Frauenverträglichkeitsprüfung bei den öffentlichen Finanzen
- ShortId
-
96.3591
- Id
-
19963591
- Updated
-
10.04.2024 09:25
- Language
-
de
- Title
-
Frauenverträglichkeitsprüfung bei den öffentlichen Finanzen
- AdditionalIndexing
-
Sparmassnahme;Aufstellung des Haushaltsplans;Haushaltskontrolle;öffentliche Finanzen;Stellung der Frau;Frauenarbeit
- 1
-
- L03K010104, Stellung der Frau
- L04K11080108, Sparmassnahme
- L04K11020103, Aufstellung des Haushaltsplans
- L04K11020205, Haushaltskontrolle
- L03K110802, öffentliche Finanzen
- L05K0702030205, Frauenarbeit
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Im Auftrage des Schweizerischen Verbandes des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) und der Schweizerischen Gleichstellungsbeauftragten wurde kürzlich unter dem Titel "An den Frauen sparen?" eine Untersuchung zu den Auswirkungen der Sparpolitik von Bund, Kantonen und Gemeinden auf die Frauen publiziert. Die Studie zeigt auf eine deutliche Ungleichverteilung zwischen den Geschlechtern sowohl bezüglich Beschäftigungswirkung, Auswirkung auf Gratisarbeit als auch bezüglich staatlichen Ausgabenposten, denen ein direkter Nutzen für Frauen zugemessen wird. Der markante Abbau von staatlichen Leistungen im Rahmen der Sparpolitik führt im Gegenzug zu mehr Gratisarbeit, die überwiegend von Frauen geleistet werden muss. Festgestellt wurde, dass es heute an Daten und an der Methodik fehlt, um die wichtige Frage zu beantworten, wie und mit welchen Auswirkungen von der öffentlichen Hand an den Frauen gespart wird. Ebenso zeigte sich jedoch, dass die in der Studie neu entwickelte Methodik einer partiell quantitativen Budgetanalyse praktikabel und aufschlussreich ist. Notwendig ist eine aufgearbeitete Rechnungs- und Budgetgliederung, welche frauenspezifische Auswirkungen von Sparübungen transparent machen.</p><p>Die 4. Weltfrauenkonferenz vom September 1995 in Beijing hat in ihrer Aktionsplattform die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen gefordert. Gefördert werden sollen die wirtschaftlichen Rechte und die Unabhängigkeit der Frauen, namentlich ihr Zugang zu Erwerbsmöglichkeiten, zu angemessenen Arbeitsbedingungen und ihre Verfügungsgewalt über wirtschaftliche Ressourcen (Aktionsplattform: Strategisches Ziel F.1.). Als konkrete Massnahme zur Umsetzung dieses Ziels schlägt die Konferenz vor, bei der Erarbeitung von makro- und mikroökonomischen Politiken und Sozialpolitiken Analysen der geschlechtsspezifischen Auswirkungen heranzuziehen, um diese zu überwachen und im Falle schädlicher Auswirkungen entsprechend zu modifizieren (Massnahme 165 p in der Aktionsplattform). Die Hauptverantwortung für die Umsetzung der strategischen Ziele der Aktionsplattform liegt bei den Regierungen, die systematisch zu überprüfen haben, in welchem Masse Ausgaben des öffentlichen Sektors Frauen zugute kommen. Der Staatshaushalt muss so angepasst werden, dass Frauen der gleiche Zugang zu öffentlichen Mitteln gewährleistet ist (Aktionsplattform Punkte 345 und 346).</p><p>Das Instrument der Frauenverträglichkeitsprüfung ist unabdingbar als Informationsgrundlage für jede seriöse Gleichstellungspolitik. Es erlaubt zudem Bundesrat und Parlament, jeden finanzpolitischen Grundsatzentscheid aufgrund einer sorgfältigen Analyse der Auswirkungen auf Frauen fällen zu können. Dadurch lassen sich unnötige Folgekosten vermeiden und letztlich ein echter Spareffekt erzielen.</p>
- <p>Der Bundesrat hat schon verschiedentlich dargelegt, dass eine anhaltende Defizitwirtschaft mit vielfältigen negativen Effekten verbunden ist. Er räumt daher der Sanierung der Bundesfinanzen hohe Priorität ein, wobei gleichzeitig dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld Rechnung zu tragen ist. Leider verlangt die besorgniserregende Lage der Bundesfinanzen nach einschneidenden Gegenmassnahmen, die breiten Kreisen der Bevölkerung Opfer abverlangen. Aber der Bundesrat ist bemüht, die Last der Sparmassnahmen ausgewogen auf die einzelnen Schultern zu verteilen. Diese Ausgewogenheit darf sich jedoch nicht auf die geschlechterspezifische Dimension beschränken. Zu berücksichtigen sind auch mögliche Konfliktfelder im Generationenbereich (jung/alt), im Regionalbereich (Peripherie/Zentren/Sprachen) oder im intertemporalen Bereich (heutige/künftige Generationen). Schliesslich gilt es auch, die Sanierungsmassnahmen ausgewogen auf den Unternehmenssektor und die Privathaushalte zu verteilen.</p><p>Das Bundesbudget ist nach Ansicht des Bundesrates für eine Frauenverträglichkeitsprüfung nur bedingt geeignet, wie dies die Motion fordert. Der Bundeshaushalt ist hauptsächlich ein Transferhaushalt, der im Rahmen eines Voranschlages nur geringe Steuerungsmöglichkeiten offen lässt. Ansprechpartner für das Anliegen der Motion dürften daher eher die Kantone und Gemeinden sein.</p><p>Angesichts der gleichstellungspolitischen Bedeutung des Themas ist der Bundesrat jedoch bereit, das Anliegen näher zu prüfen.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, im Bundesbudget das Instrument einer Frauenverträglichkeitsprüfung zu entwickeln und einzuführen. Damit soll eine geschlechtsspezifische Analyse des Gesamtbudgets sowie einzelner Budgetbeschlüsse ermöglicht werden, in der deutlich werden muss, wie sich Ausgabenkürzungen und Sparbeschlüsse auf Frauen, Frauenarbeitsplätze und Frauenprojekte - insbesondere Dienstleistungen und Angebote, die vor allem von Frauen benützt werden - auswirken.</p>
- Frauenverträglichkeitsprüfung bei den öffentlichen Finanzen
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Im Auftrage des Schweizerischen Verbandes des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) und der Schweizerischen Gleichstellungsbeauftragten wurde kürzlich unter dem Titel "An den Frauen sparen?" eine Untersuchung zu den Auswirkungen der Sparpolitik von Bund, Kantonen und Gemeinden auf die Frauen publiziert. Die Studie zeigt auf eine deutliche Ungleichverteilung zwischen den Geschlechtern sowohl bezüglich Beschäftigungswirkung, Auswirkung auf Gratisarbeit als auch bezüglich staatlichen Ausgabenposten, denen ein direkter Nutzen für Frauen zugemessen wird. Der markante Abbau von staatlichen Leistungen im Rahmen der Sparpolitik führt im Gegenzug zu mehr Gratisarbeit, die überwiegend von Frauen geleistet werden muss. Festgestellt wurde, dass es heute an Daten und an der Methodik fehlt, um die wichtige Frage zu beantworten, wie und mit welchen Auswirkungen von der öffentlichen Hand an den Frauen gespart wird. Ebenso zeigte sich jedoch, dass die in der Studie neu entwickelte Methodik einer partiell quantitativen Budgetanalyse praktikabel und aufschlussreich ist. Notwendig ist eine aufgearbeitete Rechnungs- und Budgetgliederung, welche frauenspezifische Auswirkungen von Sparübungen transparent machen.</p><p>Die 4. Weltfrauenkonferenz vom September 1995 in Beijing hat in ihrer Aktionsplattform die wirtschaftliche Teilhabe von Frauen gefordert. Gefördert werden sollen die wirtschaftlichen Rechte und die Unabhängigkeit der Frauen, namentlich ihr Zugang zu Erwerbsmöglichkeiten, zu angemessenen Arbeitsbedingungen und ihre Verfügungsgewalt über wirtschaftliche Ressourcen (Aktionsplattform: Strategisches Ziel F.1.). Als konkrete Massnahme zur Umsetzung dieses Ziels schlägt die Konferenz vor, bei der Erarbeitung von makro- und mikroökonomischen Politiken und Sozialpolitiken Analysen der geschlechtsspezifischen Auswirkungen heranzuziehen, um diese zu überwachen und im Falle schädlicher Auswirkungen entsprechend zu modifizieren (Massnahme 165 p in der Aktionsplattform). Die Hauptverantwortung für die Umsetzung der strategischen Ziele der Aktionsplattform liegt bei den Regierungen, die systematisch zu überprüfen haben, in welchem Masse Ausgaben des öffentlichen Sektors Frauen zugute kommen. Der Staatshaushalt muss so angepasst werden, dass Frauen der gleiche Zugang zu öffentlichen Mitteln gewährleistet ist (Aktionsplattform Punkte 345 und 346).</p><p>Das Instrument der Frauenverträglichkeitsprüfung ist unabdingbar als Informationsgrundlage für jede seriöse Gleichstellungspolitik. Es erlaubt zudem Bundesrat und Parlament, jeden finanzpolitischen Grundsatzentscheid aufgrund einer sorgfältigen Analyse der Auswirkungen auf Frauen fällen zu können. Dadurch lassen sich unnötige Folgekosten vermeiden und letztlich ein echter Spareffekt erzielen.</p>
- <p>Der Bundesrat hat schon verschiedentlich dargelegt, dass eine anhaltende Defizitwirtschaft mit vielfältigen negativen Effekten verbunden ist. Er räumt daher der Sanierung der Bundesfinanzen hohe Priorität ein, wobei gleichzeitig dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld Rechnung zu tragen ist. Leider verlangt die besorgniserregende Lage der Bundesfinanzen nach einschneidenden Gegenmassnahmen, die breiten Kreisen der Bevölkerung Opfer abverlangen. Aber der Bundesrat ist bemüht, die Last der Sparmassnahmen ausgewogen auf die einzelnen Schultern zu verteilen. Diese Ausgewogenheit darf sich jedoch nicht auf die geschlechterspezifische Dimension beschränken. Zu berücksichtigen sind auch mögliche Konfliktfelder im Generationenbereich (jung/alt), im Regionalbereich (Peripherie/Zentren/Sprachen) oder im intertemporalen Bereich (heutige/künftige Generationen). Schliesslich gilt es auch, die Sanierungsmassnahmen ausgewogen auf den Unternehmenssektor und die Privathaushalte zu verteilen.</p><p>Das Bundesbudget ist nach Ansicht des Bundesrates für eine Frauenverträglichkeitsprüfung nur bedingt geeignet, wie dies die Motion fordert. Der Bundeshaushalt ist hauptsächlich ein Transferhaushalt, der im Rahmen eines Voranschlages nur geringe Steuerungsmöglichkeiten offen lässt. Ansprechpartner für das Anliegen der Motion dürften daher eher die Kantone und Gemeinden sein.</p><p>Angesichts der gleichstellungspolitischen Bedeutung des Themas ist der Bundesrat jedoch bereit, das Anliegen näher zu prüfen.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, im Bundesbudget das Instrument einer Frauenverträglichkeitsprüfung zu entwickeln und einzuführen. Damit soll eine geschlechtsspezifische Analyse des Gesamtbudgets sowie einzelner Budgetbeschlüsse ermöglicht werden, in der deutlich werden muss, wie sich Ausgabenkürzungen und Sparbeschlüsse auf Frauen, Frauenarbeitsplätze und Frauenprojekte - insbesondere Dienstleistungen und Angebote, die vor allem von Frauen benützt werden - auswirken.</p>
- Frauenverträglichkeitsprüfung bei den öffentlichen Finanzen
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