Moratorium für Xenotransplantation am Menschen
- ShortId
-
96.419
- Id
-
19960419
- Updated
-
10.04.2024 10:35
- Language
-
de
- Title
-
Moratorium für Xenotransplantation am Menschen
- AdditionalIndexing
-
Moratorium;Versuch am Tier;Organverpflanzung;Versuch am Menschen;Xenotransplantation
- 1
-
- L05K0105051601, Xenotransplantation
- L04K01050516, Organverpflanzung
- L04K08020318, Moratorium
- L04K16020112, Versuch am Tier
- L04K16020111, Versuch am Menschen
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Xenotransplantation - also die Uebertragung tierischer Organe in die Menschen - dies ist die neue Verheissung der Gentechnologie. Weil menschliche Organe für Transplantationen Mangelware sind, sollen neu auch genmanipulierte Schweine oder Paviane als Organspender dienen. Xenotransplantationen gelten als medizinischer Quantensprung und sollen der chemischen Industrie spektakuläre Gewinne einbringen.</p><p>Doch Xenotransplantationen bergen unabsehbare Gefahren für die ganze Menschheit. Wenn Organe eines Tiers in einen Menschen verpflanzt werden, so zügeln die Krankheitserreger des Tiers gewissermassen mit. Sie erhalten auf diese Weise eine evolutionäre Spielwiese und könnten so mit der Zeit zu menschlichen Krankheitserregern mutieren.</p><p>Die meisten gefährlichen Viren, die in den letzten Jahren in Erscheinung getreten sind, stammen von Tieren ab. Das Ebola-Virus, das 1995 in Zaire gewütet hat, wurde wahrscheinlich vom Affen auf den Menschen übertragen, und auch das Aids-Virus hat sich möglicherweise aus einem Affenvirus entwickelt. </p><p>Ein drastisches Beispiel aus der jüngsten Geschichte ist der Rinderwahnsinn. Auch diesem Krankheitserreger ist offenbar der .Sprung. vom Rind zum Menschen geglückt.</p><p>Bei Xenotransplantationen erhalten die tierischen Krankheitserreger quasi ideale Voraussetzungen, um vom Tier auf den Menschen überzuspringen. Wird die Schweinepest zur neuen Menschenseuche? Oder entsteht gar ein Aids2 oder ein Aids3?</p><p>Xenotransplantationen werfen auch ethische Fragen auf: Dürfen Tiere gentechnisch manipuliert werden, um als Organlager für Menschen zu dienen? Und: Wenn ein Tierorgan in einen Menschen verpflanzt wird, dann verteilen sich die Tierzellen mit dem Blutstrom in den ganzen Körper (mit Ausnahme des Gehirns) und setzen sich überall fest. Tierzellen nisten sich stabil in Haut, Nase, Herz und in andere Organe ein. Was bedeutet es für den Menschen, wenn die Grenze zwischen Tier und Mensch verwischt wird? Wenn ich aus vielen menschlichen und aus vielen Pavianzellen bestehe?</p><p>Auf welche Weise verändert sich meine Identität, mein Selbst?</p><p>Die Xenotransplantation mag für einzelne Patientengruppen eine grosse Hoffnung sein. Aber sie kann für die ganze Bevölkerung eine unabsehbare Gefahr bedeuten.</p><p>Bei Xenotransplantationen ist ein Moratorium dringend geboten. Sorgfältige Risikoabklärungen sind vordringlich. Und auch die ethischen Probleme müssen diskutiert werden, wenn die Grenzen zwischen Mensch und Tier aufgelöst werden.</p><p>(Text: Basler Appell gegen Gentechnologie)</p>
- <p>Gestützt auf Artikel 93 Absatz 1 der Bundesverfassung und Artikel 21bis des Geschäftsverkehrsgesetzes reiche ich folgende parlamentarische Initiative in der Form der allgemeinen Anregung ein:</p><p>Wegen völlig ungeklärten ökologischen, medizinischen, ethischen und gesellschaftspolitischen Fragen ist ein Moratorium für Experimente mit Xenotransplantationen am Menschen dringend geboten. Eine entsprechende Vorlage ist auszuarbeiten.</p>
- Moratorium für Xenotransplantation am Menschen
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Xenotransplantation - also die Uebertragung tierischer Organe in die Menschen - dies ist die neue Verheissung der Gentechnologie. Weil menschliche Organe für Transplantationen Mangelware sind, sollen neu auch genmanipulierte Schweine oder Paviane als Organspender dienen. Xenotransplantationen gelten als medizinischer Quantensprung und sollen der chemischen Industrie spektakuläre Gewinne einbringen.</p><p>Doch Xenotransplantationen bergen unabsehbare Gefahren für die ganze Menschheit. Wenn Organe eines Tiers in einen Menschen verpflanzt werden, so zügeln die Krankheitserreger des Tiers gewissermassen mit. Sie erhalten auf diese Weise eine evolutionäre Spielwiese und könnten so mit der Zeit zu menschlichen Krankheitserregern mutieren.</p><p>Die meisten gefährlichen Viren, die in den letzten Jahren in Erscheinung getreten sind, stammen von Tieren ab. Das Ebola-Virus, das 1995 in Zaire gewütet hat, wurde wahrscheinlich vom Affen auf den Menschen übertragen, und auch das Aids-Virus hat sich möglicherweise aus einem Affenvirus entwickelt. </p><p>Ein drastisches Beispiel aus der jüngsten Geschichte ist der Rinderwahnsinn. Auch diesem Krankheitserreger ist offenbar der .Sprung. vom Rind zum Menschen geglückt.</p><p>Bei Xenotransplantationen erhalten die tierischen Krankheitserreger quasi ideale Voraussetzungen, um vom Tier auf den Menschen überzuspringen. Wird die Schweinepest zur neuen Menschenseuche? Oder entsteht gar ein Aids2 oder ein Aids3?</p><p>Xenotransplantationen werfen auch ethische Fragen auf: Dürfen Tiere gentechnisch manipuliert werden, um als Organlager für Menschen zu dienen? Und: Wenn ein Tierorgan in einen Menschen verpflanzt wird, dann verteilen sich die Tierzellen mit dem Blutstrom in den ganzen Körper (mit Ausnahme des Gehirns) und setzen sich überall fest. Tierzellen nisten sich stabil in Haut, Nase, Herz und in andere Organe ein. Was bedeutet es für den Menschen, wenn die Grenze zwischen Tier und Mensch verwischt wird? Wenn ich aus vielen menschlichen und aus vielen Pavianzellen bestehe?</p><p>Auf welche Weise verändert sich meine Identität, mein Selbst?</p><p>Die Xenotransplantation mag für einzelne Patientengruppen eine grosse Hoffnung sein. Aber sie kann für die ganze Bevölkerung eine unabsehbare Gefahr bedeuten.</p><p>Bei Xenotransplantationen ist ein Moratorium dringend geboten. Sorgfältige Risikoabklärungen sind vordringlich. Und auch die ethischen Probleme müssen diskutiert werden, wenn die Grenzen zwischen Mensch und Tier aufgelöst werden.</p><p>(Text: Basler Appell gegen Gentechnologie)</p>
- <p>Gestützt auf Artikel 93 Absatz 1 der Bundesverfassung und Artikel 21bis des Geschäftsverkehrsgesetzes reiche ich folgende parlamentarische Initiative in der Form der allgemeinen Anregung ein:</p><p>Wegen völlig ungeklärten ökologischen, medizinischen, ethischen und gesellschaftspolitischen Fragen ist ein Moratorium für Experimente mit Xenotransplantationen am Menschen dringend geboten. Eine entsprechende Vorlage ist auszuarbeiten.</p>
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