Schweizerisches Rechenzentrum in Manno. Zukunft?
- ShortId
-
98.3276
- Id
-
19983276
- Updated
-
10.04.2024 10:32
- Language
-
de
- Title
-
Schweizerisches Rechenzentrum in Manno. Zukunft?
- AdditionalIndexing
-
Rechenzentrum;Leistungsauftrag;Computer;ETH;Forschungsförderung;Ankurbelung der Wirtschaft;Finanzierung
- 1
-
- L04K12030407, Rechenzentrum
- L04K12030201, Computer
- L05K0806010105, Leistungsauftrag
- L03K110902, Finanzierung
- L05K1302050101, ETH
- L04K16020204, Forschungsförderung
- L05K0704010201, Ankurbelung der Wirtschaft
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Das SCSC entstand aus einem Impulsprogramm des Bundes zugunsten der Forschung im Bereich der Informatik (1986). Dieses Programm:</p><p>- stellte 40 Millionen Franken für den Erwerb eines Grossrechners bereit;</p><p>- legte die Nutzniesser und die Modalitäten der Benutzung fest: für die universitäre Forschung unentgeltlich, für die industrielle Forschung gegen Bezahlung;</p><p>- übertrug der ETHZ die Verwaltung und die Installierung des Rechners in ihrem Rechenzentrum.</p><p>Unter der gleichen Rubrik wurden 15 Millionen Franken für die Errichtung eines schweizerischen Informatiknetzes für Ausbildung und Forschung in Aussicht gestellt und vorgeschlagen, es sei eine Stiftung zu errichten. Für keines der beiden Projekte wurde aufgezeichnet, wie es mittel- und langfristig geleitet und finanziert werden soll.</p><p>Trotz einiger typisch lokaler Probleme wurde dieses Projekt vom Bundesrat gutgeheissen. Es wurde denn auch wie vorgesehen realisiert und finanziert. Seit dem 1. Oktober 1991 liefert das SCSC der Akademie und der Schweizer Forschung als Dienst für Supercomputing seine Dienstleistungen.</p><p>Zu Beginn hat die ETHZ eine Politik der Konsolidierung des SCSC verfolgt, namentlich indem sie die Interdisziplinäre Projektgruppe für Supercomputing (IPS) der ETHZ integriert und das SCSC im Rahmen der Koordination der Supercomputing-Aktivitäten auf der Ebene des ETH-Rates als nationales Kompetenzzentrum für Hochleistungscomputing bezeichnet hat.</p><p>Diese Absichten wurden dann allerdings nicht vollumfänglich in die Tat umgesetzt: Die zwei Gruppen (in Manno und in Zürich) sind nie richtig zusammengewachsen, und die Koordination auf nationaler Ebene (insbesondere wenn es darum ging, in den Kauf eines neuen Grossrechners zu investieren) hat nicht zu den gewünschten Resultaten geführt. Die Notwendigkeit, den Grossrechner von Manno zu verstärken, erforderte in der Zwischenzeit Mittel für dessen Ersatz (NEC SX-3 ersetzt durch NEC SX-4) im Jahre 1995. Der Kaufvertrag sah die Zahlung von 5 Millionen Franken im Jahre 1998 vor.</p><p>Inzwischen hat die Finanzkommission um einen Vorschlag, wie die Kosten durch die Benutzer gedeckt werden können, gebeten, und die ETHZ und die SMA haben die Verträge zur Nutzung des Grossrechners erneuert. Zwei Varianten - beide sahen eine Stärkung des Grossrechners vor - wurden erwogen:</p><p>- auf CRAY fortfahren (Grossrechner der ETHZ und benutzt von der SMA)</p><p>- auf NEC übergehen (Grossrechner von Manno).</p><p>Der Entscheid, den Rechner von Zürich auszubauen (und nicht den von Manno!) ist von strategischer Bedeutung für die Zukunft der Politik des Hochleistungscomputings in der Schweiz. Er stellt die nationale Rolle des SCSC in Frage und schafft die Grundlage für vermehrte lokale Geldforderungen. Überdies ist der Entscheid, auf CRAY fortzufahren, auch aus technischer Sicht leicht merkwürdig:</p><p>- Die Linie der Supercomputer CRAY ist an einem kritischen Punkt angelangt, ja nachgerade scheint nicht einmal die Produktion der Maschine gesichert.</p><p>- Weltweit gesehen werden die Supercomputer CRAY in der Meteorologie immer mehr durch NEC (Kanada, Australien, Dänemark) oder durch Fujitsu (England, Frankreich, Deutschland) ersetzt.</p><p>- Mit Tests in Manno wurde belegt, dass sich mit dem Supercomputer des SCSC die vorgesehenen Aufgaben erledigen lassen. Zu erwähnen ist, dass die NEC einen Teil der Hardware entfernen würde, wenn die 5 Millionen Franken für den im Jahre 1995 vorgenommenen Ersatz nicht bezahlt würden. Dies hätte für die laufenden Projekte katastrophale Folgen.</p><p>Zweifellos ist das Hochleistungscomputing für Wissenschaft und Forschung ein zentrales Element für die Zukunft der technologischen und wissenschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. Denken wir nur an andere Orte (z. B. Baden-Württemberg), wo Zentren wie das von Manno ausgebaut werden.</p><p>Statt dass man den überwiegenden Teil der Ressourcen in einem stark spezialisierten Zentrum wie demjenigen von Manno konzentriert, vermehrt man die Supercomputer in unseren Universitäten, was einer schlimmen Verschleuderung von Energie und Mitteln gleichkommt. Zehn Supercomputer zu je 1 Million Franken geben denn auch nie die Ergebnisse eines Supercomputers zu 10 Millionen Franken!</p><p>Es müsste auch allen, die gut informiert sind, klar sein, welche Bedeutung dem SCSC in den Anfängen der Tessiner Hochschulpolitik zukam und auch weiter zukommen wird: Erwähnt seien namentlich die Entwicklung der Abteilungen für Informatik und Elektrotechnik an der SUPSI, das gemeinsam mit der USI entwickelte Informatiknetz und dessen Nutzen für das biomedizinische Forschungsinstitut, das 1999 in Bellinzona eröffnet wird.</p><p>Selbstverständlich müssen die Rolle der ETHZ und die Organisationsstruktur des SCSC innert nützlicher First neu überdacht werden. Es drängt sich eine Lösung auf, die die Beteiligung des Bundes voraussetzt und die "Nabelschnur" durchschneidet, die das SCSC mit einem Verwalter (ETHZ) verbindet, der nicht oder nicht mehr motiviert ist.</p><p>Das heisst, es muss eine Organisations- und Rechtsform gefunden werden, durch die das SCSC von der ETHZ getrennt wird und die dem SCSC eine eigene Identität verleiht. Verschiedene Varianten sind denkbar:</p><p>- eine Forschungsanstalt innerhalb des ETH-Rates;</p><p>- eine Struktur, die Finanzhilfen nach Artikel 16 des Forschungsgesetzes erhält;</p><p>- eine Struktur, die Finanzhilfen nach dem HFG erhält</p><p>- ein an die Universität gebundener Kredit;</p><p>- ein selbstständiges Institut, das vom Bund finanziert wird wie das Schweizerische Institut für geistiges Eigentum;</p><p>- weitere Varianten von gemeinsamem Eigentum von Bund und Kanton.</p><p>Die Rolle und die Zukunft des SCSC neu zu definieren drängt sich auf, auch weil gegenwärtig wichtige Projekte diskutiert werden (z. B. Switch), in die das Zentrum von Manno unbedingt mit einbezogen werden muss. Auch in die Planung der Forschungssubventionen für die Jahre 2000-2003 muss eine allfällige Neudefinition der Rolle des SCSC einfliessen.</p>
- <p>Am 5. Juni 1986 genehmigten die eidgenössischen Räte mit ihrem Bundesbeschluss die Beschaffung eines Hochleistungsrechners der neuesten Generation: Es wurde ein bis zum 30. September 1991 gültiger Verpflichtungskredit von 55 Millionen Franken gesprochen, wovon 15 Millionen für das Projekt Switch bestimmt waren. 1990 entschied der Bundesrat, das Rechenzentrum in Manno/TI einzurichten. 1991 wurde der der ETHZ angegliederte Superrechner installiert. Das Zentrum nahm im Mai 1992 seine Tätigkeit auf.</p><p>Der Auftrag des SCSC ist dienstleistungsorientiert. Seine Rechnerkapazität ermöglicht die Verarbeitung sehr grosser Datenmengen, weshalb vor allem Kunden aus der Forschung, dem öffentlichen Sektor oder der Industrie als Kunden in Frage kommen.</p><p>In der Botschaft zum oben genannten Bundesbeschluss ging man von einer kostenlosen Benützung des Hochleistungsrechners durch die Hochschulforschung aus.</p><p>Gestützt auf einen Revisionsbericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle hat sich die Finanzdelegation 1997 mit dem Finanz- und Rechnungswesen des SCSC befasst. Dabei hat sie sich der Empfehlung der Finanzkontrolle angeschlossen, die Rechenleistungen gegenüber den Leistungsbezügern ausserhalb des ETH-Bereiches zumindest teilweise zu verrechnen, um den Kostendeckungsgrad des SCSC zu erhöhen. Diese Auffassung wird auch von den Subkommissionen 3 und 4 der Finanzkommission des Nationalrates geteilt.</p><p>1. Der Bundesrat hat Kenntnis von den institutionellen Problemen des SCSC ebenso wie von den Problemen, die aufgrund der jüngsten Entwicklung seiner technischen und finanziellen Situation entstanden sind. Mit Aufmerksamkeit verfolgt er die laufenden Anpassungen. Er legt Wert darauf, dass die Untersuchung, welche die Zukunft des SCSC betrifft, auf einem konstruktiven Dialog zwischen den beteiligten Partnern geschieht (Staatssekretariat für Wissenschaft und Forschung, ETH-Bereich, kantonale Hochschulen, Fachhochschulen, Kanton Tessin).</p><p>Die Position des Bundesrates hinsichtlich der Zukunft des Zentrums wird dem Parlament im Rahmen der Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2000-2003 bekannt gegeben. Das Parlament wird sich dann zu den Zukunftsperspektiven des SCSC äussern können.</p><p>2. Der Bundesrat teilt die Meinung des Interpellanten, wonach die Datenlage zum Zeitpunkt der Lancierung des Projektes nicht ausreichend war, um Aussagen über die Aufgaben und die Finanzierung des Zentrums auf längerfristige Sicht zu machen. Er ist ebenfalls der Ansicht, dass diese Probleme heute aus einer breiteren Perspektive betrachtet werden müssen. Bei der Situationsanalyse werden folgende Faktoren zu berücksichtigen sein:</p><p>- Gestützt auf die strategische Planung 2000-2003 des ETH-Bereiches hat die ETH-Zürich ihre Infrastruktur zu optimieren und die Aufgaben, Trägerschaft und Finanzierung von zentralen Einrichtungen (z. B. der Hauptbibliothek und des SCSC in Manno) zu überprüfen. Im Weiteren sind die Möglichkeiten von neuen Zusammenarbeitsformen und von Ausgliederungen zu klären.</p><p>- Mit der Entwicklung der parallelen Rechner ist die Funktion der Hochleistungsrechner generell zu überdenken. Parallele Rechnersysteme werden immer interessanter. Sie bestehen aus dezentralen Rechnern und zeichnen sich damit durch grössere Kundennähe aus. Damit fördern sie die Beratungstätigkeiten und berücksichtigen die Kundenbedürfnisse besser. Durch ihre Verbreitung verkleinert sich der Markt für Rechenleistungen von Hochleistungsrechnern. Diese Überprüfung wird auch zu zeigen haben, ob gleichzeitig auf beiden Gleisen gefahren werden soll und ob dem SCSC die Rolle eines gesamtschweizerischen Kompetenzzentrum für beide Bereiche (Hochleistungsrechner und parallele Systeme) übertragen werden soll.</p><p>- Der wissenschaftliche Auftrag des SCSC muss neu definiert werden, um die längerfristige Kohärenz zu verbessern. Das Zentrum muss in der Lage sein - unter Berücksichtigung des äusserst raschen technologischen Wandels in diesem Bereich -, Dienstleistungen für das gesamte schweizerische Hochschulwesen anzubieten. Sein Status wird dem Auftrag entsprechend zu definieren sein. Das SCSC soll sich auch in der Region Tessin verankern und am Aufbau der Hochschule der italienischen Schweiz (Universität der italienischen Schweiz und Fachhochschule) beteiligen.</p><p>- Der Finanzierungsmodus muss transparent und die Fakturierung der Dienstleistungen so beschaffen sein, dass der Zugang der Forschergemeinde zum Dienstleistungsangebot des SCSC erleichtert wird.</p><p>Die ETHZ hat den Auftrag, Vorschläge zuhanden des ETH-Rates auszuarbeiten. Verschiedene Organisations- und Finanzierungsmodelle sollen im Rahmen einer gemeinschaftlichen Planung untersucht werden, die den Interessen der einzelnen Partner Rechnung tragen (Schweizerische Hochschulkonferenz, Fachhochschulen, Kanton Tessin).</p><p>3. Der Bundesrat ist sich bewusst, dass die Untersuchungsergebnisse eine Änderung des Rechtsstatus des SCSC zur Folge haben könnten. Diese Frage wird in der unter Ziffer 2 erwähnten Untersuchung aufzugreifen sein.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Verschiedene Fakten lassen vermuten, dass die Zukunft des Schweizerischen Rechenzentrums (SCSC) in Manno gefährdet ist und dass die Leitung der Eidgenössischen Technischen Hochschulen dessen allmähliche Stillegung planen. Diese Fakten sind:</p><p>- Beschluss der ETHZ und der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt, in einen neuen Grossrechner CRAY (Grossrechner der ETHZ) zu investieren und nicht den Grossrechner NEC von Manno einzusetzen.</p><p>- Die 5 Millionen Franken, die für den 1995 getätigten Kauf des Grossrechners NEC SX-4 noch ausstehen, wurden bisher noch nicht bezahlt. Dies könnte bedeuten, dass die Firma NEC einen Teil der Hardware in Bälde abzieht.</p><p>- Die Leitung des SCSC in Manno hat sich, womöglich auf Befehl der ETHZ, geweigert, die Arbeitsverhältnisse des technischen und wissenschaftlichen Dienstpersonals von Manno, das noch immer befristete Verträge hat, zu regeln.</p><p>Diese und weitere Fakten veranlassen uns, dem Bundesrat angesichts seiner gesetzlichen Kompetenzen folgende Fragen zu stellen:</p><p>1. Sind dem Bundesrat diese Fakten und Entwicklungen bekannt, die innert Kürze zu schwerwiegenden Folgen für die im SCSC von Manno laufenden Projekte führen und vor allem dessen Zukunft als nationales Koordinationszentrum auf dem Gebiet der Grossrechner gefährden könnten?</p><p>2. Der Bundesrat hat 1986 das Projekt SCSC im Rahmen des Impulsprogramms des Bundes für die Forschungstätigkeit im Informatikbereich lanciert. Ist er sich bewusst, dass dessen Aufgaben und Finanzierung nur kurzfristig festgelegt, die Modalitäten für die mittel- und langfristige Aufgabenerfüllung und Finanzierung aber nicht geregelt wurden? Wenn ja, ist er nicht auch der Auffassung, dass - auch angesichts der gegenwärtigen Schwierigkeiten - jetzt der Moment gekommen ist, dies alles langfristig zu regeln?</p><p>3. Ist der Bundesrat nicht auch der Auffassung, dass angesichts der gegenwärtigen Schwierigkeiten und der Rolle der ETHZ (sie ist, gelinde gesagt, wenig motiviert, das SCSC weiterzuentwickeln) die Organisations- und Rechtsform des SCSC neu überdacht werden müsste, so dass es letztlich von der ETHZ getrennt wird? Ist der Bundesrat dazu bereit, in diesem Zusammenhang verschiedene Varianten zu prüfen (Forschungsanstalt, Subvention über Art. 16 des Forschungsgesetzes, Subvention nach Hochschulförderungsgesetz, usw.)?</p>
- Schweizerisches Rechenzentrum in Manno. Zukunft?
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Das SCSC entstand aus einem Impulsprogramm des Bundes zugunsten der Forschung im Bereich der Informatik (1986). Dieses Programm:</p><p>- stellte 40 Millionen Franken für den Erwerb eines Grossrechners bereit;</p><p>- legte die Nutzniesser und die Modalitäten der Benutzung fest: für die universitäre Forschung unentgeltlich, für die industrielle Forschung gegen Bezahlung;</p><p>- übertrug der ETHZ die Verwaltung und die Installierung des Rechners in ihrem Rechenzentrum.</p><p>Unter der gleichen Rubrik wurden 15 Millionen Franken für die Errichtung eines schweizerischen Informatiknetzes für Ausbildung und Forschung in Aussicht gestellt und vorgeschlagen, es sei eine Stiftung zu errichten. Für keines der beiden Projekte wurde aufgezeichnet, wie es mittel- und langfristig geleitet und finanziert werden soll.</p><p>Trotz einiger typisch lokaler Probleme wurde dieses Projekt vom Bundesrat gutgeheissen. Es wurde denn auch wie vorgesehen realisiert und finanziert. Seit dem 1. Oktober 1991 liefert das SCSC der Akademie und der Schweizer Forschung als Dienst für Supercomputing seine Dienstleistungen.</p><p>Zu Beginn hat die ETHZ eine Politik der Konsolidierung des SCSC verfolgt, namentlich indem sie die Interdisziplinäre Projektgruppe für Supercomputing (IPS) der ETHZ integriert und das SCSC im Rahmen der Koordination der Supercomputing-Aktivitäten auf der Ebene des ETH-Rates als nationales Kompetenzzentrum für Hochleistungscomputing bezeichnet hat.</p><p>Diese Absichten wurden dann allerdings nicht vollumfänglich in die Tat umgesetzt: Die zwei Gruppen (in Manno und in Zürich) sind nie richtig zusammengewachsen, und die Koordination auf nationaler Ebene (insbesondere wenn es darum ging, in den Kauf eines neuen Grossrechners zu investieren) hat nicht zu den gewünschten Resultaten geführt. Die Notwendigkeit, den Grossrechner von Manno zu verstärken, erforderte in der Zwischenzeit Mittel für dessen Ersatz (NEC SX-3 ersetzt durch NEC SX-4) im Jahre 1995. Der Kaufvertrag sah die Zahlung von 5 Millionen Franken im Jahre 1998 vor.</p><p>Inzwischen hat die Finanzkommission um einen Vorschlag, wie die Kosten durch die Benutzer gedeckt werden können, gebeten, und die ETHZ und die SMA haben die Verträge zur Nutzung des Grossrechners erneuert. Zwei Varianten - beide sahen eine Stärkung des Grossrechners vor - wurden erwogen:</p><p>- auf CRAY fortfahren (Grossrechner der ETHZ und benutzt von der SMA)</p><p>- auf NEC übergehen (Grossrechner von Manno).</p><p>Der Entscheid, den Rechner von Zürich auszubauen (und nicht den von Manno!) ist von strategischer Bedeutung für die Zukunft der Politik des Hochleistungscomputings in der Schweiz. Er stellt die nationale Rolle des SCSC in Frage und schafft die Grundlage für vermehrte lokale Geldforderungen. Überdies ist der Entscheid, auf CRAY fortzufahren, auch aus technischer Sicht leicht merkwürdig:</p><p>- Die Linie der Supercomputer CRAY ist an einem kritischen Punkt angelangt, ja nachgerade scheint nicht einmal die Produktion der Maschine gesichert.</p><p>- Weltweit gesehen werden die Supercomputer CRAY in der Meteorologie immer mehr durch NEC (Kanada, Australien, Dänemark) oder durch Fujitsu (England, Frankreich, Deutschland) ersetzt.</p><p>- Mit Tests in Manno wurde belegt, dass sich mit dem Supercomputer des SCSC die vorgesehenen Aufgaben erledigen lassen. Zu erwähnen ist, dass die NEC einen Teil der Hardware entfernen würde, wenn die 5 Millionen Franken für den im Jahre 1995 vorgenommenen Ersatz nicht bezahlt würden. Dies hätte für die laufenden Projekte katastrophale Folgen.</p><p>Zweifellos ist das Hochleistungscomputing für Wissenschaft und Forschung ein zentrales Element für die Zukunft der technologischen und wissenschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz. Denken wir nur an andere Orte (z. B. Baden-Württemberg), wo Zentren wie das von Manno ausgebaut werden.</p><p>Statt dass man den überwiegenden Teil der Ressourcen in einem stark spezialisierten Zentrum wie demjenigen von Manno konzentriert, vermehrt man die Supercomputer in unseren Universitäten, was einer schlimmen Verschleuderung von Energie und Mitteln gleichkommt. Zehn Supercomputer zu je 1 Million Franken geben denn auch nie die Ergebnisse eines Supercomputers zu 10 Millionen Franken!</p><p>Es müsste auch allen, die gut informiert sind, klar sein, welche Bedeutung dem SCSC in den Anfängen der Tessiner Hochschulpolitik zukam und auch weiter zukommen wird: Erwähnt seien namentlich die Entwicklung der Abteilungen für Informatik und Elektrotechnik an der SUPSI, das gemeinsam mit der USI entwickelte Informatiknetz und dessen Nutzen für das biomedizinische Forschungsinstitut, das 1999 in Bellinzona eröffnet wird.</p><p>Selbstverständlich müssen die Rolle der ETHZ und die Organisationsstruktur des SCSC innert nützlicher First neu überdacht werden. Es drängt sich eine Lösung auf, die die Beteiligung des Bundes voraussetzt und die "Nabelschnur" durchschneidet, die das SCSC mit einem Verwalter (ETHZ) verbindet, der nicht oder nicht mehr motiviert ist.</p><p>Das heisst, es muss eine Organisations- und Rechtsform gefunden werden, durch die das SCSC von der ETHZ getrennt wird und die dem SCSC eine eigene Identität verleiht. Verschiedene Varianten sind denkbar:</p><p>- eine Forschungsanstalt innerhalb des ETH-Rates;</p><p>- eine Struktur, die Finanzhilfen nach Artikel 16 des Forschungsgesetzes erhält;</p><p>- eine Struktur, die Finanzhilfen nach dem HFG erhält</p><p>- ein an die Universität gebundener Kredit;</p><p>- ein selbstständiges Institut, das vom Bund finanziert wird wie das Schweizerische Institut für geistiges Eigentum;</p><p>- weitere Varianten von gemeinsamem Eigentum von Bund und Kanton.</p><p>Die Rolle und die Zukunft des SCSC neu zu definieren drängt sich auf, auch weil gegenwärtig wichtige Projekte diskutiert werden (z. B. Switch), in die das Zentrum von Manno unbedingt mit einbezogen werden muss. Auch in die Planung der Forschungssubventionen für die Jahre 2000-2003 muss eine allfällige Neudefinition der Rolle des SCSC einfliessen.</p>
- <p>Am 5. Juni 1986 genehmigten die eidgenössischen Räte mit ihrem Bundesbeschluss die Beschaffung eines Hochleistungsrechners der neuesten Generation: Es wurde ein bis zum 30. September 1991 gültiger Verpflichtungskredit von 55 Millionen Franken gesprochen, wovon 15 Millionen für das Projekt Switch bestimmt waren. 1990 entschied der Bundesrat, das Rechenzentrum in Manno/TI einzurichten. 1991 wurde der der ETHZ angegliederte Superrechner installiert. Das Zentrum nahm im Mai 1992 seine Tätigkeit auf.</p><p>Der Auftrag des SCSC ist dienstleistungsorientiert. Seine Rechnerkapazität ermöglicht die Verarbeitung sehr grosser Datenmengen, weshalb vor allem Kunden aus der Forschung, dem öffentlichen Sektor oder der Industrie als Kunden in Frage kommen.</p><p>In der Botschaft zum oben genannten Bundesbeschluss ging man von einer kostenlosen Benützung des Hochleistungsrechners durch die Hochschulforschung aus.</p><p>Gestützt auf einen Revisionsbericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle hat sich die Finanzdelegation 1997 mit dem Finanz- und Rechnungswesen des SCSC befasst. Dabei hat sie sich der Empfehlung der Finanzkontrolle angeschlossen, die Rechenleistungen gegenüber den Leistungsbezügern ausserhalb des ETH-Bereiches zumindest teilweise zu verrechnen, um den Kostendeckungsgrad des SCSC zu erhöhen. Diese Auffassung wird auch von den Subkommissionen 3 und 4 der Finanzkommission des Nationalrates geteilt.</p><p>1. Der Bundesrat hat Kenntnis von den institutionellen Problemen des SCSC ebenso wie von den Problemen, die aufgrund der jüngsten Entwicklung seiner technischen und finanziellen Situation entstanden sind. Mit Aufmerksamkeit verfolgt er die laufenden Anpassungen. Er legt Wert darauf, dass die Untersuchung, welche die Zukunft des SCSC betrifft, auf einem konstruktiven Dialog zwischen den beteiligten Partnern geschieht (Staatssekretariat für Wissenschaft und Forschung, ETH-Bereich, kantonale Hochschulen, Fachhochschulen, Kanton Tessin).</p><p>Die Position des Bundesrates hinsichtlich der Zukunft des Zentrums wird dem Parlament im Rahmen der Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2000-2003 bekannt gegeben. Das Parlament wird sich dann zu den Zukunftsperspektiven des SCSC äussern können.</p><p>2. Der Bundesrat teilt die Meinung des Interpellanten, wonach die Datenlage zum Zeitpunkt der Lancierung des Projektes nicht ausreichend war, um Aussagen über die Aufgaben und die Finanzierung des Zentrums auf längerfristige Sicht zu machen. Er ist ebenfalls der Ansicht, dass diese Probleme heute aus einer breiteren Perspektive betrachtet werden müssen. Bei der Situationsanalyse werden folgende Faktoren zu berücksichtigen sein:</p><p>- Gestützt auf die strategische Planung 2000-2003 des ETH-Bereiches hat die ETH-Zürich ihre Infrastruktur zu optimieren und die Aufgaben, Trägerschaft und Finanzierung von zentralen Einrichtungen (z. B. der Hauptbibliothek und des SCSC in Manno) zu überprüfen. Im Weiteren sind die Möglichkeiten von neuen Zusammenarbeitsformen und von Ausgliederungen zu klären.</p><p>- Mit der Entwicklung der parallelen Rechner ist die Funktion der Hochleistungsrechner generell zu überdenken. Parallele Rechnersysteme werden immer interessanter. Sie bestehen aus dezentralen Rechnern und zeichnen sich damit durch grössere Kundennähe aus. Damit fördern sie die Beratungstätigkeiten und berücksichtigen die Kundenbedürfnisse besser. Durch ihre Verbreitung verkleinert sich der Markt für Rechenleistungen von Hochleistungsrechnern. Diese Überprüfung wird auch zu zeigen haben, ob gleichzeitig auf beiden Gleisen gefahren werden soll und ob dem SCSC die Rolle eines gesamtschweizerischen Kompetenzzentrum für beide Bereiche (Hochleistungsrechner und parallele Systeme) übertragen werden soll.</p><p>- Der wissenschaftliche Auftrag des SCSC muss neu definiert werden, um die längerfristige Kohärenz zu verbessern. Das Zentrum muss in der Lage sein - unter Berücksichtigung des äusserst raschen technologischen Wandels in diesem Bereich -, Dienstleistungen für das gesamte schweizerische Hochschulwesen anzubieten. Sein Status wird dem Auftrag entsprechend zu definieren sein. Das SCSC soll sich auch in der Region Tessin verankern und am Aufbau der Hochschule der italienischen Schweiz (Universität der italienischen Schweiz und Fachhochschule) beteiligen.</p><p>- Der Finanzierungsmodus muss transparent und die Fakturierung der Dienstleistungen so beschaffen sein, dass der Zugang der Forschergemeinde zum Dienstleistungsangebot des SCSC erleichtert wird.</p><p>Die ETHZ hat den Auftrag, Vorschläge zuhanden des ETH-Rates auszuarbeiten. Verschiedene Organisations- und Finanzierungsmodelle sollen im Rahmen einer gemeinschaftlichen Planung untersucht werden, die den Interessen der einzelnen Partner Rechnung tragen (Schweizerische Hochschulkonferenz, Fachhochschulen, Kanton Tessin).</p><p>3. Der Bundesrat ist sich bewusst, dass die Untersuchungsergebnisse eine Änderung des Rechtsstatus des SCSC zur Folge haben könnten. Diese Frage wird in der unter Ziffer 2 erwähnten Untersuchung aufzugreifen sein.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Verschiedene Fakten lassen vermuten, dass die Zukunft des Schweizerischen Rechenzentrums (SCSC) in Manno gefährdet ist und dass die Leitung der Eidgenössischen Technischen Hochschulen dessen allmähliche Stillegung planen. Diese Fakten sind:</p><p>- Beschluss der ETHZ und der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt, in einen neuen Grossrechner CRAY (Grossrechner der ETHZ) zu investieren und nicht den Grossrechner NEC von Manno einzusetzen.</p><p>- Die 5 Millionen Franken, die für den 1995 getätigten Kauf des Grossrechners NEC SX-4 noch ausstehen, wurden bisher noch nicht bezahlt. Dies könnte bedeuten, dass die Firma NEC einen Teil der Hardware in Bälde abzieht.</p><p>- Die Leitung des SCSC in Manno hat sich, womöglich auf Befehl der ETHZ, geweigert, die Arbeitsverhältnisse des technischen und wissenschaftlichen Dienstpersonals von Manno, das noch immer befristete Verträge hat, zu regeln.</p><p>Diese und weitere Fakten veranlassen uns, dem Bundesrat angesichts seiner gesetzlichen Kompetenzen folgende Fragen zu stellen:</p><p>1. Sind dem Bundesrat diese Fakten und Entwicklungen bekannt, die innert Kürze zu schwerwiegenden Folgen für die im SCSC von Manno laufenden Projekte führen und vor allem dessen Zukunft als nationales Koordinationszentrum auf dem Gebiet der Grossrechner gefährden könnten?</p><p>2. Der Bundesrat hat 1986 das Projekt SCSC im Rahmen des Impulsprogramms des Bundes für die Forschungstätigkeit im Informatikbereich lanciert. Ist er sich bewusst, dass dessen Aufgaben und Finanzierung nur kurzfristig festgelegt, die Modalitäten für die mittel- und langfristige Aufgabenerfüllung und Finanzierung aber nicht geregelt wurden? Wenn ja, ist er nicht auch der Auffassung, dass - auch angesichts der gegenwärtigen Schwierigkeiten - jetzt der Moment gekommen ist, dies alles langfristig zu regeln?</p><p>3. Ist der Bundesrat nicht auch der Auffassung, dass angesichts der gegenwärtigen Schwierigkeiten und der Rolle der ETHZ (sie ist, gelinde gesagt, wenig motiviert, das SCSC weiterzuentwickeln) die Organisations- und Rechtsform des SCSC neu überdacht werden müsste, so dass es letztlich von der ETHZ getrennt wird? Ist der Bundesrat dazu bereit, in diesem Zusammenhang verschiedene Varianten zu prüfen (Forschungsanstalt, Subvention über Art. 16 des Forschungsgesetzes, Subvention nach Hochschulförderungsgesetz, usw.)?</p>
- Schweizerisches Rechenzentrum in Manno. Zukunft?
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