Medikamente für seltene Krankheiten
- ShortId
-
98.3550
- Id
-
19983550
- Updated
-
14.11.2025 06:26
- Language
-
de
- Title
-
Medikamente für seltene Krankheiten
- AdditionalIndexing
-
Krankheit;Forschungsförderung;medizinische Forschung;Medikament
- 1
-
- L04K01050512, medizinische Forschung
- L04K16020204, Forschungsförderung
- L05K0105030102, Medikament
- L03K010501, Krankheit
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Laut Angaben der WHO gibt es definitionsgemäss ungefähr 5000 seltene Erkrankungen, von denen weniger als fünf bis acht Personen von 10'000 betroffen sind. Diese Erkrankungen, die mehrheitlich genetisch bedingt sind, haben eines gemeinsam: Die pharmazeutische Industrie zeigt kein wirtschaftliches Interesse an der Forschung nach entsprechenden Arzneimitteln, weil diese nur bei einer sehr kleinen Anzahl Patienten und Patientinnen angewendet werden könnten. Durch Vereinigungen wie zum Beispiel Téléthon können beachtliche Geldbeträge gesammelt und in einschlägige Forschung investiert werden. Der eigentliche Bedarf an solcher Forschung ist jedoch wesentlich grösser.</p><p>Seit 1983 wird in den USA eine Gesetzgebung ausgearbeitet, die Anreize zur Forschung nach solchen Orphan Drugs schaffen soll (Orphan Drug Act). Japan folgte 1993 und dem Europäischen Parlament wurde soeben ein Vorschlag für eine Verordnung vorgelegt, deren Ziel es ist, .ein Gemeinschaftsverfahren für die Ausweisung von Arzneimitteln als Orphan Drugs festzulegen und Anreize für die Erforschung, Entwicklung und das Inverkehrbringen von als Orphan Drugs ausgewiesenen Arzneimitteln zu schaffen..</p><p>Eine staatliche Förderung der Forschung im Bereich dieser Orphan Drugs entspräche der Forderung nach Gleichbehandlung der Kranken. Auch vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen wäre sie gerechtfertigt, da die Forschungskapazitäten in der Schweiz sehr gross sind und die Forschung im Bereich der seltenen Erkrankungen in den Vorschlägen für das 5. Rahmenprogramm (1998 - 2002) der Europäischen Union voraussichtlich einen sehr wichtigen Stellenwert einnehmen wird.</p><p>Die Finanzierung müsste über Forschungsprogramme laufen.</p>
- <p>Die Förderung der Erforschung seltener Erkrankungen und der Entwicklung von sogenannten "Orphan Drugs" hängt nicht zuletzt von der Bevölkerungszahl eines Landes oder einer Ländergemeinschaft ab. Ein Zahlenbeispiel mag das verdeutlichen. Wenn von einer seltenen Erkrankung nur jede zehntausendste Person betroffen ist, macht dies in der Schweiz bei 7 Millionen Einwohnern 700 Patient/innen. In der europäischen Union mit 370 Millionen Einwohnern beträgt diese Zahl 37'000 Personen. Ist nur jede einhundertausendste Person betroffen, beträgt die Zahl der Patient/innen in der Schweiz sogar nur 70. Dabei ist eine statistisch aussagekräftige Forschung nicht mehr möglich. Anders hingegen in der EU: Hier gibt es beim gleichen Verhältnis immer noch 3'700 Personen. Selbst wenn hier nur jede 10. in die Forschung einbezogen werden kann, dürfte die Kohorte für statistisch aussagekräftige Resultate ausreichen. Es könnte sich deshalb für die EU lohnen, in die entsprechende Forschung zu investieren. Diese Zahlenverhältnisse zeigen auch auf, warum üblicherweise nur Länder mit hohen Einwohnerzahlen wie die USA oder Japan oder Staatengemeinschaften wie die EU in die Erforschung seltener Erkrankungen investieren. Schweizer Forscher, die in diesem Gebiet arbeiten, sollten sich wegen der notwendigen Fallzahlen deshalb solchen Programmen anschliessen.</p><p></p><p>Das 4. Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung der EU (1995 - 1998) beinhaltet dieses Thema, an zwei laufenden Projekten1 sind auch Schweizer Forschende beteiligt. Das Forschungsgebiet der seltenen Erkrankungen wird höchstwahrscheinlich auch in das 5. Rahmenprogramm (1999 - 2002) aufgenommen, doch fällt die endgültige Entscheidung über den Inhalt dieses Programms erst in den nächsten Wochen. Die Version vom 14.9.1998 des Thematischen Programms 1 - "Lebensqualität und Management lebender Ressourcen" - sieht einen Einbezug dieses Themas vor. Das Thema "rare diseases" wird ausdrücklich unter der Rubrik "research and technological development of a generic nature" erwähnt. Darin wird präzisiert, dass eine Bündelung der Ressourcen auf europäischer Ebene unverzichtbar sei, um den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten gerecht zu werden. </p><p></p><p>Schweizer Forschende, die auf diesem Gebiet arbeiten, werden folglich die Möglichkeit haben, ab dem Start des 5. Rahmenprogramms in diesem Jahr mit europäischen Partnern Konsortien zu bilden. Ab 2001 tritt die integrale Beteiligung der Schweiz am Rahmenprogramm in Kraft, Schweizer Forschende werden dann selbst neue Projekte initiieren und als Projektkoordinatoren auftreten können. Der Bund trägt seinerseits durch die Mitfinanzierung des entsprechenden EU-Programmes zu dieser Forschung bei. </p><p></p><p>Die Entwicklung und Zulassung von Heilmitteln für die Bekämpfung seltener Erkrankungen kann der Bund aber nicht nur mittels Forschung fördern. So ist im neuen Heilmittelgesetz, das dem Parlament 1999 unterbreitet wird vorgesehen, dass Orphan Drugs erleichtert zugelassen werden können. Der Gesetzesentwurf sieht ausserdem die Möglichkeit vor, für gewisse Tätigkeiten auf die Einforderung von Gebühren zu verzichten. Orphan Drugs könnten somit erleichtert zugelassen werden. Die entsprechenden Kosten übernimmt via Leistungsauftrag der Bund. Die Forderungen des Motionärs werden deshalb auch im Rahmen der laufenden Gesetzgebungsarbeiten bereits berücksichtigt.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion abzuschreiben.
- <p>Der Bundesrat wird ersucht, Massnahmen vorzuschlagen, um die Forschung, Herstellung und Vermarktung in bezug auf Arzneimittel zu fördern, die für Diagnose, Vorbeugung oder Behandlung seltener Erkrankungen bestimmt sind.</p>
- Medikamente für seltene Krankheiten
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Laut Angaben der WHO gibt es definitionsgemäss ungefähr 5000 seltene Erkrankungen, von denen weniger als fünf bis acht Personen von 10'000 betroffen sind. Diese Erkrankungen, die mehrheitlich genetisch bedingt sind, haben eines gemeinsam: Die pharmazeutische Industrie zeigt kein wirtschaftliches Interesse an der Forschung nach entsprechenden Arzneimitteln, weil diese nur bei einer sehr kleinen Anzahl Patienten und Patientinnen angewendet werden könnten. Durch Vereinigungen wie zum Beispiel Téléthon können beachtliche Geldbeträge gesammelt und in einschlägige Forschung investiert werden. Der eigentliche Bedarf an solcher Forschung ist jedoch wesentlich grösser.</p><p>Seit 1983 wird in den USA eine Gesetzgebung ausgearbeitet, die Anreize zur Forschung nach solchen Orphan Drugs schaffen soll (Orphan Drug Act). Japan folgte 1993 und dem Europäischen Parlament wurde soeben ein Vorschlag für eine Verordnung vorgelegt, deren Ziel es ist, .ein Gemeinschaftsverfahren für die Ausweisung von Arzneimitteln als Orphan Drugs festzulegen und Anreize für die Erforschung, Entwicklung und das Inverkehrbringen von als Orphan Drugs ausgewiesenen Arzneimitteln zu schaffen..</p><p>Eine staatliche Förderung der Forschung im Bereich dieser Orphan Drugs entspräche der Forderung nach Gleichbehandlung der Kranken. Auch vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen wäre sie gerechtfertigt, da die Forschungskapazitäten in der Schweiz sehr gross sind und die Forschung im Bereich der seltenen Erkrankungen in den Vorschlägen für das 5. Rahmenprogramm (1998 - 2002) der Europäischen Union voraussichtlich einen sehr wichtigen Stellenwert einnehmen wird.</p><p>Die Finanzierung müsste über Forschungsprogramme laufen.</p>
- <p>Die Förderung der Erforschung seltener Erkrankungen und der Entwicklung von sogenannten "Orphan Drugs" hängt nicht zuletzt von der Bevölkerungszahl eines Landes oder einer Ländergemeinschaft ab. Ein Zahlenbeispiel mag das verdeutlichen. Wenn von einer seltenen Erkrankung nur jede zehntausendste Person betroffen ist, macht dies in der Schweiz bei 7 Millionen Einwohnern 700 Patient/innen. In der europäischen Union mit 370 Millionen Einwohnern beträgt diese Zahl 37'000 Personen. Ist nur jede einhundertausendste Person betroffen, beträgt die Zahl der Patient/innen in der Schweiz sogar nur 70. Dabei ist eine statistisch aussagekräftige Forschung nicht mehr möglich. Anders hingegen in der EU: Hier gibt es beim gleichen Verhältnis immer noch 3'700 Personen. Selbst wenn hier nur jede 10. in die Forschung einbezogen werden kann, dürfte die Kohorte für statistisch aussagekräftige Resultate ausreichen. Es könnte sich deshalb für die EU lohnen, in die entsprechende Forschung zu investieren. Diese Zahlenverhältnisse zeigen auch auf, warum üblicherweise nur Länder mit hohen Einwohnerzahlen wie die USA oder Japan oder Staatengemeinschaften wie die EU in die Erforschung seltener Erkrankungen investieren. Schweizer Forscher, die in diesem Gebiet arbeiten, sollten sich wegen der notwendigen Fallzahlen deshalb solchen Programmen anschliessen.</p><p></p><p>Das 4. Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung der EU (1995 - 1998) beinhaltet dieses Thema, an zwei laufenden Projekten1 sind auch Schweizer Forschende beteiligt. Das Forschungsgebiet der seltenen Erkrankungen wird höchstwahrscheinlich auch in das 5. Rahmenprogramm (1999 - 2002) aufgenommen, doch fällt die endgültige Entscheidung über den Inhalt dieses Programms erst in den nächsten Wochen. Die Version vom 14.9.1998 des Thematischen Programms 1 - "Lebensqualität und Management lebender Ressourcen" - sieht einen Einbezug dieses Themas vor. Das Thema "rare diseases" wird ausdrücklich unter der Rubrik "research and technological development of a generic nature" erwähnt. Darin wird präzisiert, dass eine Bündelung der Ressourcen auf europäischer Ebene unverzichtbar sei, um den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten gerecht zu werden. </p><p></p><p>Schweizer Forschende, die auf diesem Gebiet arbeiten, werden folglich die Möglichkeit haben, ab dem Start des 5. Rahmenprogramms in diesem Jahr mit europäischen Partnern Konsortien zu bilden. Ab 2001 tritt die integrale Beteiligung der Schweiz am Rahmenprogramm in Kraft, Schweizer Forschende werden dann selbst neue Projekte initiieren und als Projektkoordinatoren auftreten können. Der Bund trägt seinerseits durch die Mitfinanzierung des entsprechenden EU-Programmes zu dieser Forschung bei. </p><p></p><p>Die Entwicklung und Zulassung von Heilmitteln für die Bekämpfung seltener Erkrankungen kann der Bund aber nicht nur mittels Forschung fördern. So ist im neuen Heilmittelgesetz, das dem Parlament 1999 unterbreitet wird vorgesehen, dass Orphan Drugs erleichtert zugelassen werden können. Der Gesetzesentwurf sieht ausserdem die Möglichkeit vor, für gewisse Tätigkeiten auf die Einforderung von Gebühren zu verzichten. Orphan Drugs könnten somit erleichtert zugelassen werden. Die entsprechenden Kosten übernimmt via Leistungsauftrag der Bund. Die Forderungen des Motionärs werden deshalb auch im Rahmen der laufenden Gesetzgebungsarbeiten bereits berücksichtigt.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion abzuschreiben.
- <p>Der Bundesrat wird ersucht, Massnahmen vorzuschlagen, um die Forschung, Herstellung und Vermarktung in bezug auf Arzneimittel zu fördern, die für Diagnose, Vorbeugung oder Behandlung seltener Erkrankungen bestimmt sind.</p>
- Medikamente für seltene Krankheiten
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