Anreize für sozialverträgliches Wirtschaften
- ShortId
-
95.3626
- Id
-
19953626
- Updated
-
25.06.2025 02:10
- Language
-
de
- Title
-
Anreize für sozialverträgliches Wirtschaften
- AdditionalIndexing
-
Schaffung von Arbeitsplätzen;Steuerabzug;ältere/r Arbeitnehmer/in;Lehrstelle;Frauenförderung;Teilzeitarbeit;Sozialverträglichkeit;geschützter Arbeitsplatz;Wirtschaftspolitik (speziell)
- 1
-
- L04K01040214, Sozialverträglichkeit
- L04K07040102, Wirtschaftspolitik (speziell)
- L05K0702030213, Teilzeitarbeit
- L05K0702030301, Schaffung von Arbeitsplätzen
- L04K01010401, Frauenförderung
- L05K0702020101, ältere/r Arbeitnehmer/in
- L06K070202030801, Lehrstelle
- L05K0702030310, geschützter Arbeitsplatz
- L04K11070304, Steuerabzug
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Schweiz hat ein hohes volkswirtschaftliches Interesse am sozialverträglichen Wirtschaften. In der heute wirtschaftlich schwierigen Situation sind viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen arbeitslos geworden, allein zwischen 1991 und 1994 wurden über 250 000 Arbeitsplätze abgeschafft. Die Zahl der heute geleisteten Überstunden entspricht einer Äquivalenz von 70 000 Arbeitsplätzen. Frauen sind überdurchschnittlich häufig erwerbslos. Ältere Menschen haben trotz hohen Erfahrungswissens Mühe eine Stelle zu finden. Junge Menschen haben zunehmend Schwierigkeiten, zu einer Lehrstelle zu kommen, so fordert Prof. Dubs, dass alle Unternehmen, die keine Lehrlinge ausbilden, eine Ausbildungssteuer zahlen sollten. Nischen für benachteiligte Menschen sind selten geworden. Dieser Umstand führt zu einer enormen Steigerung bei den Bezügen der Arbeitslosenversicherung, der IV und der Sozialhilfe. Die Kehrseite einer immer effizienter und rationalisierter arbeitenden Wirtschaft, die vor allem ihr betriebswirtschaftliches und nicht das gesamtwirtschaftliche Interesse verfolgt, sind hohe soziale Folgekosten, die die öffentliche Hand belasten und in einem Rückkoppelungseffekt die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Schweiz durch sinkende Lebensqualität und hohe staatliche Budgetdefizite beeinträchtigen.</p><p>Im Grundsatz verweist der Vorstoss auf zwei Gebote, nämlich auf dasjenige der Wohlfahrt und wirtschaftlichen Sicherheit und die Rechts- und Chancengleichheit der Bürger und Bürgerinnen, die beide in der Bundesverfassung verankert sind. Demzufolge kann sich der Staat für das wirtschaftliche Wohlergehen der Bevölkerung nicht aus der Verantwortung ziehen. Es kann dem Staat aus ethischen, demokratischen, aber auch aus ökonomischen Gründen nicht gleichgültig sein, wenn mehr und mehr Menschen aus der Erwerbsarbeit ausgeschlossen werden, Junge keine Zukunftsperspektive mehr sehen, breite Kreise der Bevölkerung aus Angst vor der Zukunft und vor dem Verlust der sozialen Sicherheit sich abschotten und kein Geld mehr ausgeben können (oder wollen), wenn sich Hoffnungslosigkeit verbreitet mit den bekannten Folgen wie Flucht in Sucht und Gewalt, Arme stets ärmer werden, der soziale Friede in Gefahr gerät. Hinter der Idee für die Belohnung des sozialverträglichen Wirtschaftens steht ein demokratisches Denken, das aus ethischen Gründen die Teilhabe aller an der Erwerbsarbeit fördern will, die eine wichtige Quelle von Selbstwert und psychischer Gesundheit sein kann, die die Integration in soziale und kulturelle Netze ermöglicht und materielle und soziale Sicherheit vermittelt.</p><p>Jene Wirtschaftskreise, die langfristig denken, haben ein Interesse am sozialverträglichen Wirtschaften, da dies die Standortqualität des Werkplatzes Schweiz erhöht, die Lebenszufriedenheit steigert, Arbeitsplätze schafft, den Integrationswillen fördert, die Kosten für Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe senkt und dank erhöhtem Steueraufkommen die Defizite der öffentlichen Hand verringert. Unternehmen, die einen vorbildlichen Beitrag an sozialverträglichem Wirtschaften leisten, sollen mit fiskalischen Anreizen belohnt werden.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
- <p>Der Bundesrat wird gebeten, zu prüfen und in einem Bericht aufzuzeigen, mit welchen Mitteln und Verfahren auf einfache, effiziente, gut abgestützte und aufkommensneutrale Art und Weise fiskalische (und andere) Anreize für die Unternehmungen geschaffen werden können, die besondere Leistungen erbringen, indem sie sozialverträglich wirtschaften. Darunter verstehe ich in einem Fünfpunkteprogramm folgende Anliegen, die überdurchschnittlich gut erfüllt werden müssen:</p><p>1. Mehr Arbeitsplätze durch bessere Verteilung: Schaffung von Teilzeitstellen, Abbau von Überstunden.</p><p>2. Stärkerer Einbezug der Frauen: Angemessene Vertretung von Frauen auf allen Ebenen der Unternehmung, Teilzeitstellen im Kader für Frauen und Männer.</p><p>3. Älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine Chance geben: Keine Diskriminierung aufgrund des Alters, altersmässig gut durchmischte Belegschaft.</p><p>4. Förderung der Ausbildung der Jugend: Angebot von Ausbildungsplätzen, um eine Lehre, Anlehre oder eine Lehre mit Berufsmatura machen zu können.</p><p>5. Nischen für Benachteiligte: Geschützte Arbeitsplätze für geistig oder körperlich behinderte oder sonstwie benachteiligte Menschen.</p><p>Die fiskalischen Anreize können über eine ertragsneutrale Differenzierung der Bundessteuer mit einem Steuerbonus erfolgen oder aus arbeitsmarktlichen Gründen über eine Differenzierung der Lohnprozente für die Arbeitgeber bei der Arbeitslosen- oder IV-Versicherung. Wenn Punkt 1 und 4 befolgt werden, so wirkt sich dies auf die Arbeitslosenversicherung entlastend aus, bei Punkt 5 wird die IV-Kasse entlastet. Mit welchem Instrumentarium die Erfüllung dieses Fünfpunkteprogramm qualitativ und quantitativ erfasst werden kann, wird vermutlich von einem interdisziplinären Fachgremium erhoben werden müssen. Neben fiskalischen Anreizen könnten auch alljährlich vorbildliche Unternehmen mit ihrem Leistungsausweis der Öffentlichkeit vorgestellt werden, dies würde die Vorbildwirkung erhöhen. Denkbar ist auch eine Preisverleihung, die von prestigebewussten Firmen publikumswirksam gesponsert werden könnte.</p>
- Anreize für sozialverträgliches Wirtschaften
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die Schweiz hat ein hohes volkswirtschaftliches Interesse am sozialverträglichen Wirtschaften. In der heute wirtschaftlich schwierigen Situation sind viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen arbeitslos geworden, allein zwischen 1991 und 1994 wurden über 250 000 Arbeitsplätze abgeschafft. Die Zahl der heute geleisteten Überstunden entspricht einer Äquivalenz von 70 000 Arbeitsplätzen. Frauen sind überdurchschnittlich häufig erwerbslos. Ältere Menschen haben trotz hohen Erfahrungswissens Mühe eine Stelle zu finden. Junge Menschen haben zunehmend Schwierigkeiten, zu einer Lehrstelle zu kommen, so fordert Prof. Dubs, dass alle Unternehmen, die keine Lehrlinge ausbilden, eine Ausbildungssteuer zahlen sollten. Nischen für benachteiligte Menschen sind selten geworden. Dieser Umstand führt zu einer enormen Steigerung bei den Bezügen der Arbeitslosenversicherung, der IV und der Sozialhilfe. Die Kehrseite einer immer effizienter und rationalisierter arbeitenden Wirtschaft, die vor allem ihr betriebswirtschaftliches und nicht das gesamtwirtschaftliche Interesse verfolgt, sind hohe soziale Folgekosten, die die öffentliche Hand belasten und in einem Rückkoppelungseffekt die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Schweiz durch sinkende Lebensqualität und hohe staatliche Budgetdefizite beeinträchtigen.</p><p>Im Grundsatz verweist der Vorstoss auf zwei Gebote, nämlich auf dasjenige der Wohlfahrt und wirtschaftlichen Sicherheit und die Rechts- und Chancengleichheit der Bürger und Bürgerinnen, die beide in der Bundesverfassung verankert sind. Demzufolge kann sich der Staat für das wirtschaftliche Wohlergehen der Bevölkerung nicht aus der Verantwortung ziehen. Es kann dem Staat aus ethischen, demokratischen, aber auch aus ökonomischen Gründen nicht gleichgültig sein, wenn mehr und mehr Menschen aus der Erwerbsarbeit ausgeschlossen werden, Junge keine Zukunftsperspektive mehr sehen, breite Kreise der Bevölkerung aus Angst vor der Zukunft und vor dem Verlust der sozialen Sicherheit sich abschotten und kein Geld mehr ausgeben können (oder wollen), wenn sich Hoffnungslosigkeit verbreitet mit den bekannten Folgen wie Flucht in Sucht und Gewalt, Arme stets ärmer werden, der soziale Friede in Gefahr gerät. Hinter der Idee für die Belohnung des sozialverträglichen Wirtschaftens steht ein demokratisches Denken, das aus ethischen Gründen die Teilhabe aller an der Erwerbsarbeit fördern will, die eine wichtige Quelle von Selbstwert und psychischer Gesundheit sein kann, die die Integration in soziale und kulturelle Netze ermöglicht und materielle und soziale Sicherheit vermittelt.</p><p>Jene Wirtschaftskreise, die langfristig denken, haben ein Interesse am sozialverträglichen Wirtschaften, da dies die Standortqualität des Werkplatzes Schweiz erhöht, die Lebenszufriedenheit steigert, Arbeitsplätze schafft, den Integrationswillen fördert, die Kosten für Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe senkt und dank erhöhtem Steueraufkommen die Defizite der öffentlichen Hand verringert. Unternehmen, die einen vorbildlichen Beitrag an sozialverträglichem Wirtschaften leisten, sollen mit fiskalischen Anreizen belohnt werden.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
- <p>Der Bundesrat wird gebeten, zu prüfen und in einem Bericht aufzuzeigen, mit welchen Mitteln und Verfahren auf einfache, effiziente, gut abgestützte und aufkommensneutrale Art und Weise fiskalische (und andere) Anreize für die Unternehmungen geschaffen werden können, die besondere Leistungen erbringen, indem sie sozialverträglich wirtschaften. Darunter verstehe ich in einem Fünfpunkteprogramm folgende Anliegen, die überdurchschnittlich gut erfüllt werden müssen:</p><p>1. Mehr Arbeitsplätze durch bessere Verteilung: Schaffung von Teilzeitstellen, Abbau von Überstunden.</p><p>2. Stärkerer Einbezug der Frauen: Angemessene Vertretung von Frauen auf allen Ebenen der Unternehmung, Teilzeitstellen im Kader für Frauen und Männer.</p><p>3. Älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine Chance geben: Keine Diskriminierung aufgrund des Alters, altersmässig gut durchmischte Belegschaft.</p><p>4. Förderung der Ausbildung der Jugend: Angebot von Ausbildungsplätzen, um eine Lehre, Anlehre oder eine Lehre mit Berufsmatura machen zu können.</p><p>5. Nischen für Benachteiligte: Geschützte Arbeitsplätze für geistig oder körperlich behinderte oder sonstwie benachteiligte Menschen.</p><p>Die fiskalischen Anreize können über eine ertragsneutrale Differenzierung der Bundessteuer mit einem Steuerbonus erfolgen oder aus arbeitsmarktlichen Gründen über eine Differenzierung der Lohnprozente für die Arbeitgeber bei der Arbeitslosen- oder IV-Versicherung. Wenn Punkt 1 und 4 befolgt werden, so wirkt sich dies auf die Arbeitslosenversicherung entlastend aus, bei Punkt 5 wird die IV-Kasse entlastet. Mit welchem Instrumentarium die Erfüllung dieses Fünfpunkteprogramm qualitativ und quantitativ erfasst werden kann, wird vermutlich von einem interdisziplinären Fachgremium erhoben werden müssen. Neben fiskalischen Anreizen könnten auch alljährlich vorbildliche Unternehmen mit ihrem Leistungsausweis der Öffentlichkeit vorgestellt werden, dies würde die Vorbildwirkung erhöhen. Denkbar ist auch eine Preisverleihung, die von prestigebewussten Firmen publikumswirksam gesponsert werden könnte.</p>
- Anreize für sozialverträgliches Wirtschaften
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