Rückgang der Tollwut ohne Gentech-Impfstoff

ShortId
95.3629
Id
19953629
Updated
10.04.2024 14:51
Language
de
Title
Rückgang der Tollwut ohne Gentech-Impfstoff
AdditionalIndexing
Impfstoff;Ländervergleich;Tollwut;gentechnisch veränderte Organismen
1
  • L06K140101030107, Tollwut
  • L05K0105030104, Impfstoff
  • L08K0706010501040202, gentechnisch veränderte Organismen
  • L04K02022201, Ländervergleich
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Wildtollwut ist in der Schweiz deutlich zurückgegangen. Während 1994 bei 225 Tieren Tollwut festgestellt worden ist, waren es 1995 noch 23 Fälle, die alle in der Nordwestschweiz aufgetreten sind. Die schweizerische Tollwutzentrale an der Universität Bern hat im Auftrag des Bundesamtes für Veterinärwesen ein Bekämpfungskonzept mit der Vorgabe ausgearbeitet, dass ab Anfang 1998 keine neuen Tollwutfälle auftreten sollen und im Jahr 2000 die Schweiz als tollwutfrei erklärt werden kann.</p><p>Wie der Bundesrat bereits in seiner Antwort auf die Interpellation Gonseth vom 22. März 1995 (95.3145) festgehalten hat, erachtet er die Ausrottung der Tollwut als vorrangig, um die Bevölkerung in der Schweiz vor dem Infektionsrisiko zu schützen.</p><p>Die einzelnen Fragen können wie folgt beantwortet werden:</p><p>1. Es darf angenommen werden, dass die intensivierten Bekämpfungsmassnahmen massgeblich zum Rückgang der Tollwut beigetragen haben. Die wesentlichen Massnahmen waren:</p><p>- die Erhöhung der Auslagedichte der Impfköder;</p><p>- die zusätzliche Aktion im Frühsommer zur oralen Impfung der Jungfüchse;</p><p>- das sofortige Auslegen von Ködern per Flugzeug, wenn ausserhalb von Impfzonen Tollwutfälle festgestellt worden sind.</p><p>2. Die Bekämpfungsmassnahmen der Nachbarländer sind wie in der Schweiz auf eine wirksame Impfung der Fuchspopulation ausgerichtet. In den an die Schweiz angrenzenden Gebieten Österreichs, Deutschlands und Frankreichs werden Impfköder mit Flugzeugen gestreut. In den Impfgebieten Frankreichs wird neben dem konventionellen auch der gentechnisch veränderte Impfstoff eingesetzt.</p><p>3. Aufgrund der gegenwärtigen Seuchenlage steht fest, dass im Jahr 1996 kein nach gentechnischen Methoden hergestellter Impfstoff zur Impfung der Füchse gegen die Tollwut verwendet wird. Sollten die Tollwutbekämpfungsmassnahmen nicht das erwartete Resultat ergeben, müsste die Lage neu beurteilt werden.</p><p>a. Alle im gegebenen Zusammenhang aufgeworfenen Bedenken werden aufmerksam geprüft.</p><p>b. Die Schweizerische Tollwutzentrale wird weiterhin die staatliche Bekämpfung der Wildtollwut mit Forschungsprojekten begleiten und die schweizerischen Massnahmen mit dem Vorgehen im Ausland abstimmen und vergleichen.</p><p>c. Die zuständigen Bundesstellen halten sich über den Stand der Erkenntnisse über die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen auf dem laufenden.</p><p>d. Die Registrierung des Tollwutimpfstoffes Raboral ist Gegenstand eines laufenden Beschwerdeverfahrens vor der Rekurskommission EVD, weshalb sich der Bundesrat zur dieser Frage gegenwärtig nicht äussert.</p><p>4. Vor dem allfälligen Einsatz eines nach gentechnischen Methoden hergestellten Impfstoffes zur Impfung der Füchse gegen die Tollwut würde das Bundesamt für Veterinärwesen gemeinsam mit den kantonalen Behörden die Bevölkerung über die Medien und an lokalen Veranstaltungen umfassend über den Umfang und den Zweck der Massnahmen informieren. Empfehlungen zum Verhalten bei Personenkontakten mit Impfködern würden in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheitswesen erarbeitet.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Nach Angaben des neuesten "Schweizerischen Wildbiologischen Informationsblattes" sind seit Mai 1995 kein einziger tollwütiger Fuchs mehr und nur ein Reh und zwei Dachse gefunden worden. Die Tollwutsituation habe sich auch in den Nachbarländern in unmittelbarer Nähe der Schweiz ebenfalls weitgehend entspannt. Dieser massive Rückgang ist unter Verwendung des bisherigen konventionellen Impfstoffes, d. h. trotz Verzicht auf den gentechnologisch hergestellten Impfstoff, eingetreten.</p><p>Ich bitte deshalb den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie erklären sich die Experten den massiven Rückgang der Tollwut?</p><p>2. Welche Tollwutbekämpfungsmethoden wurden in den Nachbarländern in unmittelbarer Nähe der Schweiz eingesetzt?</p><p>3. Da sich die Tollwutsituation in der Schweiz so massiv entschärft hat, drängt sich die Anwendung des Gentechimpfstoffes in keiner Weise auf. Ist der Bundesrat daher bereit, in den nächsten Jahren auf die Freisetzung der genmanipulierten Viren (Impfstoff Raboral) zu verzichten und</p><p>a. die erneut geäusserten schweren Bedenken in bezug auf Gesundheitsgefährdung des Menschen von Prof. Dr. Buhk, Robert Koch-Institut Berlin, eingehender zu prüfen;</p><p>b. eine vergleichende wissenschaftliche Begleitforschung zur Tollwutbekämpfung derart zu institutionalisieren, dass in der Schweiz in den nächsten Jahren weiterhin mit dem konventionellen Impfstoff (inklusive Impfung der Jungfüchse) geimpft wird und unsere Ergebnisse denjenigen Ländern gegenübergestellt werden, welche bereits Raboral einsetzen (es gibt nämlich zahlreiche Hinweise, dass in jenen Ländern nach anfänglicher Abnahme die Tollwut auch unter Raboral wieder im Zunehmen ist);</p><p>c. das Umweltrisiko durch Gentechviren weiter abzuklären;</p><p>d. die Registrierung von Raboral zu annullieren, bis weitere Fragen geklärt sind, insbesondere bis neue Ergebnisse über vergleichende Wirksamkeitsstudien sowie über nachhaltige Verträglichkeit der Freisetzung von Gentechviren vorliegen?</p><p>4. Zu welchem Zeitpunkt und in welcher Form und Intensität wird die Bevölkerung vor dem Einsatz von Gentechimpfstoffen informiert, falls sich der Bundesrat trotz fehlender Notwendigkeit für Raboral entschliessen sollte?</p>
  • Rückgang der Tollwut ohne Gentech-Impfstoff
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Wildtollwut ist in der Schweiz deutlich zurückgegangen. Während 1994 bei 225 Tieren Tollwut festgestellt worden ist, waren es 1995 noch 23 Fälle, die alle in der Nordwestschweiz aufgetreten sind. Die schweizerische Tollwutzentrale an der Universität Bern hat im Auftrag des Bundesamtes für Veterinärwesen ein Bekämpfungskonzept mit der Vorgabe ausgearbeitet, dass ab Anfang 1998 keine neuen Tollwutfälle auftreten sollen und im Jahr 2000 die Schweiz als tollwutfrei erklärt werden kann.</p><p>Wie der Bundesrat bereits in seiner Antwort auf die Interpellation Gonseth vom 22. März 1995 (95.3145) festgehalten hat, erachtet er die Ausrottung der Tollwut als vorrangig, um die Bevölkerung in der Schweiz vor dem Infektionsrisiko zu schützen.</p><p>Die einzelnen Fragen können wie folgt beantwortet werden:</p><p>1. Es darf angenommen werden, dass die intensivierten Bekämpfungsmassnahmen massgeblich zum Rückgang der Tollwut beigetragen haben. Die wesentlichen Massnahmen waren:</p><p>- die Erhöhung der Auslagedichte der Impfköder;</p><p>- die zusätzliche Aktion im Frühsommer zur oralen Impfung der Jungfüchse;</p><p>- das sofortige Auslegen von Ködern per Flugzeug, wenn ausserhalb von Impfzonen Tollwutfälle festgestellt worden sind.</p><p>2. Die Bekämpfungsmassnahmen der Nachbarländer sind wie in der Schweiz auf eine wirksame Impfung der Fuchspopulation ausgerichtet. In den an die Schweiz angrenzenden Gebieten Österreichs, Deutschlands und Frankreichs werden Impfköder mit Flugzeugen gestreut. In den Impfgebieten Frankreichs wird neben dem konventionellen auch der gentechnisch veränderte Impfstoff eingesetzt.</p><p>3. Aufgrund der gegenwärtigen Seuchenlage steht fest, dass im Jahr 1996 kein nach gentechnischen Methoden hergestellter Impfstoff zur Impfung der Füchse gegen die Tollwut verwendet wird. Sollten die Tollwutbekämpfungsmassnahmen nicht das erwartete Resultat ergeben, müsste die Lage neu beurteilt werden.</p><p>a. Alle im gegebenen Zusammenhang aufgeworfenen Bedenken werden aufmerksam geprüft.</p><p>b. Die Schweizerische Tollwutzentrale wird weiterhin die staatliche Bekämpfung der Wildtollwut mit Forschungsprojekten begleiten und die schweizerischen Massnahmen mit dem Vorgehen im Ausland abstimmen und vergleichen.</p><p>c. Die zuständigen Bundesstellen halten sich über den Stand der Erkenntnisse über die Verwendung gentechnisch veränderter Organismen auf dem laufenden.</p><p>d. Die Registrierung des Tollwutimpfstoffes Raboral ist Gegenstand eines laufenden Beschwerdeverfahrens vor der Rekurskommission EVD, weshalb sich der Bundesrat zur dieser Frage gegenwärtig nicht äussert.</p><p>4. Vor dem allfälligen Einsatz eines nach gentechnischen Methoden hergestellten Impfstoffes zur Impfung der Füchse gegen die Tollwut würde das Bundesamt für Veterinärwesen gemeinsam mit den kantonalen Behörden die Bevölkerung über die Medien und an lokalen Veranstaltungen umfassend über den Umfang und den Zweck der Massnahmen informieren. Empfehlungen zum Verhalten bei Personenkontakten mit Impfködern würden in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheitswesen erarbeitet.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Nach Angaben des neuesten "Schweizerischen Wildbiologischen Informationsblattes" sind seit Mai 1995 kein einziger tollwütiger Fuchs mehr und nur ein Reh und zwei Dachse gefunden worden. Die Tollwutsituation habe sich auch in den Nachbarländern in unmittelbarer Nähe der Schweiz ebenfalls weitgehend entspannt. Dieser massive Rückgang ist unter Verwendung des bisherigen konventionellen Impfstoffes, d. h. trotz Verzicht auf den gentechnologisch hergestellten Impfstoff, eingetreten.</p><p>Ich bitte deshalb den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie erklären sich die Experten den massiven Rückgang der Tollwut?</p><p>2. Welche Tollwutbekämpfungsmethoden wurden in den Nachbarländern in unmittelbarer Nähe der Schweiz eingesetzt?</p><p>3. Da sich die Tollwutsituation in der Schweiz so massiv entschärft hat, drängt sich die Anwendung des Gentechimpfstoffes in keiner Weise auf. Ist der Bundesrat daher bereit, in den nächsten Jahren auf die Freisetzung der genmanipulierten Viren (Impfstoff Raboral) zu verzichten und</p><p>a. die erneut geäusserten schweren Bedenken in bezug auf Gesundheitsgefährdung des Menschen von Prof. Dr. Buhk, Robert Koch-Institut Berlin, eingehender zu prüfen;</p><p>b. eine vergleichende wissenschaftliche Begleitforschung zur Tollwutbekämpfung derart zu institutionalisieren, dass in der Schweiz in den nächsten Jahren weiterhin mit dem konventionellen Impfstoff (inklusive Impfung der Jungfüchse) geimpft wird und unsere Ergebnisse denjenigen Ländern gegenübergestellt werden, welche bereits Raboral einsetzen (es gibt nämlich zahlreiche Hinweise, dass in jenen Ländern nach anfänglicher Abnahme die Tollwut auch unter Raboral wieder im Zunehmen ist);</p><p>c. das Umweltrisiko durch Gentechviren weiter abzuklären;</p><p>d. die Registrierung von Raboral zu annullieren, bis weitere Fragen geklärt sind, insbesondere bis neue Ergebnisse über vergleichende Wirksamkeitsstudien sowie über nachhaltige Verträglichkeit der Freisetzung von Gentechviren vorliegen?</p><p>4. Zu welchem Zeitpunkt und in welcher Form und Intensität wird die Bevölkerung vor dem Einsatz von Gentechimpfstoffen informiert, falls sich der Bundesrat trotz fehlender Notwendigkeit für Raboral entschliessen sollte?</p>
    • Rückgang der Tollwut ohne Gentech-Impfstoff

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