Innovation im Tourismus

ShortId
99.3436
Id
19993436
Updated
10.04.2024 09:05
Language
de
Title
Innovation im Tourismus
AdditionalIndexing
öffentlicher Verkehr;Schienenfahrzeug;Investitionsförderung;Schienenverkehr;Tourismus
1
  • L04K01010103, Tourismus
  • L04K18010213, öffentlicher Verkehr
  • L04K18030208, Schienenfahrzeug
  • L05K1109010601, Investitionsförderung
  • L03K180302, Schienenverkehr
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Der Tourismus ist in unserem Land mit Einnahmen von 9 Milliarden Franken (1998) immer noch einer der grössten und wichtigsten Wirtschaftszweige. Leider sind die Einnahmen seit 1996 rückläufig, namentlich was die Ausgaben der Schweizer im eigenen Land und die Ausgaben ausländischer Gäste in unserem Land betrifft. Die Ausgaben der Schweizer im Ausland sind demgegenüber weiterhin auf Wachstumskurs.</p><p>Bezüglich der Anteile des internationalen Tourismus am Bruttoinlandprodukt liegt die Schweiz mit 3,1 Prozent weit hinten, auf dem elften Platz, hinter Ländern wie die Tschechische Republik, Polen, Ungarn oder die Türkei. Auch in Bezug auf die frequenzmässigen und monetären Anteile gerät die Schweiz im weltweiten Raum immer mehr ins Hintertreffen. Noch vor drei Jahren verzeichnete die Schweiz 11,5 Millionen Ankünfte. 1998 waren es nur noch 10,9 Millionen. Die Einnahmen betrugen 1995 gemäss der Weltorganisation für Tourismus (WTO) 9,4 Milliarden US-Dollar und drei Jahre später noch 7,9 Milliarden. Praktisch alle anderen im WTO-Vergleich aufgeführten europäischen Länder steigern demgegenüber die Zahl ihrer Ankünfte und die Einnahmen zum Teil überdurchschnittlich und haben demzufolge ihre touristische Stellung massiv ausgebaut.</p><p>Entsprechend sinkt die Schweiz immer mehr auf die hinteren Plätze ab und verliert laufend Marktanteile. Die Gefahr ist gross, vollends ins Hintertreffen zu geraten und den Anschluss an den wachsenden internationalen Tourismus zu verpassen. Dies hätte aber für viele Bereiche unserer Gesellschaft schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Dabei ist die Schweiz mit ihrer landschaftlichen und kulturellen Vielfalt und ihren Schönheiten das Tourismus- und Reiseland par excellence.</p><p>Es ist deshalb notwendig, dass Politik und Wirtschaft mit allen Kräften Gegensteuer geben und alles in die Wege leiten, damit das Reiseland Schweiz für Ausländer wie für Schweizer wieder attraktiver wird.</p><p>Mit regionalen und nationalen Anlässen bieten sich in den nächsten Jahren Plattformen an, um die touristischen Schönheiten und Attraktivitäten unseres Landes wieder in das richtige Licht zu rücken. Daneben ist natürlich auch der Courant normal unzähliger Touristikstellen nicht zu unterschätzen, der jedes Jahr mit immer neuen Ideen im touristischen Angebot die Branche zu den potenziellen Kunden bringt.</p><p>Doch dies genügt nicht, um das Ziel einer Trendwende im Tourismus zu erreichen. Es braucht weiter gehende Ideen und Projekte. Dabei spielt der öffentliche Verkehr in unserem Land eine wichtige Rolle. Bekanntlich nimmt die Schweiz bei der Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel mit 37 Fahrten pro Einwohner und Jahr den Spitzenrang ein. Diese Zahl lag indessen noch vor wenigen Jahren deutlich über 40 Fahrten. Auch hier besteht ein besorgniserregender Rückgang. Das dichte öffentliche Verkehrsnetz der Schweiz auf Schiene und Strasse ist immer noch beispielhaft; es besser und kostengünstiger zu benutzen ist das Ziel der Bahnreform, welche sich in der Umsetzungsphase befindet.</p><p>Mit den sich im Bau befindlichen Grossprojekten ("Bahn 2000", erste Etappe, und Neat am Gotthard und am Lötschberg), dem vollendeten Vereinatunnel im Kanton Graubünden sowie weiteren Investitionen öffentlicher Transportunternehmungen auf Schiene und Strasse soll die Attraktivität des Systems "Öffentlicher Verkehr Schweiz" erhalten und nach Möglichkeit erhöht werden.</p><p>Entscheidend für die Benützung von Bahn und Bus sind Komfort und Reisezeiten. Zum Komfort gehören auch die Umsteigebeziehungen. Je weniger umgestiegen werden muss, desto eher ist man bereit, die Bahn oder den Bus zu benützen. Verglichen wird mit dem Reisen in einem modernen Reisecar oder dem privaten Auto, die beide ebenfalls ohne Umsteigen von A nach B fahren. Für die Unternehmungen des öffentlichen Verkehrs bedeutet dies, dass sie sich im Sinne des Benchmarkings am Komfortangebot ihrer Konkurrenten, dem privaten Verkehr, orientieren müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben, d. h., besser zu werden.</p><p>Das dichte Schienennetz in unserem Land bietet sich auf ideale Weise an, es optimal zu vernetzen, um mit direkten Zügen den Komfortstandard des privaten Verkehrs zu erreichen. Doch solche direkten Züge ohne Umsteigen sind bis heute in unserem Land nur auf der jeweiligen Spurweite von 1435 Millimetern (Normalspur) oder 1000 Millimetern (Schmalspur) möglich. Seit einiger Zeit verkehren indessen beispielsweise innerhalb von Japan, das ebenfalls verschiedene Spurweiten kennt, oder zwischen der Schweiz und Spanien Züge mit Spurwechseldrehgestellen. Beim Wechsel von der Normalspur zur Schmalspur (Japan) oder von der Breitspur (1670 Millimeter/Spanien) zur Normalspur (1435 Millimeter/Frankreich und Schweiz) werden die Radabstände mittels einer speziellen Einrichtung im Schienenkörper auf die entsprechende Spurweite eingestellt bzw. erweitert oder verkleinert.</p><p>Mit dieser Technik ist es vorstellbar, dass inskünftig am Hauptbahnhof von Hamburg oder Frankfurt eine moderne Zugskomposition der Rhätischen Bahn steht, welche Feriengäste mit allem Komfort und Speisewagen ohne Umsteigen nach St. Moritz und wieder nach Hause führt. Die Chemins de fer du Jura führen direkte Wagen von La Chaux-de-Fonds über Delémont z. B. nach Biel, Bern und Solothurn und weiter nach Zürich. Skiexpresszüge der Berner Oberland-Bahnen (BOB) bieten Fahrten ab dem Berner Hauptbahnhof über Interlaken nach Grindelwald, und in- und ausländische Gäste geniessen in Panoramawagen die Schönheiten der Alpenwelt auf einer Fahrt von Bern bzw. Genf über Montreux-Gstaad-Zweisimmen-Spiez-Interlaken-Brünig nach Luzern.</p><p>Allein, die Bahnreform mit dem freien Netzzugang reicht nicht aus, um solche innovativen und im Ausland bereits mit Erfolg angewendeten Angebotslösungen auch in unserem Land zu realisieren. Die Fahrzeugindustrie kann aus eigenen Mitteln und ohne klar erkennbares Zeichen eines allfälligen Auftrages nicht Prototypen solcher Fahrzeuge bauen. Der Markt für solche umsteigefreien Beziehungen ist indessen klar gegeben. Schon heute führen Reisecars aus ganz Deutschland ihre Passagiere ohne Umsteigen direkt an die einschlägigen Ferienorte in der Schweiz und wieder zurück oder auf eigentliche Sightseeingtouren durch die Schweiz.</p>
  • <p>1. Der Bundesrat betrachtet die Tourismuspolitik als eine wichtige Aufgabe des Bundes. Der Tourismus leistet einen substanziellen Beitrag zum Gedeihen unserer Volkswirtschaft und zur Beschäftigung in allen Regionen der Schweiz. Im Bericht vom 29. Mai 1996 über die Tourismuspolitik des Bundes hat der Bundesrat letztmals Strategien zur Tourismuspolitik formuliert. Der rasche Wandel der Weltwirtschaft verlangt heute eine laufende Überprüfung und Anpassung der Strategien und Instrumente. Das zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft wird in der neuen Legislaturperiode diese Aufgabe übernehmen und, wo nötig, die Tourismuspolitik den Erfordernissen der Globalisierung anpassen.</p><p>2. Der Tourismus war in der Vergangenheit zu wenig innovationsfreudig. Dies ist nicht allein dem Sektor anzulasten. Er verfügt nicht über Forschungsabteilungen wie die Industrie. Der Wissenstransfer von den Ausbildungs- und Forschungsinstitutionen zu den Betrieben und Verkehrsvereinen ist noch ungenügend. Die KTI fördert diese Zusammenarbeit in erster Linie im Bereich der Industrie. Der Bundesrat hat deshalb am 1. Februar 1998 den Bundesbeschluss über die Förderung von Innovation und Zusammenarbeit im Tourismus in Kraft gesetzt. Mit diesem Bundesbeschluss konnte im Bereich der touristischen Innovationsförderung eine Lücke geschlossen werden.</p><p>3. Die Schweiz hat in der Transportindustrie Standortvorteile im internationalen Wettbewerb. Es gilt, diese Stärke weiter auszubauen. Das hervorragende System des öffentlichen Verkehrs - zu dem im Übrigen auch der Luftverkehr zählt - ist ein wichtiger Bestandteil dieses Transportnetzwerkes. Es ist ein Trumpf des Schweizer Tourismus, der im harten internationalen Wettbewerb auch ausgespielt wird. Andererseits profitiert der öffentliche Verkehr nicht unerheblich von den Ausgaben der in- und ausländischen Besucher. Der Bund ist sich der Mitverantwortung im öffentlichen Verkehr bewusst, und er leistet für die Weiterentwicklung des Bahnsystems erhebliche Beiträge. So werden für die Modernisierung der Bahninfrastruktur - "Bahn 2000", erste und zweite Etappe, Neat, Anschluss der Ost- und Westschweiz ans europäische Hochgeschwindigkeitsnetz sowie Lärmsanierung der Schweizer Bahnen - in den nächsten zwanzig Jahren insgesamt 30,5 Milliarden Franken investiert.</p><p>4. Auf Empfehlung der KTI kann der Bund innovative Vorhaben in den Bereichen Forschung und Entwicklung unterstützen, welche von Unternehmen gemeinsam mit Forschungsstätten durchgeführt werden und die unmittelbar zu neuen Produkten, Verfahren oder Methoden führen. Bundesbeiträge können dabei lediglich an die Salärkosten der Forschungsstätte entrichtet werden. Beitragsgesuche von Industrien und Forschungsstätten im Bereich des öffentlichen Verkehrs an solche Vorhaben können bei der KTI jederzeit eingereicht werden. Das Bundesgesetz über Investitionshilfe für Berggebiete ist für den Auf- und Ausbau regionaler Basis- und Entwicklungsinfrastrukturen vorgesehen. Die Förderung des öffentlichen Verkehrs fällt in erster Linie in den Sachbereich des Eisenbahngesetzes (SR 742.101). Nach Artikel 56 dieses Gesetzes werden vom Bund nicht Industrieforschungsprojekte unterstützt, sondern konkrete Investitionsbedürfnisse der Transportunternehmungen, welche die Wirtschaftlichkeit, Leistungsfähigkeit oder Sicherheit des Betriebes erhöhen. Das Bundesamt für Verkehr hat die Bahnen bereits verschiedentlich darauf hingewiesen, dass es Sache der Bahnen ist, Spurwechselrollmaterial in ihre Planungen aufzunehmen. Unternehmen und Kantone konzentrierten sich jedoch bisher auf Projekte mit der dritten Schiene.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Ich unterbreite dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Erachtet er es als seine Aufgabe, im Sinne einer langfristigen Strategie auf die laufende Verbesserung der wirtschaftlichen Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus in der Schweiz Einfluss zu nehmen?</p><p>2. Ist er ebenfalls der Meinung, dass es zur Förderung des Tourismus in unserem Land bei der Initiierung von neuen Ideen die tatkräftige Unterstützung der politischen Behörden braucht, welche sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten an dieser Förderung beteiligen?</p><p>3. Ist er auch der Meinung, dass der öffentliche Verkehr ein wichtiges Standbein des Tourismuslandes Schweiz ist und dass er eine Mitverantwortung bei der Weiterentwicklung des Systems "Öffentlicher Verkehr Schweiz" trägt?</p><p>4. Ist er bereit, z. B. mit Mitteln aus der Kommission für Technologie und Innovation (KTI), über das Bundesgesetz über Investitionshilfe für Berggebiete (SR 901.1) oder über andere Grundlagen und Ressourcen die Entwicklung eines für die Schweiz geeigneten Eisenbahnfahrzeuges mit Umspurradsätzen (allenfalls in Lizenz in der Schweiz hergestellt) aktiv und finanziell zu fördern, mit dem Ziel, der Schweizer Bevölkerung und unseren inländischen und ausländischen Feriengästen in Zusammenarbeit mit der Schweizer Rollmaterialindustrie und interessierten Bahnunternehmungen umsteigefreie Verkehrsbeziehungen für alle Regionen der Schweiz zu ermöglichen?</p>
  • Innovation im Tourismus
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Der Tourismus ist in unserem Land mit Einnahmen von 9 Milliarden Franken (1998) immer noch einer der grössten und wichtigsten Wirtschaftszweige. Leider sind die Einnahmen seit 1996 rückläufig, namentlich was die Ausgaben der Schweizer im eigenen Land und die Ausgaben ausländischer Gäste in unserem Land betrifft. Die Ausgaben der Schweizer im Ausland sind demgegenüber weiterhin auf Wachstumskurs.</p><p>Bezüglich der Anteile des internationalen Tourismus am Bruttoinlandprodukt liegt die Schweiz mit 3,1 Prozent weit hinten, auf dem elften Platz, hinter Ländern wie die Tschechische Republik, Polen, Ungarn oder die Türkei. Auch in Bezug auf die frequenzmässigen und monetären Anteile gerät die Schweiz im weltweiten Raum immer mehr ins Hintertreffen. Noch vor drei Jahren verzeichnete die Schweiz 11,5 Millionen Ankünfte. 1998 waren es nur noch 10,9 Millionen. Die Einnahmen betrugen 1995 gemäss der Weltorganisation für Tourismus (WTO) 9,4 Milliarden US-Dollar und drei Jahre später noch 7,9 Milliarden. Praktisch alle anderen im WTO-Vergleich aufgeführten europäischen Länder steigern demgegenüber die Zahl ihrer Ankünfte und die Einnahmen zum Teil überdurchschnittlich und haben demzufolge ihre touristische Stellung massiv ausgebaut.</p><p>Entsprechend sinkt die Schweiz immer mehr auf die hinteren Plätze ab und verliert laufend Marktanteile. Die Gefahr ist gross, vollends ins Hintertreffen zu geraten und den Anschluss an den wachsenden internationalen Tourismus zu verpassen. Dies hätte aber für viele Bereiche unserer Gesellschaft schwerwiegende wirtschaftliche Folgen. Dabei ist die Schweiz mit ihrer landschaftlichen und kulturellen Vielfalt und ihren Schönheiten das Tourismus- und Reiseland par excellence.</p><p>Es ist deshalb notwendig, dass Politik und Wirtschaft mit allen Kräften Gegensteuer geben und alles in die Wege leiten, damit das Reiseland Schweiz für Ausländer wie für Schweizer wieder attraktiver wird.</p><p>Mit regionalen und nationalen Anlässen bieten sich in den nächsten Jahren Plattformen an, um die touristischen Schönheiten und Attraktivitäten unseres Landes wieder in das richtige Licht zu rücken. Daneben ist natürlich auch der Courant normal unzähliger Touristikstellen nicht zu unterschätzen, der jedes Jahr mit immer neuen Ideen im touristischen Angebot die Branche zu den potenziellen Kunden bringt.</p><p>Doch dies genügt nicht, um das Ziel einer Trendwende im Tourismus zu erreichen. Es braucht weiter gehende Ideen und Projekte. Dabei spielt der öffentliche Verkehr in unserem Land eine wichtige Rolle. Bekanntlich nimmt die Schweiz bei der Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel mit 37 Fahrten pro Einwohner und Jahr den Spitzenrang ein. Diese Zahl lag indessen noch vor wenigen Jahren deutlich über 40 Fahrten. Auch hier besteht ein besorgniserregender Rückgang. Das dichte öffentliche Verkehrsnetz der Schweiz auf Schiene und Strasse ist immer noch beispielhaft; es besser und kostengünstiger zu benutzen ist das Ziel der Bahnreform, welche sich in der Umsetzungsphase befindet.</p><p>Mit den sich im Bau befindlichen Grossprojekten ("Bahn 2000", erste Etappe, und Neat am Gotthard und am Lötschberg), dem vollendeten Vereinatunnel im Kanton Graubünden sowie weiteren Investitionen öffentlicher Transportunternehmungen auf Schiene und Strasse soll die Attraktivität des Systems "Öffentlicher Verkehr Schweiz" erhalten und nach Möglichkeit erhöht werden.</p><p>Entscheidend für die Benützung von Bahn und Bus sind Komfort und Reisezeiten. Zum Komfort gehören auch die Umsteigebeziehungen. Je weniger umgestiegen werden muss, desto eher ist man bereit, die Bahn oder den Bus zu benützen. Verglichen wird mit dem Reisen in einem modernen Reisecar oder dem privaten Auto, die beide ebenfalls ohne Umsteigen von A nach B fahren. Für die Unternehmungen des öffentlichen Verkehrs bedeutet dies, dass sie sich im Sinne des Benchmarkings am Komfortangebot ihrer Konkurrenten, dem privaten Verkehr, orientieren müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben, d. h., besser zu werden.</p><p>Das dichte Schienennetz in unserem Land bietet sich auf ideale Weise an, es optimal zu vernetzen, um mit direkten Zügen den Komfortstandard des privaten Verkehrs zu erreichen. Doch solche direkten Züge ohne Umsteigen sind bis heute in unserem Land nur auf der jeweiligen Spurweite von 1435 Millimetern (Normalspur) oder 1000 Millimetern (Schmalspur) möglich. Seit einiger Zeit verkehren indessen beispielsweise innerhalb von Japan, das ebenfalls verschiedene Spurweiten kennt, oder zwischen der Schweiz und Spanien Züge mit Spurwechseldrehgestellen. Beim Wechsel von der Normalspur zur Schmalspur (Japan) oder von der Breitspur (1670 Millimeter/Spanien) zur Normalspur (1435 Millimeter/Frankreich und Schweiz) werden die Radabstände mittels einer speziellen Einrichtung im Schienenkörper auf die entsprechende Spurweite eingestellt bzw. erweitert oder verkleinert.</p><p>Mit dieser Technik ist es vorstellbar, dass inskünftig am Hauptbahnhof von Hamburg oder Frankfurt eine moderne Zugskomposition der Rhätischen Bahn steht, welche Feriengäste mit allem Komfort und Speisewagen ohne Umsteigen nach St. Moritz und wieder nach Hause führt. Die Chemins de fer du Jura führen direkte Wagen von La Chaux-de-Fonds über Delémont z. B. nach Biel, Bern und Solothurn und weiter nach Zürich. Skiexpresszüge der Berner Oberland-Bahnen (BOB) bieten Fahrten ab dem Berner Hauptbahnhof über Interlaken nach Grindelwald, und in- und ausländische Gäste geniessen in Panoramawagen die Schönheiten der Alpenwelt auf einer Fahrt von Bern bzw. Genf über Montreux-Gstaad-Zweisimmen-Spiez-Interlaken-Brünig nach Luzern.</p><p>Allein, die Bahnreform mit dem freien Netzzugang reicht nicht aus, um solche innovativen und im Ausland bereits mit Erfolg angewendeten Angebotslösungen auch in unserem Land zu realisieren. Die Fahrzeugindustrie kann aus eigenen Mitteln und ohne klar erkennbares Zeichen eines allfälligen Auftrages nicht Prototypen solcher Fahrzeuge bauen. Der Markt für solche umsteigefreien Beziehungen ist indessen klar gegeben. Schon heute führen Reisecars aus ganz Deutschland ihre Passagiere ohne Umsteigen direkt an die einschlägigen Ferienorte in der Schweiz und wieder zurück oder auf eigentliche Sightseeingtouren durch die Schweiz.</p>
    • <p>1. Der Bundesrat betrachtet die Tourismuspolitik als eine wichtige Aufgabe des Bundes. Der Tourismus leistet einen substanziellen Beitrag zum Gedeihen unserer Volkswirtschaft und zur Beschäftigung in allen Regionen der Schweiz. Im Bericht vom 29. Mai 1996 über die Tourismuspolitik des Bundes hat der Bundesrat letztmals Strategien zur Tourismuspolitik formuliert. Der rasche Wandel der Weltwirtschaft verlangt heute eine laufende Überprüfung und Anpassung der Strategien und Instrumente. Das zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft wird in der neuen Legislaturperiode diese Aufgabe übernehmen und, wo nötig, die Tourismuspolitik den Erfordernissen der Globalisierung anpassen.</p><p>2. Der Tourismus war in der Vergangenheit zu wenig innovationsfreudig. Dies ist nicht allein dem Sektor anzulasten. Er verfügt nicht über Forschungsabteilungen wie die Industrie. Der Wissenstransfer von den Ausbildungs- und Forschungsinstitutionen zu den Betrieben und Verkehrsvereinen ist noch ungenügend. Die KTI fördert diese Zusammenarbeit in erster Linie im Bereich der Industrie. Der Bundesrat hat deshalb am 1. Februar 1998 den Bundesbeschluss über die Förderung von Innovation und Zusammenarbeit im Tourismus in Kraft gesetzt. Mit diesem Bundesbeschluss konnte im Bereich der touristischen Innovationsförderung eine Lücke geschlossen werden.</p><p>3. Die Schweiz hat in der Transportindustrie Standortvorteile im internationalen Wettbewerb. Es gilt, diese Stärke weiter auszubauen. Das hervorragende System des öffentlichen Verkehrs - zu dem im Übrigen auch der Luftverkehr zählt - ist ein wichtiger Bestandteil dieses Transportnetzwerkes. Es ist ein Trumpf des Schweizer Tourismus, der im harten internationalen Wettbewerb auch ausgespielt wird. Andererseits profitiert der öffentliche Verkehr nicht unerheblich von den Ausgaben der in- und ausländischen Besucher. Der Bund ist sich der Mitverantwortung im öffentlichen Verkehr bewusst, und er leistet für die Weiterentwicklung des Bahnsystems erhebliche Beiträge. So werden für die Modernisierung der Bahninfrastruktur - "Bahn 2000", erste und zweite Etappe, Neat, Anschluss der Ost- und Westschweiz ans europäische Hochgeschwindigkeitsnetz sowie Lärmsanierung der Schweizer Bahnen - in den nächsten zwanzig Jahren insgesamt 30,5 Milliarden Franken investiert.</p><p>4. Auf Empfehlung der KTI kann der Bund innovative Vorhaben in den Bereichen Forschung und Entwicklung unterstützen, welche von Unternehmen gemeinsam mit Forschungsstätten durchgeführt werden und die unmittelbar zu neuen Produkten, Verfahren oder Methoden führen. Bundesbeiträge können dabei lediglich an die Salärkosten der Forschungsstätte entrichtet werden. Beitragsgesuche von Industrien und Forschungsstätten im Bereich des öffentlichen Verkehrs an solche Vorhaben können bei der KTI jederzeit eingereicht werden. Das Bundesgesetz über Investitionshilfe für Berggebiete ist für den Auf- und Ausbau regionaler Basis- und Entwicklungsinfrastrukturen vorgesehen. Die Förderung des öffentlichen Verkehrs fällt in erster Linie in den Sachbereich des Eisenbahngesetzes (SR 742.101). Nach Artikel 56 dieses Gesetzes werden vom Bund nicht Industrieforschungsprojekte unterstützt, sondern konkrete Investitionsbedürfnisse der Transportunternehmungen, welche die Wirtschaftlichkeit, Leistungsfähigkeit oder Sicherheit des Betriebes erhöhen. Das Bundesamt für Verkehr hat die Bahnen bereits verschiedentlich darauf hingewiesen, dass es Sache der Bahnen ist, Spurwechselrollmaterial in ihre Planungen aufzunehmen. Unternehmen und Kantone konzentrierten sich jedoch bisher auf Projekte mit der dritten Schiene.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Ich unterbreite dem Bundesrat folgende Fragen:</p><p>1. Erachtet er es als seine Aufgabe, im Sinne einer langfristigen Strategie auf die laufende Verbesserung der wirtschaftlichen Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus in der Schweiz Einfluss zu nehmen?</p><p>2. Ist er ebenfalls der Meinung, dass es zur Förderung des Tourismus in unserem Land bei der Initiierung von neuen Ideen die tatkräftige Unterstützung der politischen Behörden braucht, welche sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten an dieser Förderung beteiligen?</p><p>3. Ist er auch der Meinung, dass der öffentliche Verkehr ein wichtiges Standbein des Tourismuslandes Schweiz ist und dass er eine Mitverantwortung bei der Weiterentwicklung des Systems "Öffentlicher Verkehr Schweiz" trägt?</p><p>4. Ist er bereit, z. B. mit Mitteln aus der Kommission für Technologie und Innovation (KTI), über das Bundesgesetz über Investitionshilfe für Berggebiete (SR 901.1) oder über andere Grundlagen und Ressourcen die Entwicklung eines für die Schweiz geeigneten Eisenbahnfahrzeuges mit Umspurradsätzen (allenfalls in Lizenz in der Schweiz hergestellt) aktiv und finanziell zu fördern, mit dem Ziel, der Schweizer Bevölkerung und unseren inländischen und ausländischen Feriengästen in Zusammenarbeit mit der Schweizer Rollmaterialindustrie und interessierten Bahnunternehmungen umsteigefreie Verkehrsbeziehungen für alle Regionen der Schweiz zu ermöglichen?</p>
    • Innovation im Tourismus

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