Zertifizierung von Klein- und Mittelunternehmen (KMU)

ShortId
95.1079
Id
19951079
Updated
24.06.2025 23:25
Language
de
Title
Zertifizierung von Klein- und Mittelunternehmen (KMU)
AdditionalIndexing
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Der Bundesrat unterbreitet in der Folge kurze zusammenfassende Antworten auf die gestellten Fragen.</p><p>1. Die Bestrebungen der Zertifizierung von Qualitätsmanagement-Systemen können in zweierlei Hinsicht unterstützt werden:</p><p>1.1 Durch die Zertifizierung erhalten die Unternehmen wertvolle Impulse im Hinblick auf den Unterhalt effizienter Qualitätsmanagement-Systeme. Die qualitativ hochstehende Zertifizierung stärkt damit auch nach aussen deren internationale Konkurrenzfähigkeit. Heutzutage für moderne Firmen von gleichbedeutender Wichtigkeit wie das Finanzmanagement.</p><p>1.2 Zertifikate akkreditierter Stellen geniessen weitgehende Anerkennung primär im europäischen, zunehmend aber auch im übrigen Ausland. Diese Anerkennung betrifft im wesentlichen den gesetzlich nicht geregelten (sogenannten freiwilligen) Bereich. Darüber hinaus wird der Qualitätssicherung als moderner Form der Konformitätsbewertung auch im Rahmen technischer Vorschriften ständig grössere Bedeutung beigemessen. In diesem Zusammenhang bildet die Akkreditierung eine wichtige Grundlage für die Anerkennung der Konformitätsbewertungen durch nationale Behörden sowohl in der Schweiz wie in den EWR-Staaten.</p><p>2. Bereits 1991 hat der Bundesrat mit der Verordnung über das schweizerische Akkreditierungssystem ein Verfahren für die Begutachtung von Prüf- und Zertifizierungsorganisationen in der Schweiz eingeführt. Schweizerische Akkreditierungsstelle ist das Eidgenössische Amt für Messwesen. Sie überprüft im Einzelfall, ob eine bestimmte Zertifizierungsstelle die erforderlichen Kriterien der entsprechenden Norm erfüllt. Ist dies der Fall, so wird eine Akkreditierung erteilt. Akkreditierte Zertifizierungsstellen arbeiten nach international harmonisierten Verfahren. Die Qualität ihrer Zertifikate ist somit vergleichbar. Qualitative Unterschiede zwischen den einzelnen akkreditierten Zertifizierungsstellen können dennoch existieren, da die Akkreditierung lediglich grundlegende Qualitätsforderungen stellt. Ausserdem harmonisiert die Akkreditierung in keiner Weise die Kosten der Zertifikate; hier spielt weiterhin der frei Markt! Der Bundesrat teilt indessen die Auffassung des Fragestellers nicht, dass in der Schweiz dermassen grosse Unterschiede bei der Handhabung der Zertifizierungskriterien bestehen, dass dadurch der Stellenwert der Zertifizierung vermindert und das Ansehen des schweizerischen Qualitätsbewusstsein gefährdet wird.</p><p>3. Mit der Verordnung über das schweizerische Akkreditierungssystem hat der Bundesrat eine Akkreditierungskommission ins Leben gerufen. Diese Kommission ist ein Konsultativorgang, das die Akkreditierungsstelle in allen Fragen der Akkreditierung berät. Sie besteht aus Vertretern aus Bund, Kantonen, Wissenschaft und Wirtschaft. Präsident ist der derzeitige Direktionspräsident der Empa. Die gewünschte Koordination ist dadurch sichergestellt. Die Schaffung eines zusätzlichen Forums erachtet der Bundesrat nicht als notwendig.</p>
  • <p>Die Schweizer Qualität von Produkten und Dienstleistungen ist sprichwörtlich und stellt für unser Land weltweit einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil dar. Seit einigen Jahren lassen sich vor allem exportorientierte Klein- und Mittelunternehmen (KMU) oder KMU aus den Zulieferbranchen in zunehmendem Ausmass zertifizieren, um ihre Qualitätssicherheit von quasi-offizieller Seite bestätigen zu lassen. Eine Zertifizierung sowie die dadurch meistens notwendigen betrieblichen Anpassungen sind insbesondere für KMU mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden.</p><p>Die Zertifizierungen werden von ausgewählten Beratungsfirmen vorgenommen. Während am Anfang nur einzelne wenige Firmen Zertifizierungen durchführen konnten, kann diese Qualitätsprüfung inzwischen bei immer zahlreicheren Anbietern in Auftrag gegeben werden. Der zu beobachtende zunehmende Wettbewerb auf Seite der Zertifizierungsstellen führt offenbar zu einer unterschiedlichen Handhabung der Zertifizierungskriterien. Eine derartige Entwicklung vermindert nicht nur den Stellenwert des kostspieligen Zertifizierungsvorgangs, sondern ist auch geeignet, das Ansehen des schweizerischen Qualitätsbewusstseins zu gefährden.</p><p>Ich frage den Bundesrat deshalb an:</p><p>1. wie er sich zu den Zertifizierungsbestrebungen im allgemeinen stellt;</p><p>2. ob er die aufgezeigten Entwicklungen auch festgestellt hat und wie er diese gegebenenfalls beurteilt;</p><p>3. ob die Eidgenössische Materialprüfungsanstalt in Zusammenarbeit mit den zuständigen Branchenorganisationen der Wirtschaft eine Koordinierungstätigkeit zur Gestaltung von Rahmenbedingungen, die eine möglichst einheitliche Zertifizierung sicherstellt, ausüben kann.</p>
  • Zertifizierung von Klein- und Mittelunternehmen (KMU)
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Der Bundesrat unterbreitet in der Folge kurze zusammenfassende Antworten auf die gestellten Fragen.</p><p>1. Die Bestrebungen der Zertifizierung von Qualitätsmanagement-Systemen können in zweierlei Hinsicht unterstützt werden:</p><p>1.1 Durch die Zertifizierung erhalten die Unternehmen wertvolle Impulse im Hinblick auf den Unterhalt effizienter Qualitätsmanagement-Systeme. Die qualitativ hochstehende Zertifizierung stärkt damit auch nach aussen deren internationale Konkurrenzfähigkeit. Heutzutage für moderne Firmen von gleichbedeutender Wichtigkeit wie das Finanzmanagement.</p><p>1.2 Zertifikate akkreditierter Stellen geniessen weitgehende Anerkennung primär im europäischen, zunehmend aber auch im übrigen Ausland. Diese Anerkennung betrifft im wesentlichen den gesetzlich nicht geregelten (sogenannten freiwilligen) Bereich. Darüber hinaus wird der Qualitätssicherung als moderner Form der Konformitätsbewertung auch im Rahmen technischer Vorschriften ständig grössere Bedeutung beigemessen. In diesem Zusammenhang bildet die Akkreditierung eine wichtige Grundlage für die Anerkennung der Konformitätsbewertungen durch nationale Behörden sowohl in der Schweiz wie in den EWR-Staaten.</p><p>2. Bereits 1991 hat der Bundesrat mit der Verordnung über das schweizerische Akkreditierungssystem ein Verfahren für die Begutachtung von Prüf- und Zertifizierungsorganisationen in der Schweiz eingeführt. Schweizerische Akkreditierungsstelle ist das Eidgenössische Amt für Messwesen. Sie überprüft im Einzelfall, ob eine bestimmte Zertifizierungsstelle die erforderlichen Kriterien der entsprechenden Norm erfüllt. Ist dies der Fall, so wird eine Akkreditierung erteilt. Akkreditierte Zertifizierungsstellen arbeiten nach international harmonisierten Verfahren. Die Qualität ihrer Zertifikate ist somit vergleichbar. Qualitative Unterschiede zwischen den einzelnen akkreditierten Zertifizierungsstellen können dennoch existieren, da die Akkreditierung lediglich grundlegende Qualitätsforderungen stellt. Ausserdem harmonisiert die Akkreditierung in keiner Weise die Kosten der Zertifikate; hier spielt weiterhin der frei Markt! Der Bundesrat teilt indessen die Auffassung des Fragestellers nicht, dass in der Schweiz dermassen grosse Unterschiede bei der Handhabung der Zertifizierungskriterien bestehen, dass dadurch der Stellenwert der Zertifizierung vermindert und das Ansehen des schweizerischen Qualitätsbewusstsein gefährdet wird.</p><p>3. Mit der Verordnung über das schweizerische Akkreditierungssystem hat der Bundesrat eine Akkreditierungskommission ins Leben gerufen. Diese Kommission ist ein Konsultativorgang, das die Akkreditierungsstelle in allen Fragen der Akkreditierung berät. Sie besteht aus Vertretern aus Bund, Kantonen, Wissenschaft und Wirtschaft. Präsident ist der derzeitige Direktionspräsident der Empa. Die gewünschte Koordination ist dadurch sichergestellt. Die Schaffung eines zusätzlichen Forums erachtet der Bundesrat nicht als notwendig.</p>
    • <p>Die Schweizer Qualität von Produkten und Dienstleistungen ist sprichwörtlich und stellt für unser Land weltweit einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil dar. Seit einigen Jahren lassen sich vor allem exportorientierte Klein- und Mittelunternehmen (KMU) oder KMU aus den Zulieferbranchen in zunehmendem Ausmass zertifizieren, um ihre Qualitätssicherheit von quasi-offizieller Seite bestätigen zu lassen. Eine Zertifizierung sowie die dadurch meistens notwendigen betrieblichen Anpassungen sind insbesondere für KMU mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden.</p><p>Die Zertifizierungen werden von ausgewählten Beratungsfirmen vorgenommen. Während am Anfang nur einzelne wenige Firmen Zertifizierungen durchführen konnten, kann diese Qualitätsprüfung inzwischen bei immer zahlreicheren Anbietern in Auftrag gegeben werden. Der zu beobachtende zunehmende Wettbewerb auf Seite der Zertifizierungsstellen führt offenbar zu einer unterschiedlichen Handhabung der Zertifizierungskriterien. Eine derartige Entwicklung vermindert nicht nur den Stellenwert des kostspieligen Zertifizierungsvorgangs, sondern ist auch geeignet, das Ansehen des schweizerischen Qualitätsbewusstseins zu gefährden.</p><p>Ich frage den Bundesrat deshalb an:</p><p>1. wie er sich zu den Zertifizierungsbestrebungen im allgemeinen stellt;</p><p>2. ob er die aufgezeigten Entwicklungen auch festgestellt hat und wie er diese gegebenenfalls beurteilt;</p><p>3. ob die Eidgenössische Materialprüfungsanstalt in Zusammenarbeit mit den zuständigen Branchenorganisationen der Wirtschaft eine Koordinierungstätigkeit zur Gestaltung von Rahmenbedingungen, die eine möglichst einheitliche Zertifizierung sicherstellt, ausüben kann.</p>
    • Zertifizierung von Klein- und Mittelunternehmen (KMU)

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