Arbeitsmarktliche Massnahmen für stellenlose Schulabgänger
- ShortId
-
98.3333
- Id
-
19983333
- Updated
-
10.04.2024 11:58
- Language
-
de
- Title
-
Arbeitsmarktliche Massnahmen für stellenlose Schulabgänger
- AdditionalIndexing
-
Weiterbildung;junge/r Arbeitnehmer/in;Arbeitslosenversicherung;Sprachunterricht;Gesetz;Jugendarbeitslosigkeit
- 1
-
- L05K0702030403, Jugendarbeitslosigkeit
- L05K0702020112, junge/r Arbeitnehmer/in
- L04K13030203, Weiterbildung
- L04K13020102, Sprachunterricht
- L04K01040102, Arbeitslosenversicherung
- L05K0503010102, Gesetz
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Vom Problem der Jugendarbeitslosigkeit unmittelbar Betroffene in den kantonalen Arbeits- und Berufsbildungsämtern weisen auf eine schwerwiegende Lücke der vorgesehenen arbeitsmarktlichen Massnahmen im Avig für jene Schulabgänger hin, die aufgrund ihres Fähigkeitsprofils noch nicht vermittelbar sind. Natürlich ist der Erwerb der Sprachkompetenz und der Erwerb schulischer Grundkompetenzen auf der Stufe eines Hauptschulabschlusses Sache der Volksschule und der Kantone. Trotzdem kommt es aus Gründen des späten Familiennachzugs von ausländischen Familien oder einer schwierigen Schulkarriere immer wieder vor, dass normal begabte Schulabgänger einfach keine Lehrstelle finden, weil ihre Vorbildung noch nicht einen genügenden Stand erreicht hat.</p><p>Da gerade ausländische Schulabgänger am meisten betroffen von Lehrstellenlosigkeit sind, drängen sich die obgenannten Massnahmen auf im Sinne der Verbesserung ihrer Integrationsfähigkeit im Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Integration - und zwar so früh wie möglich - ist die beste Prävention gegen Randständigkeit und Arbeitslosigkeit der Ausländer, die als Gruppe überdurchschnittlich stark von Arbeitslosigkeit und Aussteuerung betroffen sind. Die Langzeitfolgen mangelnder Integrationsmöglichkeiten junger Menschen in Ausbildung, Beruf und Gesellschaft in der Form von psychosozialen Risikoentwicklungen, z. B. Gewalt gegen sich und andere sind bekannt (Weber A., Zukunftsorientierung 16jähriger Jugendlicher, in Bildungsforschung und Bildungspraxis, Nr. 3/96). Jugendliche, die keine Ausbildung haben, konsumieren massiv mehr und häufiger Drogen und haben weniger Lebensmut (Schmidt-Herrmann U., Ausbildung statt Drogensucht, in MOMA 12.96/1.97). Die Zukunftsängste Jugendlicher können nicht ernst genug genommen werden. Jugendarbeitslosigkeit können wir uns als Gesellschaft nicht leisten.</p><p>Solche zusätzlichen arbeitsmarktlichen Massnahmen wären konform mit:</p><p>- Artikel 59 des Avig, der verlangt, dass die Umschulung, Weiterbildung oder Eingliederung die Vermittlungsfähigkeit zu verbessern hat:</p><p>- Artikel 25 des Anag - jedenfalls was die ausländischen jugendlichen Arbeitslosen betrifft -, der vermehrte Anstrengungen zur Integration verlangt;</p><p>- dem vom Parlament überwiesenen Postulat der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (zu 96.075), das den Bundesrat einlädt, eine bessere Koordination und Abstützung von arbeitsmarktlichen Massnahmen gemäss Avig und den Ausbildungsanforderungen und -lehrgängen nach BBG zu prüfen und zu realisieren.</p>
- <p>Das Motivationssemester ist ein Programm zur vorübergehenden Beschäftigung für Absolventen der obligatorischen Schulzeit ohne Lehrstelle. Diese Massnahme existiert seit dem 1. Januar 1996, nachdem in einem knapp zweijährigen Pilotversuch die Wirksamkeit getestet wurde. Während dieser Phase hat sich gezeigt, dass dieses Instrument beim Finden einer Lehrstelle erfolgreicher war als ein zusätzliches 10. Schuljahr. Dies vor allem deshalb, weil das Motivationssemester den Schwerpunkt auf den Beschäftigungsaspekt mit einem ergänzenden Ausbildungsteil legt.</p><p>Während sechs Monaten haben die Jugendlichen die Gelegenheit, sich mit verschiedenen Berufen vertraut zu machen, indem sie in verschiedenen Betrieben Schnupperbesuche machen und von einer Fachperson bei der Konkretisierung ihres beruflichen Projektes betreut werden. Im Bereich ihrer Wahl absolvieren die zukünftigen Lehrlinge daraufhin ein Praktikum.</p><p>Im Ausbildungsteil geht es darum, die Teilnehmer in die Verhältnisse der Arbeitswelt einzuführen. Sie werden mit Themen wie Arbeitsvertrag, Arbeitszeit, Entlöhnung und gesetzlichen Vorschriften vertraut gemacht. Im weiteren werden, je nach den Bedürfnissen der Teilnehmer und abgestimmt auf die beruflichen Zieldefinitionen, in Kursen Lücken im Schulwissen geschlossen. In vielen Fällen handelt es sich dabei um Bereiche wie Deutsch, Mathematik, Bewerbungskurse oder PC-Schulungen.</p><p>Aufgrund dieser Ausführungen ergibt sich, dass das Anliegen der Interpellantin bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt realisiert ist und einen unverzichtbaren Bestandteil der Motivationssemester bilden.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Ist der Bundesrat bereit, in den Katalog der arbeitsmarktlichen Massnahmen des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (Avig) für stellenlose Schulabgänger nicht nur Motivationssemester aufzunehmen, sondern auch Massnahmen zur Erhöhung der Sprachkompetenz und zur Nachbesserung der schulischen Grundausbildung?</p>
- Arbeitsmarktliche Massnahmen für stellenlose Schulabgänger
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Vom Problem der Jugendarbeitslosigkeit unmittelbar Betroffene in den kantonalen Arbeits- und Berufsbildungsämtern weisen auf eine schwerwiegende Lücke der vorgesehenen arbeitsmarktlichen Massnahmen im Avig für jene Schulabgänger hin, die aufgrund ihres Fähigkeitsprofils noch nicht vermittelbar sind. Natürlich ist der Erwerb der Sprachkompetenz und der Erwerb schulischer Grundkompetenzen auf der Stufe eines Hauptschulabschlusses Sache der Volksschule und der Kantone. Trotzdem kommt es aus Gründen des späten Familiennachzugs von ausländischen Familien oder einer schwierigen Schulkarriere immer wieder vor, dass normal begabte Schulabgänger einfach keine Lehrstelle finden, weil ihre Vorbildung noch nicht einen genügenden Stand erreicht hat.</p><p>Da gerade ausländische Schulabgänger am meisten betroffen von Lehrstellenlosigkeit sind, drängen sich die obgenannten Massnahmen auf im Sinne der Verbesserung ihrer Integrationsfähigkeit im Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Integration - und zwar so früh wie möglich - ist die beste Prävention gegen Randständigkeit und Arbeitslosigkeit der Ausländer, die als Gruppe überdurchschnittlich stark von Arbeitslosigkeit und Aussteuerung betroffen sind. Die Langzeitfolgen mangelnder Integrationsmöglichkeiten junger Menschen in Ausbildung, Beruf und Gesellschaft in der Form von psychosozialen Risikoentwicklungen, z. B. Gewalt gegen sich und andere sind bekannt (Weber A., Zukunftsorientierung 16jähriger Jugendlicher, in Bildungsforschung und Bildungspraxis, Nr. 3/96). Jugendliche, die keine Ausbildung haben, konsumieren massiv mehr und häufiger Drogen und haben weniger Lebensmut (Schmidt-Herrmann U., Ausbildung statt Drogensucht, in MOMA 12.96/1.97). Die Zukunftsängste Jugendlicher können nicht ernst genug genommen werden. Jugendarbeitslosigkeit können wir uns als Gesellschaft nicht leisten.</p><p>Solche zusätzlichen arbeitsmarktlichen Massnahmen wären konform mit:</p><p>- Artikel 59 des Avig, der verlangt, dass die Umschulung, Weiterbildung oder Eingliederung die Vermittlungsfähigkeit zu verbessern hat:</p><p>- Artikel 25 des Anag - jedenfalls was die ausländischen jugendlichen Arbeitslosen betrifft -, der vermehrte Anstrengungen zur Integration verlangt;</p><p>- dem vom Parlament überwiesenen Postulat der nationalrätlichen Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (zu 96.075), das den Bundesrat einlädt, eine bessere Koordination und Abstützung von arbeitsmarktlichen Massnahmen gemäss Avig und den Ausbildungsanforderungen und -lehrgängen nach BBG zu prüfen und zu realisieren.</p>
- <p>Das Motivationssemester ist ein Programm zur vorübergehenden Beschäftigung für Absolventen der obligatorischen Schulzeit ohne Lehrstelle. Diese Massnahme existiert seit dem 1. Januar 1996, nachdem in einem knapp zweijährigen Pilotversuch die Wirksamkeit getestet wurde. Während dieser Phase hat sich gezeigt, dass dieses Instrument beim Finden einer Lehrstelle erfolgreicher war als ein zusätzliches 10. Schuljahr. Dies vor allem deshalb, weil das Motivationssemester den Schwerpunkt auf den Beschäftigungsaspekt mit einem ergänzenden Ausbildungsteil legt.</p><p>Während sechs Monaten haben die Jugendlichen die Gelegenheit, sich mit verschiedenen Berufen vertraut zu machen, indem sie in verschiedenen Betrieben Schnupperbesuche machen und von einer Fachperson bei der Konkretisierung ihres beruflichen Projektes betreut werden. Im Bereich ihrer Wahl absolvieren die zukünftigen Lehrlinge daraufhin ein Praktikum.</p><p>Im Ausbildungsteil geht es darum, die Teilnehmer in die Verhältnisse der Arbeitswelt einzuführen. Sie werden mit Themen wie Arbeitsvertrag, Arbeitszeit, Entlöhnung und gesetzlichen Vorschriften vertraut gemacht. Im weiteren werden, je nach den Bedürfnissen der Teilnehmer und abgestimmt auf die beruflichen Zieldefinitionen, in Kursen Lücken im Schulwissen geschlossen. In vielen Fällen handelt es sich dabei um Bereiche wie Deutsch, Mathematik, Bewerbungskurse oder PC-Schulungen.</p><p>Aufgrund dieser Ausführungen ergibt sich, dass das Anliegen der Interpellantin bereits zum gegenwärtigen Zeitpunkt realisiert ist und einen unverzichtbaren Bestandteil der Motivationssemester bilden.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Ist der Bundesrat bereit, in den Katalog der arbeitsmarktlichen Massnahmen des Arbeitslosenversicherungsgesetzes (Avig) für stellenlose Schulabgänger nicht nur Motivationssemester aufzunehmen, sondern auch Massnahmen zur Erhöhung der Sprachkompetenz und zur Nachbesserung der schulischen Grundausbildung?</p>
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