Erstellung einer Statistik über die Lebensbedingungen

ShortId
96.3108
Id
19963108
Updated
10.04.2024 12:03
Language
de
Title
Erstellung einer Statistik über die Lebensbedingungen
AdditionalIndexing
Lebensbedingungen;soziales Wohlbefinden;freiwillige Arbeit;Lebensqualität;Einkommensverteilung;Statistik
1
  • L05K0109040201, Lebensbedingungen
  • L03K020218, Statistik
  • L05K0704050205, Einkommensverteilung
  • L05K0702030208, freiwillige Arbeit
  • L05K0109040203, soziales Wohlbefinden
  • L05K0109040202, Lebensqualität
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Der Bundesrat anerkennt in seiner Antwort auf meine Interpellation (95.3615) die zentrale Bedeutung der statistischen Erhebungen über die Lebensbedingungen der Bevölkerung und ihre Veränderung. Er soll nun den Worten Taten folgen lassen:</p><p>1. Bestimmte Aspekte der Lebensbedingungen der Bevölkerung werden bereits heute statistisch erfasst, jedoch auf </p><p>unsystematische und uneinheitliche Art. Der Bundesrat erklärt in seiner Antwort auf meine Interpellation: </p><p>Allerdings erlaubt diese Vielfalt von Erhebungen, welche jeweils spezifische Zielsetzungen erfassen, keine umfassende synthetische Gesamtschau der Lebensbedingungen der Bevölkerung..." Es ergibt sich effektiv kein umfassendes Bild, wenn die einzelnen Aspekte der Lebensbedingungen in verschiedenen Erhebungen erfasst sind, </p><p>die zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchgeführt wurden (sie können bis zu zehn Jahre auseinanderliegen) und auf verschiedenen Methoden beruhen. Die Fragen im Zusammenhang mit der systematischen Diskriminierung bestimmter sozialer Gruppen beispielsweise können nicht angemessen behandelt werden. Wenn wir uns jedoch mit den grossen sozialen Problemen der Zukunft auseinandersetzen wollen, brauchen wir als Grundlage systematische und kohärente Informationen. Dieses Ziel kann nur durch periodische multithematische Haushaltbefragungen </p><p>erreicht werden. (Die unterschiedlichen Aspekte der Lebensbedingungen müssen mit anderen Worten immer an </p><p>derselben repräsentativen Bevölkerungsgruppe untersucht werden.)</p><p>2. Besonders problematisch ist die Tatsache, dass wir in der Schweiz über keine Einkommensstatistik verfügen, die diesem Namen gerecht wird. Gegenwärtig werden zahlreiche Massnahmen diskutiert oder beschlossen, die das Einkommen betreffen (Krankenkassenprämien, Mehrwertsteuer, Teuerungsausgleich usw.). Daher brauchen wir unbedingt mehr Anhaltspunkte über ihre Auswirkungen auf das Einkommen im Zusammenhang mit anderen </p><p>Aspekten der Lage der Einzelpersonen und Haushalte. Eine jährliche Erhebung, wie sie im Ausland üblich ist, kann auch erste Informationen über die Zunahme der Armut oder die erschlechterung der Lebensbedingungen liefern.</p><p>3. Die Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit wird - zusammen mit dem Problem der Schattenwirtschaft - in Zukunft eines der wichtigsten Diskussionsthemen werden. Die meisten Industrieländer führen deshalb Erhebungen zum Zeitbudget durch, die verlässliche Informationen über die Art und den Umfang der unbezahlten Arbeit liefern. In unserem Land wurde die letzte Erhebung dieser Art 1979 durchgeführt. Es ist wichtig, dass sich </p><p>die Schweiz am internationalen Standard orientiert und solche Erhebungen ebenfalls in regelmässigen Abständen durchführt.</p><p>4. Der Bundesrat hat meine Frage zur gegenwärtigen Verteilung der finanziellen und personellen Mittel in der Statistik nicht klar beantwortet. Nun weiss man aber, nicht zuletzt aus internen Dokumenten, wie beschämend gering die Mittel sind, die für die Statistik der Lebensbedingungen eingesetzt werden. Für die in meiner Interpellation erwähnten Themen Lebensqualität, Wohlergehen der Bevölkerung und sozialer Zusammenhalt, deren fundamentale Bedeutung der Bundesrat in seiner Antwort anerkennt, sind mindestens 5 Prozent der für die Statistik bestimmten Gesamtmittel einzusetzen. Der Bundesrat soll daher die vorhandenen Mittel neu verteilen.</p>
  • <p>Der Bundesrat anerkennt die zentrale Bedeutung der von der Motionärin formulierten Forderungen, und er ist ebenfalls von der Notwendigkeit überzeugt, die Statistik der Lebensbedingungen auszubauen. In der Tat stellen die von der Motionärin erwähnten Erhebungen, so die multithematische Befragung der Haushalte, die jährliche Einkommens- und Vermögensstatistik oder die Zeitbudget-Erhebung, wirkungsvolle Instrumente zur Analyse der sozialen Situation der Bevölkerung als ganzes und einzelner Bevölkerungsgruppen dar. Derartige Erhebungen entsprechen zudem Tendenzen, die in Industrieländern auf statistischem Gebiet zu beobachten sind.</p><p></p><p>Im Hinblick auf das vom Bundesrat gutgeheissene Statistische Mehrjahresprogramm des Bundes 1995 bis 1999 können die von der Motionärin verlangten Erhebungen jedoch nicht mehr während der laufenden Legislaturperiode durchgeführt werden. Gemäss diesem Programm sind in diesem Zeitraum zuerst andere Lücken im Statistikbereich zu schliessen, weshalb die Erhebungen über die Lebensbedingungen und zur Zeitverwendung sowie die jährliche Einkommens- und Vermögensstatistik auf später verschoben werden müssen. Das Statistische Mehrjahresprogramm wurde den interessierten Kreisen zur Vernehmlassung unterbreitet und auf Empfehlung der Kommission für die Bundesstatistik vom Bundesrat genehmigt.</p><p></p><p>Dieser Aufschub bedeutet jedoch nicht, dass der Frage der Lebensbedingungen während dieser Legislaturperiode keine Beachtung geschenkt werden wird. So sind, wie bereits in der Antwort auf die Interpellation Jeanprêtre vom 20. Dezember 1995 (95.3615) erwähnt, eine Reihe von Synthesearbeiten auf der Basis von Sekundärdaten geplant. Was jedoch die von der Motionärin konkret verlangten Erhebungen anbetrifft, so ist eine Durchführung erst in der nächsten Legislaturperiode möglich. </p><p></p><p>Bezüglich der Forderung der Motionärin, dass mindestens 5 Prozent der verfügbaren Mittel für die Statistik der Lebensbedingungen eingesetzt werden sollen, vertritt der Bundesrat die Ansicht, dass die feste Zuordnung eines bestimmten Budget-Anteils zu einem Ausgabenposten kein angemessenes Mittel darstellt, um auf den Investitionsbedarf im Statistikbereich mit der geforderten Flexibilität reagieren zu können.</p><p></p><p>Angesichts der Tatsache, dass die in der Motion gestellten Anträge erst in der nächsten Legislaturperiode berücksichtigt werden können, schlägt der Bundesrat vor, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, eine Statistik über die Lebensbedingungen zu erstellen und koordinierte sozialwissenschaftliche Berichte zu erarbeiten. Dazu ergreift er folgende Massnahmen:</p><p>1. Es müssen in regelmässigen Abständen statistische Berichte erstellt werden, die einen umfassenden Überblick über die soziale Lage der Bevölkerung und einzelner Bevölkerungsgruppen geben und auch einen internationalen Vergleich ermöglichen. Diese Berichte sollten Informationen zu folgenden Themenbereichen enthalten:</p><p>- finanzielle Lage (Einkommen und Vermögen) und ihr Zusammenhang mit anderen Aspekten der Lebensqualität (Wohnverhältnisse, Gesundheit, Freizeit, Beteiligung am gesellschaftlichen Leben, persönliche Sicherheit, usw.)</p><p>- jährliche Entwicklung der finanziellen Lage der Einzelpersonen und der Haushalte</p><p>- Zeitaufwand für Hausarbeit, Erziehung, andere familiäre Aufgaben, unbezahlte Sozialarbeit und Schwarzarbeit</p><p>2. Zu diesem Zweck müssen in Übereinstimmung mit den international üblichen Kriterien folgende Erhebungen durchgeführt werden:</p><p>- Eine fünfjährliche multithematische Befragung der Haushalte (Mikrozensus) zu deren Lebensbedingungen einschliesslich der finanziellen Lage (Einkommen und Vermögen der Bevölkerung). </p><p>- Eine jährliche Erhebung zur Entwicklung von Einkommen und Vermögen. Die Erhebung muss mit entsprechenden europäischen Untersuchungen vergleichbar sein. </p><p>- Eine fünfjährliche Erhebung zum Zeitbudget. Diese Erhebung muss ebenfalls mit entsprechenden Erhebungen auf europäischer Ebene vergleichbar sein.</p><p>3. Für die Finanzierung der unter Punkt 1 und 2 vorgesehenen Aktivitäten müssen mindestens 5 Prozent der für die Statistik bestimmten Mittel eingesetzt werden.</p>
  • Erstellung einer Statistik über die Lebensbedingungen
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Der Bundesrat anerkennt in seiner Antwort auf meine Interpellation (95.3615) die zentrale Bedeutung der statistischen Erhebungen über die Lebensbedingungen der Bevölkerung und ihre Veränderung. Er soll nun den Worten Taten folgen lassen:</p><p>1. Bestimmte Aspekte der Lebensbedingungen der Bevölkerung werden bereits heute statistisch erfasst, jedoch auf </p><p>unsystematische und uneinheitliche Art. Der Bundesrat erklärt in seiner Antwort auf meine Interpellation: </p><p>Allerdings erlaubt diese Vielfalt von Erhebungen, welche jeweils spezifische Zielsetzungen erfassen, keine umfassende synthetische Gesamtschau der Lebensbedingungen der Bevölkerung..." Es ergibt sich effektiv kein umfassendes Bild, wenn die einzelnen Aspekte der Lebensbedingungen in verschiedenen Erhebungen erfasst sind, </p><p>die zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchgeführt wurden (sie können bis zu zehn Jahre auseinanderliegen) und auf verschiedenen Methoden beruhen. Die Fragen im Zusammenhang mit der systematischen Diskriminierung bestimmter sozialer Gruppen beispielsweise können nicht angemessen behandelt werden. Wenn wir uns jedoch mit den grossen sozialen Problemen der Zukunft auseinandersetzen wollen, brauchen wir als Grundlage systematische und kohärente Informationen. Dieses Ziel kann nur durch periodische multithematische Haushaltbefragungen </p><p>erreicht werden. (Die unterschiedlichen Aspekte der Lebensbedingungen müssen mit anderen Worten immer an </p><p>derselben repräsentativen Bevölkerungsgruppe untersucht werden.)</p><p>2. Besonders problematisch ist die Tatsache, dass wir in der Schweiz über keine Einkommensstatistik verfügen, die diesem Namen gerecht wird. Gegenwärtig werden zahlreiche Massnahmen diskutiert oder beschlossen, die das Einkommen betreffen (Krankenkassenprämien, Mehrwertsteuer, Teuerungsausgleich usw.). Daher brauchen wir unbedingt mehr Anhaltspunkte über ihre Auswirkungen auf das Einkommen im Zusammenhang mit anderen </p><p>Aspekten der Lage der Einzelpersonen und Haushalte. Eine jährliche Erhebung, wie sie im Ausland üblich ist, kann auch erste Informationen über die Zunahme der Armut oder die erschlechterung der Lebensbedingungen liefern.</p><p>3. Die Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit wird - zusammen mit dem Problem der Schattenwirtschaft - in Zukunft eines der wichtigsten Diskussionsthemen werden. Die meisten Industrieländer führen deshalb Erhebungen zum Zeitbudget durch, die verlässliche Informationen über die Art und den Umfang der unbezahlten Arbeit liefern. In unserem Land wurde die letzte Erhebung dieser Art 1979 durchgeführt. Es ist wichtig, dass sich </p><p>die Schweiz am internationalen Standard orientiert und solche Erhebungen ebenfalls in regelmässigen Abständen durchführt.</p><p>4. Der Bundesrat hat meine Frage zur gegenwärtigen Verteilung der finanziellen und personellen Mittel in der Statistik nicht klar beantwortet. Nun weiss man aber, nicht zuletzt aus internen Dokumenten, wie beschämend gering die Mittel sind, die für die Statistik der Lebensbedingungen eingesetzt werden. Für die in meiner Interpellation erwähnten Themen Lebensqualität, Wohlergehen der Bevölkerung und sozialer Zusammenhalt, deren fundamentale Bedeutung der Bundesrat in seiner Antwort anerkennt, sind mindestens 5 Prozent der für die Statistik bestimmten Gesamtmittel einzusetzen. Der Bundesrat soll daher die vorhandenen Mittel neu verteilen.</p>
    • <p>Der Bundesrat anerkennt die zentrale Bedeutung der von der Motionärin formulierten Forderungen, und er ist ebenfalls von der Notwendigkeit überzeugt, die Statistik der Lebensbedingungen auszubauen. In der Tat stellen die von der Motionärin erwähnten Erhebungen, so die multithematische Befragung der Haushalte, die jährliche Einkommens- und Vermögensstatistik oder die Zeitbudget-Erhebung, wirkungsvolle Instrumente zur Analyse der sozialen Situation der Bevölkerung als ganzes und einzelner Bevölkerungsgruppen dar. Derartige Erhebungen entsprechen zudem Tendenzen, die in Industrieländern auf statistischem Gebiet zu beobachten sind.</p><p></p><p>Im Hinblick auf das vom Bundesrat gutgeheissene Statistische Mehrjahresprogramm des Bundes 1995 bis 1999 können die von der Motionärin verlangten Erhebungen jedoch nicht mehr während der laufenden Legislaturperiode durchgeführt werden. Gemäss diesem Programm sind in diesem Zeitraum zuerst andere Lücken im Statistikbereich zu schliessen, weshalb die Erhebungen über die Lebensbedingungen und zur Zeitverwendung sowie die jährliche Einkommens- und Vermögensstatistik auf später verschoben werden müssen. Das Statistische Mehrjahresprogramm wurde den interessierten Kreisen zur Vernehmlassung unterbreitet und auf Empfehlung der Kommission für die Bundesstatistik vom Bundesrat genehmigt.</p><p></p><p>Dieser Aufschub bedeutet jedoch nicht, dass der Frage der Lebensbedingungen während dieser Legislaturperiode keine Beachtung geschenkt werden wird. So sind, wie bereits in der Antwort auf die Interpellation Jeanprêtre vom 20. Dezember 1995 (95.3615) erwähnt, eine Reihe von Synthesearbeiten auf der Basis von Sekundärdaten geplant. Was jedoch die von der Motionärin konkret verlangten Erhebungen anbetrifft, so ist eine Durchführung erst in der nächsten Legislaturperiode möglich. </p><p></p><p>Bezüglich der Forderung der Motionärin, dass mindestens 5 Prozent der verfügbaren Mittel für die Statistik der Lebensbedingungen eingesetzt werden sollen, vertritt der Bundesrat die Ansicht, dass die feste Zuordnung eines bestimmten Budget-Anteils zu einem Ausgabenposten kein angemessenes Mittel darstellt, um auf den Investitionsbedarf im Statistikbereich mit der geforderten Flexibilität reagieren zu können.</p><p></p><p>Angesichts der Tatsache, dass die in der Motion gestellten Anträge erst in der nächsten Legislaturperiode berücksichtigt werden können, schlägt der Bundesrat vor, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, eine Statistik über die Lebensbedingungen zu erstellen und koordinierte sozialwissenschaftliche Berichte zu erarbeiten. Dazu ergreift er folgende Massnahmen:</p><p>1. Es müssen in regelmässigen Abständen statistische Berichte erstellt werden, die einen umfassenden Überblick über die soziale Lage der Bevölkerung und einzelner Bevölkerungsgruppen geben und auch einen internationalen Vergleich ermöglichen. Diese Berichte sollten Informationen zu folgenden Themenbereichen enthalten:</p><p>- finanzielle Lage (Einkommen und Vermögen) und ihr Zusammenhang mit anderen Aspekten der Lebensqualität (Wohnverhältnisse, Gesundheit, Freizeit, Beteiligung am gesellschaftlichen Leben, persönliche Sicherheit, usw.)</p><p>- jährliche Entwicklung der finanziellen Lage der Einzelpersonen und der Haushalte</p><p>- Zeitaufwand für Hausarbeit, Erziehung, andere familiäre Aufgaben, unbezahlte Sozialarbeit und Schwarzarbeit</p><p>2. Zu diesem Zweck müssen in Übereinstimmung mit den international üblichen Kriterien folgende Erhebungen durchgeführt werden:</p><p>- Eine fünfjährliche multithematische Befragung der Haushalte (Mikrozensus) zu deren Lebensbedingungen einschliesslich der finanziellen Lage (Einkommen und Vermögen der Bevölkerung). </p><p>- Eine jährliche Erhebung zur Entwicklung von Einkommen und Vermögen. Die Erhebung muss mit entsprechenden europäischen Untersuchungen vergleichbar sein. </p><p>- Eine fünfjährliche Erhebung zum Zeitbudget. Diese Erhebung muss ebenfalls mit entsprechenden Erhebungen auf europäischer Ebene vergleichbar sein.</p><p>3. Für die Finanzierung der unter Punkt 1 und 2 vorgesehenen Aktivitäten müssen mindestens 5 Prozent der für die Statistik bestimmten Mittel eingesetzt werden.</p>
    • Erstellung einer Statistik über die Lebensbedingungen

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