Syrisch-christliche Gemeinschaft. Solidarität der Schweiz

ShortId
95.3068
Id
19953068
Updated
10.04.2024 10:32
Language
de
Title
Syrisch-christliche Gemeinschaft. Solidarität der Schweiz
AdditionalIndexing
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Wenn man von verfolgten Minderheiten in der Türkei spricht, denkt man sofort an Kurden und Armenier und vergisst dabei die syrischen Christen, deren Schicksal nicht weniger tragisch ist.</p><p>Sie leben in einer ihnen feindlich gesinnten muslimischen Welt und sind immer wieder Opfer von Massnahmen, die ihre Kultur, ja ihre Existenz bedrohen. 1914-1915 waren sie, wie die Armenier, Opfer eines Genozids, dem 750'000 syrische Christen zum Opfer fielen. Heute werden sie zu Sündenböcken im Krieg der türkischen Armee mit der PKK; täglich sind sie Opfer von Demütigungen, Gewalt und Mord, ihre Wohnungen und Kultstätten werden geschändet und zerstört. Das Verbot, ihre aramäische Sprache zu sprechen und ihre Religion zu lehren, ist Teil einer Strategie, die auf ihre gewaltsame Integration abzielt. Diese Verfolgungen haben mehr als 700'000 syrische Christen dazu gezwungen, nach Westeuropa, in die USA und nach Kanada auszuwandern. Eine grosse Gemeinde syrischer Christen lebt in der Schweiz, wo sie sich vollkommen integriert hat. Im Ursprungsland leben heute nur noch einige hundert Familien. Deren Lage hat sich in jüngster Zeit aufgrund der wachsenden fundamentalistischen Tendenzen in der Türkei noch weiter verschlechtert. Damit ist ein Volk mit einer Jahrtausende alten Kultur von der Vernichtung bedroht. </p><p>In der Schweiz weiss man sehr wenig über die Situation der syrischen Christen und ihre Geschichte. Das erklärt sich aus dem friedlichen Charakter der syrischen Christen. Da sie auf die Anwendung von Gewalt zur Verteidigung ihrer Rechte verzichten, ist die Diaspora in der Schweiz wie auch in der übrigen Welt nicht in der Lage, die gleichen Druckmittel einzusetzen wie zum Beispiel die PKK bei den Kurden, und die syrischen Christen haben deswegen in der Presse und in der öffentlichen Meinung wenig Echo. </p><p>Aus diesem Grunde halte ich es für notwendig, den Bundesrat auf das Schicksal dieser vergessenen Minderheit aufmerksam zu machen, damit er Massnahmen trifft, die einen stärkeren Schutz der Rechte der syrischen Christen fördern, und damit die öffentliche Meinung auf dieses Problem aufmerksam wird. Die zu treffenden Massnahmen sollen Ausdruck der schweizerischen humanitären Tradition und ein Zeichen dafür sein, dass unser Land am Schutze der Minderheiten festhält. </p><p>Unsere Solidarität mit den syrischen Christen kann darin zum Ausdruck gebracht werden, dass das Unrecht, das ihnen seit Anfang dieses Jahrhunderts angetan wurde und von Türken und Kurden auch heute noch immer angetan wird, offiziell Anerkennung findet. Ebenso gilt es, den hohen Wert des kulturellen Erbes hervorzuheben, dessen Träger die syrischen Christen sind, und der Legitimität ihres Anspruchs auf den freien Gebrauch der eigenen Sprache und die uneingeschränkte Ausübung ihres Glaubens Gewicht zu verleihen.</p><p>Im Asylverfahren muss der besonderen Lage der syrisch-christlichen Asylbewerber besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Zwar können sie nicht in jedem Fall eine individuelle Verfolgung geltend machen, aber es muss berücksichtigt werden, dass ihre Gemeinschaft als ganze Gefahren ausgesetzt ist. Ebenso bedarf die Prüfung der Zumutbarkeit der Wegweisung besonderer Sorgfalt.</p><p>Schliesslich wäre zu wünschen, dass die Schweiz auf internationaler Ebene Schritte unternimmt, die den türkischen Staat dazu bringen, die Rechte und die Sicherheit der syrisch-christlichen Gemeinschaft zu garantieren und so den Verpflichtungen nachzukommen, die er als Unterzeichnerstaat der Europäischen Menschenrechtskonvention auf sich genommen hat.</p>
  • <p>Im Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Guerilla der PKK sind auch die Mitglieder der syrischchristlichen Gemeinschaft in der Türkei Opfer schwerer Vergehen gegen Leib und Leben, Recht und Vermögen. Gegen die syrischen Christen läuft seit langem eine eigentliche Verfolgung, was zu einer Massenflucht nach Westeuropa geführt hat, so dass die Gemeinschaft heute vom Aussterben bedroht ist.</p><p>In Sorge um die dramatischen Bedingungen, unter denen heute die syrischen Christen im Südosten der Türkei leben, bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Ist er bereit, die schweren Benachteiligungen anzuerkennen, denen die syrischen Christen der Türkei in diesem Jahrhundert auf Grund ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit ausgesetzt sind?</p><p>2. Werden bei der Behandlung der Asylgesuche die besonderen Gefahren der Verfolgung, denen die syrischen Christen ausgesetzt sind, gebührend in Betracht gezogen?</p><p>3. Ist der Bundesrat bereit, aussenpolitische Massnahmen zu treffen, mit denen ein besserer Schutz der Rechte der syrisch-christlichen Minderheit in der Türkei erreicht werden kann?</p>
  • Syrisch-christliche Gemeinschaft. Solidarität der Schweiz
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Wenn man von verfolgten Minderheiten in der Türkei spricht, denkt man sofort an Kurden und Armenier und vergisst dabei die syrischen Christen, deren Schicksal nicht weniger tragisch ist.</p><p>Sie leben in einer ihnen feindlich gesinnten muslimischen Welt und sind immer wieder Opfer von Massnahmen, die ihre Kultur, ja ihre Existenz bedrohen. 1914-1915 waren sie, wie die Armenier, Opfer eines Genozids, dem 750'000 syrische Christen zum Opfer fielen. Heute werden sie zu Sündenböcken im Krieg der türkischen Armee mit der PKK; täglich sind sie Opfer von Demütigungen, Gewalt und Mord, ihre Wohnungen und Kultstätten werden geschändet und zerstört. Das Verbot, ihre aramäische Sprache zu sprechen und ihre Religion zu lehren, ist Teil einer Strategie, die auf ihre gewaltsame Integration abzielt. Diese Verfolgungen haben mehr als 700'000 syrische Christen dazu gezwungen, nach Westeuropa, in die USA und nach Kanada auszuwandern. Eine grosse Gemeinde syrischer Christen lebt in der Schweiz, wo sie sich vollkommen integriert hat. Im Ursprungsland leben heute nur noch einige hundert Familien. Deren Lage hat sich in jüngster Zeit aufgrund der wachsenden fundamentalistischen Tendenzen in der Türkei noch weiter verschlechtert. Damit ist ein Volk mit einer Jahrtausende alten Kultur von der Vernichtung bedroht. </p><p>In der Schweiz weiss man sehr wenig über die Situation der syrischen Christen und ihre Geschichte. Das erklärt sich aus dem friedlichen Charakter der syrischen Christen. Da sie auf die Anwendung von Gewalt zur Verteidigung ihrer Rechte verzichten, ist die Diaspora in der Schweiz wie auch in der übrigen Welt nicht in der Lage, die gleichen Druckmittel einzusetzen wie zum Beispiel die PKK bei den Kurden, und die syrischen Christen haben deswegen in der Presse und in der öffentlichen Meinung wenig Echo. </p><p>Aus diesem Grunde halte ich es für notwendig, den Bundesrat auf das Schicksal dieser vergessenen Minderheit aufmerksam zu machen, damit er Massnahmen trifft, die einen stärkeren Schutz der Rechte der syrischen Christen fördern, und damit die öffentliche Meinung auf dieses Problem aufmerksam wird. Die zu treffenden Massnahmen sollen Ausdruck der schweizerischen humanitären Tradition und ein Zeichen dafür sein, dass unser Land am Schutze der Minderheiten festhält. </p><p>Unsere Solidarität mit den syrischen Christen kann darin zum Ausdruck gebracht werden, dass das Unrecht, das ihnen seit Anfang dieses Jahrhunderts angetan wurde und von Türken und Kurden auch heute noch immer angetan wird, offiziell Anerkennung findet. Ebenso gilt es, den hohen Wert des kulturellen Erbes hervorzuheben, dessen Träger die syrischen Christen sind, und der Legitimität ihres Anspruchs auf den freien Gebrauch der eigenen Sprache und die uneingeschränkte Ausübung ihres Glaubens Gewicht zu verleihen.</p><p>Im Asylverfahren muss der besonderen Lage der syrisch-christlichen Asylbewerber besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Zwar können sie nicht in jedem Fall eine individuelle Verfolgung geltend machen, aber es muss berücksichtigt werden, dass ihre Gemeinschaft als ganze Gefahren ausgesetzt ist. Ebenso bedarf die Prüfung der Zumutbarkeit der Wegweisung besonderer Sorgfalt.</p><p>Schliesslich wäre zu wünschen, dass die Schweiz auf internationaler Ebene Schritte unternimmt, die den türkischen Staat dazu bringen, die Rechte und die Sicherheit der syrisch-christlichen Gemeinschaft zu garantieren und so den Verpflichtungen nachzukommen, die er als Unterzeichnerstaat der Europäischen Menschenrechtskonvention auf sich genommen hat.</p>
    • <p>Im Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Guerilla der PKK sind auch die Mitglieder der syrischchristlichen Gemeinschaft in der Türkei Opfer schwerer Vergehen gegen Leib und Leben, Recht und Vermögen. Gegen die syrischen Christen läuft seit langem eine eigentliche Verfolgung, was zu einer Massenflucht nach Westeuropa geführt hat, so dass die Gemeinschaft heute vom Aussterben bedroht ist.</p><p>In Sorge um die dramatischen Bedingungen, unter denen heute die syrischen Christen im Südosten der Türkei leben, bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Ist er bereit, die schweren Benachteiligungen anzuerkennen, denen die syrischen Christen der Türkei in diesem Jahrhundert auf Grund ihrer ethnischen und religiösen Zugehörigkeit ausgesetzt sind?</p><p>2. Werden bei der Behandlung der Asylgesuche die besonderen Gefahren der Verfolgung, denen die syrischen Christen ausgesetzt sind, gebührend in Betracht gezogen?</p><p>3. Ist der Bundesrat bereit, aussenpolitische Massnahmen zu treffen, mit denen ein besserer Schutz der Rechte der syrisch-christlichen Minderheit in der Türkei erreicht werden kann?</p>
    • Syrisch-christliche Gemeinschaft. Solidarität der Schweiz

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