Forschung und Ausbildung über gewaltfreie Konfliktbewältigung

ShortId
99.3505
Id
19993505
Updated
25.06.2025 02:22
Language
de
Title
Forschung und Ausbildung über gewaltfreie Konfliktbewältigung
AdditionalIndexing
Konfliktregelung;Zivilgesellschaft;Forschungsprogramm;Friedensforschung
1
  • L04K04010304, Friedensforschung
  • L04K08020312, Konfliktregelung
  • L04K01090108, Zivilgesellschaft
  • L04K16020201, Forschungsprogramm
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Der Sicherheitspolitische Bericht 2000 des Bundesrates baut auf den Beitrag der Schweiz zu friedenssichernden und friedensfördernden Missionen der Staatengemeinschaft. Dieses Engagement kann unterschiedliche Formen aufweisen. Zentrale Bedeutung messe ich bei:</p><p>- der Krisenvorbeugung und der Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen in Krisenregionen und der Unterstützung durch Dritte (von aussen bzw. von am Konflikt Unbeteiligten) beim Aufbau politischer und sozialer Institutionen zur Problemlösung und zur Kompromiss- bzw. Konsensbildung mit Hilfe von wechselseitiger Information, Vermittlung und Dialog;</p><p>- der Förderung mehrdimensional angelegter Konfliktlösungen auf der politischen, der ökonomischen, der sozialen, der kulturellen und der psychologischen Ebene; mit anderen Worten: nicht nur auf der politisch-militärischen Ebene. Dabei drängt sich der Einbezug neuer Bevölkerungskreise in neuartige Formen der Konfliktvermittlung auf (z. B. so genannte "problem solving workshops" mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die kein politisches Mandat innehaben, aber bereit sind, sich mit neuartigen Befriedungsstrategien für ihre Heimat auseinander zu setzen und dabei ihr Prestige in die Waagschale zu werfen);</p><p>- dem Ziel der Umwandlung kriegerischer "Konfliktlösungspraktiken" breiter Bevölkerungskreise in Krisenregionen bis hin zur Sensibilisierung für die Option der zivilen Konfliktbearbeitung, und dies insbesondere dort, wo auf absehbare Zeit keine Konfliktlösungen in engerem Sinne zu erwarten sind.</p><p>Dazu gehören u. a.: Massnahmen der präventiven Diplomatie, Menschenrechtsbeobachtung, Wahlbeobachtung, aber auch friedenssichernde Einsätze der Armee. All diese Einsätze sind zur Bewältigung der aktuellen und komplexen Konfliktkonstellationen auf spezifische Erkenntnisse der Friedens- und Konfliktforschung sowie auf entsprechende Ausbildungen angewiesen.</p><p>Gleichzeitig könnte es sich als vorteilhaft erweisen, wenn die Schweiz - gestützt auf ihren multikulturellen Hintergrund, ihre politische Kultur und Tradition der Konkordanz - sich verstärkt am Aufbau einer Forschungs- und Ausbildungsinfrastruktur zur Konfliktvermittlung in Krisenregionen engagiert. Forschungslücken im Zusammenhang mit drängenden Gegenwartsfragen gibt es mehr als genug, so z. B.:</p><p>- Welche Wirkungen zeitigen die unterschiedlichen Konfliktbewältigungsstrategien in der Zivilgesellschaft und in der Staatenwelt?</p><p>- Wie sieht die Analyse friedensverursachender und friedensfördernder Faktoren aus?</p><p>- Welche Möglichkeiten und Grenzen weisen positive "Belohnungsstrategien" im Vergleich zu negativen Sanktionspolitiken auf?</p>
  • Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
  • <p>Ich bitte den Bundesrat, in einem Bericht über folgende Fragen Auskunft zu geben:</p><p>1. Stellenwert der Friedens- und Konfliktforschung: Welchen Stellenwert misst der Bundesrat der nationalen sowie der internationalen Konflikt- und Friedensforschung für die heutige und zukünftige Aussen-, Friedens- und Sicherheitspolitik der Schweiz bei?</p><p>2. Bestandesaufnahme Schweiz: Welche Institutionen garantieren heute in der Schweiz eine zielorientierte Forschungs- und Ausbildungstätigkeit im Bereich der gewaltfreien Konfliktbewältigung? Wie sieht die entsprechende Bestandesaufnahme aus?</p><p>2.1 Übersicht über die entsprechenden Institutionen in der Schweiz.</p><p>2.2 Darstellung ihrer Forschungsschwerpunkte, ihrer methodischen Ansätze, ihrer praxisbezogenen Tätigkeiten sowie ihrer Rolle in der Öffentlichkeit: Dabei ist Auskunft über die verschiedenen Formen der Konfliktvermittlung zu geben, die in diesen Institutionen erforscht und gelehrt werden, wie z. B.:</p><p>- Mediation durch staatliche sowie gesellschaftliche Akteure;</p><p>- "facilitation";</p><p>- traditionelle Gute Dienste;</p><p>- Konfliktbearbeitung durch Machtteilungsmodelle;</p><p>- Aufbau von Bürger- und Entwicklungsallianzen zur Verstärkung der Zivilgesellschaft;</p><p>- Konfliktmanagement;</p><p>- interkulturelle Konfliktbearbeitung, Vergangenheitsbewältigung, Versöhnungsarbeit;</p><p>- Evaluation der Wirksamkeit der verschiedenen Ansätze.</p><p>2.3 Ausbildungsangebote: Welche Ausbildungsangebote sind heute vorhanden? Universitäre Studiengänge, Nachdiplomstudien, Weiterbildungsangebote, Ausbildungsstätten für militärisches Kaderpersonal (militärische Führungsschule, Sipolex-Lehrgang) usw.? Wie sehen die entsprechenden Curricula aus?</p><p>2.4 Adressatinnen und Adressaten: An welche Adressatinnen und Adressaten richten sich diese Ausbildungsgänge?</p><p>2.5 Internationale Vergleiche: Welche Erfahrungen über entsprechende Forschung und Ausbildung in anderen Ländern liegen vor, insbesondere in Deutschland, Österreich, Grossbritannien und den USA?</p><p>3. Beurteilung der Bestandesaufnahme:</p><p>3.1 Würdigung: Sind diese Forschungs- und Ausbildungsangebote im Hinblick auf das vom Bundesrat erklärte Ziel einer Verstärkung des Engagements der Schweiz im Rahmen friedenssichernder und friedensfördernder Missionen der Staatengemeinschaft ausreichend?</p><p>3.2 Schwachstellen: In welchen Bereichen sind allenfalls Schwachstellen zu registrieren (Forschungsdefizite, ungenügende Ausbildungsangebote)?</p><p>3.3 Ansatzpunkte: Wo sieht der Bundesrat Ansatzpunkte für einen Ausbau von Forschung und Ausbildung über gewaltfreie Konfliktbewältigung in der Schweiz? Wie kann garantiert werden, dass dabei die Erfahrungen von NGO sowie der Wirtschaft in diese Forschung und Ausbildung einfliessen können?</p>
  • Forschung und Ausbildung über gewaltfreie Konfliktbewältigung
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Der Sicherheitspolitische Bericht 2000 des Bundesrates baut auf den Beitrag der Schweiz zu friedenssichernden und friedensfördernden Missionen der Staatengemeinschaft. Dieses Engagement kann unterschiedliche Formen aufweisen. Zentrale Bedeutung messe ich bei:</p><p>- der Krisenvorbeugung und der Stärkung zivilgesellschaftlicher Strukturen in Krisenregionen und der Unterstützung durch Dritte (von aussen bzw. von am Konflikt Unbeteiligten) beim Aufbau politischer und sozialer Institutionen zur Problemlösung und zur Kompromiss- bzw. Konsensbildung mit Hilfe von wechselseitiger Information, Vermittlung und Dialog;</p><p>- der Förderung mehrdimensional angelegter Konfliktlösungen auf der politischen, der ökonomischen, der sozialen, der kulturellen und der psychologischen Ebene; mit anderen Worten: nicht nur auf der politisch-militärischen Ebene. Dabei drängt sich der Einbezug neuer Bevölkerungskreise in neuartige Formen der Konfliktvermittlung auf (z. B. so genannte "problem solving workshops" mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die kein politisches Mandat innehaben, aber bereit sind, sich mit neuartigen Befriedungsstrategien für ihre Heimat auseinander zu setzen und dabei ihr Prestige in die Waagschale zu werfen);</p><p>- dem Ziel der Umwandlung kriegerischer "Konfliktlösungspraktiken" breiter Bevölkerungskreise in Krisenregionen bis hin zur Sensibilisierung für die Option der zivilen Konfliktbearbeitung, und dies insbesondere dort, wo auf absehbare Zeit keine Konfliktlösungen in engerem Sinne zu erwarten sind.</p><p>Dazu gehören u. a.: Massnahmen der präventiven Diplomatie, Menschenrechtsbeobachtung, Wahlbeobachtung, aber auch friedenssichernde Einsätze der Armee. All diese Einsätze sind zur Bewältigung der aktuellen und komplexen Konfliktkonstellationen auf spezifische Erkenntnisse der Friedens- und Konfliktforschung sowie auf entsprechende Ausbildungen angewiesen.</p><p>Gleichzeitig könnte es sich als vorteilhaft erweisen, wenn die Schweiz - gestützt auf ihren multikulturellen Hintergrund, ihre politische Kultur und Tradition der Konkordanz - sich verstärkt am Aufbau einer Forschungs- und Ausbildungsinfrastruktur zur Konfliktvermittlung in Krisenregionen engagiert. Forschungslücken im Zusammenhang mit drängenden Gegenwartsfragen gibt es mehr als genug, so z. B.:</p><p>- Welche Wirkungen zeitigen die unterschiedlichen Konfliktbewältigungsstrategien in der Zivilgesellschaft und in der Staatenwelt?</p><p>- Wie sieht die Analyse friedensverursachender und friedensfördernder Faktoren aus?</p><p>- Welche Möglichkeiten und Grenzen weisen positive "Belohnungsstrategien" im Vergleich zu negativen Sanktionspolitiken auf?</p>
    • Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
    • <p>Ich bitte den Bundesrat, in einem Bericht über folgende Fragen Auskunft zu geben:</p><p>1. Stellenwert der Friedens- und Konfliktforschung: Welchen Stellenwert misst der Bundesrat der nationalen sowie der internationalen Konflikt- und Friedensforschung für die heutige und zukünftige Aussen-, Friedens- und Sicherheitspolitik der Schweiz bei?</p><p>2. Bestandesaufnahme Schweiz: Welche Institutionen garantieren heute in der Schweiz eine zielorientierte Forschungs- und Ausbildungstätigkeit im Bereich der gewaltfreien Konfliktbewältigung? Wie sieht die entsprechende Bestandesaufnahme aus?</p><p>2.1 Übersicht über die entsprechenden Institutionen in der Schweiz.</p><p>2.2 Darstellung ihrer Forschungsschwerpunkte, ihrer methodischen Ansätze, ihrer praxisbezogenen Tätigkeiten sowie ihrer Rolle in der Öffentlichkeit: Dabei ist Auskunft über die verschiedenen Formen der Konfliktvermittlung zu geben, die in diesen Institutionen erforscht und gelehrt werden, wie z. B.:</p><p>- Mediation durch staatliche sowie gesellschaftliche Akteure;</p><p>- "facilitation";</p><p>- traditionelle Gute Dienste;</p><p>- Konfliktbearbeitung durch Machtteilungsmodelle;</p><p>- Aufbau von Bürger- und Entwicklungsallianzen zur Verstärkung der Zivilgesellschaft;</p><p>- Konfliktmanagement;</p><p>- interkulturelle Konfliktbearbeitung, Vergangenheitsbewältigung, Versöhnungsarbeit;</p><p>- Evaluation der Wirksamkeit der verschiedenen Ansätze.</p><p>2.3 Ausbildungsangebote: Welche Ausbildungsangebote sind heute vorhanden? Universitäre Studiengänge, Nachdiplomstudien, Weiterbildungsangebote, Ausbildungsstätten für militärisches Kaderpersonal (militärische Führungsschule, Sipolex-Lehrgang) usw.? Wie sehen die entsprechenden Curricula aus?</p><p>2.4 Adressatinnen und Adressaten: An welche Adressatinnen und Adressaten richten sich diese Ausbildungsgänge?</p><p>2.5 Internationale Vergleiche: Welche Erfahrungen über entsprechende Forschung und Ausbildung in anderen Ländern liegen vor, insbesondere in Deutschland, Österreich, Grossbritannien und den USA?</p><p>3. Beurteilung der Bestandesaufnahme:</p><p>3.1 Würdigung: Sind diese Forschungs- und Ausbildungsangebote im Hinblick auf das vom Bundesrat erklärte Ziel einer Verstärkung des Engagements der Schweiz im Rahmen friedenssichernder und friedensfördernder Missionen der Staatengemeinschaft ausreichend?</p><p>3.2 Schwachstellen: In welchen Bereichen sind allenfalls Schwachstellen zu registrieren (Forschungsdefizite, ungenügende Ausbildungsangebote)?</p><p>3.3 Ansatzpunkte: Wo sieht der Bundesrat Ansatzpunkte für einen Ausbau von Forschung und Ausbildung über gewaltfreie Konfliktbewältigung in der Schweiz? Wie kann garantiert werden, dass dabei die Erfahrungen von NGO sowie der Wirtschaft in diese Forschung und Ausbildung einfliessen können?</p>
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