Handlungsbedarf im Kampf gegen aufkeimenden Antisemitismus

ShortId
97.3054
Id
19973054
Updated
10.04.2024 08:20
Language
de
Title
Handlungsbedarf im Kampf gegen aufkeimenden Antisemitismus
AdditionalIndexing
Antisemitismus;Public Relations;Rassendiskriminierung;Sozialkunde;ausserparlamentarische Kommission
1
  • L05K0502040101, Antisemitismus
  • L04K05020401, Rassendiskriminierung
  • L05K0806020201, ausserparlamentarische Kommission
  • L04K12010203, Public Relations
  • L04K13020108, Sozialkunde
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Auseinandersetzung um den Antisemitismus war längst fällig. Dem durch Jahrhunderte kirchlich und politisch gepflegten Antisemitismus im ganzen europäischen Kulturraum ist nur beizukommen, wenn wir seine Ursachen und seinen zutiefst unmenschlichen und undemokratischen Charakter erkennen. Er ist nicht das Problem der Juden, sondern derer, die ihm bewusst oder unbewusst anheimgefallen sind.</p><p>Antisemitismus, wie Rassismus überhaupt, ist nicht eine Frage der Parteizugehörigkeit. Daraus politisches Kapital schlagen zu wollen wäre billiger Populismus. Aufklären, Fehler eingestehen, sich der Kritik stellen, mitfühlen, Anteil nehmen und verstehen wollen heisst die Losung. Diese Aufarbeitung findet heute statt. Sie befähigt uns, der Anfechtung im In- und Ausland selbstbewusster, gelassener und glaubwürdiger zu begegnen.</p><p>Der Holocaust des jüdischen Volkes, die Vernichtung vieler Fahrender, die Ausmerzung Behinderter und die gnadenlose Verfolgung politisch Andersdenkender unter der Naziherrschaft haben eine tiefe Spur im Gedächtnis und in der Seele nicht nur der Opfer und ihrer Nachfahren hinterlassen. Diese Erinnerung verlangt, gegen Unrecht und Diskrimination jeder Art aufzustehen, wozu Bundesrat Cotti unmissverständlich aufgerufen hat: "Gegen jede rassistische Haltung anzutreten ist die moralische Verpflichtung jeder Schweizerin und jedes Schweizers."</p><p>Diesen Worten sollten nun Taten in Form einer landesweiten Aufklärungskampagne gegen den Antisemitismus folgen. Teilt der Bundesrat diese Auffassung?</p>
  • <p>Der Bundesrat ist sich der erforderlichen Anstrengungen gegen Antisemitismus und Rassismus und für eine Sensibilisierung und Prävention bewusst und teilt grundsätzlich die Einschätzung des Interpellanten.</p><p>Die 1995 eingesetzte Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR), deren Sekretariat dem Eidgenössischen Departement des Innern angegliedert ist, hat die Aufgabe, sich langfristig mit den Themen Rassismus, Antisemitismus, Intoleranz und Diskriminierung zu befassen, und sieht darin eine Daueraufgabe unserer Gesellschaft. Als einen ersten Schritt hat die EKR eine Öffentlichkeitskampagne konzipiert, die motivieren soll, gegen Rassismus, Xenophobie und Antisemitismus Stellung zu beziehen. Bereits 1996 in die Wege geleitet, wird diese Kampagne im Sommer 1997 über verschiedene Medienkanäle - Plakate, Zeitungsinserate, TV-Spots - realisiert werden, begleitet von flankierenden Massnahmen. Allerdings sind die erforderlichen finanziellen Mittel noch nicht gänzlich sichergestellt. Weitere Aktivitäten entfaltet die EKR mit der Durchführung von Projekten und Kampagnen im Bereich Schule und Erziehung, mit Behörden, Medienvertretern und in der Arbeitswelt.</p><p>Nach Absprache mit dem Eidgenössischen Departement des Innern und dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten wird die EKR innert kurzer Frist Anregungen zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Problematik des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit unter besonderer Berücksichtigung des Antisemitismus sowie Anregungen für die Planung von vorbeugenden Massnahmen unterbreiten. Dabei geht es auch um das Bündeln bereits bestehender Ideen und Projekte, welche den Abbau von Ausgrenzung und Diskriminierung sowie die Erinnerung an die Leiden der Holocaust-Opfer zum Inhalt haben. Die EKR steht in Kontakt mit weiteren Gruppierungen, die als Multiplikatoren für dieses sensible Thema gelten können.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Welche Massnahmen gedenkt der Bundesrat zu ergreifen, um dem aufkeimenden Antisemitismus wirksam zu begegnen? Wäre es nicht angezeigt, in Absprache mit der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus unter dem Vorsitz von Professor Kreis, eine landesweite Aufklärungskampagne zu lancieren, damit das Verständnis für die Ursachen und Formen des Antisemitismus und seiner Folgen in der Jugend und der Bevölkerung ganz allgemein geweckt und ins Bewusstsein gerückt wird?</p>
  • Handlungsbedarf im Kampf gegen aufkeimenden Antisemitismus
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Auseinandersetzung um den Antisemitismus war längst fällig. Dem durch Jahrhunderte kirchlich und politisch gepflegten Antisemitismus im ganzen europäischen Kulturraum ist nur beizukommen, wenn wir seine Ursachen und seinen zutiefst unmenschlichen und undemokratischen Charakter erkennen. Er ist nicht das Problem der Juden, sondern derer, die ihm bewusst oder unbewusst anheimgefallen sind.</p><p>Antisemitismus, wie Rassismus überhaupt, ist nicht eine Frage der Parteizugehörigkeit. Daraus politisches Kapital schlagen zu wollen wäre billiger Populismus. Aufklären, Fehler eingestehen, sich der Kritik stellen, mitfühlen, Anteil nehmen und verstehen wollen heisst die Losung. Diese Aufarbeitung findet heute statt. Sie befähigt uns, der Anfechtung im In- und Ausland selbstbewusster, gelassener und glaubwürdiger zu begegnen.</p><p>Der Holocaust des jüdischen Volkes, die Vernichtung vieler Fahrender, die Ausmerzung Behinderter und die gnadenlose Verfolgung politisch Andersdenkender unter der Naziherrschaft haben eine tiefe Spur im Gedächtnis und in der Seele nicht nur der Opfer und ihrer Nachfahren hinterlassen. Diese Erinnerung verlangt, gegen Unrecht und Diskrimination jeder Art aufzustehen, wozu Bundesrat Cotti unmissverständlich aufgerufen hat: "Gegen jede rassistische Haltung anzutreten ist die moralische Verpflichtung jeder Schweizerin und jedes Schweizers."</p><p>Diesen Worten sollten nun Taten in Form einer landesweiten Aufklärungskampagne gegen den Antisemitismus folgen. Teilt der Bundesrat diese Auffassung?</p>
    • <p>Der Bundesrat ist sich der erforderlichen Anstrengungen gegen Antisemitismus und Rassismus und für eine Sensibilisierung und Prävention bewusst und teilt grundsätzlich die Einschätzung des Interpellanten.</p><p>Die 1995 eingesetzte Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR), deren Sekretariat dem Eidgenössischen Departement des Innern angegliedert ist, hat die Aufgabe, sich langfristig mit den Themen Rassismus, Antisemitismus, Intoleranz und Diskriminierung zu befassen, und sieht darin eine Daueraufgabe unserer Gesellschaft. Als einen ersten Schritt hat die EKR eine Öffentlichkeitskampagne konzipiert, die motivieren soll, gegen Rassismus, Xenophobie und Antisemitismus Stellung zu beziehen. Bereits 1996 in die Wege geleitet, wird diese Kampagne im Sommer 1997 über verschiedene Medienkanäle - Plakate, Zeitungsinserate, TV-Spots - realisiert werden, begleitet von flankierenden Massnahmen. Allerdings sind die erforderlichen finanziellen Mittel noch nicht gänzlich sichergestellt. Weitere Aktivitäten entfaltet die EKR mit der Durchführung von Projekten und Kampagnen im Bereich Schule und Erziehung, mit Behörden, Medienvertretern und in der Arbeitswelt.</p><p>Nach Absprache mit dem Eidgenössischen Departement des Innern und dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten wird die EKR innert kurzer Frist Anregungen zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Problematik des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit unter besonderer Berücksichtigung des Antisemitismus sowie Anregungen für die Planung von vorbeugenden Massnahmen unterbreiten. Dabei geht es auch um das Bündeln bereits bestehender Ideen und Projekte, welche den Abbau von Ausgrenzung und Diskriminierung sowie die Erinnerung an die Leiden der Holocaust-Opfer zum Inhalt haben. Die EKR steht in Kontakt mit weiteren Gruppierungen, die als Multiplikatoren für dieses sensible Thema gelten können.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Welche Massnahmen gedenkt der Bundesrat zu ergreifen, um dem aufkeimenden Antisemitismus wirksam zu begegnen? Wäre es nicht angezeigt, in Absprache mit der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus unter dem Vorsitz von Professor Kreis, eine landesweite Aufklärungskampagne zu lancieren, damit das Verständnis für die Ursachen und Formen des Antisemitismus und seiner Folgen in der Jugend und der Bevölkerung ganz allgemein geweckt und ins Bewusstsein gerückt wird?</p>
    • Handlungsbedarf im Kampf gegen aufkeimenden Antisemitismus

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