Genmanipulierte Soja. Bedürfnisse der Konsumenten und Langzeit-Risiken

ShortId
97.3024
Id
19973024
Updated
10.04.2024 14:08
Language
de
Title
Genmanipulierte Soja. Bedürfnisse der Konsumenten und Langzeit-Risiken
AdditionalIndexing
1
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Was die grosse Mehrzahl der Bevölkerung will, haben die Ereignisse der letzten Wochen nur allzu deutlich gezeigt: Im Dezember wurde dem Bundesrat eine von rund 150 000 Frauen und Männern unterzeichnete Petition gegen die Zulassung von genmanipulierten Lebensmitteln überreicht. Frauen haben im Februar vor dem Bundeshaus demonstriert und forderten den Stopp von genmanipulierter Soja und genmanipuliertem Mais. Auch international ist der Protest sehr breit abgestützt. So haben bereits 300 Organisationen aus 48 Ländern einen Boykottaufruf des amerikanischen Konsumentenschützers Jerimy Rifkins unterstützt. Oesterreich, Frankreich und Luxemburg haben die Einfuhr von genmanipuliertem Novartis-Mais verboten.</p><p>Eine Verwaltungsbeschwerde gegen die Zulassung von genmanipulierter Soja wurde eingereicht, weil wesentliche Risikoabklärungen nur unvollständig vorliegen oder vollständig fehlen, und weil durch die Vermischung von manipulierter mit konventioneller Soja die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten verunmöglicht wird. Schliesslich widerspricht die Einführung einer Uebergangsfrist für die Deklaration - bis Ende 1997 genügen Hinweisschilder bei den Verkaufsständen - der Schweizerischen Lebensmittelverordnung und der steten Beteuerung der Bundesbehörden, dass die klare Deklaration auf den Packungen zu finden sei.</p><p>Besonders beunruhigend ist, dass unabhängige Wissenschafter vor der Möglichkeit warnen, dass mit dem Herbizid behandelte Sojapflanzen grosse Mengen von östrogenähnlichen Stoffen, sogenannte Phyto-Oestrogene produzieren könnten. Oestrogene aber stehen im Verdacht, Brustkrebs zu fördern und den Hormonhaushalt zu stören, was besonders für Frauen und Kinder ein Risiko darstellt.</p><p>Zudem besteht für Glyphosat auch eine Rückstandsproblematik. Als akute Gesundheitsprobleme bei unvorsichtigem Umgang mit Glyphosat sind bei Landarbeitern nachgewiesen: Bewusstseinsbeeinträchtigungen, Augenreizungen, Lungenfunktionsstörungen, Blutdruckabfall, Nierenschädigungen, Flüssigkeitsverluste im Magen-Darm-Trakt. Es sind auch chronische und subchronische Wirkungen dokumentiert. Keine Zweifel bestehen offenbar an der Mutagenität und den Wirkungen auf die Fortpflanzung.</p><p>Die oft gehörte Behauptung von Lebensmittel- und Futtermittelproduzenten, gentechfreie Soja sei bald nicht mehr erhältlich, erweist sich als falsche Panikmache und verfrühter Kniefall vor der Gentechindustrie. So hat nun beispielsweise das österreichische Handelsunternehmen Pilstl Verträge und Transportlogistik organisiert, um in den kommenden fünf Jahren die Nachfrage nach gentechfreien Sojabohnen decken zu können.</p>
  • <p>1. Warum werden bei der Zulassung von genmanipulierten Lebensmitteln die Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten, welche bei Meinungsumfragen solche regelmässig mit einer grossen Mehrheit ablehnen, nicht berücksichtigt?</p><p>2. Wie beantwortet der Bundesrat die Petition gegen die Zulassung von genmanipulierten Lebensmitteln, welche innert kurzer Zeit von rund 150 000 Konsumenten und Konsumentinnen unterzeichnet und im Dezember eingereicht worden ist?</p><p>3. Welche Langzeituntersuchungen zur Verträglichkeit von Gensoja und zur mit Glyphosat behandelten Gensoja wurden gemacht</p><p>a. für die menschliche Gesundheit?</p><p>b. für die tierische Gesundheit?</p><p>c. für die Umwelt?</p><p>4. Haben die schweizerischen Zulassungsbehörden zusätzliche Untersuchungen verlangt?</p><p>5. Ist der Bundesrat bereit, alle bisherigen Untersuchungsergebnisse offenzulegen?</p><p>6. Ist der Bundesrat bereit, die Bewilligung von Gensoja sowohl für die menschliche Ernährung als auch als Tierfutter zu widerrufen?</p>
  • Genmanipulierte Soja. Bedürfnisse der Konsumenten und Langzeit-Risiken
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Was die grosse Mehrzahl der Bevölkerung will, haben die Ereignisse der letzten Wochen nur allzu deutlich gezeigt: Im Dezember wurde dem Bundesrat eine von rund 150 000 Frauen und Männern unterzeichnete Petition gegen die Zulassung von genmanipulierten Lebensmitteln überreicht. Frauen haben im Februar vor dem Bundeshaus demonstriert und forderten den Stopp von genmanipulierter Soja und genmanipuliertem Mais. Auch international ist der Protest sehr breit abgestützt. So haben bereits 300 Organisationen aus 48 Ländern einen Boykottaufruf des amerikanischen Konsumentenschützers Jerimy Rifkins unterstützt. Oesterreich, Frankreich und Luxemburg haben die Einfuhr von genmanipuliertem Novartis-Mais verboten.</p><p>Eine Verwaltungsbeschwerde gegen die Zulassung von genmanipulierter Soja wurde eingereicht, weil wesentliche Risikoabklärungen nur unvollständig vorliegen oder vollständig fehlen, und weil durch die Vermischung von manipulierter mit konventioneller Soja die Wahlfreiheit der Konsumentinnen und Konsumenten verunmöglicht wird. Schliesslich widerspricht die Einführung einer Uebergangsfrist für die Deklaration - bis Ende 1997 genügen Hinweisschilder bei den Verkaufsständen - der Schweizerischen Lebensmittelverordnung und der steten Beteuerung der Bundesbehörden, dass die klare Deklaration auf den Packungen zu finden sei.</p><p>Besonders beunruhigend ist, dass unabhängige Wissenschafter vor der Möglichkeit warnen, dass mit dem Herbizid behandelte Sojapflanzen grosse Mengen von östrogenähnlichen Stoffen, sogenannte Phyto-Oestrogene produzieren könnten. Oestrogene aber stehen im Verdacht, Brustkrebs zu fördern und den Hormonhaushalt zu stören, was besonders für Frauen und Kinder ein Risiko darstellt.</p><p>Zudem besteht für Glyphosat auch eine Rückstandsproblematik. Als akute Gesundheitsprobleme bei unvorsichtigem Umgang mit Glyphosat sind bei Landarbeitern nachgewiesen: Bewusstseinsbeeinträchtigungen, Augenreizungen, Lungenfunktionsstörungen, Blutdruckabfall, Nierenschädigungen, Flüssigkeitsverluste im Magen-Darm-Trakt. Es sind auch chronische und subchronische Wirkungen dokumentiert. Keine Zweifel bestehen offenbar an der Mutagenität und den Wirkungen auf die Fortpflanzung.</p><p>Die oft gehörte Behauptung von Lebensmittel- und Futtermittelproduzenten, gentechfreie Soja sei bald nicht mehr erhältlich, erweist sich als falsche Panikmache und verfrühter Kniefall vor der Gentechindustrie. So hat nun beispielsweise das österreichische Handelsunternehmen Pilstl Verträge und Transportlogistik organisiert, um in den kommenden fünf Jahren die Nachfrage nach gentechfreien Sojabohnen decken zu können.</p>
    • <p>1. Warum werden bei der Zulassung von genmanipulierten Lebensmitteln die Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten, welche bei Meinungsumfragen solche regelmässig mit einer grossen Mehrheit ablehnen, nicht berücksichtigt?</p><p>2. Wie beantwortet der Bundesrat die Petition gegen die Zulassung von genmanipulierten Lebensmitteln, welche innert kurzer Zeit von rund 150 000 Konsumenten und Konsumentinnen unterzeichnet und im Dezember eingereicht worden ist?</p><p>3. Welche Langzeituntersuchungen zur Verträglichkeit von Gensoja und zur mit Glyphosat behandelten Gensoja wurden gemacht</p><p>a. für die menschliche Gesundheit?</p><p>b. für die tierische Gesundheit?</p><p>c. für die Umwelt?</p><p>4. Haben die schweizerischen Zulassungsbehörden zusätzliche Untersuchungen verlangt?</p><p>5. Ist der Bundesrat bereit, alle bisherigen Untersuchungsergebnisse offenzulegen?</p><p>6. Ist der Bundesrat bereit, die Bewilligung von Gensoja sowohl für die menschliche Ernährung als auch als Tierfutter zu widerrufen?</p>
    • Genmanipulierte Soja. Bedürfnisse der Konsumenten und Langzeit-Risiken

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