Genauere Aids-Statistik

ShortId
95.3342
Id
19953342
Updated
10.04.2024 12:21
Language
de
Title
Genauere Aids-Statistik
AdditionalIndexing
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Aus einer am 26. April 1995 in der "Schweizerischen Ärztezeitung" veröffentlichten Studie des Bundesamtes für Gesundheitswesen (BAG) und der Gesundheitsämter der Kantone Bern und Basel-Landschaft geht hervor, dass in diesen Kantonen mehr als die Hälfte der Aidserkrankungen nicht gemeldet wurde. Offensichtlich wird die seit dem 1. Dezember 1987 bestehende Meldepflicht respektive die Meldeverordnung von den Ärzten ungenügend eingehalten. Die Abweichungen sind gravierend. Im genannten Artikel in der "Schweizerischen Ärztezeitung" steht: "Es gibt Hinweise dafür, dass die Zahl lebender Aidspatientinnen und -patienten durch die verordnungsgemässen Meldungen stark unterschätzt wird und für die Planung im Gesundheitswesen nicht herangezogen werden kann."</p><p>Nach dieser Stichprobenerhebung in zwei Kantonen ist davon auszugehen, dass die wirkliche Zahl der Aidserkrankungen in der Schweiz wesentlich höher liegt, als dies die bisherige offizielle Aidsfallstatistik des BAG ausweist. Die tatsächliche Zahl der HIV-infizierten Menschen bzw. der Neuinfektionen in der Schweiz kann nach wie vor nicht einmal zuverlässig geschätzt werden.</p><p>Wie das BAG in der Publikation treffend festhält, sind "für eine zuverlässige Planung der Ressourcen für Prävention und Betreuung genaue Daten über die Zahl der lebenden Aidspatientinnen und -patienten unentbehrlich". Mindestens ebensowichtig für diese Ziele wären aber neben der Zahl der noch lebenden Aidskranken genaue Zahlen über die Anzahl der HIV-infizierten Menschen. Aufgrund der Latenzzeit von 10 bis 12 Jahren hinkt die Zahl der Kranken bekanntlich der Zahl der Infizierten entsprechend hintennach.</p><p>Die genaue Feststellung der Zahl der HIV-Infizierten wäre aber nicht nur "für eine zuverlässige Planung der Ressourcen für Prävention und Betreuung" notwendig, sondern noch viel dringender als Information für die Bevölkerung zur Vermeidung der Weiterverbreitung von Aids. Insbesondere Mitglieder von "Risikogruppen" sind im wahrsten Sinne des Wortes auf Gedeih und Verderb auf verbesserte Information angewiesen. Nicht einmal das vom Datenschutz her völlig unbedenkliche "anonymous unlinked testing" wird angewendet, von "contact-tracing" und ähnlichen Massnahmen ganz zu schweigen. Bezahlen dafür müssen Menschen, welche sich mit dem tödlichen Virus infizieren, weil sie über die tatsächliche Verbreitung der Krankheit schlecht informiert sind und deshalb die Gefahr einer Ansteckung unterschätzen.</p><p>Der Bundesrat wird dringend ersucht, für eine zuverlässige Statistik besorgt zu sei. Geradezu zynisch wäre es, geltend zu machen, dies scheitere an finanziellen Mitteln, wenn man an die Kosten, die schon nur durch eine einzige Aidserkrankung verursacht werden, denkt.</p>
  • Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
  • <p>Der Bundesrat wird ersucht, dafür zu sorgen, dass die Aidsstatistik entscheidend verbessert wird, insbesondere durch eine möglichst genaue Erfassung der tatsächlichen Anzahl der HIV-Infizierten.</p>
  • Genauere Aids-Statistik
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Aus einer am 26. April 1995 in der "Schweizerischen Ärztezeitung" veröffentlichten Studie des Bundesamtes für Gesundheitswesen (BAG) und der Gesundheitsämter der Kantone Bern und Basel-Landschaft geht hervor, dass in diesen Kantonen mehr als die Hälfte der Aidserkrankungen nicht gemeldet wurde. Offensichtlich wird die seit dem 1. Dezember 1987 bestehende Meldepflicht respektive die Meldeverordnung von den Ärzten ungenügend eingehalten. Die Abweichungen sind gravierend. Im genannten Artikel in der "Schweizerischen Ärztezeitung" steht: "Es gibt Hinweise dafür, dass die Zahl lebender Aidspatientinnen und -patienten durch die verordnungsgemässen Meldungen stark unterschätzt wird und für die Planung im Gesundheitswesen nicht herangezogen werden kann."</p><p>Nach dieser Stichprobenerhebung in zwei Kantonen ist davon auszugehen, dass die wirkliche Zahl der Aidserkrankungen in der Schweiz wesentlich höher liegt, als dies die bisherige offizielle Aidsfallstatistik des BAG ausweist. Die tatsächliche Zahl der HIV-infizierten Menschen bzw. der Neuinfektionen in der Schweiz kann nach wie vor nicht einmal zuverlässig geschätzt werden.</p><p>Wie das BAG in der Publikation treffend festhält, sind "für eine zuverlässige Planung der Ressourcen für Prävention und Betreuung genaue Daten über die Zahl der lebenden Aidspatientinnen und -patienten unentbehrlich". Mindestens ebensowichtig für diese Ziele wären aber neben der Zahl der noch lebenden Aidskranken genaue Zahlen über die Anzahl der HIV-infizierten Menschen. Aufgrund der Latenzzeit von 10 bis 12 Jahren hinkt die Zahl der Kranken bekanntlich der Zahl der Infizierten entsprechend hintennach.</p><p>Die genaue Feststellung der Zahl der HIV-Infizierten wäre aber nicht nur "für eine zuverlässige Planung der Ressourcen für Prävention und Betreuung" notwendig, sondern noch viel dringender als Information für die Bevölkerung zur Vermeidung der Weiterverbreitung von Aids. Insbesondere Mitglieder von "Risikogruppen" sind im wahrsten Sinne des Wortes auf Gedeih und Verderb auf verbesserte Information angewiesen. Nicht einmal das vom Datenschutz her völlig unbedenkliche "anonymous unlinked testing" wird angewendet, von "contact-tracing" und ähnlichen Massnahmen ganz zu schweigen. Bezahlen dafür müssen Menschen, welche sich mit dem tödlichen Virus infizieren, weil sie über die tatsächliche Verbreitung der Krankheit schlecht informiert sind und deshalb die Gefahr einer Ansteckung unterschätzen.</p><p>Der Bundesrat wird dringend ersucht, für eine zuverlässige Statistik besorgt zu sei. Geradezu zynisch wäre es, geltend zu machen, dies scheitere an finanziellen Mitteln, wenn man an die Kosten, die schon nur durch eine einzige Aidserkrankung verursacht werden, denkt.</p>
    • Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
    • <p>Der Bundesrat wird ersucht, dafür zu sorgen, dass die Aidsstatistik entscheidend verbessert wird, insbesondere durch eine möglichst genaue Erfassung der tatsächlichen Anzahl der HIV-Infizierten.</p>
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