Komplementärarbeitsmarkt für Erwerbsbehinderte

ShortId
96.3438
Id
19963438
Updated
25.06.2025 02:06
Language
de
Title
Komplementärarbeitsmarkt für Erwerbsbehinderte
AdditionalIndexing
Arbeitslose/r;behinderte/r Arbeitnehmer/in;Arbeitsmarkt (speziell);Invalidenversicherung;Arbeitslosenversicherung;geschützter Arbeitsplatz;soziale Unterstützung
1
  • L04K07020203, Arbeitsmarkt (speziell)
  • L05K0702020105, behinderte/r Arbeitnehmer/in
  • L06K070202010401, Arbeitslose/r
  • L05K0702030310, geschützter Arbeitsplatz
  • L04K01040102, Arbeitslosenversicherung
  • L04K01040103, Invalidenversicherung
  • L03K010404, soziale Unterstützung
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Zunehmend werden ausgesteuerte Arbeitslose als (Teil-)Erwerbsbehinderte der IV zugeteilt. Die Finanzierungslücke bei der IV ist auch auf die Folgen der langdauernden Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft verstärken, weil die Avig-Revision ab 1998 die Übergangszeit zur Neubeanspruchung der Arbeitslosenversicherung von 6 auf 12 Monate verdoppeln wird und damit mehr Arbeitslose der IV oder der Sozialhilfe zur Last fallen.</p><p>Es fehlt eine Koordination respektive Kombination von ALV und IV bei der Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen und Erwerbsbehinderten. Den erwerbsbehinderten Personen sollte eine dauerhafte Anstellung an einem geschützten Arbeitsplatz in der Privatwirtschaft oder im öffentlichen Sektor ermöglicht werden, wobei der Produktivitätsverlust aus der Sozialversicherung abgegolten wird. Eine solche Integration wird in der Literatur und in andern Ländern auch als Komplementärarbeitsmarkt und Sekundärarbeitsmarkt bezeichnet.</p><p>Früher waren in jeder grösseren Firma auch sozial Schwächere für einfache, unqualifizierte Arbeiten - etwa Ausläufer- und Verträgerdienste, Putzarbeiten usw. - beschäftigt. Heute werden mit der stärkeren Kostenorientierung in den Unternehmen solche Leute als erste in die Langzeitarbeitslosigkeit abgeschoben, und sie fallen damit rascher der Sozialhilfe oder der IV zur Last. Ein Komplementärarbeitsmarkt würde solchen Erwerbsbehinderten eine bessere und menschlichere (Teil-)Integration in die Arbeitswelt ermöglichen und zudem das Sozialversicherungssystem finanziell entlasten.</p><p>In der konkreten Ausgestaltung des Komplementärarbeitsmarktes stellen wir uns verschiedene Modelle und Finanzierungsmöglichkeiten vor, die weiter studiert werden sollten:</p><p>- eine Art von Weiterbeschäftigungszuschüssen für Ältere und Erwerbsbehinderte, analog den Einarbeitungszuschüssen nach Avig;</p><p>- ein Bonus-Malus-System gemäss den Vorschlägen von Pro Mente Sana;</p><p>- vorbehaltene Arbeitsplätze im öffentlichen Bereich, z. B. bei Sozialaufgaben usw.;</p><p>- eine Art New Public Market, in dem gemeinnützige Gesellschaften Dienstleistungen von öffentlichem Interesse ausführen und dazu Arbeitslose, Frühpensionierte, Freiwillige oder Erwerbsbehinderte einsetzen.</p><p>Wir stellen uns vor, dass eine interdepartementale Arbeitsgruppe, in welcher u. a. das Biga (Abteilung Arbeitslosenversicherung) und das BSV (Abteilung IV) vertreten sind, konkrete Modelle erarbeitet und mit Sozialinstitutionen und mit der Arbeitgeberseite bespricht.</p>
  • Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die Möglichkeiten zur Förderung eines zweiten, ergänzenden Arbeitsmarktes für dauerhaft arbeitslose und erwerbsbehinderte Personen zu prüfen. Dabei soll insbesondere eine bessere Koordination und Kombination von Arbeitslosenversicherung, Sozialhilfe und IV untersucht werden.</p><p>Mit diesen Massnahmen sollen Erwerbsbehinderten und ausgesteuerten Langzeitarbeitslosen geschützte Arbeitsplätze und Werkstätten in privaten Firmen und im öffentlichen Sektor angeboten werden, wobei die Produktivitätsdifferenz aus der Sozialversicherung (ALV und IV) finanziert wird. Verschiedene Anreizsysteme und ihre Wirksamkeit sowie die möglichen Entlastungen bei der IV sind zu prüfen und allenfalls im Zusammenhang mit der Revision der IV vorzuschlagen.</p>
  • Komplementärarbeitsmarkt für Erwerbsbehinderte
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Zunehmend werden ausgesteuerte Arbeitslose als (Teil-)Erwerbsbehinderte der IV zugeteilt. Die Finanzierungslücke bei der IV ist auch auf die Folgen der langdauernden Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Diese Entwicklung wird sich in Zukunft verstärken, weil die Avig-Revision ab 1998 die Übergangszeit zur Neubeanspruchung der Arbeitslosenversicherung von 6 auf 12 Monate verdoppeln wird und damit mehr Arbeitslose der IV oder der Sozialhilfe zur Last fallen.</p><p>Es fehlt eine Koordination respektive Kombination von ALV und IV bei der Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen und Erwerbsbehinderten. Den erwerbsbehinderten Personen sollte eine dauerhafte Anstellung an einem geschützten Arbeitsplatz in der Privatwirtschaft oder im öffentlichen Sektor ermöglicht werden, wobei der Produktivitätsverlust aus der Sozialversicherung abgegolten wird. Eine solche Integration wird in der Literatur und in andern Ländern auch als Komplementärarbeitsmarkt und Sekundärarbeitsmarkt bezeichnet.</p><p>Früher waren in jeder grösseren Firma auch sozial Schwächere für einfache, unqualifizierte Arbeiten - etwa Ausläufer- und Verträgerdienste, Putzarbeiten usw. - beschäftigt. Heute werden mit der stärkeren Kostenorientierung in den Unternehmen solche Leute als erste in die Langzeitarbeitslosigkeit abgeschoben, und sie fallen damit rascher der Sozialhilfe oder der IV zur Last. Ein Komplementärarbeitsmarkt würde solchen Erwerbsbehinderten eine bessere und menschlichere (Teil-)Integration in die Arbeitswelt ermöglichen und zudem das Sozialversicherungssystem finanziell entlasten.</p><p>In der konkreten Ausgestaltung des Komplementärarbeitsmarktes stellen wir uns verschiedene Modelle und Finanzierungsmöglichkeiten vor, die weiter studiert werden sollten:</p><p>- eine Art von Weiterbeschäftigungszuschüssen für Ältere und Erwerbsbehinderte, analog den Einarbeitungszuschüssen nach Avig;</p><p>- ein Bonus-Malus-System gemäss den Vorschlägen von Pro Mente Sana;</p><p>- vorbehaltene Arbeitsplätze im öffentlichen Bereich, z. B. bei Sozialaufgaben usw.;</p><p>- eine Art New Public Market, in dem gemeinnützige Gesellschaften Dienstleistungen von öffentlichem Interesse ausführen und dazu Arbeitslose, Frühpensionierte, Freiwillige oder Erwerbsbehinderte einsetzen.</p><p>Wir stellen uns vor, dass eine interdepartementale Arbeitsgruppe, in welcher u. a. das Biga (Abteilung Arbeitslosenversicherung) und das BSV (Abteilung IV) vertreten sind, konkrete Modelle erarbeitet und mit Sozialinstitutionen und mit der Arbeitgeberseite bespricht.</p>
    • Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, die Möglichkeiten zur Förderung eines zweiten, ergänzenden Arbeitsmarktes für dauerhaft arbeitslose und erwerbsbehinderte Personen zu prüfen. Dabei soll insbesondere eine bessere Koordination und Kombination von Arbeitslosenversicherung, Sozialhilfe und IV untersucht werden.</p><p>Mit diesen Massnahmen sollen Erwerbsbehinderten und ausgesteuerten Langzeitarbeitslosen geschützte Arbeitsplätze und Werkstätten in privaten Firmen und im öffentlichen Sektor angeboten werden, wobei die Produktivitätsdifferenz aus der Sozialversicherung (ALV und IV) finanziert wird. Verschiedene Anreizsysteme und ihre Wirksamkeit sowie die möglichen Entlastungen bei der IV sind zu prüfen und allenfalls im Zusammenhang mit der Revision der IV vorzuschlagen.</p>
    • Komplementärarbeitsmarkt für Erwerbsbehinderte

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