Tourismuspolitik
- ShortId
-
94.3383
- Id
-
19943383
- Updated
-
10.04.2024 09:13
- Language
-
de
- Title
-
Tourismuspolitik
- AdditionalIndexing
-
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Schweiz ist ein traditionelles Tourismusland. Nach neuesten Angaben erzielt die Tourismuswirtschaft die fünfthöchste Wertschöpfung der schweizerischen Wirtschaftszweige. Sie nimmt bei den Exportausgaben unseres Landes den dritten Platz ein. So beliefen sich die Gesamteinnahmen aus dem Tourismus in der Schweiz (touristischer Konsum aller in- und ausländischen Gäste) im Jahre 1993 auf 21,5 Milliarden Franken, wozu die Schweizer rund zwei Fünftel beisteuerten. Der Anteil am Bruttosozialprodukt der Schweiz betrug 6 Prozent.</p><p>Über 300 000 Beschäftigte sind direkt oder indirekt von den Ausgaben der ausländischen Touristen abhängig. Es handelt sich dabei um Arbeitsplätze, welche nicht ins Ausland verlagert werden können. Sie haben sich aber als relativ krisenresistent erwiesen.</p><p>In zahlreichen Landesteilen, vor allem in Berg- und Randgebieten, aber auch in den Städten, leben viele Menschen in hohem Masse vom Tourismus. Er schafft Einkommen und Arbeitsplätze. In der Region Mittelbünden mit den Tourismusorten Lenzerheide und Savognin löst die touristische Nachfrage gemäss einer neuen Erhebung 51 Prozent der regionalen Bruttowertschöpfung aus. Die Hälfte der Arbeitsplätze hängt vom Tourismus ab. Diese Landesteile sind auf die Erhaltung eines wettbewerbsfähigen Tourismus angewiesen.</p><p>Der Tourismuswirtschaft ist es stets gelungen, im zunehmenden internationalen Konkurrenzkampf wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie verliert aber Marktanteile, was aufgrund der bestehenden Abhängigkeit vom Tourismus weiterer Bevölkerungskreise und zahlreicher Landesteile zu Sorgen Anlass geben muss. Ein Tourismusland wie die Schweiz braucht deshalb tourismusfreundliche Rahmenbedingungen und eine gezielte Förderung.</p><p>Trotz der erheblichen volkswirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus geniesst der Fremdenverkehr eine relativ geringe staatliche Unterstützung.</p><p>Zudem erwecken verschiedene Entscheide der letzten Zeit den Eindruck, die Behörden hätten wenig Verständnis für touristische Anliegen. Es sei lediglich an die Abschaffung der Parahotelleriestatistik, an die Ablehnung eines Sondersatzes für touristische Dienstleistungen bei der Mehrwertsteuer, an den Entscheid, auch die Kurtaxe der Mehrwertsteuer zu unterwerfen, an die restriktive Arbeitsmarktpolitik, an die Einfrierung der Mittel für die Schweizerische Verkehrszentrale, an die Streichung der Kurzarbeitsentschädigung bei der Arbeitslosenversicherung und an die Kürzung und schliesslich Streichung der Beiträge an die Schweizerische Hotelkreditgesellschaft erinnert.</p><p>Diese unerfreulichen Vorkommnisse zeigen, wie dringend eine Gesamtschau des touristischen Bereiches wäre. Die Rahmenbedingungen des Tourismus haben sich in den letzten Jahren so stark verändert, dass eine Tourismuspolitik notwendig ist. Im Gegensatz zur Schweizer Tourismuswirtschaft hat die ausländische Konkurrenz ihre Marktposition massiv aufgebaut. Mit staatlicher Hilfe wird die Qualität des Angebotes gehoben und die internationale Vermarktung verbessert. Unter diesen Umständen dürfen die Öffentlichkeit und die Behörden den Tourismus nicht vernachlässigen. Wir brauchen ein touristenfreundliches Klima. Die Behörden müssen mithelfen, das touristische Potential aufzuwerten und vorhandene Wettbewerbsvorteile auszunützen. Dazu ist eine konsequente Tourismuspolitik notwendig.</p><p>Aus diesen Gründen drängt sich die Erarbeitung eines neuen Tourismuskonzeptes als Grundlage für eine innovative, mehr programmorientierte und gesetzlich abgesicherte Förderung des Tourismus auf. Wir brauchen gesteigerte Anstrengungen für eine marktnahe und kostengünstigere Tourismuswerbung und einen gemeinsamen Marktauftritt der Schweizer Tourismuswirtschaft, eine ausreichende Finanzierung der Schweizerischen Verkehrszentrale sowie der Aufbau eines Informationssystems. Ferner ist eine Erneuerung des touristischen Angebotes unerlässlich. Deshalb müssen die Anstrengungen der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredite zugunsten einer marktgerechteren Saisonhotellerie fortgesetzt werden. Der Bund darf sich unter keinen Umständen aus diesem Verantwortungsbereich zurückziehen.</p>
- <p>1. Der Bundesrat hat die Erarbeitung der Grundzüge für die Tourismuspolitik in seine Richtlinien der Regierungspolitik 1991 bis 1995 aufgenommen. Der Bericht wird erst gegen Ende der Legislatur vorliegen, da in den letzten drei Jahren die Reorganisation der Schweizerischen Verkehrszentrale dringend durchgeführt werden musste.</p><p>2. Die vom Bundesrat in Aussicht gestellte Analyse der wirtschaftlichen Lage und der Entwicklungsperspektiven ist bereits Ende 1990 einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt worden. Eingeholte Gutachten über die Rahmenbedingungen des Tourismus in unserem Land werden Ende dieses Jahres vorgelegt.</p><p>3. Es ist vorgesehen, die konventionellen Arbeiten nächstes Jahr abzuschliessen und die Ergebnisse noch vor Ende der laufenden Legislaturperiode einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.</p><p>4. Der Bericht soll mit den interessierten Kreisen eingehend erörtert werden. Der Bundesrat wird darauf beschliessen, wann und in welcher Form die Berichterstattung an die eidgenössischen Räte erfolgen wird.</p>
- <p>Am 18. März 1988 hat der Nationalrat ein Postulat (87.992) überwiesen, mit dem der Bundesrat eingeladen wurde, dem Parlament ein neues Tourismuskonzept zu unterbreiten. Darin seien die seit der letzten Darstellung, von 1979, eingetretenen Veränderungen, die neuesten Erkenntnisse und die künftige Ausrichtung des schweizerischen Tourismus zu berücksichtigen.</p><p>In seiner Stellungnahme vom 24. Februar 1988 zu meiner Motion erklärte sich der Bundesrat bereit, der beratenden Kommission für Fremdenverkehr den Auftrag zu einer umfassenden Analyse der Lage und Probleme sowie der Entwicklungsperspektiven des schweizerischen Tourismus zu erteilen: "Sollten die Ergebnisse dieser Arbeiten wesentliche Anpassungen der tourismuspolitischen Ziele und Massnahmen erfordern, wird das Schweizerische Tourismuskonzept überarbeitet und den eidgenössischen Räten in geeigneter Form Bericht erstattet." (AB 1988 N 430)</p><p>Seit der Überweisung des Postulates sind nun mehr als sechs Jahre verstrichen. Deshalb bitte ich den Bundesrat folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche Gründe haben zur Verzögerung der Überarbeitung des Schweizerischen Tourismuskonzeptes geführt?</p><p>2. Wieweit sind die Arbeiten der beratenden Kommission für Fremdenverkehr gediehen?</p><p>3. Liegen bereits Ergebnisse dieser Arbeiten vor?</p><p>4. Wann gedenkt der Bundesrat, den eidgenössischen Räten einen Bericht zu erstatten?</p>
- Tourismuspolitik
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Die Schweiz ist ein traditionelles Tourismusland. Nach neuesten Angaben erzielt die Tourismuswirtschaft die fünfthöchste Wertschöpfung der schweizerischen Wirtschaftszweige. Sie nimmt bei den Exportausgaben unseres Landes den dritten Platz ein. So beliefen sich die Gesamteinnahmen aus dem Tourismus in der Schweiz (touristischer Konsum aller in- und ausländischen Gäste) im Jahre 1993 auf 21,5 Milliarden Franken, wozu die Schweizer rund zwei Fünftel beisteuerten. Der Anteil am Bruttosozialprodukt der Schweiz betrug 6 Prozent.</p><p>Über 300 000 Beschäftigte sind direkt oder indirekt von den Ausgaben der ausländischen Touristen abhängig. Es handelt sich dabei um Arbeitsplätze, welche nicht ins Ausland verlagert werden können. Sie haben sich aber als relativ krisenresistent erwiesen.</p><p>In zahlreichen Landesteilen, vor allem in Berg- und Randgebieten, aber auch in den Städten, leben viele Menschen in hohem Masse vom Tourismus. Er schafft Einkommen und Arbeitsplätze. In der Region Mittelbünden mit den Tourismusorten Lenzerheide und Savognin löst die touristische Nachfrage gemäss einer neuen Erhebung 51 Prozent der regionalen Bruttowertschöpfung aus. Die Hälfte der Arbeitsplätze hängt vom Tourismus ab. Diese Landesteile sind auf die Erhaltung eines wettbewerbsfähigen Tourismus angewiesen.</p><p>Der Tourismuswirtschaft ist es stets gelungen, im zunehmenden internationalen Konkurrenzkampf wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie verliert aber Marktanteile, was aufgrund der bestehenden Abhängigkeit vom Tourismus weiterer Bevölkerungskreise und zahlreicher Landesteile zu Sorgen Anlass geben muss. Ein Tourismusland wie die Schweiz braucht deshalb tourismusfreundliche Rahmenbedingungen und eine gezielte Förderung.</p><p>Trotz der erheblichen volkswirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus geniesst der Fremdenverkehr eine relativ geringe staatliche Unterstützung.</p><p>Zudem erwecken verschiedene Entscheide der letzten Zeit den Eindruck, die Behörden hätten wenig Verständnis für touristische Anliegen. Es sei lediglich an die Abschaffung der Parahotelleriestatistik, an die Ablehnung eines Sondersatzes für touristische Dienstleistungen bei der Mehrwertsteuer, an den Entscheid, auch die Kurtaxe der Mehrwertsteuer zu unterwerfen, an die restriktive Arbeitsmarktpolitik, an die Einfrierung der Mittel für die Schweizerische Verkehrszentrale, an die Streichung der Kurzarbeitsentschädigung bei der Arbeitslosenversicherung und an die Kürzung und schliesslich Streichung der Beiträge an die Schweizerische Hotelkreditgesellschaft erinnert.</p><p>Diese unerfreulichen Vorkommnisse zeigen, wie dringend eine Gesamtschau des touristischen Bereiches wäre. Die Rahmenbedingungen des Tourismus haben sich in den letzten Jahren so stark verändert, dass eine Tourismuspolitik notwendig ist. Im Gegensatz zur Schweizer Tourismuswirtschaft hat die ausländische Konkurrenz ihre Marktposition massiv aufgebaut. Mit staatlicher Hilfe wird die Qualität des Angebotes gehoben und die internationale Vermarktung verbessert. Unter diesen Umständen dürfen die Öffentlichkeit und die Behörden den Tourismus nicht vernachlässigen. Wir brauchen ein touristenfreundliches Klima. Die Behörden müssen mithelfen, das touristische Potential aufzuwerten und vorhandene Wettbewerbsvorteile auszunützen. Dazu ist eine konsequente Tourismuspolitik notwendig.</p><p>Aus diesen Gründen drängt sich die Erarbeitung eines neuen Tourismuskonzeptes als Grundlage für eine innovative, mehr programmorientierte und gesetzlich abgesicherte Förderung des Tourismus auf. Wir brauchen gesteigerte Anstrengungen für eine marktnahe und kostengünstigere Tourismuswerbung und einen gemeinsamen Marktauftritt der Schweizer Tourismuswirtschaft, eine ausreichende Finanzierung der Schweizerischen Verkehrszentrale sowie der Aufbau eines Informationssystems. Ferner ist eine Erneuerung des touristischen Angebotes unerlässlich. Deshalb müssen die Anstrengungen der Schweizerischen Gesellschaft für Hotelkredite zugunsten einer marktgerechteren Saisonhotellerie fortgesetzt werden. Der Bund darf sich unter keinen Umständen aus diesem Verantwortungsbereich zurückziehen.</p>
- <p>1. Der Bundesrat hat die Erarbeitung der Grundzüge für die Tourismuspolitik in seine Richtlinien der Regierungspolitik 1991 bis 1995 aufgenommen. Der Bericht wird erst gegen Ende der Legislatur vorliegen, da in den letzten drei Jahren die Reorganisation der Schweizerischen Verkehrszentrale dringend durchgeführt werden musste.</p><p>2. Die vom Bundesrat in Aussicht gestellte Analyse der wirtschaftlichen Lage und der Entwicklungsperspektiven ist bereits Ende 1990 einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt worden. Eingeholte Gutachten über die Rahmenbedingungen des Tourismus in unserem Land werden Ende dieses Jahres vorgelegt.</p><p>3. Es ist vorgesehen, die konventionellen Arbeiten nächstes Jahr abzuschliessen und die Ergebnisse noch vor Ende der laufenden Legislaturperiode einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen.</p><p>4. Der Bericht soll mit den interessierten Kreisen eingehend erörtert werden. Der Bundesrat wird darauf beschliessen, wann und in welcher Form die Berichterstattung an die eidgenössischen Räte erfolgen wird.</p>
- <p>Am 18. März 1988 hat der Nationalrat ein Postulat (87.992) überwiesen, mit dem der Bundesrat eingeladen wurde, dem Parlament ein neues Tourismuskonzept zu unterbreiten. Darin seien die seit der letzten Darstellung, von 1979, eingetretenen Veränderungen, die neuesten Erkenntnisse und die künftige Ausrichtung des schweizerischen Tourismus zu berücksichtigen.</p><p>In seiner Stellungnahme vom 24. Februar 1988 zu meiner Motion erklärte sich der Bundesrat bereit, der beratenden Kommission für Fremdenverkehr den Auftrag zu einer umfassenden Analyse der Lage und Probleme sowie der Entwicklungsperspektiven des schweizerischen Tourismus zu erteilen: "Sollten die Ergebnisse dieser Arbeiten wesentliche Anpassungen der tourismuspolitischen Ziele und Massnahmen erfordern, wird das Schweizerische Tourismuskonzept überarbeitet und den eidgenössischen Räten in geeigneter Form Bericht erstattet." (AB 1988 N 430)</p><p>Seit der Überweisung des Postulates sind nun mehr als sechs Jahre verstrichen. Deshalb bitte ich den Bundesrat folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Welche Gründe haben zur Verzögerung der Überarbeitung des Schweizerischen Tourismuskonzeptes geführt?</p><p>2. Wieweit sind die Arbeiten der beratenden Kommission für Fremdenverkehr gediehen?</p><p>3. Liegen bereits Ergebnisse dieser Arbeiten vor?</p><p>4. Wann gedenkt der Bundesrat, den eidgenössischen Räten einen Bericht zu erstatten?</p>
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