Unicef Report Card 20. Chancengerechtigkeit in der Schweiz nicht gewährleistet
- ShortId
-
26.3644
- Id
-
20263644
- Updated
-
14.08.2026 14:46
- Language
-
de
- Title
-
Unicef Report Card 20. Chancengerechtigkeit in der Schweiz nicht gewährleistet
- AdditionalIndexing
-
28
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>1. Der Bundesrat hat die Ergebnisse der UNICEF Report Card 20 zur Kenntnis genommen. Die aufgezeigten Zusammenhänge zwischen sozioökonomischen Unterschieden, Gesundheit, Wohlbefinden und Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen bestätigen Erkenntnisse aus nationalen Analysen, insbesondere dem Nationalen Armutsmonitoring (<a href="http://www.armutsmonitoring.ch"><u>www.armutsmonitoring.ch</u></a>) sowie dem Bericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums zu gesundheitlichen Ungleichheiten in der Schweiz aus dem Jahr 2025 (<a href="http://www.obsan.ch"><u>www.obsan.ch</u></a> > Publikationen). Chancengerechtigkeit, Lebenszufriedenheit und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sind für den Bundesrat wichtige Anliegen; entsprechende Herausforderungen sind erkannt. Die Erkenntnisse aus diesen Berichten werden entsprechend in die Erarbeitung von nationalen Strategien zur Kinder- und Jugendpolitik (Po. 25.3139 Bulliard-Marbach «Nationale Strategie für Kinder und Jugendliche», gleichlautende Postulate 25.3332 Fehr Düsel, 25.3333 Rosenwasser, 25.3334 Christ und 25.3335 [Fivaz Fabien] Brenzikofer «Nationale Strategie für Kinder- und Jugendpolitik») sowie zur Prävention und Bekämpfung von Armut in der Schweiz (Mo. 23.4450 Revaz «Bekämpfung der Armut durch die Verlängerung des Präventionsprogramms und die Verabschiedung einer nationalen Strategie») einfliessen.</p><p> </p><p>2 und 3. Die Stärkung der psychischen Gesundheit ist ein Schwerpunkt der nationalen Strategien «Prävention nichtübertragbarer Krankheiten» und «Sucht», die der Bund gemeinsam mit Kantonen und weiteren Partnern umsetzt, mit besonderem Fokus auf Kinder und Jugendliche. Aktuell laufen die Arbeiten an einer themenübergreifenden Strategie, welche die bestehenden Strategien ab 2029 ablösen wird. Zudem setzt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seit 2016 gemeinsam mit den Partnern den Nationalen Aktionsplan Suizidprävention um, der unter anderem die Stärkung persönlicher und sozialer Ressourcen sowie die gezielte Unterstützung von Personen mit erhöhten Risikofaktoren vorsieht.</p><p>Darüber hinaus fördert das BAG gemeinsam mit der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz und den Kantonen familienzentrierte Angebote, um insbesondere Familien in belastenden Lebenssituationen zu unterstützen, Eltern zu begleiten und ihre Ressourcen sowie Erziehungskompetenzen zu stärken. Zudem unterstützt die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz über die Kantonalen Aktionsprogramme und weitere Projekte Kantone und Fachpersonen mit Grundlagen, Instrumenten und Angeboten. </p><p>Diese Massnahmen tragen dazu bei, die gesundheitliche Chancengerechtigkeit zu stärken und Unterschiede bei der psychischen und physischen Gesundheit zu verringern.</p><p> </p><p>4. Der Fokus von Massnahmen des Bundes zur Prävention und Bekämpfung von Kinder- und Familienarmut liegt derzeit auf der Erarbeitung von Wissensgrundlagen und der strategischen Koordination entsprechender Aktivitäten. Kinder- und Familienarmut bildet einen Schwerpunkt der Plattform gegen Armut, die der Bund seit 2014 gemeinsam mit Kantonen, Städten, Gemeinden und Organisationen der Zivilgesellschaft betreibt. Im Zentrum stehen dabei die Förderung der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen sowie die bereichs- und institutionenübergreifende Abstimmung von Massnahmen zur Verringerung von Familienarmut. Die nationale Armutsstrategie wird sich im Rahmen der geschilderten verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten mit der Situation von Kindern und Familien in Armut befassen.</p>
- <p>Im Mai 2026 wurde die neue "UNICEF Report Card 20" zur Situation von Kindern in wohlhabenden Ländern veröffentlicht. Untersucht wurde z.B., warum es Kindern trotz Wohlstand besser oder schlechter geht oder inwiefern sich Ungleichheit auf die Lebenszufriedenheit, schulische Kompetenzen und Gesundheit auswirkt.<br>Insgesamt wird der Schweiz zwar ein gutes Zeugnis ausgestellt, die Studie zeigt aber auch, dass sich ökonomische Ungleichheiten in allen Bereichen auf das Leben von Kindern auswirken. Kinder aus wirtschaftlich benachteiligten Verhältnissen weisen tendenziell eine schlechtere physische Gesundheit und schulische Leistungen auf, ausserdem haben sie ein geringeres psychisches Wohlbefinden. Zudem hat die Kinderarmut im Vergleich zu den weiteren OECD-Staaten mit mehr als 10% überdurchschnittlich zugenommen. Die ungleichen Startchancen von Kindern beginnen schon häufig direkt nach der Geburt. Die Schweiz investiert dabei im internationalen Vergleich sehr wenig in die Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung. Ausserdem gelang es nicht, Kinderarmut in den letzten zehn Jahren zu reduzieren. Das alles stellt die Chancengerechtigkeit sowie die Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen grundsätzlich in Frage. Aus diesem Grund bitte ich den Bundesrat zur Beantwortung folgender Fragen:</p><p> </p><ol><li>Wie beurteilt der Bundesrat die Resultate des Reports? Welchen Handlungsbedarf sieht er in Bezug auf die Resultate der Studie grundsätzlich für die Chancengerechtigkeit und Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen?</li><li>Die Lebenszufriedenheit ist zwar überdurchschnittlich hoch, korreliert aber stark mit dem Einkommen. Die Platzierung ist im Bereich «mental health» vergleichsweise schlecht, das äussert sich z.B. in einer hohen Suizidrate. Welchen Handlungsbedarf sieht der Bundesrat in der Verbesserung der psychischen Gesundheit – insbesondere auch für einkommensschwächere Familien?</li><li>Es geht aus dem Report deutlich hervor, dass es je nach verfügbarem Einkommen sehr viel schlechter um die physische Gesundheit steht. Welche Massnahmen sieht der Bundesrat vor, um diese grosse Lücke zu schliessen? </li><li>Welche Massnahmen hat der Bundesrat zur Bekämpfung von Kinderarmut und der sozioökonomischen Ungleichheit bereits ergriffen? Wird er dieses Thema in die Armutsstrategie einfliessen lassen und konkrete Massnahmen daraus ableiten?</li></ol>
- Unicef Report Card 20. Chancengerechtigkeit in der Schweiz nicht gewährleistet
- State
-
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>1. Der Bundesrat hat die Ergebnisse der UNICEF Report Card 20 zur Kenntnis genommen. Die aufgezeigten Zusammenhänge zwischen sozioökonomischen Unterschieden, Gesundheit, Wohlbefinden und Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen bestätigen Erkenntnisse aus nationalen Analysen, insbesondere dem Nationalen Armutsmonitoring (<a href="http://www.armutsmonitoring.ch"><u>www.armutsmonitoring.ch</u></a>) sowie dem Bericht des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums zu gesundheitlichen Ungleichheiten in der Schweiz aus dem Jahr 2025 (<a href="http://www.obsan.ch"><u>www.obsan.ch</u></a> > Publikationen). Chancengerechtigkeit, Lebenszufriedenheit und die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sind für den Bundesrat wichtige Anliegen; entsprechende Herausforderungen sind erkannt. Die Erkenntnisse aus diesen Berichten werden entsprechend in die Erarbeitung von nationalen Strategien zur Kinder- und Jugendpolitik (Po. 25.3139 Bulliard-Marbach «Nationale Strategie für Kinder und Jugendliche», gleichlautende Postulate 25.3332 Fehr Düsel, 25.3333 Rosenwasser, 25.3334 Christ und 25.3335 [Fivaz Fabien] Brenzikofer «Nationale Strategie für Kinder- und Jugendpolitik») sowie zur Prävention und Bekämpfung von Armut in der Schweiz (Mo. 23.4450 Revaz «Bekämpfung der Armut durch die Verlängerung des Präventionsprogramms und die Verabschiedung einer nationalen Strategie») einfliessen.</p><p> </p><p>2 und 3. Die Stärkung der psychischen Gesundheit ist ein Schwerpunkt der nationalen Strategien «Prävention nichtübertragbarer Krankheiten» und «Sucht», die der Bund gemeinsam mit Kantonen und weiteren Partnern umsetzt, mit besonderem Fokus auf Kinder und Jugendliche. Aktuell laufen die Arbeiten an einer themenübergreifenden Strategie, welche die bestehenden Strategien ab 2029 ablösen wird. Zudem setzt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seit 2016 gemeinsam mit den Partnern den Nationalen Aktionsplan Suizidprävention um, der unter anderem die Stärkung persönlicher und sozialer Ressourcen sowie die gezielte Unterstützung von Personen mit erhöhten Risikofaktoren vorsieht.</p><p>Darüber hinaus fördert das BAG gemeinsam mit der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz und den Kantonen familienzentrierte Angebote, um insbesondere Familien in belastenden Lebenssituationen zu unterstützen, Eltern zu begleiten und ihre Ressourcen sowie Erziehungskompetenzen zu stärken. Zudem unterstützt die Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz über die Kantonalen Aktionsprogramme und weitere Projekte Kantone und Fachpersonen mit Grundlagen, Instrumenten und Angeboten. </p><p>Diese Massnahmen tragen dazu bei, die gesundheitliche Chancengerechtigkeit zu stärken und Unterschiede bei der psychischen und physischen Gesundheit zu verringern.</p><p> </p><p>4. Der Fokus von Massnahmen des Bundes zur Prävention und Bekämpfung von Kinder- und Familienarmut liegt derzeit auf der Erarbeitung von Wissensgrundlagen und der strategischen Koordination entsprechender Aktivitäten. Kinder- und Familienarmut bildet einen Schwerpunkt der Plattform gegen Armut, die der Bund seit 2014 gemeinsam mit Kantonen, Städten, Gemeinden und Organisationen der Zivilgesellschaft betreibt. Im Zentrum stehen dabei die Förderung der Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen sowie die bereichs- und institutionenübergreifende Abstimmung von Massnahmen zur Verringerung von Familienarmut. Die nationale Armutsstrategie wird sich im Rahmen der geschilderten verfassungsrechtlichen Zuständigkeiten mit der Situation von Kindern und Familien in Armut befassen.</p>
- <p>Im Mai 2026 wurde die neue "UNICEF Report Card 20" zur Situation von Kindern in wohlhabenden Ländern veröffentlicht. Untersucht wurde z.B., warum es Kindern trotz Wohlstand besser oder schlechter geht oder inwiefern sich Ungleichheit auf die Lebenszufriedenheit, schulische Kompetenzen und Gesundheit auswirkt.<br>Insgesamt wird der Schweiz zwar ein gutes Zeugnis ausgestellt, die Studie zeigt aber auch, dass sich ökonomische Ungleichheiten in allen Bereichen auf das Leben von Kindern auswirken. Kinder aus wirtschaftlich benachteiligten Verhältnissen weisen tendenziell eine schlechtere physische Gesundheit und schulische Leistungen auf, ausserdem haben sie ein geringeres psychisches Wohlbefinden. Zudem hat die Kinderarmut im Vergleich zu den weiteren OECD-Staaten mit mehr als 10% überdurchschnittlich zugenommen. Die ungleichen Startchancen von Kindern beginnen schon häufig direkt nach der Geburt. Die Schweiz investiert dabei im internationalen Vergleich sehr wenig in die Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung. Ausserdem gelang es nicht, Kinderarmut in den letzten zehn Jahren zu reduzieren. Das alles stellt die Chancengerechtigkeit sowie die Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen grundsätzlich in Frage. Aus diesem Grund bitte ich den Bundesrat zur Beantwortung folgender Fragen:</p><p> </p><ol><li>Wie beurteilt der Bundesrat die Resultate des Reports? Welchen Handlungsbedarf sieht er in Bezug auf die Resultate der Studie grundsätzlich für die Chancengerechtigkeit und Lebenszufriedenheit von Kindern und Jugendlichen?</li><li>Die Lebenszufriedenheit ist zwar überdurchschnittlich hoch, korreliert aber stark mit dem Einkommen. Die Platzierung ist im Bereich «mental health» vergleichsweise schlecht, das äussert sich z.B. in einer hohen Suizidrate. Welchen Handlungsbedarf sieht der Bundesrat in der Verbesserung der psychischen Gesundheit – insbesondere auch für einkommensschwächere Familien?</li><li>Es geht aus dem Report deutlich hervor, dass es je nach verfügbarem Einkommen sehr viel schlechter um die physische Gesundheit steht. Welche Massnahmen sieht der Bundesrat vor, um diese grosse Lücke zu schliessen? </li><li>Welche Massnahmen hat der Bundesrat zur Bekämpfung von Kinderarmut und der sozioökonomischen Ungleichheit bereits ergriffen? Wird er dieses Thema in die Armutsstrategie einfliessen lassen und konkrete Massnahmen daraus ableiten?</li></ol>
- Unicef Report Card 20. Chancengerechtigkeit in der Schweiz nicht gewährleistet
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