Politische Bildung. Anerkennung

ShortId
00.3056
Id
20003056
Updated
10.04.2024 12:18
Language
de
Title
Politische Bildung. Anerkennung
AdditionalIndexing
Bildungsplanung;Bildungsurlaub;politische Bildung
1
  • L04K13020105, politische Bildung
  • L04K13020203, Bildungsurlaub
  • L04K13030107, Bildungsplanung
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>In letzter Zeit wurden zahlreiche Vorschläge zur besseren Finanzierung unserer politischen Parteien gemacht. Das Anliegen ist insofern berechtigt, als den politischen Parteien in unserer Demokratie eine wesentliche Funktion zugeschrieben wird und sie folglich von öffentlichem Nutzen sind.</p><p>So wichtig eine bessere Parteienfinanzierung auch ist, sie allein wird nicht ausreichen, um das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Politik wieder zu wecken und um Stimmenthaltungen entgegenzuwirken. Zahlreiche Studien zeigen übrigens, dass vor allem weniger gebildete Personen nicht an Abstimmungen teilnehmen. </p><p>Die Einführung von bezahltem politischen Bildungsurlaub könnte diesem Missstand abhelfen. Es wäre denkbar, dass alle Bürgerinnen und Bürger einen solchen Urlaub für die Dauer von ein bis zwei Tagen etwa alle zehn Jahre in Anspruch nehmen könnten. Somit hätten sie die Gelegenheit, ihre Kenntnisse über Politik wieder aufzufrischen, wobei ein Bildungsurlaub Themen wie die politische Organisation der Schweiz, das System und die Ausübung der politischen Rechte und der Volksrechte, die Bedeutung politischer Parteien und Interessengruppen abdecken soll.</p><p>Ausserdem wäre es angemessen, eine politische Grundausbildung verstärkt anzubieten, da es immer schwieriger wird, Bürgerinnen und Bürger zu finden, die sich am politischen Geschehen beteiligen und ein öffentliches Amt übernehmen wollen.</p><p>Da die Politik das Leben der Bevölkerung zu einem grossen Teil bestimmt, ist es angebracht, in die Bildung der Personen zu investieren, die an der Entscheidfindung mitwirken. Die Frage nach der Finanzierung lassen wir vorläufig unbeantwortet, da sie zum grossen Teil auch davon abhängt, in welchem Ausmass Bund und Kantone zusammenarbeiten werden.</p>
  • <p>Der Bundesrat stellt fest, dass Kantone und Bund die erforderlichen Anstrengungen unternehmen, damit das Stimmvolk seine Rechte wahrnehmen kann:</p><p>- Die Lehrpläne sämtlicher Kantone für den Unterricht auf der Sekundarstufe I schreiben die politische Bildung als Pflichtstoff vor.</p><p>- Der Rahmenlehrplan vom 1. August 1996 für den allgemein bildenden Unterricht an gewerblich-industriellen Berufsschulen und Lehrwerkstätten sowie die Lehrpläne für den beruflichen Unterricht von Jugendlichen, die eine kaufmännische Berufsschule besuchen, sehen die politische Bildung als Pflichtunterrichtsinhalt vor.</p><p>- Die Verordnung vom 15. Februar 1995 über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen schreibt Geistes- und Sozialwissenschaften mit obligatorischem Unterricht in Geschichte und Geographie sowie einer Einführung in Wirtschaft und Recht als obligatorisches Grundlagenfach vor.</p><p>Demnach erhalten sämtliche Jugendliche, welche die obligatorische Schule (Sekundarstufe I) in der Schweiz absolvieren, eine Grundlage in politischer Bildung. Diese Kenntnisse werden auf der Sekundarstufe II (berufsbildende und allgemein bildende Schulen) erweitert und vertieft. Kantone und Bund haben also allen Jugendlichen, welche ihr 18. Lebensjahr vollendet haben, eine politische Bildung vermittelt, die es ihnen erlaubt, ihre politischen Rechte wahrzunehmen.</p><p>Personen, die sich einbürgern lassen, müssen im Verlaufe des entsprechenden Verfahrens Kenntnisse schweizerischer Politik belegen können. Auch bei ihnen ist demnach gewährleistet, dass sie im Stande sind, ihr Stimm- und Wahlrecht verantwortungsvoll auszuüben.</p><p>1. Aufgrund der geschilderten Überlegungen ist die Einführung eines vom Staat garantierten Urlaubes zur politischen Bildung nicht erforderlich.</p><p>2. Demnach erübrigen sich auch entsprechende Finanzierungsmassnahmen.</p> Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
  • <p>Der Bundesrat wird beauftragt zu prüfen, ob die Möglichkeit besteht, politische Bildung anzuerkennen. Dies soll eventuell in Zusammenarbeit mit den Kantonen geschehen. Dabei sollte er von folgenden Ideen ausgehen:</p><p>1. Einführung von bezahltem politischem Bildungsurlaub, den alle Personen beanspruchen können, die in unserem Land die politischen Rechte ausüben können;</p><p>2. Schaffung eines Finanzierungsmechanismus auf kantonaler und/oder Bundesebene, der gewährleisten soll, dass Personen, die sich am politischen Geschehen beteiligen wollen, ihre politische Grundausbildung erwerben können.</p>
  • Politische Bildung. Anerkennung
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>In letzter Zeit wurden zahlreiche Vorschläge zur besseren Finanzierung unserer politischen Parteien gemacht. Das Anliegen ist insofern berechtigt, als den politischen Parteien in unserer Demokratie eine wesentliche Funktion zugeschrieben wird und sie folglich von öffentlichem Nutzen sind.</p><p>So wichtig eine bessere Parteienfinanzierung auch ist, sie allein wird nicht ausreichen, um das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Politik wieder zu wecken und um Stimmenthaltungen entgegenzuwirken. Zahlreiche Studien zeigen übrigens, dass vor allem weniger gebildete Personen nicht an Abstimmungen teilnehmen. </p><p>Die Einführung von bezahltem politischen Bildungsurlaub könnte diesem Missstand abhelfen. Es wäre denkbar, dass alle Bürgerinnen und Bürger einen solchen Urlaub für die Dauer von ein bis zwei Tagen etwa alle zehn Jahre in Anspruch nehmen könnten. Somit hätten sie die Gelegenheit, ihre Kenntnisse über Politik wieder aufzufrischen, wobei ein Bildungsurlaub Themen wie die politische Organisation der Schweiz, das System und die Ausübung der politischen Rechte und der Volksrechte, die Bedeutung politischer Parteien und Interessengruppen abdecken soll.</p><p>Ausserdem wäre es angemessen, eine politische Grundausbildung verstärkt anzubieten, da es immer schwieriger wird, Bürgerinnen und Bürger zu finden, die sich am politischen Geschehen beteiligen und ein öffentliches Amt übernehmen wollen.</p><p>Da die Politik das Leben der Bevölkerung zu einem grossen Teil bestimmt, ist es angebracht, in die Bildung der Personen zu investieren, die an der Entscheidfindung mitwirken. Die Frage nach der Finanzierung lassen wir vorläufig unbeantwortet, da sie zum grossen Teil auch davon abhängt, in welchem Ausmass Bund und Kantone zusammenarbeiten werden.</p>
    • <p>Der Bundesrat stellt fest, dass Kantone und Bund die erforderlichen Anstrengungen unternehmen, damit das Stimmvolk seine Rechte wahrnehmen kann:</p><p>- Die Lehrpläne sämtlicher Kantone für den Unterricht auf der Sekundarstufe I schreiben die politische Bildung als Pflichtstoff vor.</p><p>- Der Rahmenlehrplan vom 1. August 1996 für den allgemein bildenden Unterricht an gewerblich-industriellen Berufsschulen und Lehrwerkstätten sowie die Lehrpläne für den beruflichen Unterricht von Jugendlichen, die eine kaufmännische Berufsschule besuchen, sehen die politische Bildung als Pflichtunterrichtsinhalt vor.</p><p>- Die Verordnung vom 15. Februar 1995 über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen schreibt Geistes- und Sozialwissenschaften mit obligatorischem Unterricht in Geschichte und Geographie sowie einer Einführung in Wirtschaft und Recht als obligatorisches Grundlagenfach vor.</p><p>Demnach erhalten sämtliche Jugendliche, welche die obligatorische Schule (Sekundarstufe I) in der Schweiz absolvieren, eine Grundlage in politischer Bildung. Diese Kenntnisse werden auf der Sekundarstufe II (berufsbildende und allgemein bildende Schulen) erweitert und vertieft. Kantone und Bund haben also allen Jugendlichen, welche ihr 18. Lebensjahr vollendet haben, eine politische Bildung vermittelt, die es ihnen erlaubt, ihre politischen Rechte wahrzunehmen.</p><p>Personen, die sich einbürgern lassen, müssen im Verlaufe des entsprechenden Verfahrens Kenntnisse schweizerischer Politik belegen können. Auch bei ihnen ist demnach gewährleistet, dass sie im Stande sind, ihr Stimm- und Wahlrecht verantwortungsvoll auszuüben.</p><p>1. Aufgrund der geschilderten Überlegungen ist die Einführung eines vom Staat garantierten Urlaubes zur politischen Bildung nicht erforderlich.</p><p>2. Demnach erübrigen sich auch entsprechende Finanzierungsmassnahmen.</p> Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
    • <p>Der Bundesrat wird beauftragt zu prüfen, ob die Möglichkeit besteht, politische Bildung anzuerkennen. Dies soll eventuell in Zusammenarbeit mit den Kantonen geschehen. Dabei sollte er von folgenden Ideen ausgehen:</p><p>1. Einführung von bezahltem politischem Bildungsurlaub, den alle Personen beanspruchen können, die in unserem Land die politischen Rechte ausüben können;</p><p>2. Schaffung eines Finanzierungsmechanismus auf kantonaler und/oder Bundesebene, der gewährleisten soll, dass Personen, die sich am politischen Geschehen beteiligen wollen, ihre politische Grundausbildung erwerben können.</p>
    • Politische Bildung. Anerkennung

Back to List