Erweiterung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
- ShortId
-
95.3550
- Id
-
19953550
- Updated
-
25.06.2025 02:08
- Language
-
de
- Title
-
Erweiterung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
- AdditionalIndexing
-
- 1
-
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Mängel der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sind in der Volkswirtschaftslehre seit langem bekannt und zum Gegenstand unzähliger theoretischer Untersuchungen und Publikationen geworden. Das Bruttosozialprodukt berücksichtigt nur die (positiven) Wertschöpfungsbeiträge aufgrund der Marktpreise. Wertschöpfungen und Güter, die keinen Marktwert haben, werden vernachlässigt (so z. B. Hausfrauenarbeit, der informelle Sektor, die Umweltbelastung, der Verschleiss an Ressourcen und an unwiederbringlichen Naturgütern usw.).</p><p>Alle diese Faktoren konnten bisher in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht berücksichtigt werden, weil der Kontenplan dieser Rechnung auf einem Konventionsmuster der OECD beruht und weil die neuen Rechnungsmodelle nicht operabel waren. Nun liegen verfeinerte und internationalisierte Rechnungsmodelle für die ökologische Erweiterung der nationalen Buchhaltung vor, die eine versuchsweise Anwendung und eine empirische Überprüfung erlauben (Club of Rome: "Mit der Natur rechnen", Birkhäuser-Verlag; WWF: "Real Value for Nature", WWF International, Gland/Genève).</p><p>Die Erweiterung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung unter Einbezug der externen Effekte ist nicht nur von akademischem Interesse. Vielmehr erlauben deren Resultate bessere Schlüsse darüber, in welchem Ausmass ein bestimmter Wachstumspfad und eine bestimmte Wachstumspolitik effektiv der Lebensqualität dienen und ob sie das Potential einer Volkswirtschaft vermehren oder vermindern.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Dabei ist im Einklang mit der internationalen Praxis keine direkte Integration der ökologischen Faktoren in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung vorgesehen, sondern es wird die Bereitstellung von Zusatzinformationen über diese Aspekte (Satellitenkonto) in einem vertretbaren Kosten-/Nutzenverhältnis angestrebt.
- <p>Unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlamentes und der EU-Kommission sind zwei ausgearbeitete Rechnungsmodelle präsentiert worden, die eine Erweiterung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung mit ökologischen Indikatoren und mit einer Verbrauchsbilanz des Naturkapitals vorsehen. Die Modelle stammen vom Club of Rome und vom internationalen World Wildlife Fund (WWF). Neben dem Bruttosozialprodukt soll auch ein "Ökosozialprodukt" respektive ein Index des nachhaltigen Wirtschaftswachstums (Isew) eingeführt werden. Diese Indikatoren sollen die Nutzung der Naturgüter in die nationale Buchhaltung integrieren.</p><p>Der Bundesrat wird beauftragt, folgende vorläufige Massnahmen zu prüfen und vorzukehren:</p><p>1. Für die Schweiz soll aufgrund der ausgearbeiteten internationalen Rechnungsmodelle versuchsweise eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung unter Einbezug der ökologischen Faktoren (Ökosozialprodukt, Isew) erstellt werden, sei es durch das Bundesamt für Statistik oder sei es durch ein entsprechendes Forschungsprojekt (unter Umständen des Nationalfonds).</p><p>2. Die Schweiz soll sich im Rahmen des OECD dafür einsetzen, dass die OECD-Länder gemeinsam die Erweiterung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung mit ökologischen Indikatoren oder Konten vorantreiben.</p>
- Erweiterung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Die Mängel der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sind in der Volkswirtschaftslehre seit langem bekannt und zum Gegenstand unzähliger theoretischer Untersuchungen und Publikationen geworden. Das Bruttosozialprodukt berücksichtigt nur die (positiven) Wertschöpfungsbeiträge aufgrund der Marktpreise. Wertschöpfungen und Güter, die keinen Marktwert haben, werden vernachlässigt (so z. B. Hausfrauenarbeit, der informelle Sektor, die Umweltbelastung, der Verschleiss an Ressourcen und an unwiederbringlichen Naturgütern usw.).</p><p>Alle diese Faktoren konnten bisher in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht berücksichtigt werden, weil der Kontenplan dieser Rechnung auf einem Konventionsmuster der OECD beruht und weil die neuen Rechnungsmodelle nicht operabel waren. Nun liegen verfeinerte und internationalisierte Rechnungsmodelle für die ökologische Erweiterung der nationalen Buchhaltung vor, die eine versuchsweise Anwendung und eine empirische Überprüfung erlauben (Club of Rome: "Mit der Natur rechnen", Birkhäuser-Verlag; WWF: "Real Value for Nature", WWF International, Gland/Genève).</p><p>Die Erweiterung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung unter Einbezug der externen Effekte ist nicht nur von akademischem Interesse. Vielmehr erlauben deren Resultate bessere Schlüsse darüber, in welchem Ausmass ein bestimmter Wachstumspfad und eine bestimmte Wachstumspolitik effektiv der Lebensqualität dienen und ob sie das Potential einer Volkswirtschaft vermehren oder vermindern.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen. Dabei ist im Einklang mit der internationalen Praxis keine direkte Integration der ökologischen Faktoren in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung vorgesehen, sondern es wird die Bereitstellung von Zusatzinformationen über diese Aspekte (Satellitenkonto) in einem vertretbaren Kosten-/Nutzenverhältnis angestrebt.
- <p>Unter der Schirmherrschaft des Europäischen Parlamentes und der EU-Kommission sind zwei ausgearbeitete Rechnungsmodelle präsentiert worden, die eine Erweiterung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung mit ökologischen Indikatoren und mit einer Verbrauchsbilanz des Naturkapitals vorsehen. Die Modelle stammen vom Club of Rome und vom internationalen World Wildlife Fund (WWF). Neben dem Bruttosozialprodukt soll auch ein "Ökosozialprodukt" respektive ein Index des nachhaltigen Wirtschaftswachstums (Isew) eingeführt werden. Diese Indikatoren sollen die Nutzung der Naturgüter in die nationale Buchhaltung integrieren.</p><p>Der Bundesrat wird beauftragt, folgende vorläufige Massnahmen zu prüfen und vorzukehren:</p><p>1. Für die Schweiz soll aufgrund der ausgearbeiteten internationalen Rechnungsmodelle versuchsweise eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung unter Einbezug der ökologischen Faktoren (Ökosozialprodukt, Isew) erstellt werden, sei es durch das Bundesamt für Statistik oder sei es durch ein entsprechendes Forschungsprojekt (unter Umständen des Nationalfonds).</p><p>2. Die Schweiz soll sich im Rahmen des OECD dafür einsetzen, dass die OECD-Länder gemeinsam die Erweiterung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung mit ökologischen Indikatoren oder Konten vorantreiben.</p>
- Erweiterung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
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