Energie 2000. Umgruppierung der Wärmepumpenförderung

ShortId
98.3207
Id
19983207
Updated
10.04.2024 09:33
Language
de
Title
Energie 2000. Umgruppierung der Wärmepumpenförderung
AdditionalIndexing
Sonnenenergie;Energieprogramm;Wärmepumpe;Energieeinsparung;erneuerbare Energie
1
  • L04K17010110, Energieprogramm
  • L04K17050401, Wärmepumpe
  • L04K17010107, Energieeinsparung
  • L03K170503, erneuerbare Energie
  • L03K170505, Sonnenenergie
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Im Programm "Energie 2000" werden Wärmepumpen vom Bund und von der Elektrizitätswirtschaft direkt (über Subventionen) als auch indirekt (durch Tarifrabatte) stark gefördert. Die Absicht des Unterfangens liegt, wie aus den umstrittenen Inseraten der Elektrizitätswirtschaft deutlich hervorgeht, in der Steigerung des Stromkonsums. Das Subventionsvolumen inklusive Tarifrabatte ist auf mehrere Dutzend Millionen pro Jahr zu veranschlagen - ein Vielfaches der aktuellen Solarförderung.</p><p>Die Wärmepumpenförderung ist heute im Ressort "erneuerbare Energien" des Aktionsprogramms "Energie 2000" angesiedelt. Dort dezimiert sie die zur Verfügung stehenden Mittel für Solaranlagen. Die gängigen Wärmepumpen leisten energiepolitisch einen eher zwiespältigen Beitrag. Ihr Strombedarf muss zusätzlich erzeugt werden. Neue Kraftwerke werden angesichts des verfassungsrechtlichen und des faktischen Moratoriums fossil betrieben. Deren Wirkungsgrad von im Mittel etwa 35 Prozent verhält sich gerade umgekehrt proportional zur Leistungsziffer der Wärmepumpen. So entsteht mit Wärmepumpen bestenfalls eine energiepolitische Nullbilanz - die Umweltwärme kompensiert die Abwärme bei der Stromerzeugung (Ausnahme: Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen).</p><p>Unter diesen Gegebenheiten ist die Einreihung des Förderprogramms Wärmepumpen im Ressort "erneuerbare Energien" sachlich falsch. Technisch korrekt ist die Wärmepumpenförderung im Ressort "rationelle Energienutzung" anzusiedeln, denn eine vorhandene Primärenergie (Elektrizität oder Gas) wird dank Wärmepumpe rationeller genutzt. Bei der Umrüstung bestehender Elektroheizungen führen Wärmepumpen tatsächlich zu einer ökologischen Verbesserung, nicht aber zu einer gesicherten Gewinnung von erneuerbaren Energien. Von den rund 100 000 bis 200 000 Elektroheizungen in der Schweiz wurden bisher laut des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätswerk (VSE) nur etwa 120 auf Wärmepumpen umgerüstet. Die grosse Expansion findet in den Neubauten statt und führt zu zusätzlichem Stromverbrauch. Der Zuwachs der Wärmepumpen hat auch diesbezüglich wenig mit erneuerbaren Energien zu tun, sondern hat den Stromverbrauch tendenziell erhöht.</p><p>Geldmittel, die für die erneuerbaren Energien budgetiert sind, sollten auch entsprechend eingesetzt werden. Die Budgetwahrheit darf nicht verletzt werden. Die Nachfrage nach Subventionen für Solaranlagen ist bekanntlich ungebrochen gross und kann nicht befriedigt werden. Dies obschon für die Solartechnik keine Werbekampagnen der Elektrizitätswirtschaft gemacht werden. Deshalb wird der Bundesrat eingeladen, die gesamte Wärmepumpenförderung und -forschung im Budget "rationelle Energienutzung" anzusiedeln und frei werdende Mittel der Solartechnik zuzuführen.</p>
  • <p>In der dem Aktionsprogramm "Energie 2000" zugrundeliegenden Energienutzungsverordnung wird u. a. "mit oder ohne Wärmepumpen nutzbare Umgebungswärme" als erneuerbare Energie aufgeführt. Wärmepumpen (WP) erlauben die Verwertung von Umweltwärme, indem deren Temperatur auf nutzbares Niveau gehoben wird. Sie benötigen dazu allerdings Antriebsenergie - heute in den meisten Fällen Elektrizität. Das Verhältnis von gewonnener, zweifellos erneuerbarer Umgebungswärme zur benötigten Strommenge beträgt heute im Durchschnitt 2 zu 1 oder besser.</p><p>Die Antwort auf die Frage, ob mit Wärmepumpen produzierte Wärme noch als erneuerbar gelten kann, hängt im wesentlichen von der Herkunft des Stromes ab. Um die Umweltbilanz möglichst positiv zu gestalten, verfolgt daher "Energie 2000" folgende Strategie: Wärmepumpen sollen möglichst viele bestehende Elektrowiderstandsheizungen ersetzen; zusätzlich erforderlicher Strom kommt sodann aus der zunehmenden Verstromung von Kehricht (der zu etwa der Hälfte des Heizwertes organischen Ursprungs und demnach auch erneuerbar ist). Allfällig für Wärmepumpen noch zusätzlich benötigter Strom wird mit (erd- oder biogasbetriebenen) Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen erzeugt.</p><p>Bezüglich CO2-Emissionen schneidet unter den betrachteten drei "Stromquellen" (Ersatz Widerstandsheizungen, Strom aus Kehrichtverbrennungsanlagen, Wärme-Kraft-Kopplung, WKK) die WKK am wenigsten gut ab. Längerfristig wird sie aber doch den Hauptanteil des Wärmepumpenstroms liefern müssen. Aber selbst mit der Kombination WKK/Wärmepumpen ergibt sich gegenüber konventionellen Ölheizungen eine Primärenergieeinsparung von 40 bis 60 Prozent - allein wegen der Nutzung der erneuerbaren Umweltwärme. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Wärmepumpen noch ein wesentliches Entwicklungspotential haben: weitere Verbesserungen der Leistungszahl in der Grössenordnung von 50 Prozent können mittelfristig erwartet werden.</p><p>Selbst wenn der Strom für Wärmepumpen in normalen thermischen Kraftwerken ohne Wärmeauskopplung erzeugt würde, wäre die Energiebilanz noch deutlich positiv: Wenn in der Begründung des Postulates richtigerweise gesagt wird, Wärmepumpen seien neue Stromverbraucher, so muss dieser zusätzliche Strom auch mit neuen und nicht mit bestehenden Anlagen produziert werden. Neue thermische Kraftwerke haben aber nicht mehr einen elektrischen Nutzungsgrad von nur 35 Prozent, sondern bis 60 Prozent ("Kombikraftwerke"). Das bedeutet dank der genutzten Umweltwärme eine Verminderung des Primärenergieeinsatzes um 50 Prozent gegenüber einer Ölheizung.</p><p>Die Wärmepumpe vermag auch im Vergleich mit der Solarenergie zu bestehen, da sie den ganzen Wärmebedarf resp. mindestens den ganzen Raumheizungsbedarf deckt. Der Anteil der erneuerbaren Energie ist demnach in der Regel höher als bei Einsatz der direkten Sonnenenergie. Im übrigen werden besonders für die Solarenergie interessante Systemlösungen erst mit Wärmepumpen möglich - beispielsweise die Speicherung der im Sommer anfallenden Solarwärme im Boden, deren Entzug und Nutzung für Heizzwecke mit Wärmepumpen im Winter. Natürlich ist die Wärmepumpentechnologie daneben auch ein ausgezeichnetes Werkzeug zur Verwertung von Abwärme: In vielen Fällen ist dies nur mit Wärmepumpen möglich. Ihre hervorragende Bedeutung hat die Wärmepumpe, weil sie in vielen Fällen die Nutzung von Umwelt- oder Abwärme erst ermöglicht. Dass die eingesetzte Antriebsenergie dabei äusserst rationell eingesetzt wird, ist die Folge der Verwertung von Umwelt- und Abwärme.</p><p>Der Bund unterstützt im übrigen die Wärmepumpen nur indirekt - durch Information, Beratung, Massnahmen zur Qualitätssicherung inklusive der Aus- und Weiterbildung. Subventionen werden keine mehr ausgerichtet.</p><p>Aus all den dargestellten Gründen sieht der Bundesrat keine Veranlassung, die Energienutzungsverordnung abzuändern und die Wärmepumpen als Technologie zur rationellen Energienutzung zu betrachten; das wäre sachlich falsch und würde der grossen Bedeutung der Wärmepumpen auch für die künftige umweltfreundliche Energieversorgung nicht gerecht.</p> Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
  • <p>Der Bundesrat wird eingeladen, die Wärmepumpenförderung im Ressort "rationelle Energienutzung" anzusiedeln und die damit frei werdenden Fördermittel im Ressort erneuerbare Energien für die Förderung von Solaranlagen zu verwenden.</p>
  • Energie 2000. Umgruppierung der Wärmepumpenförderung
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Im Programm "Energie 2000" werden Wärmepumpen vom Bund und von der Elektrizitätswirtschaft direkt (über Subventionen) als auch indirekt (durch Tarifrabatte) stark gefördert. Die Absicht des Unterfangens liegt, wie aus den umstrittenen Inseraten der Elektrizitätswirtschaft deutlich hervorgeht, in der Steigerung des Stromkonsums. Das Subventionsvolumen inklusive Tarifrabatte ist auf mehrere Dutzend Millionen pro Jahr zu veranschlagen - ein Vielfaches der aktuellen Solarförderung.</p><p>Die Wärmepumpenförderung ist heute im Ressort "erneuerbare Energien" des Aktionsprogramms "Energie 2000" angesiedelt. Dort dezimiert sie die zur Verfügung stehenden Mittel für Solaranlagen. Die gängigen Wärmepumpen leisten energiepolitisch einen eher zwiespältigen Beitrag. Ihr Strombedarf muss zusätzlich erzeugt werden. Neue Kraftwerke werden angesichts des verfassungsrechtlichen und des faktischen Moratoriums fossil betrieben. Deren Wirkungsgrad von im Mittel etwa 35 Prozent verhält sich gerade umgekehrt proportional zur Leistungsziffer der Wärmepumpen. So entsteht mit Wärmepumpen bestenfalls eine energiepolitische Nullbilanz - die Umweltwärme kompensiert die Abwärme bei der Stromerzeugung (Ausnahme: Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen).</p><p>Unter diesen Gegebenheiten ist die Einreihung des Förderprogramms Wärmepumpen im Ressort "erneuerbare Energien" sachlich falsch. Technisch korrekt ist die Wärmepumpenförderung im Ressort "rationelle Energienutzung" anzusiedeln, denn eine vorhandene Primärenergie (Elektrizität oder Gas) wird dank Wärmepumpe rationeller genutzt. Bei der Umrüstung bestehender Elektroheizungen führen Wärmepumpen tatsächlich zu einer ökologischen Verbesserung, nicht aber zu einer gesicherten Gewinnung von erneuerbaren Energien. Von den rund 100 000 bis 200 000 Elektroheizungen in der Schweiz wurden bisher laut des Verbandes Schweizerischer Elektrizitätswerk (VSE) nur etwa 120 auf Wärmepumpen umgerüstet. Die grosse Expansion findet in den Neubauten statt und führt zu zusätzlichem Stromverbrauch. Der Zuwachs der Wärmepumpen hat auch diesbezüglich wenig mit erneuerbaren Energien zu tun, sondern hat den Stromverbrauch tendenziell erhöht.</p><p>Geldmittel, die für die erneuerbaren Energien budgetiert sind, sollten auch entsprechend eingesetzt werden. Die Budgetwahrheit darf nicht verletzt werden. Die Nachfrage nach Subventionen für Solaranlagen ist bekanntlich ungebrochen gross und kann nicht befriedigt werden. Dies obschon für die Solartechnik keine Werbekampagnen der Elektrizitätswirtschaft gemacht werden. Deshalb wird der Bundesrat eingeladen, die gesamte Wärmepumpenförderung und -forschung im Budget "rationelle Energienutzung" anzusiedeln und frei werdende Mittel der Solartechnik zuzuführen.</p>
    • <p>In der dem Aktionsprogramm "Energie 2000" zugrundeliegenden Energienutzungsverordnung wird u. a. "mit oder ohne Wärmepumpen nutzbare Umgebungswärme" als erneuerbare Energie aufgeführt. Wärmepumpen (WP) erlauben die Verwertung von Umweltwärme, indem deren Temperatur auf nutzbares Niveau gehoben wird. Sie benötigen dazu allerdings Antriebsenergie - heute in den meisten Fällen Elektrizität. Das Verhältnis von gewonnener, zweifellos erneuerbarer Umgebungswärme zur benötigten Strommenge beträgt heute im Durchschnitt 2 zu 1 oder besser.</p><p>Die Antwort auf die Frage, ob mit Wärmepumpen produzierte Wärme noch als erneuerbar gelten kann, hängt im wesentlichen von der Herkunft des Stromes ab. Um die Umweltbilanz möglichst positiv zu gestalten, verfolgt daher "Energie 2000" folgende Strategie: Wärmepumpen sollen möglichst viele bestehende Elektrowiderstandsheizungen ersetzen; zusätzlich erforderlicher Strom kommt sodann aus der zunehmenden Verstromung von Kehricht (der zu etwa der Hälfte des Heizwertes organischen Ursprungs und demnach auch erneuerbar ist). Allfällig für Wärmepumpen noch zusätzlich benötigter Strom wird mit (erd- oder biogasbetriebenen) Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen erzeugt.</p><p>Bezüglich CO2-Emissionen schneidet unter den betrachteten drei "Stromquellen" (Ersatz Widerstandsheizungen, Strom aus Kehrichtverbrennungsanlagen, Wärme-Kraft-Kopplung, WKK) die WKK am wenigsten gut ab. Längerfristig wird sie aber doch den Hauptanteil des Wärmepumpenstroms liefern müssen. Aber selbst mit der Kombination WKK/Wärmepumpen ergibt sich gegenüber konventionellen Ölheizungen eine Primärenergieeinsparung von 40 bis 60 Prozent - allein wegen der Nutzung der erneuerbaren Umweltwärme. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Wärmepumpen noch ein wesentliches Entwicklungspotential haben: weitere Verbesserungen der Leistungszahl in der Grössenordnung von 50 Prozent können mittelfristig erwartet werden.</p><p>Selbst wenn der Strom für Wärmepumpen in normalen thermischen Kraftwerken ohne Wärmeauskopplung erzeugt würde, wäre die Energiebilanz noch deutlich positiv: Wenn in der Begründung des Postulates richtigerweise gesagt wird, Wärmepumpen seien neue Stromverbraucher, so muss dieser zusätzliche Strom auch mit neuen und nicht mit bestehenden Anlagen produziert werden. Neue thermische Kraftwerke haben aber nicht mehr einen elektrischen Nutzungsgrad von nur 35 Prozent, sondern bis 60 Prozent ("Kombikraftwerke"). Das bedeutet dank der genutzten Umweltwärme eine Verminderung des Primärenergieeinsatzes um 50 Prozent gegenüber einer Ölheizung.</p><p>Die Wärmepumpe vermag auch im Vergleich mit der Solarenergie zu bestehen, da sie den ganzen Wärmebedarf resp. mindestens den ganzen Raumheizungsbedarf deckt. Der Anteil der erneuerbaren Energie ist demnach in der Regel höher als bei Einsatz der direkten Sonnenenergie. Im übrigen werden besonders für die Solarenergie interessante Systemlösungen erst mit Wärmepumpen möglich - beispielsweise die Speicherung der im Sommer anfallenden Solarwärme im Boden, deren Entzug und Nutzung für Heizzwecke mit Wärmepumpen im Winter. Natürlich ist die Wärmepumpentechnologie daneben auch ein ausgezeichnetes Werkzeug zur Verwertung von Abwärme: In vielen Fällen ist dies nur mit Wärmepumpen möglich. Ihre hervorragende Bedeutung hat die Wärmepumpe, weil sie in vielen Fällen die Nutzung von Umwelt- oder Abwärme erst ermöglicht. Dass die eingesetzte Antriebsenergie dabei äusserst rationell eingesetzt wird, ist die Folge der Verwertung von Umwelt- und Abwärme.</p><p>Der Bund unterstützt im übrigen die Wärmepumpen nur indirekt - durch Information, Beratung, Massnahmen zur Qualitätssicherung inklusive der Aus- und Weiterbildung. Subventionen werden keine mehr ausgerichtet.</p><p>Aus all den dargestellten Gründen sieht der Bundesrat keine Veranlassung, die Energienutzungsverordnung abzuändern und die Wärmepumpen als Technologie zur rationellen Energienutzung zu betrachten; das wäre sachlich falsch und würde der grossen Bedeutung der Wärmepumpen auch für die künftige umweltfreundliche Energieversorgung nicht gerecht.</p> Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
    • <p>Der Bundesrat wird eingeladen, die Wärmepumpenförderung im Ressort "rationelle Energienutzung" anzusiedeln und die damit frei werdenden Fördermittel im Ressort erneuerbare Energien für die Förderung von Solaranlagen zu verwenden.</p>
    • Energie 2000. Umgruppierung der Wärmepumpenförderung

Back to List