Realisierung und Finanzierung des Bündelfunksystems Polycom
- ShortId
-
98.3448
- Id
-
19983448
- Updated
-
10.04.2024 12:25
- Language
-
de
- Title
-
Realisierung und Finanzierung des Bündelfunksystems Polycom
- AdditionalIndexing
-
Übertragungsnetz;Telekommunikationsindustrie;Datenübertragung;Wellenbereich;Ausrüstung für drahtlose Nachrichtenübermittlung;Angleichung der Normen;Telematik
- 1
-
- L06K120202010203, Übertragungsnetz
- L06K120202010102, Ausrüstung für drahtlose Nachrichtenübermittlung
- L05K1202050111, Wellenbereich
- L05K1202020102, Datenübertragung
- L04K12020308, Telekommunikationsindustrie
- L05K1203010108, Telematik
- L06K070601020101, Angleichung der Normen
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Mit dem geplanten Bündelfunknetz Polycom möchte man für die Sicherheits- und Rettungsorganisationen eine gemeinsame, moderne Plattform für den Betriebsfunk schaffen, eine zunächst einleuchtende Absicht. Bei sorgfältiger Analyse ergibt sich allerdings ein zweifelhaftes Bild, und die Gefahr einer "Investitionsruine", die letztlich vom Bund zu finanzieren wäre, erscheint hoch.</p><p>Polycom ist eine sehr teure Lösung. Im Vergleich zu modernen digitalen Polizeifunknetzen auf den heute üblichen Frequenzen liegen die Kosten um einen Faktor zwischen 2 und 3 höher. Im Vergleich mit den heutigen Funknetzen der Wehrdienste liegt der Faktor zwischen 5 und 10. Die Aussicht, unter diesen Voraussetzungen eine kostendeckende Benützerzahl rekrutieren zu können, erscheint gering, zumal es bisher nur relativ wenige feste Zusagen geben soll und alle übrigen Absichtserklärungen unverbindlich und zum Teil mit unrealistischen Auflagen verbunden seien.</p><p>Im Vergleich zu Polycom/Tetrapol-Ausrüstungen bieten sich andere Systeme an, die technisch mindestens ebenbürtig, zwei- bis dreimal billiger und sofort einsetzbar sind. Verschiedene Polizeikorps haben deshalb in den letzten Jahren bereits diese digital verschlüsselten Funksysteme gewählt, die auf 160 Megaherz operieren und deshalb rund um die Hälfte der für Tetrapol (400 Megaherz) notwendigen Standorte benötigen.</p><p>Die Bedienung der Polycom-Endgeräte ist sehr anspruchsvoll, besonders für interdienstliche Verbindungen. Deren Miliztauglichkeit, besonders in Stressituationen, ist fraglich.</p><p>Die Eignung eines solchen Systems bedarf für jede Organisation und jede wesentliche Einsatzeventualität einer sorgfältigen und realitätsbezogenen Erprobung. Diese scheint bislang nur sehr ungenügend durchgeführt worden zu sein, ungenügend insbesondere hinsichtlich der Anforderungen der Polizeikorps.</p><p>Der Tetrapol-Funkstandard hat bislang bei unseren Nachbarländern lediglich in Frankreich Fuss gefasst. Die anderen Nachbarländer haben noch keine Systementscheide für neue Funknetze getroffen, neigen aber für die Zukunft - wie aus zuverlässigen Informationen hervorgeht - zu Tetra, das nach wie vor als einziges System vom European Technical Standardisations Institute standardisiert wurde. Tetra ist technologisch bedeutend weiter fortgeschritten als Tetrapol und auch für Videoübertragungen geeignet. Überdies gibt es für Tetra verschiedene Anbieter, so dass Konkurrenz besteht, was zu günstigeren Preisen führt, während die Basistechnologie für Tetrapol nur über eine einzige Firma (Matra) verfügbar ist.</p><p>Für Tetra haben sich definitiv bereits Finnland, Holland und Belgien sowie das Baskenland entschieden. In Deutschland gibt es nach einem erfolgreichen Test in Berlin eine klare Präferenz für Tetra. Die Gefahr, dass die Schweiz letztlich auf einem exotischen System sitzenbleibt, ist nicht von der Hand zu weisen. Angesichts dieser Tatsache erscheint die Behauptung in der erwähnten Pressemitteilung der Swisscom fragwürdig, wonach "die Wahl des Tetrapol-Standards die funkmässige Integration der Schweiz in Europa gewährleistet" und "problemlos auch über die Landesgrenzen hinweg kommuniziert werden" könne.</p>
- <p>1. Der Ausschuss Polycom hat den Standard und den Hersteller für das Funksicherheitsnetz der Schweiz festgelegt. Dieser Ausschuss ist kein Organ des Eidgenössischen Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Der gewählte Hersteller Swisscom rechnet für das gesamte Netz mit eigenen Infrastrukturkosten von 500 Millionen Franken. Diese werden von Swisscom vorfinanziert und in Form von Abonnementsgebühren der Benutzer zurückerstattet. Der Bund ist an dieser Vorfinanzierung nicht beteiligt.</p><p>2. Die Zusage für ein leistungsfähiges nationales Funksystem ist vor allem politisch relevant. Sie muss anschliessend technisch umgesetzt werden. Die Absichtserklärungen für eine Beschaffung von 30 000 tragbaren und mobilen Funkgeräten sind formaljuristisch nicht bindend. Die bis heute eingegangenen Absichtserklärungen entsprechen aber vollumfänglich den Erwartungen.</p><p>3. Objektive Kostenvergleiche der Benutzervertreter haben ergeben, dass Polycom nicht teurer ist als andere Funksysteme bei allerdings wesentlich höherem Nutzen, insbesondere im Bereich der Zusammenarbeit. Bereits die Nutzung von Natel D käme für Hauptbenutzer teurer zu stehen als Polycom.</p><p>4. Die Benützung öffentlicher Funknetze für Behörden und Organisationen im Bereich Sicherheit und Rettung wurde detailliert abgeklärt und von allen Benutzervertretern verworfen. Dies gilt übrigens europaweit. Die entscheidenden Eigenschaften der öffentlichen Funknetze haben sich weder verändert noch sind solche Veränderungen geplant. Neben Polycom sind öffentliche Netze für die Bewältigung ausserdienstlicher Lagen unabdingbar. Basierend auf Artikel 48 des Fernmeldegesetzes werden diese Netze auch besonders geschützt.</p><p>Die Realisierung dauert etwa drei Jahre. Anschliessende Anpassungen an technische Fortschritte der Infrastruktur müssen von den Benützern gewünscht werden; der Standard wird dabei aber nicht tangiert. Bei Natel GSM entwickeln sich die Endgeräte ebenfalls rasch, ohne dass sich der Standard verändert.</p><p>5. Im Kanton Tessin wurde ein Testnetz mit dem Tetrapol-Standard aufgebaut und von den Benutzergruppen (einschliesslich der Polizei) eingehend getestet. Die Resultate wurden innerhalb der Arbeitsgruppe Polycom ausgetauscht. Zudem wurden systematisch Kontakte zu den Betreibern/Benutzern der etwa 25 operationellen Tetrapol-Systeme in zwölf vornehmlich europäischen Ländern gepflegt und deren Erfahrungen berücksichtigt. Vergleichbare Systeme ohne Tetrapol-Standard (z. B. Tetra) fehlen leider immer noch vollständig.</p><p>6. Die Infrastruktur für Polycom wird von der Swisscom vorfinanziert. Dass bei zu geringer Nachfrage der Bund für den Fehlbetrag aufzukommen hätte, wurde weder je diskutiert noch gefordert. Die erwähnten "hohen jährlichen Kosten" halten einem Vergleich zu vergleichbaren Systemen oder der Anwendung von Natel D durchaus stand.</p><p>Die Gerätepreise werden vor allem durch die verlangten Zusatzausrüstungen wie Ladegeräte, Spezialantennen usw. bestimmt.</p><p>7. Die Interoperabilität ist in jedem Fall sichergestellt. Um die Interoperabilität von Tetrapol mit Tetra sicherzustellen, hat das European Technical Standardisations Institute eine Kommission mit den technischen Abklärungen beauftragt. Die Interoperabilität erlaubt allerdings nicht automatisch die freizügige Zusammenarbeit, welche durch die hoheitliche Anwendung der Chiffrierung und der Berechtigungen geregelt wird. Im übrigen ist Frankreich ein Nachbarstaat; Belgien, Finnland und Dänemark sind es nicht. In Deutschland, Österreich und Italien ist noch nichts entschieden.</p><p>8. Die Eidgenossenschaft hat weder einen Auftrag für ein Funksicherheitsnetz erteilt noch sich finanziell engagiert. Von Benutzerseite wurde indes eine Beteiligung des Bundes gefordert, um möglichst rasch von der heutigen unbefriedigenden Lösung mit mehr als fünfzig Einzelnetzen zu einem erprobten, europaweit betriebenen System zu gelangen.</p><p>Tetra ist in der Schweiz aufgrund mehrerer entscheidender Faktoren in der Evaluation unterlegen. Für die allfällige Ausschreibung öffentlicher Bündelfunksysteme ist die unabhängige Kommunikationskommission zuständig. Dann könnten sich auch Hersteller mit Tetra-Geräten bewerben. Dies hat mit der Realisierung von Polycom allerdings nichts zu tun, da Polycom kein öffentliches Bündelfunksystem, sondern ein Betriebsfunksystem darstellt.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Aufgrund einer Pressemitteilung der Swisscom (publiziert u. a. im Mitteilungsblatt "Mosaik", Nr. 81) sowie in Ergänzung meiner dringlichen Einfachen Anfrage vom 10. Dezember 1997 "Tetrapol/Tetra" (97.1171) bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Trifft es zu, dass das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport beschlossen hat, ein landesweites Sicherheitsbündelfunknetz (Polycom) durch die Swisscom bauen und anschliessend betreiben zu lassen, wobei die Investitionskosten allein für die Infrastruktur auf 500 Millionen Franken veranschlagt werden?</p><p>2. Trifft es zu, dass die in der Pressemitteilung genannten Absichtserklärungen für eine künftige Beschaffung von 30 000 tragbaren und mobilen Funkgeräten zum überwiegenden Teil rechtlich unverbindlich und teilweise an kaum realisierbare Vorbehalte geknüpft sind?</p><p>3. Ist sich der Bundesrat bewusst, dass die gesamten Investitionskosten pro Endgerät von über 20 000 Franken im Vergleich zu alternativen Lösungen extrem hoch sind?</p><p>4. Ist er sich bewusst, dass sich die öffentlichen zellularen Netze in einer Weise weiterentwickeln, dass sie viele Bedürfnisse der Sicherheits- und Rettungsorganisationen bedeutend kostengünstiger abdecken können als Polycom, zumal dessen über mehr als zehn Jahre vorgesehener Aufbau dem rasanten Technologiefortschritt kaum standhalten kann?</p><p>5. Trifft es zu, dass hinsichtlich der Eignung von Polycom für die kantonalen und städtischen Polizeikorps nur rudimentäre Grundsatzversuche durchgeführt wurden und dass demzufolge die Tauglichkeitsfrage für diesen wichtigen potentiellen Benützerkreis heute nicht schlüssig beantwortet werden kann? Sind die Sicherheitsorganisationen trotzdem gewillt, das System Polycom/Tetrapol zu übernehmen?</p><p>6. Trifft die Information zu, wonach die Swisscom Polycom lediglich vorfinanziert und dass bei zu geringer Nachfrage der Bund für den Fehlbetrag aufzukommen hätte, beispielsweise als Abgeltung für einen Leistungsauftrag, zumal die potentiellen Benützer die vorgesehenen hohen jährlichen Kosten sowie den Geräteanschaffungspreis bereits heute kritisieren?</p><p>7. Sind die Angaben über die Interoperabilität von Polycom auf der Basis des Systems Tetrapol mit den Funknetzen der Sicherheits- und Rettungsorganisationen unserer Nachbarländer zutreffend, obwohl sich mit Ausnahme von Frankreich immer mehr Staaten für das System Tetra entscheiden (Finnland, Belgien, Holland, voraussichtlich auch Deutschland, Österreich und Italien)?</p><p>8. Ist der Bundesrat bereit, sein finanzielles Engagement für ein landesweites Bündelfunknetz davon abhängig zu machen, dass neben Tetrapol auch noch andere Systeme, insbesondere Tetra, unter technologischen und finanziellen Kriterien sowie unter dem Aspekt der Kompatibilität mit den wichtigsten anderen europäischen Staaten evaluiert werden?</p>
- Realisierung und Finanzierung des Bündelfunksystems Polycom
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Mit dem geplanten Bündelfunknetz Polycom möchte man für die Sicherheits- und Rettungsorganisationen eine gemeinsame, moderne Plattform für den Betriebsfunk schaffen, eine zunächst einleuchtende Absicht. Bei sorgfältiger Analyse ergibt sich allerdings ein zweifelhaftes Bild, und die Gefahr einer "Investitionsruine", die letztlich vom Bund zu finanzieren wäre, erscheint hoch.</p><p>Polycom ist eine sehr teure Lösung. Im Vergleich zu modernen digitalen Polizeifunknetzen auf den heute üblichen Frequenzen liegen die Kosten um einen Faktor zwischen 2 und 3 höher. Im Vergleich mit den heutigen Funknetzen der Wehrdienste liegt der Faktor zwischen 5 und 10. Die Aussicht, unter diesen Voraussetzungen eine kostendeckende Benützerzahl rekrutieren zu können, erscheint gering, zumal es bisher nur relativ wenige feste Zusagen geben soll und alle übrigen Absichtserklärungen unverbindlich und zum Teil mit unrealistischen Auflagen verbunden seien.</p><p>Im Vergleich zu Polycom/Tetrapol-Ausrüstungen bieten sich andere Systeme an, die technisch mindestens ebenbürtig, zwei- bis dreimal billiger und sofort einsetzbar sind. Verschiedene Polizeikorps haben deshalb in den letzten Jahren bereits diese digital verschlüsselten Funksysteme gewählt, die auf 160 Megaherz operieren und deshalb rund um die Hälfte der für Tetrapol (400 Megaherz) notwendigen Standorte benötigen.</p><p>Die Bedienung der Polycom-Endgeräte ist sehr anspruchsvoll, besonders für interdienstliche Verbindungen. Deren Miliztauglichkeit, besonders in Stressituationen, ist fraglich.</p><p>Die Eignung eines solchen Systems bedarf für jede Organisation und jede wesentliche Einsatzeventualität einer sorgfältigen und realitätsbezogenen Erprobung. Diese scheint bislang nur sehr ungenügend durchgeführt worden zu sein, ungenügend insbesondere hinsichtlich der Anforderungen der Polizeikorps.</p><p>Der Tetrapol-Funkstandard hat bislang bei unseren Nachbarländern lediglich in Frankreich Fuss gefasst. Die anderen Nachbarländer haben noch keine Systementscheide für neue Funknetze getroffen, neigen aber für die Zukunft - wie aus zuverlässigen Informationen hervorgeht - zu Tetra, das nach wie vor als einziges System vom European Technical Standardisations Institute standardisiert wurde. Tetra ist technologisch bedeutend weiter fortgeschritten als Tetrapol und auch für Videoübertragungen geeignet. Überdies gibt es für Tetra verschiedene Anbieter, so dass Konkurrenz besteht, was zu günstigeren Preisen führt, während die Basistechnologie für Tetrapol nur über eine einzige Firma (Matra) verfügbar ist.</p><p>Für Tetra haben sich definitiv bereits Finnland, Holland und Belgien sowie das Baskenland entschieden. In Deutschland gibt es nach einem erfolgreichen Test in Berlin eine klare Präferenz für Tetra. Die Gefahr, dass die Schweiz letztlich auf einem exotischen System sitzenbleibt, ist nicht von der Hand zu weisen. Angesichts dieser Tatsache erscheint die Behauptung in der erwähnten Pressemitteilung der Swisscom fragwürdig, wonach "die Wahl des Tetrapol-Standards die funkmässige Integration der Schweiz in Europa gewährleistet" und "problemlos auch über die Landesgrenzen hinweg kommuniziert werden" könne.</p>
- <p>1. Der Ausschuss Polycom hat den Standard und den Hersteller für das Funksicherheitsnetz der Schweiz festgelegt. Dieser Ausschuss ist kein Organ des Eidgenössischen Departementes für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport. Der gewählte Hersteller Swisscom rechnet für das gesamte Netz mit eigenen Infrastrukturkosten von 500 Millionen Franken. Diese werden von Swisscom vorfinanziert und in Form von Abonnementsgebühren der Benutzer zurückerstattet. Der Bund ist an dieser Vorfinanzierung nicht beteiligt.</p><p>2. Die Zusage für ein leistungsfähiges nationales Funksystem ist vor allem politisch relevant. Sie muss anschliessend technisch umgesetzt werden. Die Absichtserklärungen für eine Beschaffung von 30 000 tragbaren und mobilen Funkgeräten sind formaljuristisch nicht bindend. Die bis heute eingegangenen Absichtserklärungen entsprechen aber vollumfänglich den Erwartungen.</p><p>3. Objektive Kostenvergleiche der Benutzervertreter haben ergeben, dass Polycom nicht teurer ist als andere Funksysteme bei allerdings wesentlich höherem Nutzen, insbesondere im Bereich der Zusammenarbeit. Bereits die Nutzung von Natel D käme für Hauptbenutzer teurer zu stehen als Polycom.</p><p>4. Die Benützung öffentlicher Funknetze für Behörden und Organisationen im Bereich Sicherheit und Rettung wurde detailliert abgeklärt und von allen Benutzervertretern verworfen. Dies gilt übrigens europaweit. Die entscheidenden Eigenschaften der öffentlichen Funknetze haben sich weder verändert noch sind solche Veränderungen geplant. Neben Polycom sind öffentliche Netze für die Bewältigung ausserdienstlicher Lagen unabdingbar. Basierend auf Artikel 48 des Fernmeldegesetzes werden diese Netze auch besonders geschützt.</p><p>Die Realisierung dauert etwa drei Jahre. Anschliessende Anpassungen an technische Fortschritte der Infrastruktur müssen von den Benützern gewünscht werden; der Standard wird dabei aber nicht tangiert. Bei Natel GSM entwickeln sich die Endgeräte ebenfalls rasch, ohne dass sich der Standard verändert.</p><p>5. Im Kanton Tessin wurde ein Testnetz mit dem Tetrapol-Standard aufgebaut und von den Benutzergruppen (einschliesslich der Polizei) eingehend getestet. Die Resultate wurden innerhalb der Arbeitsgruppe Polycom ausgetauscht. Zudem wurden systematisch Kontakte zu den Betreibern/Benutzern der etwa 25 operationellen Tetrapol-Systeme in zwölf vornehmlich europäischen Ländern gepflegt und deren Erfahrungen berücksichtigt. Vergleichbare Systeme ohne Tetrapol-Standard (z. B. Tetra) fehlen leider immer noch vollständig.</p><p>6. Die Infrastruktur für Polycom wird von der Swisscom vorfinanziert. Dass bei zu geringer Nachfrage der Bund für den Fehlbetrag aufzukommen hätte, wurde weder je diskutiert noch gefordert. Die erwähnten "hohen jährlichen Kosten" halten einem Vergleich zu vergleichbaren Systemen oder der Anwendung von Natel D durchaus stand.</p><p>Die Gerätepreise werden vor allem durch die verlangten Zusatzausrüstungen wie Ladegeräte, Spezialantennen usw. bestimmt.</p><p>7. Die Interoperabilität ist in jedem Fall sichergestellt. Um die Interoperabilität von Tetrapol mit Tetra sicherzustellen, hat das European Technical Standardisations Institute eine Kommission mit den technischen Abklärungen beauftragt. Die Interoperabilität erlaubt allerdings nicht automatisch die freizügige Zusammenarbeit, welche durch die hoheitliche Anwendung der Chiffrierung und der Berechtigungen geregelt wird. Im übrigen ist Frankreich ein Nachbarstaat; Belgien, Finnland und Dänemark sind es nicht. In Deutschland, Österreich und Italien ist noch nichts entschieden.</p><p>8. Die Eidgenossenschaft hat weder einen Auftrag für ein Funksicherheitsnetz erteilt noch sich finanziell engagiert. Von Benutzerseite wurde indes eine Beteiligung des Bundes gefordert, um möglichst rasch von der heutigen unbefriedigenden Lösung mit mehr als fünfzig Einzelnetzen zu einem erprobten, europaweit betriebenen System zu gelangen.</p><p>Tetra ist in der Schweiz aufgrund mehrerer entscheidender Faktoren in der Evaluation unterlegen. Für die allfällige Ausschreibung öffentlicher Bündelfunksysteme ist die unabhängige Kommunikationskommission zuständig. Dann könnten sich auch Hersteller mit Tetra-Geräten bewerben. Dies hat mit der Realisierung von Polycom allerdings nichts zu tun, da Polycom kein öffentliches Bündelfunksystem, sondern ein Betriebsfunksystem darstellt.</p> Antwort des Bundesrates.
- <p>Aufgrund einer Pressemitteilung der Swisscom (publiziert u. a. im Mitteilungsblatt "Mosaik", Nr. 81) sowie in Ergänzung meiner dringlichen Einfachen Anfrage vom 10. Dezember 1997 "Tetrapol/Tetra" (97.1171) bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>1. Trifft es zu, dass das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport beschlossen hat, ein landesweites Sicherheitsbündelfunknetz (Polycom) durch die Swisscom bauen und anschliessend betreiben zu lassen, wobei die Investitionskosten allein für die Infrastruktur auf 500 Millionen Franken veranschlagt werden?</p><p>2. Trifft es zu, dass die in der Pressemitteilung genannten Absichtserklärungen für eine künftige Beschaffung von 30 000 tragbaren und mobilen Funkgeräten zum überwiegenden Teil rechtlich unverbindlich und teilweise an kaum realisierbare Vorbehalte geknüpft sind?</p><p>3. Ist sich der Bundesrat bewusst, dass die gesamten Investitionskosten pro Endgerät von über 20 000 Franken im Vergleich zu alternativen Lösungen extrem hoch sind?</p><p>4. Ist er sich bewusst, dass sich die öffentlichen zellularen Netze in einer Weise weiterentwickeln, dass sie viele Bedürfnisse der Sicherheits- und Rettungsorganisationen bedeutend kostengünstiger abdecken können als Polycom, zumal dessen über mehr als zehn Jahre vorgesehener Aufbau dem rasanten Technologiefortschritt kaum standhalten kann?</p><p>5. Trifft es zu, dass hinsichtlich der Eignung von Polycom für die kantonalen und städtischen Polizeikorps nur rudimentäre Grundsatzversuche durchgeführt wurden und dass demzufolge die Tauglichkeitsfrage für diesen wichtigen potentiellen Benützerkreis heute nicht schlüssig beantwortet werden kann? Sind die Sicherheitsorganisationen trotzdem gewillt, das System Polycom/Tetrapol zu übernehmen?</p><p>6. Trifft die Information zu, wonach die Swisscom Polycom lediglich vorfinanziert und dass bei zu geringer Nachfrage der Bund für den Fehlbetrag aufzukommen hätte, beispielsweise als Abgeltung für einen Leistungsauftrag, zumal die potentiellen Benützer die vorgesehenen hohen jährlichen Kosten sowie den Geräteanschaffungspreis bereits heute kritisieren?</p><p>7. Sind die Angaben über die Interoperabilität von Polycom auf der Basis des Systems Tetrapol mit den Funknetzen der Sicherheits- und Rettungsorganisationen unserer Nachbarländer zutreffend, obwohl sich mit Ausnahme von Frankreich immer mehr Staaten für das System Tetra entscheiden (Finnland, Belgien, Holland, voraussichtlich auch Deutschland, Österreich und Italien)?</p><p>8. Ist der Bundesrat bereit, sein finanzielles Engagement für ein landesweites Bündelfunknetz davon abhängig zu machen, dass neben Tetrapol auch noch andere Systeme, insbesondere Tetra, unter technologischen und finanziellen Kriterien sowie unter dem Aspekt der Kompatibilität mit den wichtigsten anderen europäischen Staaten evaluiert werden?</p>
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