Frauenvertretung in Expertenkommissionen

ShortId
97.3105
Id
19973105
Updated
10.04.2024 18:53
Language
de
Title
Frauenvertretung in Expertenkommissionen
AdditionalIndexing
Gleichstellung von Mann und Frau;Expertenkommission;Gliederung nach Geschlecht;Frauenförderung
1
  • L04K01070103, Gliederung nach Geschlecht
  • L04K01010401, Frauenförderung
  • L04K05020305, Gleichstellung von Mann und Frau
  • L06K080602020101, Expertenkommission
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Ich erlaube mir, zwei aktuelle Beispiele anzuführen, um mein Anliegen zu veranschaulichen:</p><p>In seiner Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss, in dem die Untervertretung der Frauen in der von Herrn Brunner präsidierten Strategiekommission beanstandet wird, ist Bundesrat Ogi der Meinung, dass er auf keinen der ausgewählten Männer verzichten könne, um neun zusätzliche Sitze an Frauen zu vergeben. "Im letzteren Fall würde sie 50 Mitglieder umfassen und damit den Titel Mammut-Strategiekommission' wohl verdienen."</p><p>Bei denjenigen Frauen in diesem Land, die sich in Fragen der Sicherheit engagieren und die seit je über die Ausweitung dieses Begriffs nachdenken, stösst diese Vorgehensweise auf Unverständnis, wurden sie doch bewusst von dieser wichtigen Grundsatzreflexion über unsere zukünftige Sicherheitspolitik ausgeschlossen.</p><p>Es geht mir, wie gesagt, nicht in erster Linie um Quoten, sondern um die elementare Anwendung unserer demokratischen Spielregeln und um die Anerkennung der Fähigkeit der Frauen, bei öffentlichen Angelegenheiten einen wertvollen Beitrag zu leisten.</p><p>Bundesrat Koller, der für die Einhaltung der Quotenregelung sorgen sollte, betont im Zusammenhang mit der Bildung einer kleinen Expertenkommission für Migrationspolitik die Notwendigkeit, über Experten verfügen zu können "und vor allem Fachleute aus der kantonalen und Bundesverwaltung, die sich auf Grund ihrer Funktionen mit Ausländer-, Asyl- und Arbeitspolitik befassen, zu ernennen".</p><p>Diese beiden Beispiele erinnern treffend an eine Katze, die sich in den Schwanz beissen und vor diesem gleichzeitig davonlaufen will: Man legt Quoten fest, wendet sie aber nicht an unter dem Vorwand, dass man keine Frauen findet, die sich in der Verwaltungshierarchie durchgesetzt haben. Die Quoten sind doch genau dazu gedacht, dieses Problem zu überwinden, und nötigenfalls kann man sich an die dafür geschaffenen Gleichstellungsbüros wenden, die sehr wohl in der Lage sind, die auf dem jeweiligen Gebiet spezialisierten Frauen ausfindig zu machen. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Asyl: Es lässt sich kaum bestreiten, dass es hier Frauen gibt, die in Migrationsfragen besonders qualifiziert und erfahren sind. Doch gehören diese eben nicht zum Establishment.</p><p>Die Schwierigkeiten, die Frauen haben, sich auf verantwortungsvolle Posten vorzuarbeiten, werden weiterhin übersehen. Durch dieses Vorgehen wird jedoch genau all jenen Vorschub geleistet, die der Ansicht sind, dass sich die Frauen nur über die systematische Durchsetzung von Quoten Gehör verschaffen können.</p>
  • Antwort des Bundesrates.
  • <p>Zum Problem der Untervertretung der Frauen in Expertenkommissionen gab es schon zahlreiche Stellungnahmen. Als Antwort auf weitere parlamentarische Vorstösse haben Bundespräsident Koller und Bundesrat Ogi näher dargelegt, wie die eben von ihnen eingesetzten Kommissionen gebildet wurden. Ich könnte mich damit zufriedengeben, vor allem als rechtsstehende Frau, welche die Quoten-Initiative nicht mitunterzeichnet hat.</p><p>Es bleiben jedoch einige Unklarheiten bestehen, die beseitigt werden sollten. Mit anderen Worten: Die abgegebenen Erklärungen überzeugen uns nicht.</p><p>Deshalb fordere ich, dass neue Anstrengungen unternommen werden, um für eine gerechtere Vertretung der Frauen in Kommissionen zu sorgen. Dies stünde mit der vom Bundesrat beschlossenen ausgewogenen Geschlechtervertretung im Einklang, wäre aber insbesondere deshalb erstrebenswert, weil es fähige Frauen gibt, die dazu beitragen können, dass ein Problem aus einem anderen, ergänzenden Blickwinkel angegangen wird, was letztendlich für eine globale Betrachtungsweise unerlässlich ist.</p>
  • Frauenvertretung in Expertenkommissionen
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Ich erlaube mir, zwei aktuelle Beispiele anzuführen, um mein Anliegen zu veranschaulichen:</p><p>In seiner Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss, in dem die Untervertretung der Frauen in der von Herrn Brunner präsidierten Strategiekommission beanstandet wird, ist Bundesrat Ogi der Meinung, dass er auf keinen der ausgewählten Männer verzichten könne, um neun zusätzliche Sitze an Frauen zu vergeben. "Im letzteren Fall würde sie 50 Mitglieder umfassen und damit den Titel Mammut-Strategiekommission' wohl verdienen."</p><p>Bei denjenigen Frauen in diesem Land, die sich in Fragen der Sicherheit engagieren und die seit je über die Ausweitung dieses Begriffs nachdenken, stösst diese Vorgehensweise auf Unverständnis, wurden sie doch bewusst von dieser wichtigen Grundsatzreflexion über unsere zukünftige Sicherheitspolitik ausgeschlossen.</p><p>Es geht mir, wie gesagt, nicht in erster Linie um Quoten, sondern um die elementare Anwendung unserer demokratischen Spielregeln und um die Anerkennung der Fähigkeit der Frauen, bei öffentlichen Angelegenheiten einen wertvollen Beitrag zu leisten.</p><p>Bundesrat Koller, der für die Einhaltung der Quotenregelung sorgen sollte, betont im Zusammenhang mit der Bildung einer kleinen Expertenkommission für Migrationspolitik die Notwendigkeit, über Experten verfügen zu können "und vor allem Fachleute aus der kantonalen und Bundesverwaltung, die sich auf Grund ihrer Funktionen mit Ausländer-, Asyl- und Arbeitspolitik befassen, zu ernennen".</p><p>Diese beiden Beispiele erinnern treffend an eine Katze, die sich in den Schwanz beissen und vor diesem gleichzeitig davonlaufen will: Man legt Quoten fest, wendet sie aber nicht an unter dem Vorwand, dass man keine Frauen findet, die sich in der Verwaltungshierarchie durchgesetzt haben. Die Quoten sind doch genau dazu gedacht, dieses Problem zu überwinden, und nötigenfalls kann man sich an die dafür geschaffenen Gleichstellungsbüros wenden, die sehr wohl in der Lage sind, die auf dem jeweiligen Gebiet spezialisierten Frauen ausfindig zu machen. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Asyl: Es lässt sich kaum bestreiten, dass es hier Frauen gibt, die in Migrationsfragen besonders qualifiziert und erfahren sind. Doch gehören diese eben nicht zum Establishment.</p><p>Die Schwierigkeiten, die Frauen haben, sich auf verantwortungsvolle Posten vorzuarbeiten, werden weiterhin übersehen. Durch dieses Vorgehen wird jedoch genau all jenen Vorschub geleistet, die der Ansicht sind, dass sich die Frauen nur über die systematische Durchsetzung von Quoten Gehör verschaffen können.</p>
    • Antwort des Bundesrates.
    • <p>Zum Problem der Untervertretung der Frauen in Expertenkommissionen gab es schon zahlreiche Stellungnahmen. Als Antwort auf weitere parlamentarische Vorstösse haben Bundespräsident Koller und Bundesrat Ogi näher dargelegt, wie die eben von ihnen eingesetzten Kommissionen gebildet wurden. Ich könnte mich damit zufriedengeben, vor allem als rechtsstehende Frau, welche die Quoten-Initiative nicht mitunterzeichnet hat.</p><p>Es bleiben jedoch einige Unklarheiten bestehen, die beseitigt werden sollten. Mit anderen Worten: Die abgegebenen Erklärungen überzeugen uns nicht.</p><p>Deshalb fordere ich, dass neue Anstrengungen unternommen werden, um für eine gerechtere Vertretung der Frauen in Kommissionen zu sorgen. Dies stünde mit der vom Bundesrat beschlossenen ausgewogenen Geschlechtervertretung im Einklang, wäre aber insbesondere deshalb erstrebenswert, weil es fähige Frauen gibt, die dazu beitragen können, dass ein Problem aus einem anderen, ergänzenden Blickwinkel angegangen wird, was letztendlich für eine globale Betrachtungsweise unerlässlich ist.</p>
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