Sportskanonen als Dreckschleudern
- ShortId
-
97.3595
- Id
-
19973595
- Updated
-
10.04.2024 10:17
- Language
-
de
- Title
-
Sportskanonen als Dreckschleudern
- AdditionalIndexing
-
Individualverkehr;Verschmutzung durch das Auto;Public Relations;Sport;Luftverunreinigung
- 1
-
- L04K18010210, Individualverkehr
- L04K06020314, Verschmutzung durch das Auto
- L04K06020309, Luftverunreinigung
- L04K01010102, Sport
- L04K12010203, Public Relations
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Wer träumt nicht davon: Auf dem Snowboard unter freiem Himmel bei strahlendem Sonnenschein die reine Schneeluft zu geniessen oder auf Schusters Rappen die Ruhe der Landschaft auszukosten. Der stündige Verkehrsstau auf dem Anfahrtsweg kann die Vorfreude nicht dämpfen. Keine Gedanken werden verloren über die Lärmbelastung für die Anwohner oder über die Luftbelastung entlang der Strasse zum Ausflugsziel.</p><p>Sportler leben gesund, meint man gemeinhin. Über den Weg zum Training oder zur Sportveranstaltung redet niemand. Kürzlich hat eine Studie des Forschungsinstitutes für Freizeit und Tourismus der Universität Bern errechnet, dass die Sportbegeisterten in der Schweiz etwa 10 Milliarden Personenkilometer im Auto zurücklegen. Vier Fünftel der Sportler beginnen mit dem Einlaufen erst auf dem Autoparkplatz bei der Sportanlage. Noch nicht eingerechnet sind die 2 Milliarden Kilometer, welche die Zuschauer und Funktionäre zusätzlich "beisteuern". Eine beachtliche Leistung!</p><p>Neben Massnahmen im Bereich der Planung von Sportinfrastrukturen (gute Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehrsmittel, zu Fuss oder mit dem Velo) liegt der Handlungsbedarf vor allem bei der Sensibilisierung der Sporttreibenden selbst. Deshalb soll ein breitangelegtes Sensibilisierungsprogramm ausgearbeitet werden. Dabei soll nicht der Mahnfinger erhoben werden, sondern auf eine konstruktive Art und Weise auf die Problematik und den doch offensichtlichen Widerspruch aufmerksam gemacht werden. Wichtig bei einem solchen Sensibilisierungsprogramm ist es, dass die Sportveranstalter, die Sportvereine, die Betreiber von Bergbahnen usw. mit einbezogen werden. Wenn der motorisierte Individualverkehr im Freizeitbereich eingeschränkt würde, würden Sportler eine grossartige Leistung erbringen: sie würden damit zur Reduktion des CO2-Ausstosses beitragen, wie sie gerade jetzt in Kyoto diskutiert wird. Die Reduktion des CO2-Ausstosses ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und betrifft (leider) auch den individuellen Freizeitbereich.</p>
- <p>Der Sport gehört heute zweifellos zu einem wesentlichen Verursacher des Freizeitverkehrs, weil die Ausübung sportlicher Aktivitäten immer weniger im direkten Wohnumfeld erfolgt. Darunter fallen insbesondere die Aktivitäten in der Natur (Bergsteigen, Wandern, Schneesport. Wassersport).</p><p>Die Motion Teuscher basiert auf der Berner Studie zu Freizeit und Tourismus Nr. 36 von Jürg Stettler "Sport und Verkehr. Sportmotiviertes Verkehrsverhalten der Schweizer Bevölkerung - Umweltbelastungen und Lösungsmöglichkeiten". Diese Studie wurde am 7. November 1997 an einer Informationsveranstaltung zum Abschluss des Forschungsprojekts vorgestellt und fand in der Presse eine grosse Resonanz.</p><p>Die Studie wurde vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal), vom Bundesamt für Raumplanung, von der Eidgenössischen Sportkommission, von der Eidgenössischen Sportschule Magglingen und vom Schweizerischen Olympischen Verband mitfinanziert bzw. begleitet. Schon allein diese Ausgangslage zeigt, dass die zuständigen Instanzen des Bundes und des privatrechtlichen Sportes die Problematik erkannt haben und mit dieser Studie relevante Grundlagen für das weitere Vorgehen ausarbeiten liessen.</p><p>Der Bericht "Umwelt in der Schweiz 1997 - Daten, Fakten, Perspektiven" des Bundesamtes für Statistik und des Buwal behandelt die Aspekte des Freizeitverkehrs.</p><p>Zur Bearbeitung der Problematik sind bereits verschiedene Massnahmen angeordnet worden wie z. B.:</p><p>- Gemeinsamer Aktionsplan "Umwelt und Gesundheit" des Bundesamtes für Gesundheitswesen und des Buwal;</p><p>- Unterstützung der Radwanderwege der Schweiz ("Veloland Schweiz") im Rahmen von "Energie 2000";</p><p>- Mitfinanzierung von Leporellos "Velofahren und Gesundheit" durch das Bundesamt für Gesundheit und der Suva;</p><p>- Broschüre "Luftpost" der Lufthygienefachstellen des Bundes, der Kantone und der Städte.</p><p>Im "Landschaftskonzept Schweiz", einem Konzept des Bundes nach Artikel 13 des Raumplanungsgesetzes, sind insbesondere folgende Sachziele vorgesehen:</p><p>- (3 B) Schäden und Belastungen, die im Zusammenhang mit Freizeit- und Tourismusaktivitäten entstehen, werden minimiert.</p><p>- (3 C) Die Bevölkerung wird mittels handlungsorientierter Informationen und Anreize zu einem möglichst natur- und landschaftsschonenden Freizeitverhalten angeregt.</p><p>Zur Umsetzung dieser Sachziele sind im "Landschaftskonzept Schweiz" folgende Massnahmen vorgesehen:</p><p>- (3.05) Förderung umweltschonender Freizeitmobilität;</p><p>- (3.04) Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung umweltschonender Freizeit- und Tourismusaktivitäten;</p><p>- (3.07) Anwendungsorientierte Forschung zu den Auswirkungen des Freizeitverhaltens.</p><p>Die Problematik des sportmotivierten Freizeitverkehrs ist erkannt. Die zuständigen Stellen des Bundes werden dieses Thema bei der Umsetzung des Landschaftskonzepts, des Luftreinhaltekonzepts und des Programms "Energie 2000" weiterverfolgen. Es liegt nicht in der Absicht der übergeordneten Ziele und der angestrebten Massnahmen, den motorisierten Individualverkehr von und zu Sportveranstaltungen und -aktivitäten isoliert zu behandeln und dafür ein spezielles Sensibilisierungsprogramm auszuarbeiten; dies ist nur möglich in einem vernetzten Konzept, das alle Freizeit- und Tourismusaktivitäten mit einschliesst. Deshalb ist es auch verfehlt, in diesem Zusammenhang von "Sportskanonen als Dreckschleudern" zu sprechen.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion abzulehnen.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, ein Sensibilisierungsprogramm mit Öffentlichkeitsarbeit auszuarbeiten, um den motorisierten Individualverkehr von und zu Sportveranstaltungen und Sportaktivitäten zu reduzieren.</p>
- Sportskanonen als Dreckschleudern
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Wer träumt nicht davon: Auf dem Snowboard unter freiem Himmel bei strahlendem Sonnenschein die reine Schneeluft zu geniessen oder auf Schusters Rappen die Ruhe der Landschaft auszukosten. Der stündige Verkehrsstau auf dem Anfahrtsweg kann die Vorfreude nicht dämpfen. Keine Gedanken werden verloren über die Lärmbelastung für die Anwohner oder über die Luftbelastung entlang der Strasse zum Ausflugsziel.</p><p>Sportler leben gesund, meint man gemeinhin. Über den Weg zum Training oder zur Sportveranstaltung redet niemand. Kürzlich hat eine Studie des Forschungsinstitutes für Freizeit und Tourismus der Universität Bern errechnet, dass die Sportbegeisterten in der Schweiz etwa 10 Milliarden Personenkilometer im Auto zurücklegen. Vier Fünftel der Sportler beginnen mit dem Einlaufen erst auf dem Autoparkplatz bei der Sportanlage. Noch nicht eingerechnet sind die 2 Milliarden Kilometer, welche die Zuschauer und Funktionäre zusätzlich "beisteuern". Eine beachtliche Leistung!</p><p>Neben Massnahmen im Bereich der Planung von Sportinfrastrukturen (gute Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehrsmittel, zu Fuss oder mit dem Velo) liegt der Handlungsbedarf vor allem bei der Sensibilisierung der Sporttreibenden selbst. Deshalb soll ein breitangelegtes Sensibilisierungsprogramm ausgearbeitet werden. Dabei soll nicht der Mahnfinger erhoben werden, sondern auf eine konstruktive Art und Weise auf die Problematik und den doch offensichtlichen Widerspruch aufmerksam gemacht werden. Wichtig bei einem solchen Sensibilisierungsprogramm ist es, dass die Sportveranstalter, die Sportvereine, die Betreiber von Bergbahnen usw. mit einbezogen werden. Wenn der motorisierte Individualverkehr im Freizeitbereich eingeschränkt würde, würden Sportler eine grossartige Leistung erbringen: sie würden damit zur Reduktion des CO2-Ausstosses beitragen, wie sie gerade jetzt in Kyoto diskutiert wird. Die Reduktion des CO2-Ausstosses ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und betrifft (leider) auch den individuellen Freizeitbereich.</p>
- <p>Der Sport gehört heute zweifellos zu einem wesentlichen Verursacher des Freizeitverkehrs, weil die Ausübung sportlicher Aktivitäten immer weniger im direkten Wohnumfeld erfolgt. Darunter fallen insbesondere die Aktivitäten in der Natur (Bergsteigen, Wandern, Schneesport. Wassersport).</p><p>Die Motion Teuscher basiert auf der Berner Studie zu Freizeit und Tourismus Nr. 36 von Jürg Stettler "Sport und Verkehr. Sportmotiviertes Verkehrsverhalten der Schweizer Bevölkerung - Umweltbelastungen und Lösungsmöglichkeiten". Diese Studie wurde am 7. November 1997 an einer Informationsveranstaltung zum Abschluss des Forschungsprojekts vorgestellt und fand in der Presse eine grosse Resonanz.</p><p>Die Studie wurde vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal), vom Bundesamt für Raumplanung, von der Eidgenössischen Sportkommission, von der Eidgenössischen Sportschule Magglingen und vom Schweizerischen Olympischen Verband mitfinanziert bzw. begleitet. Schon allein diese Ausgangslage zeigt, dass die zuständigen Instanzen des Bundes und des privatrechtlichen Sportes die Problematik erkannt haben und mit dieser Studie relevante Grundlagen für das weitere Vorgehen ausarbeiten liessen.</p><p>Der Bericht "Umwelt in der Schweiz 1997 - Daten, Fakten, Perspektiven" des Bundesamtes für Statistik und des Buwal behandelt die Aspekte des Freizeitverkehrs.</p><p>Zur Bearbeitung der Problematik sind bereits verschiedene Massnahmen angeordnet worden wie z. B.:</p><p>- Gemeinsamer Aktionsplan "Umwelt und Gesundheit" des Bundesamtes für Gesundheitswesen und des Buwal;</p><p>- Unterstützung der Radwanderwege der Schweiz ("Veloland Schweiz") im Rahmen von "Energie 2000";</p><p>- Mitfinanzierung von Leporellos "Velofahren und Gesundheit" durch das Bundesamt für Gesundheit und der Suva;</p><p>- Broschüre "Luftpost" der Lufthygienefachstellen des Bundes, der Kantone und der Städte.</p><p>Im "Landschaftskonzept Schweiz", einem Konzept des Bundes nach Artikel 13 des Raumplanungsgesetzes, sind insbesondere folgende Sachziele vorgesehen:</p><p>- (3 B) Schäden und Belastungen, die im Zusammenhang mit Freizeit- und Tourismusaktivitäten entstehen, werden minimiert.</p><p>- (3 C) Die Bevölkerung wird mittels handlungsorientierter Informationen und Anreize zu einem möglichst natur- und landschaftsschonenden Freizeitverhalten angeregt.</p><p>Zur Umsetzung dieser Sachziele sind im "Landschaftskonzept Schweiz" folgende Massnahmen vorgesehen:</p><p>- (3.05) Förderung umweltschonender Freizeitmobilität;</p><p>- (3.04) Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung umweltschonender Freizeit- und Tourismusaktivitäten;</p><p>- (3.07) Anwendungsorientierte Forschung zu den Auswirkungen des Freizeitverhaltens.</p><p>Die Problematik des sportmotivierten Freizeitverkehrs ist erkannt. Die zuständigen Stellen des Bundes werden dieses Thema bei der Umsetzung des Landschaftskonzepts, des Luftreinhaltekonzepts und des Programms "Energie 2000" weiterverfolgen. Es liegt nicht in der Absicht der übergeordneten Ziele und der angestrebten Massnahmen, den motorisierten Individualverkehr von und zu Sportveranstaltungen und -aktivitäten isoliert zu behandeln und dafür ein spezielles Sensibilisierungsprogramm auszuarbeiten; dies ist nur möglich in einem vernetzten Konzept, das alle Freizeit- und Tourismusaktivitäten mit einschliesst. Deshalb ist es auch verfehlt, in diesem Zusammenhang von "Sportskanonen als Dreckschleudern" zu sprechen.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion abzulehnen.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, ein Sensibilisierungsprogramm mit Öffentlichkeitsarbeit auszuarbeiten, um den motorisierten Individualverkehr von und zu Sportveranstaltungen und Sportaktivitäten zu reduzieren.</p>
- Sportskanonen als Dreckschleudern
Back to List