Prävention sexueller Ausbeutung bei Kindern und Jugendlichen
- ShortId
-
98.3430
- Id
-
19983430
- Updated
-
10.04.2024 09:08
- Language
-
de
- Title
-
Prävention sexueller Ausbeutung bei Kindern und Jugendlichen
- AdditionalIndexing
-
Jugendarbeit;Jugendschutz;Public Relations;Vereinigung;sexuelle Gewalt
- 1
-
- L06K050102010305, sexuelle Gewalt
- L04K01040206, Jugendschutz
- L04K01040205, Jugendarbeit
- L05K0101030204, Vereinigung
- L04K12010203, Public Relations
- PriorityCouncil1
-
Ständerat
- Texts
-
- <p>Der Bundesrat verweist auf seine Antwort vom 20. Mai 1998 auf die Interpellation Bühlmann 98.3139 "Sportclubs. Sexuelle Ausbeutung und Gewalt", insbesondere was Punkt 5 anbelangt.</p><p>1.-3. Der Bundesrat weiss um die grosse Bedeutung des Problems Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch. Ein Muss in diesem Bereich ist eine bessere Bekämpfung und Vorbeugung, weil Kinder und Jugendliche des ganzen Landes betroffen sind. Er unterstützt und fördert deshalb Initiativen zur Vorbeugung gegen sexuellen Missbrauch, die von Jugendgruppen und Sportvereinen ergriffen werden, insbesondere die in der Interpellation erwähnten Arbeiten des CEVI und der SAJV. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat im Rahmen des Projektes "Voilà" den CEVI 1995 und 1996 beim Aufbau seiner Aktivitäten in diesem Bereich finanziell unterstützt. Ausserdem hat die Zentralstelle für Familienfragen (ZFF) 1997 die Aktivitäten der SAJV zur Prävention sexuellen Missbrauchs mitfinanziert. Zu erwähnen ist zudem, dass SAJV und CEVI-Bund Bundesbeiträge erhalten.</p><p>4. Verschiedene Untersuchungen und Präventionsprojekte zum Thema Misshandlung und sexueller Missbrauch im allgemeinen sind bereits abgeschlossen oder noch am Laufen.</p><p>Insbesondere die ZFF, die über ein Jahresbudget von 150 000 Franken zur Prävention von Kindesmisshandlung verfügt, hat einige Projekte in Auftrag gegeben. Eine Untersuchung über ein Gesamtpräventionskonzept, das sexuellen Missbrauch und andere Formen von Kindesmisshandlung getrennt behandelt, wird gegenwärtig zu Ende geführt. Verfügbar ist eine elektronische Datei mit allen in der Schweiz im Bereich Kindesmisshandlung und Kinderschutz tätigen Hilfs- und Beratungsstellen. Diese Datei wurde 1996 in Broschürenform veröffentlicht und gratis abgegeben. Die Broschüre wird zurzeit überarbeitet. Es werden mittlerweile auch verschiedene Weiterbildungskurse für Fachleute des Bereiches Kindesmisshandlung angeboten. Finanziell unterstützt werden auch Film- und Videoprojekte zur Vorbeugung vor Gewalt in der Familie oder Broschüren über Kindesmisshandlung oder gewaltfreie Erziehung. Die kommerzielle Ausbeutung von Minderjährigen in der Schweiz (Prostitution, Pornographie, Kinderhandel) ist Thema einer laufenden Untersuchung der Arge Kipro (Arbeitsgemeinschaft gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern). BAG und ZFF haben die ersten Phasen mitfinanziert.</p><p>Das von der ZFF unterstützte Kinder- und Jugendhilfe-Telefon Help-o-Phon wird schon bald unter einer für die ganze Schweiz geltenden dreistelligen Nummer erreichbar sein.</p><p>Das Büro zur Bekämpfung des Menschenhandels, das den Kriminalpolizeilichen Zentralstellendiensten angegliedert ist, hat namentlich den Auftrag, Informationen über strafbare Handlungen mit Kindern zu sammeln und zu bearbeiten. Über die Situation in der Schweiz wird in regelmässig erscheinenden Berichten informiert.</p><p>Schliesslich ist das Nationale Forschungsprogramm 40 "Gewalt im Alltag und organisierte Kriminalität" zu erwähnen, das über zwanzig laufende Forschungsprojekte umfasst, insbesondere zu den Themen Gewalt bei Jugendlichen und sexuelle Gewalt.</p><p>5. Die Eidgenössische Sportschule Magglingen (ESSM) und der Schweizerische Olympische Verband (SOV) haben sich des Problems des sexuellen Missbrauchs angenommen. Eine Arbeitsgruppe wurde eingesetzt, um insbesondere Möglichkeiten in den Bereichen Ausbildung, Intervention und Information der Öffentlichkeit über die bestehenden Hilfs- und Beratungsstellen zu prüfen. Der Exekutivrat des SOV, in dem auch die ESSM vertreten ist, hat im Mai einem Betrag von 20 000 Franken für die Bekämpfung von sexueller Ausbeutung und Gewalt im Sport zugestimmt.</p><p>Der Schweizerische Kinderschutzbund, den die ZFF finanziell unterstützt, hat im Frühling 1997 ein Projekt gestartet, das der Vorbeugung vor Misshandlung und Missbrauch von Kindern in Sportvereinen dienen soll.</p><p>Es sei jedoch in Erinnerung gerufen, dass die meisten Gewalttaten und sexuellen Missbräuche innerhalb der Familie stattfinden.</p><p>6./7. In seiner Stellungnahme vom 27. Juni 1995 zum Bericht "Kindesmisshandlung in der Schweiz" erklärte sich der Bundesrat bereit, seine Mitarbeit an nationalen und regionalen Aktionen und Kampagnen zu prüfen.</p><p>Für den Bundesrat ist Öffentlichkeitsarbeit eine Notwendigkeit, um die Bevölkerung auf die Gewalt an Kindern aufmerksam zu machen. Er erinnert an die Wanderausstellung zur Prävention sexueller Ausbeutung von Mädchen (initiiert vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann), die in den Jahren 1993 und 1995 in 35 Schweizer Städten gezeigt worden ist.</p><p>Im übrigen hat die Eidgenössische Kommission für Jugendfragen ihre Arbeiten im Jahr 1998 ganz dem Thema "Jugend und Gewalt" gewidmet.</p><p>Das Postulat 96.3180 der RK-N verlangt eine Informationskampagne gegen die Alltagsgewalt im sozialen Nahraum, und auch die Motion Vermot 97.3610 "Kindesmisshandlung und Öffentlichkeitsarbeit" zielt in diese Richtung.</p><p>Das Budget "Kindesmisshandlung" der Zentralstelle für Familienfragen lässt kostenintensive, landesweite Öffentlichkeitskampagnen nicht zu. Für den Bundesrat setzen nicht nur die gegenwärtige finanzielle Lage des Bundes, sondern auch eine effiziente Öffentlichkeitsarbeit eine enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Partnern (Kantone, Gemeinden, Einrichtungen, NGO, Medien usw.) voraus, insbesondere in materieller und finanzieller Hinsicht. Angesichts der angespannten Finanzlage können keine zusätzlichen Mittel im Budget und in der Finanzplanung vorgesehen werden. Der Bundesrat ist indes bereit, Möglichkeiten zur Verschiebung von Prioritäten zu prüfen.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Immer häufiger erscheinen Berichte in den Medien über sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Oft werden nur sehr gravierende Fälle von Ausbeutung wahrgenommen, hingegen ist es eine Tatsache, dass auch "Grenzverletzungen" zum Alltag gehören.</p><p>Ausgebeutete Kinder geben an vielen Orten Signale über ihre Situation, so auch bei Leitern in Jugendgruppen oder Sportvereinen. Die Jugendorganisationen engagieren sich gemeinsam für die Prävention in bezug auf sexuelle Ausbeutung. Durch eine breite Sensibilisierung der Leiter lernen diese Signale bei den ihnen anvertrauten Kindern erkennen und ernst nehmen.</p><p>Die Arbeit des CEVI Schweiz und der SAJV-Arbeitsgruppe "Prävention sexueller Ausbeutung in Jugendverbänden" verdient grösste Anerkennung. In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Ist der Bundesrat über die Arbeit der Jugendorganisationen informiert, namentlich über den Aufbau der CEVI-Fachstelle?</p><p>2. Wird diese Arbeit unterstützt - und, wenn ja, in welcher Form?</p><p>3. Erhält die Fachstelle "Prävention sexueller Ausbeutung" finanzielle Unterstützung?</p><p>4. Sind schweizerische Untersuchungen oder wissenschaftliche Studien zu diesem Thema in Auftrag gegeben oder geplant?</p><p>5. Laufen in den Schulen (z. B. Eidgenössische Sportschule Magglingen) Projekte, um die Leiter zu sensibilisieren?</p><p>6. Sind öffentliche Kampagnen, ähnlich der Stop-Aids-Kampagne, im Interesse der Kinder und Jugendlichen geplant?</p><p>7. Wenn nein, ist der Bundesrat allenfalls bereit, solche Kampagnen zu veranlassen?</p>
- Prävention sexueller Ausbeutung bei Kindern und Jugendlichen
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Der Bundesrat verweist auf seine Antwort vom 20. Mai 1998 auf die Interpellation Bühlmann 98.3139 "Sportclubs. Sexuelle Ausbeutung und Gewalt", insbesondere was Punkt 5 anbelangt.</p><p>1.-3. Der Bundesrat weiss um die grosse Bedeutung des Problems Kindesmisshandlung und sexueller Missbrauch. Ein Muss in diesem Bereich ist eine bessere Bekämpfung und Vorbeugung, weil Kinder und Jugendliche des ganzen Landes betroffen sind. Er unterstützt und fördert deshalb Initiativen zur Vorbeugung gegen sexuellen Missbrauch, die von Jugendgruppen und Sportvereinen ergriffen werden, insbesondere die in der Interpellation erwähnten Arbeiten des CEVI und der SAJV. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat im Rahmen des Projektes "Voilà" den CEVI 1995 und 1996 beim Aufbau seiner Aktivitäten in diesem Bereich finanziell unterstützt. Ausserdem hat die Zentralstelle für Familienfragen (ZFF) 1997 die Aktivitäten der SAJV zur Prävention sexuellen Missbrauchs mitfinanziert. Zu erwähnen ist zudem, dass SAJV und CEVI-Bund Bundesbeiträge erhalten.</p><p>4. Verschiedene Untersuchungen und Präventionsprojekte zum Thema Misshandlung und sexueller Missbrauch im allgemeinen sind bereits abgeschlossen oder noch am Laufen.</p><p>Insbesondere die ZFF, die über ein Jahresbudget von 150 000 Franken zur Prävention von Kindesmisshandlung verfügt, hat einige Projekte in Auftrag gegeben. Eine Untersuchung über ein Gesamtpräventionskonzept, das sexuellen Missbrauch und andere Formen von Kindesmisshandlung getrennt behandelt, wird gegenwärtig zu Ende geführt. Verfügbar ist eine elektronische Datei mit allen in der Schweiz im Bereich Kindesmisshandlung und Kinderschutz tätigen Hilfs- und Beratungsstellen. Diese Datei wurde 1996 in Broschürenform veröffentlicht und gratis abgegeben. Die Broschüre wird zurzeit überarbeitet. Es werden mittlerweile auch verschiedene Weiterbildungskurse für Fachleute des Bereiches Kindesmisshandlung angeboten. Finanziell unterstützt werden auch Film- und Videoprojekte zur Vorbeugung vor Gewalt in der Familie oder Broschüren über Kindesmisshandlung oder gewaltfreie Erziehung. Die kommerzielle Ausbeutung von Minderjährigen in der Schweiz (Prostitution, Pornographie, Kinderhandel) ist Thema einer laufenden Untersuchung der Arge Kipro (Arbeitsgemeinschaft gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern). BAG und ZFF haben die ersten Phasen mitfinanziert.</p><p>Das von der ZFF unterstützte Kinder- und Jugendhilfe-Telefon Help-o-Phon wird schon bald unter einer für die ganze Schweiz geltenden dreistelligen Nummer erreichbar sein.</p><p>Das Büro zur Bekämpfung des Menschenhandels, das den Kriminalpolizeilichen Zentralstellendiensten angegliedert ist, hat namentlich den Auftrag, Informationen über strafbare Handlungen mit Kindern zu sammeln und zu bearbeiten. Über die Situation in der Schweiz wird in regelmässig erscheinenden Berichten informiert.</p><p>Schliesslich ist das Nationale Forschungsprogramm 40 "Gewalt im Alltag und organisierte Kriminalität" zu erwähnen, das über zwanzig laufende Forschungsprojekte umfasst, insbesondere zu den Themen Gewalt bei Jugendlichen und sexuelle Gewalt.</p><p>5. Die Eidgenössische Sportschule Magglingen (ESSM) und der Schweizerische Olympische Verband (SOV) haben sich des Problems des sexuellen Missbrauchs angenommen. Eine Arbeitsgruppe wurde eingesetzt, um insbesondere Möglichkeiten in den Bereichen Ausbildung, Intervention und Information der Öffentlichkeit über die bestehenden Hilfs- und Beratungsstellen zu prüfen. Der Exekutivrat des SOV, in dem auch die ESSM vertreten ist, hat im Mai einem Betrag von 20 000 Franken für die Bekämpfung von sexueller Ausbeutung und Gewalt im Sport zugestimmt.</p><p>Der Schweizerische Kinderschutzbund, den die ZFF finanziell unterstützt, hat im Frühling 1997 ein Projekt gestartet, das der Vorbeugung vor Misshandlung und Missbrauch von Kindern in Sportvereinen dienen soll.</p><p>Es sei jedoch in Erinnerung gerufen, dass die meisten Gewalttaten und sexuellen Missbräuche innerhalb der Familie stattfinden.</p><p>6./7. In seiner Stellungnahme vom 27. Juni 1995 zum Bericht "Kindesmisshandlung in der Schweiz" erklärte sich der Bundesrat bereit, seine Mitarbeit an nationalen und regionalen Aktionen und Kampagnen zu prüfen.</p><p>Für den Bundesrat ist Öffentlichkeitsarbeit eine Notwendigkeit, um die Bevölkerung auf die Gewalt an Kindern aufmerksam zu machen. Er erinnert an die Wanderausstellung zur Prävention sexueller Ausbeutung von Mädchen (initiiert vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann), die in den Jahren 1993 und 1995 in 35 Schweizer Städten gezeigt worden ist.</p><p>Im übrigen hat die Eidgenössische Kommission für Jugendfragen ihre Arbeiten im Jahr 1998 ganz dem Thema "Jugend und Gewalt" gewidmet.</p><p>Das Postulat 96.3180 der RK-N verlangt eine Informationskampagne gegen die Alltagsgewalt im sozialen Nahraum, und auch die Motion Vermot 97.3610 "Kindesmisshandlung und Öffentlichkeitsarbeit" zielt in diese Richtung.</p><p>Das Budget "Kindesmisshandlung" der Zentralstelle für Familienfragen lässt kostenintensive, landesweite Öffentlichkeitskampagnen nicht zu. Für den Bundesrat setzen nicht nur die gegenwärtige finanzielle Lage des Bundes, sondern auch eine effiziente Öffentlichkeitsarbeit eine enge Zusammenarbeit mit den verschiedenen Partnern (Kantone, Gemeinden, Einrichtungen, NGO, Medien usw.) voraus, insbesondere in materieller und finanzieller Hinsicht. Angesichts der angespannten Finanzlage können keine zusätzlichen Mittel im Budget und in der Finanzplanung vorgesehen werden. Der Bundesrat ist indes bereit, Möglichkeiten zur Verschiebung von Prioritäten zu prüfen.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Immer häufiger erscheinen Berichte in den Medien über sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche. Oft werden nur sehr gravierende Fälle von Ausbeutung wahrgenommen, hingegen ist es eine Tatsache, dass auch "Grenzverletzungen" zum Alltag gehören.</p><p>Ausgebeutete Kinder geben an vielen Orten Signale über ihre Situation, so auch bei Leitern in Jugendgruppen oder Sportvereinen. Die Jugendorganisationen engagieren sich gemeinsam für die Prävention in bezug auf sexuelle Ausbeutung. Durch eine breite Sensibilisierung der Leiter lernen diese Signale bei den ihnen anvertrauten Kindern erkennen und ernst nehmen.</p><p>Die Arbeit des CEVI Schweiz und der SAJV-Arbeitsgruppe "Prävention sexueller Ausbeutung in Jugendverbänden" verdient grösste Anerkennung. In diesem Zusammenhang bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Ist der Bundesrat über die Arbeit der Jugendorganisationen informiert, namentlich über den Aufbau der CEVI-Fachstelle?</p><p>2. Wird diese Arbeit unterstützt - und, wenn ja, in welcher Form?</p><p>3. Erhält die Fachstelle "Prävention sexueller Ausbeutung" finanzielle Unterstützung?</p><p>4. Sind schweizerische Untersuchungen oder wissenschaftliche Studien zu diesem Thema in Auftrag gegeben oder geplant?</p><p>5. Laufen in den Schulen (z. B. Eidgenössische Sportschule Magglingen) Projekte, um die Leiter zu sensibilisieren?</p><p>6. Sind öffentliche Kampagnen, ähnlich der Stop-Aids-Kampagne, im Interesse der Kinder und Jugendlichen geplant?</p><p>7. Wenn nein, ist der Bundesrat allenfalls bereit, solche Kampagnen zu veranlassen?</p>
- Prävention sexueller Ausbeutung bei Kindern und Jugendlichen
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