PFAS: Warum kommuniziert der Bundesrat nicht klar mit den für die Schweiz relevanten Zahlen?

ShortId
26.3847
Id
20263847
Updated
13.08.2026 11:02
Language
de
Title
PFAS: Warum kommuniziert der Bundesrat nicht klar mit den für die Schweiz relevanten Zahlen?
AdditionalIndexing
52;55;2841
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>1) Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) sind entweder selbst extrem persistent oder werden in der Umwelt zu anderen, extrem persistenten PFAS umgewandelt. Welche Relevanz ein konkretes PFAS hat, hängt aus Sicht des Umwelt- und Gesundheitsschutzes daher nicht davon ab, ob es von der Schweizer Wirtschaft verwendet wird oder über Importe von Konsumgütern oder andere Wege (z.&nbsp;B. über die Atmosphäre) in die Schweiz gelangt. Grundsätzlich ist daher die Gesamtheit aller PFAS zu betrachten. Je nach Fragestellung kann aber auch nur eine Teilmenge der PFAS massgebend sein. Der Bundesrat berücksichtigt dies in seinen jeweiligen Kommunikationen, die er differenziert und ausgewogen ausgestaltet. </p><p>&nbsp;</p><p>2 und 3) Der Bundesrat hat sich bereits bisher auf die besonders relevanten PFAS oder Verwendungen konzentriert. Beispielsweise war bis Mitte April 2026 ein Beschränkungsvorschlag aller PFAS in Schaumlöschmitteln und Lebensmittelkontaktmaterialien in der Vernehmlassung, und auch bereits vorher wurden verschiedene Regulierungen zu PFAS erlassen. </p><p>Mit Blick auf die Ressourcen fokussieren auch das Umwelt-Monitoring und der Vollzug notwendigerweise auf die aus heutiger Sicht relevantesten PFAS. Nichtsdestotrotz erachtet der Bundesrat bei der künftigen Regulierung an der Quelle eine umfassendere und ganzheitliche Sicht als erforderlich, um Risiken vorsorglich zu begrenzen und Fehlsubstitutionen zu vermeiden. Daher wird der Bundesrat zu gegebener Zeit prüfen, ob die in der Europäischen Union geplante weitreichende Beschränkung von PFAS von der Schweiz übernommen werden soll.</p>
  • <p>Betreffend eine PFAS-Regulierung sprach der Bundesrat wiederholt von tausenden chemischen Verbindungen, die zu berücksichtigen seien. Laut Akademien der Wissenschaften (SCNAT) sind jedoch «nur einige hundert» PFAS für unsere Wirtschaft relevant. Auf meine Frage 26.7521 antwortet der Bundesrat: «Die Angaben zur Anzahl beziehen sich nicht auf das Gleiche. Es besteht somit kein Widerspruch.» In der Tat bezeichnet eine Angabe die weltweit bekannten PFAS, die andere jene, die für die Schweiz relevant sind.</p><p>Bislang verwies der Bundesrat auf tausende existierende PFAS, etwa in seiner Antwort zur Auskunftspflicht von Herstellern und Importeuren (26.7093) oder auf die Ip. 26.3277: «Die Begrenzung der PFAS-Belastungen von Mensch und Umwelt ist besonders komplex, da es sich um Tausende von Einzelstoffen handelt, die seit Jahrzehnten in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz kommen.»</p><p>Während der ausserordentlichen PFAS-Session sagte Bundesrat Rösti: «Es gibt Tausende unterschiedlicher PFAS in unzähligen Anwendungen. Deren Identifikation und Quantifizierung ist daher entsprechend komplex und kostspielig.» Oder: «Es gibt Zehntausende von PFAS-Stoffen […], und Sie müssten praktisch sämtliche Waren einer solchen [Lenkungs-]Abgabe unterstellen.»</p><p>Bezüglich Regulierung von sowie mögliche Alternativen zu PFAS, stehen aber jene PFAS im Vordergrund, die für die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft relevant sind. Laut Auskunft des BAFU gegenüber SRF waren im August 2025 zum Beispiel 26 PFAS-haltige Pestizidwirkstoffe zugelassen, die sich zu TFA abbauen können und ev.&nbsp; wesentlich zur TFA-Belastung des Schweizer Grundwassers in Ackerbaugebieten beitragen.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1.&nbsp;Wird er künftig klar kommunizieren, ob er sich zu allen weltweit existierenden PFAS oder zu den für die Schweiz relevanten PFAS äussert? Wenn nein, warum?</p><p>2.&nbsp;Angesichts der Herausforderungen bei der Reduktion von PFAS in Boden, Grundwasser, Lebensmitteln und im menschlichen Körper: Ist er auch der Ansicht, dass eine Fokussierung auf relevante Problemfelder Voraussetzung für zielführende Lösungen und gute Entscheidungen ist? Wenn nein, warum?</p><p>3. Ist er angesichts der Aufgabe einer Regulierung an der Quelle auch der Ansicht, dass die Diskussion der für Wirtschaft und Gesellschaft relevanten PFAS zielführender ist als jene über tausende PFAS? Wenn nein, warum?</p>
  • PFAS: Warum kommuniziert der Bundesrat nicht klar mit den für die Schweiz relevanten Zahlen?
State
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>1) Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) sind entweder selbst extrem persistent oder werden in der Umwelt zu anderen, extrem persistenten PFAS umgewandelt. Welche Relevanz ein konkretes PFAS hat, hängt aus Sicht des Umwelt- und Gesundheitsschutzes daher nicht davon ab, ob es von der Schweizer Wirtschaft verwendet wird oder über Importe von Konsumgütern oder andere Wege (z.&nbsp;B. über die Atmosphäre) in die Schweiz gelangt. Grundsätzlich ist daher die Gesamtheit aller PFAS zu betrachten. Je nach Fragestellung kann aber auch nur eine Teilmenge der PFAS massgebend sein. Der Bundesrat berücksichtigt dies in seinen jeweiligen Kommunikationen, die er differenziert und ausgewogen ausgestaltet. </p><p>&nbsp;</p><p>2 und 3) Der Bundesrat hat sich bereits bisher auf die besonders relevanten PFAS oder Verwendungen konzentriert. Beispielsweise war bis Mitte April 2026 ein Beschränkungsvorschlag aller PFAS in Schaumlöschmitteln und Lebensmittelkontaktmaterialien in der Vernehmlassung, und auch bereits vorher wurden verschiedene Regulierungen zu PFAS erlassen. </p><p>Mit Blick auf die Ressourcen fokussieren auch das Umwelt-Monitoring und der Vollzug notwendigerweise auf die aus heutiger Sicht relevantesten PFAS. Nichtsdestotrotz erachtet der Bundesrat bei der künftigen Regulierung an der Quelle eine umfassendere und ganzheitliche Sicht als erforderlich, um Risiken vorsorglich zu begrenzen und Fehlsubstitutionen zu vermeiden. Daher wird der Bundesrat zu gegebener Zeit prüfen, ob die in der Europäischen Union geplante weitreichende Beschränkung von PFAS von der Schweiz übernommen werden soll.</p>
    • <p>Betreffend eine PFAS-Regulierung sprach der Bundesrat wiederholt von tausenden chemischen Verbindungen, die zu berücksichtigen seien. Laut Akademien der Wissenschaften (SCNAT) sind jedoch «nur einige hundert» PFAS für unsere Wirtschaft relevant. Auf meine Frage 26.7521 antwortet der Bundesrat: «Die Angaben zur Anzahl beziehen sich nicht auf das Gleiche. Es besteht somit kein Widerspruch.» In der Tat bezeichnet eine Angabe die weltweit bekannten PFAS, die andere jene, die für die Schweiz relevant sind.</p><p>Bislang verwies der Bundesrat auf tausende existierende PFAS, etwa in seiner Antwort zur Auskunftspflicht von Herstellern und Importeuren (26.7093) oder auf die Ip. 26.3277: «Die Begrenzung der PFAS-Belastungen von Mensch und Umwelt ist besonders komplex, da es sich um Tausende von Einzelstoffen handelt, die seit Jahrzehnten in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz kommen.»</p><p>Während der ausserordentlichen PFAS-Session sagte Bundesrat Rösti: «Es gibt Tausende unterschiedlicher PFAS in unzähligen Anwendungen. Deren Identifikation und Quantifizierung ist daher entsprechend komplex und kostspielig.» Oder: «Es gibt Zehntausende von PFAS-Stoffen […], und Sie müssten praktisch sämtliche Waren einer solchen [Lenkungs-]Abgabe unterstellen.»</p><p>Bezüglich Regulierung von sowie mögliche Alternativen zu PFAS, stehen aber jene PFAS im Vordergrund, die für die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft relevant sind. Laut Auskunft des BAFU gegenüber SRF waren im August 2025 zum Beispiel 26 PFAS-haltige Pestizidwirkstoffe zugelassen, die sich zu TFA abbauen können und ev.&nbsp; wesentlich zur TFA-Belastung des Schweizer Grundwassers in Ackerbaugebieten beitragen.</p><p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1.&nbsp;Wird er künftig klar kommunizieren, ob er sich zu allen weltweit existierenden PFAS oder zu den für die Schweiz relevanten PFAS äussert? Wenn nein, warum?</p><p>2.&nbsp;Angesichts der Herausforderungen bei der Reduktion von PFAS in Boden, Grundwasser, Lebensmitteln und im menschlichen Körper: Ist er auch der Ansicht, dass eine Fokussierung auf relevante Problemfelder Voraussetzung für zielführende Lösungen und gute Entscheidungen ist? Wenn nein, warum?</p><p>3. Ist er angesichts der Aufgabe einer Regulierung an der Quelle auch der Ansicht, dass die Diskussion der für Wirtschaft und Gesellschaft relevanten PFAS zielführender ist als jene über tausende PFAS? Wenn nein, warum?</p>
    • PFAS: Warum kommuniziert der Bundesrat nicht klar mit den für die Schweiz relevanten Zahlen?

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