Mehr Informatikerinnen und Informatiker
- ShortId
-
98.3093
- Id
-
19983093
- Updated
-
10.04.2024 13:56
- Language
-
de
- Title
-
Mehr Informatikerinnen und Informatiker
- AdditionalIndexing
-
Stellenangebot;Arbeitskräftebedarf;Unterrichtsprogramm;Lehre;Informatikberuf
- 1
-
- L05K1203010107, Informatikberuf
- L05K0702020302, Arbeitskräftebedarf
- L05K0702020308, Stellenangebot
- L04K13020204, Lehre
- L04K13010310, Unterrichtsprogramm
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>In der Schweiz hat es einen Mangel an qualifizierten und hochqualifizierten Arbeitskräften. Anhand der Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft und Arbeit (BWA) und des EDV-Stellenvermittlers Computer Brainware Advisors fehlen in der Schweiz rund 10 000 bis 12 000 Informatiker. Diesen Mangel können wir uns volkswirtschaftlich gesehen nicht leisten, genau so wenig wie wir uns Jugendarbeitslosigkeit leisten können. Die Ausbildung zum Informatiker findet auf der Hochschul-, Fachhochschulebene und als Berufslehre auf Sekundarstufe II statt. Auf der Sekundarstufe II funktioniert der freie Markt nicht, weil in diesem Bereich viel zu wenig Lehrstellen angeboten werden.</p><p>Wäre die Lehrstellen-Initiative, die am 1. Mai 1998 lanciert wird, schon in Kraft, könnten mit dem als Lastenausgleich funktionierenden Ausbildungsfonds vollzeitliche schulische Ausbildungsangebote mit Praxiseinsätzen oder Lehrwerkstätten in neuen und zukunftsträchtigen Berufen, wo Nachfrage und Bedarf gross, das Angebot klein ist, geschaffen werden. Es könnten auch bereits bestehende private oder noch zu schaffende betriebliche Lehrwerkstätten, Lernzentren oder Übungsfirmen, die einem Betrieb angeschlossen sind und somit einen engen Praxisbezug garantieren, unterstützt werden.</p><p>Leider gibt es diese Einrichtung (noch) nicht. Trotzdem ersuche ich den Bundesrat im Interesse des Wirtschaftsstandortes und der ausbildungswilligen Jugendlichen, mit dem BBT in Zusammenarbeit mit den kantonalen Berufsbildungsämtern und der Wirtschaft Ausbildungslehrgänge mit Praktikumsplätzen für Informatiker auf der Sekundarstufe II auf die Beine zu stellen und eine finanzierbare Lösung zu finden. Der an Berufsschulen angebotene Lehrgang könnte die Auszubildenden direkt rekrutieren, mit ihnen Lehrverträge abschliessen und in der Wirtschaft Praktikumsplätze akquirieren. Um das ganze Begabungsspektrum einzubeziehen, sollten junge Frauen für diese qualifizierte Ausbildung speziell motiviert werden, da ihr eh geringer Anteil am Informatikberuf in den letzten Jahren wieder rückläufig ist. Die kantonalen Berufsbildungsämter haben bewiesen, dass sie sehr flexibel sein können, so z. B. mit der Schaffung des Lehrganges des Mediamatikers auf der Sekundarstufe II, der zu zwei Drittel als schulische Ausbildung konzipiert ist.</p>
- <p>Der Bundesrat hat am 18. Februar 1998 eine Strategie für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz verabschiedet. Sie wird getragen von vier zentralen Grundsätzen: "Zugang für alle", "Befähigung aller", "Freiheit in der Ausgestaltung" und "Akzeptanz". Für die Umsetzung werden neun prioritäre Aktionsfelder bezeichnet, für welche die zuständigen Departemente bis im August 1998 Aktionspläne zu erarbeiten haben. An erster Stelle steht eine Aus- und Weiterbildungsoffensive. Die ständige Aus- und Weiterbildung auf allen Bildungsstufen ist nach Auffassung des Bundesrates ein Grundpfeiler für die Informationsgesellschaft. In enger Zusammenarbeit haben demnach Bund, Kantone und Wirtschaft für die erforderlichen Bildungsmassnahmen zu sorgen.</p><p>Zwar verfügt unser Land über exzellente Computer- und Kommunikationsinfrastrukturen. Als herausragende Informatikkonsumenten sind wir materiell bestens für den Weg in die Informationsgesellschaft gerüstet. Darin auch als wettbewerbsfähige Anbieter mit Informatikprodukten und -dienstleistungen aufzutreten, ist mehr als eine grosse Chance! Sie wahrzunehmen, erfordert jedoch starke Anstrengungen. Denn das Kompetenzportfolio der Schweizer Informatik- bzw. Softwareszene ist zu schwach.</p><p>Mit einem Aktionsprogramm, das im Rahmen der Botschaft Bildung, Forschung, Technologie, BFT 2000-2003, vorgelegt wird, sollen die Schwächen angegangen werden. Thematischer Fokus dieses Programms ist Informatik, Telematik, Multimedia.</p><p>Es ist dem Bundesrat bekannt, dass in der Informatikbranche ein Mangel an qualifizierten Personen besteht. Obwohl ein reichhaltiges Ausbildungsangebot (Universitäten, ETH, Fachhochschulen, höhere Fachschulen, Technikerschulen, Berufs- und höhere Fachprüfungen, Nachdiplomstudien an verschiedenen Institutionen usw.) besteht, melden sich zuwenig Bewerber mit Projekterfahrung sowie Absolventen mit einer höheren Ausbildung in Informatik und Organisation auf die Stellenangebote.</p><p>Das BBT lässt zurzeit näher abklären, auf welchem Qualifikationsniveau der Mangel an Bewerbern am stärksten ausgeprägt ist, und wird dementsprechende Anpassungen in seinen Ausbildungsvorschriften für die höhere Berufsbildung vornehmen.</p><p>In bezug auf die beiden Einzelfragen hält der Bundesrat fest:</p><p>1. Die Nachfrage Jugendlicher nach Ausbildungsplätzen im Informatikbereich ist wesentlich höher als das Angebot an geeigneten Lehrstellen.</p><p>Der Bund setzt deshalb gemeinsam mit den Kantonen alles daran, die Wirtschaft von der Notwendigkeit der Schaffung neuer Lehrstellen im Informatikbereich zu überzeugen.</p><p>2. Zudem sucht das BBT zusammen mit seinen Partnern, aus Mitteln des Lehrstellenbeschlusses für Schulabgänger einjährige schulische - gegebenenfalls durch Betriebspraktika ergänzte - Vollzeitausbildungen in Informatik einzurichten. Es ist vorzusehen, dass erfolgreiche Absolventen dieser Lehrgänge in das 2. Lehrjahr von Informatikberufen eintreten können. Den erfolgreichen Absolventen von Informatiklehrgängen wäre zusätzlich über die Berufsmaturität der Eintritt in die Fachhochschulen zu ermöglichen, um auch von dieser Seite her bereits jetzt dem sich abzeichnenden Mangel von Informatikern mit Hochschulabschluss zu begegnen.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>1. Ist sich der Bundesrat dessen bewusst, dass es auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt zu wenig Informatiker und auf dem Ausbildungsmarkt zu wenig Informatiklehrstellen hat?</p><p>2. Ist der Bundesrat bereit, mit dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT), in Zusammenarbeit mit den kantonalen Berufsbildungsämtern und der Wirtschaft, Ausbildungslehrgänge für Informatiker auf der Sekundarstufe II zu fördern?</p>
- Mehr Informatikerinnen und Informatiker
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
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- Drafts
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-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>In der Schweiz hat es einen Mangel an qualifizierten und hochqualifizierten Arbeitskräften. Anhand der Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft und Arbeit (BWA) und des EDV-Stellenvermittlers Computer Brainware Advisors fehlen in der Schweiz rund 10 000 bis 12 000 Informatiker. Diesen Mangel können wir uns volkswirtschaftlich gesehen nicht leisten, genau so wenig wie wir uns Jugendarbeitslosigkeit leisten können. Die Ausbildung zum Informatiker findet auf der Hochschul-, Fachhochschulebene und als Berufslehre auf Sekundarstufe II statt. Auf der Sekundarstufe II funktioniert der freie Markt nicht, weil in diesem Bereich viel zu wenig Lehrstellen angeboten werden.</p><p>Wäre die Lehrstellen-Initiative, die am 1. Mai 1998 lanciert wird, schon in Kraft, könnten mit dem als Lastenausgleich funktionierenden Ausbildungsfonds vollzeitliche schulische Ausbildungsangebote mit Praxiseinsätzen oder Lehrwerkstätten in neuen und zukunftsträchtigen Berufen, wo Nachfrage und Bedarf gross, das Angebot klein ist, geschaffen werden. Es könnten auch bereits bestehende private oder noch zu schaffende betriebliche Lehrwerkstätten, Lernzentren oder Übungsfirmen, die einem Betrieb angeschlossen sind und somit einen engen Praxisbezug garantieren, unterstützt werden.</p><p>Leider gibt es diese Einrichtung (noch) nicht. Trotzdem ersuche ich den Bundesrat im Interesse des Wirtschaftsstandortes und der ausbildungswilligen Jugendlichen, mit dem BBT in Zusammenarbeit mit den kantonalen Berufsbildungsämtern und der Wirtschaft Ausbildungslehrgänge mit Praktikumsplätzen für Informatiker auf der Sekundarstufe II auf die Beine zu stellen und eine finanzierbare Lösung zu finden. Der an Berufsschulen angebotene Lehrgang könnte die Auszubildenden direkt rekrutieren, mit ihnen Lehrverträge abschliessen und in der Wirtschaft Praktikumsplätze akquirieren. Um das ganze Begabungsspektrum einzubeziehen, sollten junge Frauen für diese qualifizierte Ausbildung speziell motiviert werden, da ihr eh geringer Anteil am Informatikberuf in den letzten Jahren wieder rückläufig ist. Die kantonalen Berufsbildungsämter haben bewiesen, dass sie sehr flexibel sein können, so z. B. mit der Schaffung des Lehrganges des Mediamatikers auf der Sekundarstufe II, der zu zwei Drittel als schulische Ausbildung konzipiert ist.</p>
- <p>Der Bundesrat hat am 18. Februar 1998 eine Strategie für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz verabschiedet. Sie wird getragen von vier zentralen Grundsätzen: "Zugang für alle", "Befähigung aller", "Freiheit in der Ausgestaltung" und "Akzeptanz". Für die Umsetzung werden neun prioritäre Aktionsfelder bezeichnet, für welche die zuständigen Departemente bis im August 1998 Aktionspläne zu erarbeiten haben. An erster Stelle steht eine Aus- und Weiterbildungsoffensive. Die ständige Aus- und Weiterbildung auf allen Bildungsstufen ist nach Auffassung des Bundesrates ein Grundpfeiler für die Informationsgesellschaft. In enger Zusammenarbeit haben demnach Bund, Kantone und Wirtschaft für die erforderlichen Bildungsmassnahmen zu sorgen.</p><p>Zwar verfügt unser Land über exzellente Computer- und Kommunikationsinfrastrukturen. Als herausragende Informatikkonsumenten sind wir materiell bestens für den Weg in die Informationsgesellschaft gerüstet. Darin auch als wettbewerbsfähige Anbieter mit Informatikprodukten und -dienstleistungen aufzutreten, ist mehr als eine grosse Chance! Sie wahrzunehmen, erfordert jedoch starke Anstrengungen. Denn das Kompetenzportfolio der Schweizer Informatik- bzw. Softwareszene ist zu schwach.</p><p>Mit einem Aktionsprogramm, das im Rahmen der Botschaft Bildung, Forschung, Technologie, BFT 2000-2003, vorgelegt wird, sollen die Schwächen angegangen werden. Thematischer Fokus dieses Programms ist Informatik, Telematik, Multimedia.</p><p>Es ist dem Bundesrat bekannt, dass in der Informatikbranche ein Mangel an qualifizierten Personen besteht. Obwohl ein reichhaltiges Ausbildungsangebot (Universitäten, ETH, Fachhochschulen, höhere Fachschulen, Technikerschulen, Berufs- und höhere Fachprüfungen, Nachdiplomstudien an verschiedenen Institutionen usw.) besteht, melden sich zuwenig Bewerber mit Projekterfahrung sowie Absolventen mit einer höheren Ausbildung in Informatik und Organisation auf die Stellenangebote.</p><p>Das BBT lässt zurzeit näher abklären, auf welchem Qualifikationsniveau der Mangel an Bewerbern am stärksten ausgeprägt ist, und wird dementsprechende Anpassungen in seinen Ausbildungsvorschriften für die höhere Berufsbildung vornehmen.</p><p>In bezug auf die beiden Einzelfragen hält der Bundesrat fest:</p><p>1. Die Nachfrage Jugendlicher nach Ausbildungsplätzen im Informatikbereich ist wesentlich höher als das Angebot an geeigneten Lehrstellen.</p><p>Der Bund setzt deshalb gemeinsam mit den Kantonen alles daran, die Wirtschaft von der Notwendigkeit der Schaffung neuer Lehrstellen im Informatikbereich zu überzeugen.</p><p>2. Zudem sucht das BBT zusammen mit seinen Partnern, aus Mitteln des Lehrstellenbeschlusses für Schulabgänger einjährige schulische - gegebenenfalls durch Betriebspraktika ergänzte - Vollzeitausbildungen in Informatik einzurichten. Es ist vorzusehen, dass erfolgreiche Absolventen dieser Lehrgänge in das 2. Lehrjahr von Informatikberufen eintreten können. Den erfolgreichen Absolventen von Informatiklehrgängen wäre zusätzlich über die Berufsmaturität der Eintritt in die Fachhochschulen zu ermöglichen, um auch von dieser Seite her bereits jetzt dem sich abzeichnenden Mangel von Informatikern mit Hochschulabschluss zu begegnen.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>1. Ist sich der Bundesrat dessen bewusst, dass es auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt zu wenig Informatiker und auf dem Ausbildungsmarkt zu wenig Informatiklehrstellen hat?</p><p>2. Ist der Bundesrat bereit, mit dem Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT), in Zusammenarbeit mit den kantonalen Berufsbildungsämtern und der Wirtschaft, Ausbildungslehrgänge für Informatiker auf der Sekundarstufe II zu fördern?</p>
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