KV Reform - Bilanz ziehen und Qualität wieder herstellen

ShortId
26.3904
Id
20263904
Updated
26.06.2026 07:08
Language
de
Title
KV Reform - Bilanz ziehen und Qualität wieder herstellen
AdditionalIndexing
32
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Im Sommer 2023 trat die so genannte "KV-Reform" (Reform Kaufleute) in Kraft. Erstmals begannen Lernende ihre Ausbildung nach der neuen Bildungsverordnung. In den letzten Wochen wurden nun erstmals die Qualifikationsverfahren (im Volksmund noch immer "Lehrabschlussprüfungen") gemäss KV-Reform durchgeführt. Dabei zeigen sich die eklatanten Schwächen der neuen Konzeption auf dramatische Weise:&nbsp;</p><ul><li>Frustrierte Lehrpersonen korrigieren tagelang von den (ebenfalls oft frustrierten) Lernenden vollständig (und gewollt) mit künstlicher Intelligenz produzierte Prüfungsantworten;</li><li>Fachwissen darf nicht mehr abgefragt werden und es wird nicht überprüft, ob die gemäss Reform-Bildungsplan unterrichteten Leistungsziele erreicht werden;</li><li>Die Validität ist stark eingeschränkt, da die Lernenden die Prüfung mit der KI lösen. Geprüft wird primär die Fähigkeit, Prompts zu formulieren und Ergebnisse zu filtern. Dafür braucht es keine 3-jährige Ausbildung;</li><li>Der Prüfungsumfang macht die KI-Nutzung für die Lernenden zwingend, so dass keine Unterschiede zwischen starken und weniger starken Lernenden festgestellt werden können, sondern die beste, kostenpflichtige KI das beste Ergebnis liefert;&nbsp;</li><li>Da nicht alle Lernenden die gleichen (kostenpflichtigen) KI-Modelle nutzen können, widerspricht die Prüfung der Chancengleichheit;</li><li>Die Reliabilität leidet stark unter der Nutzung von KI. Die Systeme (wie ChatGPT, Copilot etc.) arbeiten probabilistisch und generieren bei identischen Eingaben unterschiedliche Antworten;&nbsp;</li><li>Das Sprachniveau vieler Absolventinnen und Absolventen ist erschreckend tief;</li><li>Es ist praktisch unmöglich, die mündlichen Prüfungen "rekursfest" zu gestalten und zu bewerten mit der Folge, dass ein Nichtbestehen der Prüfung praktisch unmöglich ist;</li><li>Für künftige Arbeitgebende ist es völlig unmöglich, dem Abschlusszeugnis der KV-Lehre Erkenntnisse zu den Fähigkeiten der Absolventinnen und Absolventen zu entnehmen.&nbsp;</li></ul><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um Beantwortung der folgenden Fragen:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Welche Gesamtbilanz zieht der Bundesrat nach Durchführung der ersten Qualifikationsverfahren zur Gesamtwirkung der KV-Reform?</li><li>Ist der Bundesrat bereit, in Zusammenarbeit mit den betroffenen Kreisen (OdA, Berufsschulen, Lehrbetriebe etc.) eine Überarbeitung des QV&nbsp;vor Ablauf der 5-Jahres-Frist für die Evaluation vorzunehmen, mit dem Ziel, die offensichtlichen Schwächen des jetzigen Verfahrens&nbsp;zu beseitigen?</li></ol>
  • KV Reform - Bilanz ziehen und Qualität wieder herstellen
State
Eingereicht
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Im Sommer 2023 trat die so genannte "KV-Reform" (Reform Kaufleute) in Kraft. Erstmals begannen Lernende ihre Ausbildung nach der neuen Bildungsverordnung. In den letzten Wochen wurden nun erstmals die Qualifikationsverfahren (im Volksmund noch immer "Lehrabschlussprüfungen") gemäss KV-Reform durchgeführt. Dabei zeigen sich die eklatanten Schwächen der neuen Konzeption auf dramatische Weise:&nbsp;</p><ul><li>Frustrierte Lehrpersonen korrigieren tagelang von den (ebenfalls oft frustrierten) Lernenden vollständig (und gewollt) mit künstlicher Intelligenz produzierte Prüfungsantworten;</li><li>Fachwissen darf nicht mehr abgefragt werden und es wird nicht überprüft, ob die gemäss Reform-Bildungsplan unterrichteten Leistungsziele erreicht werden;</li><li>Die Validität ist stark eingeschränkt, da die Lernenden die Prüfung mit der KI lösen. Geprüft wird primär die Fähigkeit, Prompts zu formulieren und Ergebnisse zu filtern. Dafür braucht es keine 3-jährige Ausbildung;</li><li>Der Prüfungsumfang macht die KI-Nutzung für die Lernenden zwingend, so dass keine Unterschiede zwischen starken und weniger starken Lernenden festgestellt werden können, sondern die beste, kostenpflichtige KI das beste Ergebnis liefert;&nbsp;</li><li>Da nicht alle Lernenden die gleichen (kostenpflichtigen) KI-Modelle nutzen können, widerspricht die Prüfung der Chancengleichheit;</li><li>Die Reliabilität leidet stark unter der Nutzung von KI. Die Systeme (wie ChatGPT, Copilot etc.) arbeiten probabilistisch und generieren bei identischen Eingaben unterschiedliche Antworten;&nbsp;</li><li>Das Sprachniveau vieler Absolventinnen und Absolventen ist erschreckend tief;</li><li>Es ist praktisch unmöglich, die mündlichen Prüfungen "rekursfest" zu gestalten und zu bewerten mit der Folge, dass ein Nichtbestehen der Prüfung praktisch unmöglich ist;</li><li>Für künftige Arbeitgebende ist es völlig unmöglich, dem Abschlusszeugnis der KV-Lehre Erkenntnisse zu den Fähigkeiten der Absolventinnen und Absolventen zu entnehmen.&nbsp;</li></ul><p>Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um Beantwortung der folgenden Fragen:</p><ol style="list-style-type:decimal;"><li>Welche Gesamtbilanz zieht der Bundesrat nach Durchführung der ersten Qualifikationsverfahren zur Gesamtwirkung der KV-Reform?</li><li>Ist der Bundesrat bereit, in Zusammenarbeit mit den betroffenen Kreisen (OdA, Berufsschulen, Lehrbetriebe etc.) eine Überarbeitung des QV&nbsp;vor Ablauf der 5-Jahres-Frist für die Evaluation vorzunehmen, mit dem Ziel, die offensichtlichen Schwächen des jetzigen Verfahrens&nbsp;zu beseitigen?</li></ol>
    • KV Reform - Bilanz ziehen und Qualität wieder herstellen

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