Folgen für die Landwirtschaft

ShortId
26.7916
Id
20267916
Updated
28.09.2026 15:41
Language
de
Title
Folgen für die Landwirtschaft
AdditionalIndexing
55;2446
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Eine Mehrwertsteuererhöhung auf 10 Prozent steht derzeit nicht zur Diskussion. Das Parlament hat sich für eine Mehrwertsteuererhöhung um 0,4 Prozentpunkte entschieden, um die vom Stimmvolk beschlossene 13. AHV-Rente zu finanzieren. Zudem schlägt der Bundesrat eine Mehrwertsteuererhöhung um 0,5 Prozentpunkte vor, um zusätzliche Investitionen in die Sicherheit und Verteidigung unseres Landes zu ermöglichen. Satzerhöhungen unterstehen dem obligatorischen Referendum.</p><p>&nbsp;</p><p>Der Bundesrat hat in diesen beiden Vorlagen eine Finanzierung über die Mehrwertsteuer vorgeschlagen, weil sie geringere volkswirtschaftliche Verzerrungen verursacht als andere Steuern. Zudem lässt sich die Mehrwertsteuer vergleichsweise gut auf den konkreten Finanzierungsbedarf abstimmen und eignet sich auch für eine rasche und zugleich zeitlich befristete Finanzierung.</p><p>&nbsp;</p><p>Der Bundesrat ist sich aber bewusst, dass auch eine höhere Mehrwertsteuer ihren Preis hat. Er hat die Auswirkungen von Mehrwertsteuersatz-Erhöhungen auf die Unternehmen in seinen Botschaften zur Finanzierung der 13.&nbsp;AHV-Rente und zur Finanzierung von Rüstungsausgaben festgehalten. </p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Unternehmen können die Erhöhung grundsätzlich über die Preise an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben. Mehrkosten entstehen primär bei Unternehmen, die kein oder nur ein beschränktes Anrecht auf den Vorsteuerabzug haben. Das betrifft Unternehmen, die von der Steuer ausgenommene Leistungen erbringen, etwa in den Branchen Gesundheit, Bildung, Kultur, Finanzen, Immobilien oder Landwirtschaft. Diese Unternehmen können die Steuer auf ihren Vorleistungen und Investitionen nicht abziehen und es entsteht daher eine sogenannte Taxe occulte. </p><p>&nbsp;</p><p>Die Überwälzung der Steuererhöhung beziehungsweise der erhöhten Taxe occulte auf die Konsumentinnen und Konsumenten gelingt je nach Markt- und Konkurrenzsituation nur teilweise. Wenn die Nachfrage stark von den Preisen abhängt, kann Druck entstehen, die Steuererhöhung durch geringere Gewinnmargen zu kompensieren. Soweit die Überwälzung hingegen gelingt, können höhere Preise die Nachfrage dämpfen und höhere Lohnforderungen nach sich ziehen.</p><p>&nbsp;</p><p>Hinzu kommen einmalige Umstellungskosten, beispielsweise bei Informatiksystemen. Diese administrativen Kosten fallen bei allen steuerpflichtigen Unternehmen und bei jeder Satzänderung erneut an. Der Umstellungsaufwand kann kleinere Unternehmen verhältnismässig stärker belasten. Er kann jedoch durch die Anwendung der Saldosteuersätze begrenzt werden. Dem Bundesrat sind keine Studien bekannt, welche diese Kosten für die Unternehmen beziffern, auch nicht bezüglich der Erhöhung per 1. Januar 2024. </p><p>&nbsp;</p><p>Die diversen vorgenannten Effekte können Investitions-, Beschäftigungs- und Wertschöpfungsentscheidungen von Unternehmen beeinflussen. Die wissenschaftliche Literatur deutet darauf hin, dass diese Effekte moderat sind. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Modellschätzungen, die der Bund im Hinblick auf die Finanzierung der AHV hat durchführen lassen. Schätzungen speziell für binnenorientierte KMU liegen dem Bundesrat nicht vor.</p><p>&nbsp;</p><p>Grundsätzlich kann eine höhere Mehrwertsteuer den Preisunterschied zum grenznahen Ausland vergrössern und den Einkaufstourismus begünstigen. Die Mehrwertsteuer ist dabei jedoch nur einer von mehreren Faktoren. Massgeblich sind vor allem die Wechselkurse, das allgemeine Preisniveau im In- und Ausland oder die Reisekosten. Eine Satzänderung im nun geplanten Ausmass dürfte im Vergleich dazu eher geringe Auswirkungen haben. </p><p>&nbsp;</p><p>Für Landwirtschaftsbetriebe führt eine Mehrwertsteuererhöhung durch die Taxe occulte potenziell zu höheren Kosten, sofern sie nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind. Hingegen unterliegen zahlreiche landwirtschaftliche Vorleistungen wie Futtermittel, Dünger oder Pflanzenschutzmittel dem reduzierten Satz von 2,6%. Der reduzierte Satz ist von den geplanten Mehrwertsteuererhöhungen nicht betroffen; insoweit entsteht keine zusätzliche Belastung. Quantitative Schätzungen der Kosten spezifisch für die Landwirtschaft liegen keine vor.</p><p>&nbsp;</p><p>Eine Erhöhung der Mehrwertsteuersätze kann auch das Schweizer Tourismusangebot verteuern. Das Ausmass eines solchen Effekts lässt sich jedoch nicht isoliert bestimmen. Die touristische Nachfrage hängt in erster Linie von den Wechselkursen, dem allgemeinen Preisniveau in der Schweiz im Vergleich zu konkurrierenden Reisezielen sowie von der Konjunkturlage in den Herkunftsländern ab. Im Vergleich zu diesen Faktoren hat eine Anpassung der Steuersätze um einige Zehntelpunkte nur begrenzte Auswirkungen. Zu beachten ist, dass Beherbergungsleistungen derzeit einem Sondersatz von 3,8 Prozent unterliegen. </p>
  • <p>Die Schweizer Landwirtschaft steht unter Druck. Neben den Folgen des Hitzesommers macht auch die ausländische Konkurrenz vielen Betrieben und Bauernfamilien zu schaffen.<br>Mit welchen zusätzlichen Kosten in Millionen Franken pro Jahr müssten die Schweizer Landwirtschaftsbetriebe rechnen, wenn der Mehrwertsteuersatz von heute 8,1 auf 10 Prozent erhöht würde?</p>
  • Folgen für die Landwirtschaft
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Eine Mehrwertsteuererhöhung auf 10 Prozent steht derzeit nicht zur Diskussion. Das Parlament hat sich für eine Mehrwertsteuererhöhung um 0,4 Prozentpunkte entschieden, um die vom Stimmvolk beschlossene 13. AHV-Rente zu finanzieren. Zudem schlägt der Bundesrat eine Mehrwertsteuererhöhung um 0,5 Prozentpunkte vor, um zusätzliche Investitionen in die Sicherheit und Verteidigung unseres Landes zu ermöglichen. Satzerhöhungen unterstehen dem obligatorischen Referendum.</p><p>&nbsp;</p><p>Der Bundesrat hat in diesen beiden Vorlagen eine Finanzierung über die Mehrwertsteuer vorgeschlagen, weil sie geringere volkswirtschaftliche Verzerrungen verursacht als andere Steuern. Zudem lässt sich die Mehrwertsteuer vergleichsweise gut auf den konkreten Finanzierungsbedarf abstimmen und eignet sich auch für eine rasche und zugleich zeitlich befristete Finanzierung.</p><p>&nbsp;</p><p>Der Bundesrat ist sich aber bewusst, dass auch eine höhere Mehrwertsteuer ihren Preis hat. Er hat die Auswirkungen von Mehrwertsteuersatz-Erhöhungen auf die Unternehmen in seinen Botschaften zur Finanzierung der 13.&nbsp;AHV-Rente und zur Finanzierung von Rüstungsausgaben festgehalten. </p><p>&nbsp;</p><p>&nbsp;</p><p>Unternehmen können die Erhöhung grundsätzlich über die Preise an ihre Kundinnen und Kunden weitergeben. Mehrkosten entstehen primär bei Unternehmen, die kein oder nur ein beschränktes Anrecht auf den Vorsteuerabzug haben. Das betrifft Unternehmen, die von der Steuer ausgenommene Leistungen erbringen, etwa in den Branchen Gesundheit, Bildung, Kultur, Finanzen, Immobilien oder Landwirtschaft. Diese Unternehmen können die Steuer auf ihren Vorleistungen und Investitionen nicht abziehen und es entsteht daher eine sogenannte Taxe occulte. </p><p>&nbsp;</p><p>Die Überwälzung der Steuererhöhung beziehungsweise der erhöhten Taxe occulte auf die Konsumentinnen und Konsumenten gelingt je nach Markt- und Konkurrenzsituation nur teilweise. Wenn die Nachfrage stark von den Preisen abhängt, kann Druck entstehen, die Steuererhöhung durch geringere Gewinnmargen zu kompensieren. Soweit die Überwälzung hingegen gelingt, können höhere Preise die Nachfrage dämpfen und höhere Lohnforderungen nach sich ziehen.</p><p>&nbsp;</p><p>Hinzu kommen einmalige Umstellungskosten, beispielsweise bei Informatiksystemen. Diese administrativen Kosten fallen bei allen steuerpflichtigen Unternehmen und bei jeder Satzänderung erneut an. Der Umstellungsaufwand kann kleinere Unternehmen verhältnismässig stärker belasten. Er kann jedoch durch die Anwendung der Saldosteuersätze begrenzt werden. Dem Bundesrat sind keine Studien bekannt, welche diese Kosten für die Unternehmen beziffern, auch nicht bezüglich der Erhöhung per 1. Januar 2024. </p><p>&nbsp;</p><p>Die diversen vorgenannten Effekte können Investitions-, Beschäftigungs- und Wertschöpfungsentscheidungen von Unternehmen beeinflussen. Die wissenschaftliche Literatur deutet darauf hin, dass diese Effekte moderat sind. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Modellschätzungen, die der Bund im Hinblick auf die Finanzierung der AHV hat durchführen lassen. Schätzungen speziell für binnenorientierte KMU liegen dem Bundesrat nicht vor.</p><p>&nbsp;</p><p>Grundsätzlich kann eine höhere Mehrwertsteuer den Preisunterschied zum grenznahen Ausland vergrössern und den Einkaufstourismus begünstigen. Die Mehrwertsteuer ist dabei jedoch nur einer von mehreren Faktoren. Massgeblich sind vor allem die Wechselkurse, das allgemeine Preisniveau im In- und Ausland oder die Reisekosten. Eine Satzänderung im nun geplanten Ausmass dürfte im Vergleich dazu eher geringe Auswirkungen haben. </p><p>&nbsp;</p><p>Für Landwirtschaftsbetriebe führt eine Mehrwertsteuererhöhung durch die Taxe occulte potenziell zu höheren Kosten, sofern sie nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind. Hingegen unterliegen zahlreiche landwirtschaftliche Vorleistungen wie Futtermittel, Dünger oder Pflanzenschutzmittel dem reduzierten Satz von 2,6%. Der reduzierte Satz ist von den geplanten Mehrwertsteuererhöhungen nicht betroffen; insoweit entsteht keine zusätzliche Belastung. Quantitative Schätzungen der Kosten spezifisch für die Landwirtschaft liegen keine vor.</p><p>&nbsp;</p><p>Eine Erhöhung der Mehrwertsteuersätze kann auch das Schweizer Tourismusangebot verteuern. Das Ausmass eines solchen Effekts lässt sich jedoch nicht isoliert bestimmen. Die touristische Nachfrage hängt in erster Linie von den Wechselkursen, dem allgemeinen Preisniveau in der Schweiz im Vergleich zu konkurrierenden Reisezielen sowie von der Konjunkturlage in den Herkunftsländern ab. Im Vergleich zu diesen Faktoren hat eine Anpassung der Steuersätze um einige Zehntelpunkte nur begrenzte Auswirkungen. Zu beachten ist, dass Beherbergungsleistungen derzeit einem Sondersatz von 3,8 Prozent unterliegen. </p>
    • <p>Die Schweizer Landwirtschaft steht unter Druck. Neben den Folgen des Hitzesommers macht auch die ausländische Konkurrenz vielen Betrieben und Bauernfamilien zu schaffen.<br>Mit welchen zusätzlichen Kosten in Millionen Franken pro Jahr müssten die Schweizer Landwirtschaftsbetriebe rechnen, wenn der Mehrwertsteuersatz von heute 8,1 auf 10 Prozent erhöht würde?</p>
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