Tsunamis in Stauseen durch Bergstürze

ShortId
96.3116
Id
19963116
Updated
25.06.2025 02:06
Language
de
Title
Tsunamis in Stauseen durch Bergstürze
AdditionalIndexing
Wasserkraftwerk;Risikoforschung;Katastrophe;Überschwemmung
1
  • L04K17030202, Wasserkraftwerk
  • L05K0602020603, Überschwemmung
  • L04K06020206, Katastrophe
  • L05K1602020801, Risikoforschung
PriorityCouncil1
Ständerat
Texts
  • <p>Vor einigen Wochen stürzten in zwei Vorfällen viele hunderttausend Kubikmeter Fels in der Nähe des Ausgleichsbeckens des Kraftwerkes Linth-Limmern zu Tal. Der Berg ist seither nicht zur Ruhe gekommen; die Experten befürchten mit dem Einsetzen des Tauwetters weitere schwere Bergstürze.</p><p>Seit Jahren warnen Geologen vor den Folgen des "säkularen Tauwetters" (Auftauen des alpinen Permafrosts) infolge der beobachteten Klimaerwärmung. In vielen hochalpinen Gebieten wird die relevante Bodentemperatur im Lauf der nächsten Jahrzehnte die Nullgradgrenze überschreiten. Als Folge werden weitreichende Bodenveränderungen befürchtet, die ihrerseits zu Geröllawinen und Felsstürzen führen können.</p><p>Wie die Katastrophe von Vaiont vor einigen Jahrzehnten in aller Deutlichkeit gezeigt hat, kann ein Bergsturz in einen Stausee zu dessen Überschwappen, zur Beschädigung der Staumauer und zu fast unvorstellbaren, weit über lokale Schäden hinausreichenden, verheerenden Folgeschäden in den darunterliegenden Talschaften und im Mittelland führen. Selbst der vergleichsweise kleine (durch Sprengung ausgelöste) Felssturz in den natürlich entstandenen Vierwaldstättersee hat bei uns in der Schweiz schon zu ausgedehnten Vorsichtsmassnahmen gegen die Gefahren von Flutwellen Anlass gegeben.</p><p>Aus diesen Gründen ist eine sorgfältige Abklärung der Möglichkeit von Bergstürzen in Stauseen angezeigt. Aufgrund eines professionell erarbeiteten Katasters von Problemgebieten können die notwendigen Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung erwogen und eingeleitet werden.</p>
  • Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
  • <p>Der Bundesrat wird gebeten, die Gefahr von Überschwemmungskatastrophen durch Bergstürze abklären zu lassen und dem Parlament darüber Bericht zu erstatten. Insbesondere erwarten wir:</p><p>- einen Kataster jener Risikogebiete, in denen infolge des Auftauens des alpinen Permafrosts mit Bergstürzen zu rechnen ist;</p><p>- eine sorgfältige Diskussion der Gefahr einer erheblichen Verschlimmerung der Folgen von Bergstürzen durch Flutwellen in Stauseen; und</p><p>- Vorschläge geeigneter Gegenmassnahmen mit einer Abschätzung von deren Kosten.</p>
  • Tsunamis in Stauseen durch Bergstürze
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Vor einigen Wochen stürzten in zwei Vorfällen viele hunderttausend Kubikmeter Fels in der Nähe des Ausgleichsbeckens des Kraftwerkes Linth-Limmern zu Tal. Der Berg ist seither nicht zur Ruhe gekommen; die Experten befürchten mit dem Einsetzen des Tauwetters weitere schwere Bergstürze.</p><p>Seit Jahren warnen Geologen vor den Folgen des "säkularen Tauwetters" (Auftauen des alpinen Permafrosts) infolge der beobachteten Klimaerwärmung. In vielen hochalpinen Gebieten wird die relevante Bodentemperatur im Lauf der nächsten Jahrzehnte die Nullgradgrenze überschreiten. Als Folge werden weitreichende Bodenveränderungen befürchtet, die ihrerseits zu Geröllawinen und Felsstürzen führen können.</p><p>Wie die Katastrophe von Vaiont vor einigen Jahrzehnten in aller Deutlichkeit gezeigt hat, kann ein Bergsturz in einen Stausee zu dessen Überschwappen, zur Beschädigung der Staumauer und zu fast unvorstellbaren, weit über lokale Schäden hinausreichenden, verheerenden Folgeschäden in den darunterliegenden Talschaften und im Mittelland führen. Selbst der vergleichsweise kleine (durch Sprengung ausgelöste) Felssturz in den natürlich entstandenen Vierwaldstättersee hat bei uns in der Schweiz schon zu ausgedehnten Vorsichtsmassnahmen gegen die Gefahren von Flutwellen Anlass gegeben.</p><p>Aus diesen Gründen ist eine sorgfältige Abklärung der Möglichkeit von Bergstürzen in Stauseen angezeigt. Aufgrund eines professionell erarbeiteten Katasters von Problemgebieten können die notwendigen Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung erwogen und eingeleitet werden.</p>
    • Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
    • <p>Der Bundesrat wird gebeten, die Gefahr von Überschwemmungskatastrophen durch Bergstürze abklären zu lassen und dem Parlament darüber Bericht zu erstatten. Insbesondere erwarten wir:</p><p>- einen Kataster jener Risikogebiete, in denen infolge des Auftauens des alpinen Permafrosts mit Bergstürzen zu rechnen ist;</p><p>- eine sorgfältige Diskussion der Gefahr einer erheblichen Verschlimmerung der Folgen von Bergstürzen durch Flutwellen in Stauseen; und</p><p>- Vorschläge geeigneter Gegenmassnahmen mit einer Abschätzung von deren Kosten.</p>
    • Tsunamis in Stauseen durch Bergstürze

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