Früherkennung von Brustkrebs. Aufhebung der Franchise auf Vorsorgeleistungen
- ShortId
-
97.3486
- Id
-
19973486
- Updated
-
10.04.2024 14:04
- Language
-
de
- Title
-
Früherkennung von Brustkrebs. Aufhebung der Franchise auf Vorsorgeleistungen
- AdditionalIndexing
-
Versicherungsleistung;Prävention;Krankenversicherung;Gesundheitsüberwachung;Krebs;Stellung der Frau
- 1
-
- L04K01050110, Krebs
- L05K0105050901, Gesundheitsüberwachung
- L05K0105050702, Prävention
- L03K010104, Stellung der Frau
- L04K01040109, Krankenversicherung
- L05K1110011304, Versicherungsleistung
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Soziale und gesundheitliche Konsequenzen der Franchise bei Präventionsleistungen</p><p>Der Gesundheitszustand der Menschen in einer Gesellschaft hängt heute erwiesenermassen von ihrer wirtschaftlichen und sozialen Stellung ab: Je schlechter die Menschen gestellt sind, desto unbefriedigender ist ihr Gesundheitszustand.</p><p>Zahlreiche Studien haben auch ergeben, dass sich die Unterschiede im Gesundheitszustand, die durch die soziale und wirtschaftliche Stellung der Betroffenen bedingt sind, weiter verstärken, wenn für Präventionsleistungen eine Franchise bezahlt werden muss. Diese Tatsache erklärt sich dadurch, dass der finanzielle Aufwand für diese Leistungen für einkommensschwächere Personen stärker ins Gewicht fällt. Da der Nutzen von Präventionsleistungen ausserdem immer erst zu einem späteren Zeitpunkt ersichtlich wird, ist er für potentielle Bezügerinnen und Bezüger umso schwieriger zu erkennen, wenn sie keinen hohen Bildungsstand aufweisen. Tiefes Einkommen und niedriger Bildungsstand gehen häufig mit schlechter wirtschaftlicher und sozialer Stellung einher.</p><p>Durch eine systematisch durchgeführte Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs wollen die Verantwortlichen des Gesundheitswesens die durch Brustkrebs verursachte Mortalität in der weiblichen Bevölkerung senken. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, sollten sich möglichst viele Frauen einer solchen Untersuchung unterziehen. Profitieren von der Früherkennung nur wenige Frauen, so wird sich in der Statistik aufgrund eines "Dilutionseffektes" kaum ein bevölkerungsweiter Rückgang der Mortalität durch Brustkrebs feststellen lassen.</p><p>Sollen sich möglichst viele Frauen Präventionsmassnahmen unterziehen, müssen verschiedene Hindernisse, die von einer Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs abhalten, aus dem Weg geräumt werden. Eines dieser Hindernisse sind die Kosten, die von den Leistungsempfängerinnen übernommen werden müssen. Gewissen Frauen erscheinen diese Kosten im Verhältnis zu ihrem Einkommen zu hoch. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sie den Nutzen einer solchen Untersuchung nicht erkennen. Dies gilt vor allem für sozial schwächere Frauen.</p><p>Dieses Hindernis liesse sich dadurch beseitigen, dass man die Untersuchung kostenlos anbietet. Sonst besteht bereits vor der Inangriffnahme des Programms die Gefahr, dass das angestrebte Ziel nicht erreicht wird.</p><p>Ethik und Durchführung der Vorsorgeuntersuchung</p><p>Wird die Früherkennung von Brustkrebs im Rahmen eines öffentlichen Gesundheitsprogrammes durchgeführt, so sind es die Gesundheitsbehörden oder deren Vertreter, welche die Mammographie mit dem Ziel veranlassen, den Gesundheitszustand der weiblichen Bevölkerung zu verbessern. Die diagnostische Mammographie hingegen wird auf Ersuchen der Patientin durchgeführt, die aufgrund von Symptomen einen Arzt aufsucht.</p><p>Es ist daher sinnvoll, dass die Kosten für diese Leistung von denen übernommen werden, die für die Untersuchung die Initiative ergreifen. Im Falle der Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs wären dies die Institutionen, die das Gesundheitswesen in der Schweiz finanzieren (Bund, Kantone, Krankenkassen).</p>
- <p>Der Bundesrat versteht die Argumente der Motionärin, möchte aber darauf hinweisen, dass die Prävention, mit Ausnahme einiger dem Bund übertragener Bereiche, Aufgabe der Kantone ist. Mit dem neuen Krankenversicherungsgesetz wurde die obligatorische Rückerstattung von gewissen medizinischen Präventionsleistungen eingeführt. Die Aufteilung der Zuständigkeiten indes blieb unverändert. Denkbar ist jedoch eine gemeinsame Finanzierung, wenn es um die Effizienzsteigerung von umfassenden Früherkennungs- oder Impfprogrammen geht.</p><p>Die Beteiligung der versicherten Personen an den Kosten sämtlicher Leistungen, einschliesslich Präventionsmassnahmen wie etwa die Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs, ist gesetzlich vorgeschrieben. Artikel 64 KVG erlaubt keine Aufhebung der Kostenbeteiligung bei Präventionsmassnahmen. Der Bundesrat ist aber bereit, dieses Anliegen im Rahmen der ersten Teilrevision des KVG zu prüfen.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
- <p>Damit die Präventionskampagnen ihren Zweck erfüllen, wird der Bundesrat ersucht, die Franchise für Vorsorgeuntersuchungen aufzuheben. Höchste Priorität hat dabei die Aufhebung der Franchise für Mammographien zur Früherkennung von Brustkrebs.</p><p>Positiv ist auf jeden Fall der Entscheid, Mammographien in die Liste der Leistungen aufzunehmen, die von der Grundversicherung vergütet werden.</p>
- Früherkennung von Brustkrebs. Aufhebung der Franchise auf Vorsorgeleistungen
- State
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Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Soziale und gesundheitliche Konsequenzen der Franchise bei Präventionsleistungen</p><p>Der Gesundheitszustand der Menschen in einer Gesellschaft hängt heute erwiesenermassen von ihrer wirtschaftlichen und sozialen Stellung ab: Je schlechter die Menschen gestellt sind, desto unbefriedigender ist ihr Gesundheitszustand.</p><p>Zahlreiche Studien haben auch ergeben, dass sich die Unterschiede im Gesundheitszustand, die durch die soziale und wirtschaftliche Stellung der Betroffenen bedingt sind, weiter verstärken, wenn für Präventionsleistungen eine Franchise bezahlt werden muss. Diese Tatsache erklärt sich dadurch, dass der finanzielle Aufwand für diese Leistungen für einkommensschwächere Personen stärker ins Gewicht fällt. Da der Nutzen von Präventionsleistungen ausserdem immer erst zu einem späteren Zeitpunkt ersichtlich wird, ist er für potentielle Bezügerinnen und Bezüger umso schwieriger zu erkennen, wenn sie keinen hohen Bildungsstand aufweisen. Tiefes Einkommen und niedriger Bildungsstand gehen häufig mit schlechter wirtschaftlicher und sozialer Stellung einher.</p><p>Durch eine systematisch durchgeführte Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs wollen die Verantwortlichen des Gesundheitswesens die durch Brustkrebs verursachte Mortalität in der weiblichen Bevölkerung senken. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, sollten sich möglichst viele Frauen einer solchen Untersuchung unterziehen. Profitieren von der Früherkennung nur wenige Frauen, so wird sich in der Statistik aufgrund eines "Dilutionseffektes" kaum ein bevölkerungsweiter Rückgang der Mortalität durch Brustkrebs feststellen lassen.</p><p>Sollen sich möglichst viele Frauen Präventionsmassnahmen unterziehen, müssen verschiedene Hindernisse, die von einer Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs abhalten, aus dem Weg geräumt werden. Eines dieser Hindernisse sind die Kosten, die von den Leistungsempfängerinnen übernommen werden müssen. Gewissen Frauen erscheinen diese Kosten im Verhältnis zu ihrem Einkommen zu hoch. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn sie den Nutzen einer solchen Untersuchung nicht erkennen. Dies gilt vor allem für sozial schwächere Frauen.</p><p>Dieses Hindernis liesse sich dadurch beseitigen, dass man die Untersuchung kostenlos anbietet. Sonst besteht bereits vor der Inangriffnahme des Programms die Gefahr, dass das angestrebte Ziel nicht erreicht wird.</p><p>Ethik und Durchführung der Vorsorgeuntersuchung</p><p>Wird die Früherkennung von Brustkrebs im Rahmen eines öffentlichen Gesundheitsprogrammes durchgeführt, so sind es die Gesundheitsbehörden oder deren Vertreter, welche die Mammographie mit dem Ziel veranlassen, den Gesundheitszustand der weiblichen Bevölkerung zu verbessern. Die diagnostische Mammographie hingegen wird auf Ersuchen der Patientin durchgeführt, die aufgrund von Symptomen einen Arzt aufsucht.</p><p>Es ist daher sinnvoll, dass die Kosten für diese Leistung von denen übernommen werden, die für die Untersuchung die Initiative ergreifen. Im Falle der Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs wären dies die Institutionen, die das Gesundheitswesen in der Schweiz finanzieren (Bund, Kantone, Krankenkassen).</p>
- <p>Der Bundesrat versteht die Argumente der Motionärin, möchte aber darauf hinweisen, dass die Prävention, mit Ausnahme einiger dem Bund übertragener Bereiche, Aufgabe der Kantone ist. Mit dem neuen Krankenversicherungsgesetz wurde die obligatorische Rückerstattung von gewissen medizinischen Präventionsleistungen eingeführt. Die Aufteilung der Zuständigkeiten indes blieb unverändert. Denkbar ist jedoch eine gemeinsame Finanzierung, wenn es um die Effizienzsteigerung von umfassenden Früherkennungs- oder Impfprogrammen geht.</p><p>Die Beteiligung der versicherten Personen an den Kosten sämtlicher Leistungen, einschliesslich Präventionsmassnahmen wie etwa die Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs, ist gesetzlich vorgeschrieben. Artikel 64 KVG erlaubt keine Aufhebung der Kostenbeteiligung bei Präventionsmassnahmen. Der Bundesrat ist aber bereit, dieses Anliegen im Rahmen der ersten Teilrevision des KVG zu prüfen.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
- <p>Damit die Präventionskampagnen ihren Zweck erfüllen, wird der Bundesrat ersucht, die Franchise für Vorsorgeuntersuchungen aufzuheben. Höchste Priorität hat dabei die Aufhebung der Franchise für Mammographien zur Früherkennung von Brustkrebs.</p><p>Positiv ist auf jeden Fall der Entscheid, Mammographien in die Liste der Leistungen aufzunehmen, die von der Grundversicherung vergütet werden.</p>
- Früherkennung von Brustkrebs. Aufhebung der Franchise auf Vorsorgeleistungen
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