natürlich muss der Staat auch jenen unglücklichen jungen Menschen helfen, die zutiefst im Drogenelend stecken. Aber er sollte in Zukunft mit seinen beschränkten Mitteln hauptsächlich Massnahmen zur Drogenprävention unterstützen. Dies ist der Ort, wo das Geld der Steuerzahler am besten eingesetzt ist!</p><p>Die Einsetzung von Ombudspersonen in den Schulen stellt eine erste Prävention dar, die deshalb wirkungsvoll ist, weil sie sich die Rolle der Lehrkräfte als Bezugspersonen für die Jugendlichen zunutze macht. Die Idee besteht gerade darin, die Zusammenarbeit der Lehrkräfte zu nutzen. Sie sind es nämlich, die an forderster Front Präventivarbeit leisten. Diese Ombudspersonen werden speziell ausgebildet und widmen einen Teil ihrer Arbeitszeit diesem ausserordentlich wichtigen Auftrag der Schule.</p><p>Das Wallis hat eine zehnjährige Erfahrung mit Ombudspersonen. Mittlerweile arbeiten in den Schulen verschiedenster Typen (Schulen der Sekundarstufe, Handesschulen, Gymnasien und Berufsschulen) etwa 70 Ombudspersonen. Die Kosten für deren Einsatz belaufen sich für den ganzen Kanton auf etwa 250'000 Franken pro Jahr. Das entspricht gerade etwa dem Betrag, der für die Wiedereingliederung eines einzigen Rauschgiftsüchtigen aufgewendet werden müsste!</p>
- <p>Das Modell des Einsatzes von Ombudspersonen in den Schulen und die Erfahrungen die die Kantone Waadt und Wallis damit gemacht haben, sind dem Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) schon bekannt. Die letzte Weiterentwicklung des Modells in den beiden Kantonen und in den Kantonen Neuenburg, Fribourg, Jura und Tessin wurde zu ca. 50 Prozent durch den Bund finanziert. Für die Weiterbildung der Ombudspersonen in den Westschweizer Kantonen ist eine Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Institut für Berufspädagogik des BIGA vorgesehen. Gespräche sind auch mit den Kantonen Aargau und Zürich im Gange. Leicht unterschiedliche Projekte in Bern und im Kanton St. Gallen werden ebenfalls vom Bund unterstützt.</p><p>Das vom BAG und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren gemeinsam entwickelte Programm "Santé jeunesse" sorgt ausserdem dafür, dass die gesammelten Erfahrungen - insbesondere über das "Netzwerk der gesundheitsfördernden Schulen" weiterverbreitet werden.</p><p>In der vom BAG entwickelten Präventionsstrategie werden erwachsene Bezugspersonen auch anderswo als im schulischen Bereich eingesetzt: In Sportvereinen, in spezialisierten Erziehungsanstalten, bei Jugendgerichten und bei Aktionen auf Gemeinde und Stadtebene.</p><p>Ausserdem hat das BAG bei der Entwicklung und Ausdehnung von verschiedenen Programmen mit jugendlichen Bezugspersonen mitgewirkt, insbesondere in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände, mit der Arbeitsgruppe der Schweizerischen Schulärzte und der Walliser Liga gegen Suchtprobleme.</p><p>Alle diese Aktionen sind Teil des "Massnahmenpakets des Bundes zur Verminderung der Drogenprobleme" und werden im Verlauf der nächsten Jahre in dem durch das Budget begrenzten Rahmen fortgesetzt. Eine bedeutende Weiterentwicklung dieser Programme wäre nur dann möglich, wenn das Parlament den Kredit "Präventionsmassnahmen" des Bundesamtes für Gesundheitswesen erhöhen würde.</p><p>Abschliessend ist der Bundesrat der Ansicht, dass die Forderungen des Motionärs teilweise schon erfüllt werden. Der Bundesrat erklärt sich bereit, die Kantone und Gemeinden weiterhin zum Einsatz von Ombudspersonen zu ermuntern. Es muss in Erinnerung gerufen werden, dass Aktionen im Schulbereich in den Aufgaben und Kompetenzbereich der Kantone fallen. Die Dienststellen des Bundes können die Kantonsbehörden lediglich auf mögliche Programme aufmerksam machen, Fachhilfe leisten, den Start von Projekten mitfinanzieren, Fachleute ausbilden und die Koordination fördern.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
- <p>Der Hauptakzent einer erfolgreichen Drogenpolitik in unserem Land sollte auf der Prävention liegen.</p><p>Für einen wirksamen Kampf gegen die Ursachen des Drogenkonsums verdient die Erfahrung in Betracht gezogen zu werden, welche die Kantone Waadt und Wallis und seit kurzem auch die Kantone Jura und Neuenburg mit der Einsetzung von Ombudspersonen für die Schulen gemacht haben: Der Einsatz von erwachsenen Bezugspersonen in den verschiedenen Schulen schafft Freiraum für den Dialog sowie Ruhepole, die für die Jugendlichen unentbehrlich sind. Diese Massnahme ist für die Verhütung einer Drogenkatastrophe von entscheidender Bedeutung.</p><p>Gestützt auf die Erfahrungen in der Westschweiz, vor allem in den Kantonen Waadt und Wallis, ersuchen wir den Bundesrat nachdrücklich, in Zusammenarbeit mit den Kantonen und Gemeinden alle erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, damit der Einsatz von Ombudspersonen in den Schulen der ganzen Schweiz gefördert wird. Der Bund sollte diese Massnahme namentlich finanziell unterstützen, statt im nachhinein für die Therapie Geld auszugeben.</p>
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