Pädagogische Task Force statt Apartheid

ShortId
99.3227
Id
19993227
Updated
10.04.2024 10:37
Language
de
Title
Pädagogische Task Force statt Apartheid
AdditionalIndexing
Ausländer/in;neue Pädagogik;soziale Integration;Einschulung;Kulturvielfalt;Rückkehrbeihilfe;Pädagogik;Integration der Zuwanderer
1
  • L04K13030305, neue Pädagogik
  • L04K16030102, Pädagogik
  • L04K13030110, Einschulung
  • L05K0108030602, Integration der Zuwanderer
  • L05K0108030603, Rückkehrbeihilfe
  • L04K01040209, soziale Integration
  • L04K05060102, Ausländer/in
  • L04K01060106, Kulturvielfalt
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Notrecht: Wer ist hier in Not? Die Flüchtlinge, die um ihr nacktes Überleben gekämpft haben, oder die von jeglichem Krieg unversehrte Schweiz? Eine Kosten-Nutzen-Analyse darüber, was das volkswirtschaftlich und demokratiepolitisch bedeutet, wenn eine ganze Gruppe von Kindern schulisch segregiert, ausgegrenzt und in die Apartheid geschickt wird, würde wahrscheinlich ergeben, dass der Preis für die Ausgrenzung relativ hoch ist: Sprachlosigkeit und Unverständnis auf beiden Seiten, Misstrauen. Menschen werden als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse behandelt und führen sich entsprechend auf, was die Misstrauensspirale erst recht in Gang setzt. Auf der anderen Seite ist es ein Armutszeugnis, wenn ein demokratisches Land den Vertriebenen nichts von seiner Kultur, seinen Werten, seiner Landessprache mitgeben will. Bildung und Beschäftigung fördern nachweislich die Rückkehrfähigkeiten.</p><p>Natürlich ist es wichtig, dass die schulische Bildung nicht auf Kosten der Einheimischen stattfindet. Es ist jedoch wissenschaftlich nicht haltbar, dass eine gutorganisierte, stufenweise durchgeführte interkulturelle Koedukation einen Nachteil für die Einheimischen bringen würde; das Gegenteil ist der Fall. Es gilt, das vorhandene Know-how zu verbreiten und gutfunktionierende Modelle bekanntzumachen, um sich überfordert fühlenden Schulen und Eltern und deren Ängsten mit konkreten Hilfestellungen zu begegnen. Wissen um erfolgreiche interkulturelle Einschulung ist in den schulischen Gremien, die aus Laien zusammengesetzt sind, in der Regel zuwenig bekannt. Eine pädagogische Task force müsste eine Begleitforschung beinhalten. So könnte das Ganze für unser Land zu einer spannenden Lernerfahrung werden, deren Resultate auch in anderen Bereichen wegweisend sein könnten.</p>
  • <p>Es ist offensichtlich, dass die Aufnahme und Betreuung von Asylsuchenden von allen Beteiligten höchste Anstrengungen verlangt. Dies gilt vor allem auch für die Kantone und Gemeinden, die schon bisher alles daransetzten, die Kinder und Jugendlichen von Asylsuchenden sobald als möglich in das schweizerische Schulsystem zu integrieren. Betrachtet man die bisherige Integrationspraxis und die konkreten, grossen Anstrengungen in diesem Bereich, so kann von Ausgrenzung oder gar von Apartheid keinerlei Rede sein. Zu den Möglichkeiten und Grenzen getrennter Klassen für schweizerische und ausländische Schüler und Schülerinnen hat sich der Bundesrat im übrigen bereits in seiner schriftlichen Stellungnahme vom 31. Mai 1999 auf die diesbezügliche Interpellation Bühlmann (Getrennte Klassen für schweizerische und ausländische Schüler; 98.3656) ausführlich geäussert.</p><p>Es ist offensichtlich, dass die Möglichkeiten des Bundes im Bereich der Schulung von Flüchtlingskindern beschränkt sind, liegt doch die Bildungshoheit grundsätzlich bei den Kantonen. Die Frage einer Kontaktgruppe oder anderer Strukturen mit beratender Funktion, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern des Bundes, der Kantone und Gemeinden sowie anderer direkt betroffener Kreise, ist indessen zumindest prüfenswert. Allerdings ist der Bundesrat der Meinung, dass eine solche Gruppe nicht permanenten, sondern zeitlich befristeten Charakter haben sollte. Dienlich wäre eine solche Gruppe wohl vor allem beim Vorliegen ausserordentlicher Situationen. In den anderen Fällen dürften die bestehenden Möglichkeiten und die vorhandenen Gremien durchaus genügen. Hier ist nicht zuletzt an die ständigen Gremien der EDK zu denken, etwa an ihre Arbeitsgruppe "Schulung fremdsprachiger Kinder", in der auch verschiedene Bundesstellen vertreten sind. Erwähnenswert sind hier auch das Netz der kantonalen Beauftragten sowie der ständige EDK-Delegierte für Migrationsfragen, der seinerseits im Bereich Ausländerfragen in verschiedenen Gremien des Bundes und der Kantone mitarbeitet.</p><p>Die zuständigen Bundesinstanzen sind bereit, die hier aufgeworfene Frage mit der EDK zu beraten.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Ist der Bundesrat bereit, sich - zusammen mit der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) - Überlegungen zu machen bezüglich der Schaffung einer pädagogischen Task force, wo Forschende und Praktikerinnen und Praktiker das bestehende Wissen darüber zusammentragen, welche Möglichkeiten es auf empirisch gestützten Resultaten gibt, Menschen optimal einzuschulen, so dass sie befähigt werden, sich in ihrem Gastland zu bewegen und dereinst einen gut gefüllten Schulsack als Rückkehrhilfe nach Hause nehmen können? Eine solche Task force könnte die Kantone beraten, welche Ressourcen sie brauchen und wie sie die Schulung organisieren können, so dass einheimische und zugezogene Kinder profitieren.</p>
  • Pädagogische Task Force statt Apartheid
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Notrecht: Wer ist hier in Not? Die Flüchtlinge, die um ihr nacktes Überleben gekämpft haben, oder die von jeglichem Krieg unversehrte Schweiz? Eine Kosten-Nutzen-Analyse darüber, was das volkswirtschaftlich und demokratiepolitisch bedeutet, wenn eine ganze Gruppe von Kindern schulisch segregiert, ausgegrenzt und in die Apartheid geschickt wird, würde wahrscheinlich ergeben, dass der Preis für die Ausgrenzung relativ hoch ist: Sprachlosigkeit und Unverständnis auf beiden Seiten, Misstrauen. Menschen werden als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse behandelt und führen sich entsprechend auf, was die Misstrauensspirale erst recht in Gang setzt. Auf der anderen Seite ist es ein Armutszeugnis, wenn ein demokratisches Land den Vertriebenen nichts von seiner Kultur, seinen Werten, seiner Landessprache mitgeben will. Bildung und Beschäftigung fördern nachweislich die Rückkehrfähigkeiten.</p><p>Natürlich ist es wichtig, dass die schulische Bildung nicht auf Kosten der Einheimischen stattfindet. Es ist jedoch wissenschaftlich nicht haltbar, dass eine gutorganisierte, stufenweise durchgeführte interkulturelle Koedukation einen Nachteil für die Einheimischen bringen würde; das Gegenteil ist der Fall. Es gilt, das vorhandene Know-how zu verbreiten und gutfunktionierende Modelle bekanntzumachen, um sich überfordert fühlenden Schulen und Eltern und deren Ängsten mit konkreten Hilfestellungen zu begegnen. Wissen um erfolgreiche interkulturelle Einschulung ist in den schulischen Gremien, die aus Laien zusammengesetzt sind, in der Regel zuwenig bekannt. Eine pädagogische Task force müsste eine Begleitforschung beinhalten. So könnte das Ganze für unser Land zu einer spannenden Lernerfahrung werden, deren Resultate auch in anderen Bereichen wegweisend sein könnten.</p>
    • <p>Es ist offensichtlich, dass die Aufnahme und Betreuung von Asylsuchenden von allen Beteiligten höchste Anstrengungen verlangt. Dies gilt vor allem auch für die Kantone und Gemeinden, die schon bisher alles daransetzten, die Kinder und Jugendlichen von Asylsuchenden sobald als möglich in das schweizerische Schulsystem zu integrieren. Betrachtet man die bisherige Integrationspraxis und die konkreten, grossen Anstrengungen in diesem Bereich, so kann von Ausgrenzung oder gar von Apartheid keinerlei Rede sein. Zu den Möglichkeiten und Grenzen getrennter Klassen für schweizerische und ausländische Schüler und Schülerinnen hat sich der Bundesrat im übrigen bereits in seiner schriftlichen Stellungnahme vom 31. Mai 1999 auf die diesbezügliche Interpellation Bühlmann (Getrennte Klassen für schweizerische und ausländische Schüler; 98.3656) ausführlich geäussert.</p><p>Es ist offensichtlich, dass die Möglichkeiten des Bundes im Bereich der Schulung von Flüchtlingskindern beschränkt sind, liegt doch die Bildungshoheit grundsätzlich bei den Kantonen. Die Frage einer Kontaktgruppe oder anderer Strukturen mit beratender Funktion, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern des Bundes, der Kantone und Gemeinden sowie anderer direkt betroffener Kreise, ist indessen zumindest prüfenswert. Allerdings ist der Bundesrat der Meinung, dass eine solche Gruppe nicht permanenten, sondern zeitlich befristeten Charakter haben sollte. Dienlich wäre eine solche Gruppe wohl vor allem beim Vorliegen ausserordentlicher Situationen. In den anderen Fällen dürften die bestehenden Möglichkeiten und die vorhandenen Gremien durchaus genügen. Hier ist nicht zuletzt an die ständigen Gremien der EDK zu denken, etwa an ihre Arbeitsgruppe "Schulung fremdsprachiger Kinder", in der auch verschiedene Bundesstellen vertreten sind. Erwähnenswert sind hier auch das Netz der kantonalen Beauftragten sowie der ständige EDK-Delegierte für Migrationsfragen, der seinerseits im Bereich Ausländerfragen in verschiedenen Gremien des Bundes und der Kantone mitarbeitet.</p><p>Die zuständigen Bundesinstanzen sind bereit, die hier aufgeworfene Frage mit der EDK zu beraten.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Ist der Bundesrat bereit, sich - zusammen mit der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) - Überlegungen zu machen bezüglich der Schaffung einer pädagogischen Task force, wo Forschende und Praktikerinnen und Praktiker das bestehende Wissen darüber zusammentragen, welche Möglichkeiten es auf empirisch gestützten Resultaten gibt, Menschen optimal einzuschulen, so dass sie befähigt werden, sich in ihrem Gastland zu bewegen und dereinst einen gut gefüllten Schulsack als Rückkehrhilfe nach Hause nehmen können? Eine solche Task force könnte die Kantone beraten, welche Ressourcen sie brauchen und wie sie die Schulung organisieren können, so dass einheimische und zugezogene Kinder profitieren.</p>
    • Pädagogische Task Force statt Apartheid

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