Hauswirtschaft als Maturitätsfach

ShortId
99.3286
Id
19993286
Updated
25.06.2025 02:18
Language
de
Title
Hauswirtschaft als Maturitätsfach
AdditionalIndexing
Hauswirtschaft;Unterrichtsprogramm;Maturität;Umwelterziehung
1
  • L05K0704060202, Hauswirtschaft
  • L05K1301010101, Maturität
  • L04K13010310, Unterrichtsprogramm
  • L04K13020111, Umwelterziehung
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Dass das Fach Hauswirtschaft im schulischen Fächerangebot ein abgewertetes Randdasein führt, ist bedingt durch das in der Schule vermittelte androzentrische Menschenbild. Wenn Menschsein Mannsein bedeutet, folgt daraus, dass nur diejenigen Tätigkeiten gesellschaftlich und damit auch schulisch relevant sind, die für männliche Lebenszusammenhänge von Bedeutung sind. Der hauswirtschaftliche Bereich ist für männliche Lebenszusammenhänge nur insofern wichtig, als er dazu dient, für ausserhäusliche Erwerbsarbeit vereinnahmt zu werden. Schon für Schulkinder ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die männliche Hälfte der Gesellschaft sich primär ausserhäuslich be(s)tätigt und von der weiblichen Hälfte der Gesellschaft die dafür notwendigen Zulieferungsarbeiten empfängt. Die Schule kultiviert "das zweifelhafte männliche Privileg, sich für die Selbstversorgung nicht verantwortlich fühlen zu müssen" (U. Enders-Dragässer). Die Schule führt damit die männliche Hälfte der ihr anvertrauten Schülerschaft zu einer prekären Versorgungsunfähigkeit. Diesem Bildungsdefizit der jungen Männer ist mit der Anerkennung von Hauswirtschaft als Maturafach zu begegnen.</p><p>Es ist weiter als Fehlleistung zu werten, wenn in der Schule einerseits Fragen des Umweltschutzes thematisiert werden, andererseits jedoch ausgerechnet dasjenige Schulfach marginalisiert und degradiert wird, das am vorzüglichsten Kinder und Jugendliche über einen persönlichen Handlungsansatz erreicht, indem es im Zusammenhang mit den alltäglichen, elementarsten Arbeiten an Menschen sowie im Zusammenhang mit Abfall- und Recyclingfragen ein ganzheitliches Problembewusstsein in bezug auf die Umwelt zu vermitteln vermag.</p><p>Neben inhaltlichen Gründen drängt sich die Aufnahme des Fachs Hauswirtschaft in den Fächerkatalog der Maturitätsfächer auch aus institutionellen Gründen auf. Zurzeit sind Bemühungen im Gang, haushaltwissenschaftliche Forschung auf Universitätsebene zu institutionalisieren (Projekt Dachverband Hauswirtschaft Schweiz). In Deutschland werden Haushaltwissenschaften seit den sechziger Jahren gelehrt. Im englischsprachigen Raum wurden solche Studiengänge bereits in den zwanziger Jahren eingerichtet. Die Haushaltswissenschaften sind im Ausland zum Teil eigenständige Studiengänge, zum Teil wird das Fach mit der Ernährungswissenschaft kombiniert.</p>
  • <p>Entsprechend einer 1995 zwischen dem Bundesrat und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) abgeschlossenen Verwaltungsvereinbarung soll die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen unter den beiden Partnern koordiniert und in je eigenen, aber inhaltlich aufeinander abgestimmten Anerkennungsregelungen festgelegt werden. In diesem Sinne haben der Bundesrat und die EDK am 16. Januar/15. Februar 1995 die Verordnung/das Reglement über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen verabschiedet.</p><p>Die einzelnen Bestimmungen dieser Regelungen, insbesondere auch der in den jeweiligen Artikeln 9 enthaltene Fächerkanon, wurden also von beiden Partnern in Absprache erlassen. Gleiches wird selbstverständlich auch für eine Änderung oder Erweiterung dieses Kanons zu gelten haben.</p><p>Der Bundesrat wird sich somit nicht einseitig verpflichten können, das Fach Hauswirtschaft als Maturitätsfach aufzunehmen. Er ist aber bereit, diese Frage auch der EDK vorzulegen. Dementsprechend kann er den vorliegenden Vorstoss nicht in der verbindlichen Form einer Motion, sondern lediglich in der Form eines Postulates entgegennehmen.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, Hauswirtschaft als Maturitätsfach in das Reglement über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen aufzunehmen.</p>
  • Hauswirtschaft als Maturitätsfach
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Dass das Fach Hauswirtschaft im schulischen Fächerangebot ein abgewertetes Randdasein führt, ist bedingt durch das in der Schule vermittelte androzentrische Menschenbild. Wenn Menschsein Mannsein bedeutet, folgt daraus, dass nur diejenigen Tätigkeiten gesellschaftlich und damit auch schulisch relevant sind, die für männliche Lebenszusammenhänge von Bedeutung sind. Der hauswirtschaftliche Bereich ist für männliche Lebenszusammenhänge nur insofern wichtig, als er dazu dient, für ausserhäusliche Erwerbsarbeit vereinnahmt zu werden. Schon für Schulkinder ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die männliche Hälfte der Gesellschaft sich primär ausserhäuslich be(s)tätigt und von der weiblichen Hälfte der Gesellschaft die dafür notwendigen Zulieferungsarbeiten empfängt. Die Schule kultiviert "das zweifelhafte männliche Privileg, sich für die Selbstversorgung nicht verantwortlich fühlen zu müssen" (U. Enders-Dragässer). Die Schule führt damit die männliche Hälfte der ihr anvertrauten Schülerschaft zu einer prekären Versorgungsunfähigkeit. Diesem Bildungsdefizit der jungen Männer ist mit der Anerkennung von Hauswirtschaft als Maturafach zu begegnen.</p><p>Es ist weiter als Fehlleistung zu werten, wenn in der Schule einerseits Fragen des Umweltschutzes thematisiert werden, andererseits jedoch ausgerechnet dasjenige Schulfach marginalisiert und degradiert wird, das am vorzüglichsten Kinder und Jugendliche über einen persönlichen Handlungsansatz erreicht, indem es im Zusammenhang mit den alltäglichen, elementarsten Arbeiten an Menschen sowie im Zusammenhang mit Abfall- und Recyclingfragen ein ganzheitliches Problembewusstsein in bezug auf die Umwelt zu vermitteln vermag.</p><p>Neben inhaltlichen Gründen drängt sich die Aufnahme des Fachs Hauswirtschaft in den Fächerkatalog der Maturitätsfächer auch aus institutionellen Gründen auf. Zurzeit sind Bemühungen im Gang, haushaltwissenschaftliche Forschung auf Universitätsebene zu institutionalisieren (Projekt Dachverband Hauswirtschaft Schweiz). In Deutschland werden Haushaltwissenschaften seit den sechziger Jahren gelehrt. Im englischsprachigen Raum wurden solche Studiengänge bereits in den zwanziger Jahren eingerichtet. Die Haushaltswissenschaften sind im Ausland zum Teil eigenständige Studiengänge, zum Teil wird das Fach mit der Ernährungswissenschaft kombiniert.</p>
    • <p>Entsprechend einer 1995 zwischen dem Bundesrat und der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) abgeschlossenen Verwaltungsvereinbarung soll die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen unter den beiden Partnern koordiniert und in je eigenen, aber inhaltlich aufeinander abgestimmten Anerkennungsregelungen festgelegt werden. In diesem Sinne haben der Bundesrat und die EDK am 16. Januar/15. Februar 1995 die Verordnung/das Reglement über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen verabschiedet.</p><p>Die einzelnen Bestimmungen dieser Regelungen, insbesondere auch der in den jeweiligen Artikeln 9 enthaltene Fächerkanon, wurden also von beiden Partnern in Absprache erlassen. Gleiches wird selbstverständlich auch für eine Änderung oder Erweiterung dieses Kanons zu gelten haben.</p><p>Der Bundesrat wird sich somit nicht einseitig verpflichten können, das Fach Hauswirtschaft als Maturitätsfach aufzunehmen. Er ist aber bereit, diese Frage auch der EDK vorzulegen. Dementsprechend kann er den vorliegenden Vorstoss nicht in der verbindlichen Form einer Motion, sondern lediglich in der Form eines Postulates entgegennehmen.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt, Hauswirtschaft als Maturitätsfach in das Reglement über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen aufzunehmen.</p>
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