Kernkompetenzen für die Zukunft der Schweiz

ShortId
00.3124
Id
20003124
Updated
10.04.2024 08:56
Language
de
Title
Kernkompetenzen für die Zukunft der Schweiz
AdditionalIndexing
Bildungsplanung;Beziehung Schule-Berufsleben;Schweiz;Zukunft;Informationsgesellschaft;neue Technologie;Informatikberuf;Informationstechnologie;politische Planung;Wirtschaftsstandort Schweiz
1
  • L05K0807010501, politische Planung
  • L04K12020307, Informationstechnologie
  • L05K0706010508, neue Technologie
  • L05K0704030111, Wirtschaftsstandort Schweiz
  • L04K13030107, Bildungsplanung
  • L04K13010202, Beziehung Schule-Berufsleben
  • L05K1203010107, Informatikberuf
  • L04K12010104, Informationsgesellschaft
  • L03K020102, Zukunft
  • L04K03010101, Schweiz
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die modernen Technologien werden unser Leben und vor allem unsere Wettbewerbsfähigkeit und damit unsere Volkswirtschaft und Gesellschaft entscheidend mitbeeinflussen. Das haben die westlichen Industrienationen - allen voran die USA - sowie Asien längst erkannt. Die EU plant mit der Initiative "eEurope" bzw. der "Strategien für eine Beschäftigung in der Informationsgesellschaft" eine eigentliche IT-Offensive. In Singapur z. B. wurde ein speziell auf erfahrene und hoch qualifizierte Hightech- und IT-Spezialisten ausgerichtetes Immigrantengesetz geschaffen. Deutschland will via spezielle Ausländerkontingente zusätzliche IT-Arbeitskräfte rekrutieren. Die Zukunft - ob uns dies passt oder nicht - findet zu einem grossen Teil auf dem Internet statt. Entsprechend wurden auch in der Schweiz verschiedene Vorstösse zum Thema Informationsgesellschaft für alle eingereicht (u. a. von Herrn Ehrler, Frau Nabholz und Herrn Strahm), die zum Teil bereits beantwortet worden sind. Die IT-Kompetenz einer Volkswirtschaft ist eine der wesentlichen Fähigkeiten für einen Wirtschaftsstandort der Zukunft (siehe Vorstoss Theiler).</p><p>Die modernen Informationen sind aber nicht die einzige Schlüsselkompetenz, die für die Schweiz, wenn sie am allgemeinen Wachstum teilhaben will, entscheidend sein können. Ebenso wichtig sind beispielsweise in Zukunft ausgewiesene Kompetenzen im Bereich der Naturwissenschaften. Gefragt ist die Kombination der beiden Wissens- und Erfahrungsbereiche, z. B. die Biotechnologie. Auch hier sind uns die USA einen Schritt voraus. Ihre Rekrutierungsanstrengungen in diesem Bereich und die damit verbundenen Erleichterungen, die der Wirtschaft gewährt werden, sind enorm.</p><p>Gerade der Standort Schweiz ist darauf angewiesen, die eigenen Kompetenzen der Bevölkerung laufend auch mit hoch qualifizierten ausländischen Arbeitskräften zu ergänzen, sei dies in der Wirtschaft, sei dies in der Aus- und Weiterbildung. Eine unlängst von der Regierung Genfs durchgeführte Studie belegt klar, dass der Zuzug von hoch qualifizierten Arbeitskräften (im Gegensatz zu wenig qualifizierten Arbeitskräften) als Ergänzung zu den eigenen Kompetenzen die gesamte Wirtschaft einer entsprechenden Region langfristig stimuliert. Das zeigt auch ein Blick in unsere Geschichte: Nur durch den Zuzug von qualifizierten Ausländern ist der Ausbildungs- wie der Industriestandort Schweiz gross geworden.</p><p>Die Chancen der Schweiz sind intakt; vieles ist in Bearbeitung oder bereits in der Umsetzung; was - zumindest in der Wirkung nach aussen - fehlt, ist eine Gesamtstrategie, in der alle Anstrengungen gebündelt und auf ein übergeordnetes Ziel ausgerichtet werden.</p><p>Die Schweiz schneidet im internationalen Vergleich und vor allem gegenüber der EU in Bezug auf ihre IT-Tauglichkeit beispielsweise als Ganzes nicht schlecht ab: Man attestiert ihr - nach Anfangswehen - hohe Wachstumsraten betreffend Marktentwicklung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien. Und auch bezüglich der IT-Ausgaben in Prozenten des Bruttosozialproduktes schneidet sie mit 3,41 Prozent im Jahre 1998 (USA: 4,38; EU: 2,51 Prozent) nicht schlecht ab. Dasselbe gilt für die Anzahl PC pro 100 Einwohner, wo die Schweiz mit 39 (USA mit 51 und die EU mit 20) nicht schlecht dasteht. Auch betreffend Risikobereitschaft zum Aufbau und Investitionen in sogenannte Internet- und Hightech-Unternehmen hat sich einiges getan, auch wenn der Drang zum eigenen Unternehmen in der Schweiz noch nicht zum Volkssport geworden und die Schweiz noch kein Silicon Valley diesseits des Ozeans ist. Aber sie könnte es - im übertragenen Sinne, vom Symbolgehalt her und natürlich mit schweizerischer Eigenständigkeit versehen - durchaus werden; die Voraussetzungen dazu sind vorhanden. Die Schweiz gilt nach wie vor als attraktiver Standort - vor allem, was die Lebensqualität betrifft. Ausländische Experten und Spezialisten sind relativ einfach in die Schweiz zu bringen - sofern die Ausländerkontingentierung diesbezüglich gelockert wird und für entsprechende Unternehmen und Vorhaben günstige Einstiegsbedingungen geschaffen werden. Wir haben ein multikulturelles Erbe, das ausbaufähig ist; der begrenzte Raum und die damit verbundene "Übersichtlichkeit" sind ein Vorteil. Wir haben eine gut gemischte Wirtschaft (hoher Anteil an KMU); unser Ausbildungssystem ist zwar nicht mehr das, was es angeblich einmal war, aber auch hier sind die Chancen intakt, wieder an die Spitze aufzuschliessen.</p><p>Es stellt sich deshalb zu Recht die Frage, ob sich die Schweiz mit einer koordinierten gesamtheitlichen Vorwärtsstrategie und einer klaren Schwerpunktbildung (im Gegensatz z. B. zur EU-Initiative) unter Einbezug und in enger Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und öffentlicher Hand und unter klarer Berücksichtigung der Aufgabenteilung zwischen öffentlicher Hand und privaten Initiativen, zwischen Bund und Kantonen (was nicht gleichbedeutend mit einer Zementierung des Status quo sein muss) nicht die notwendigen Wettbewerbsvorteile schaffen soll und kann, um in einer Informationsgesellschaft von morgen eine wichtige Funktion einzunehmen. Bauen wir doch unseren relativen Vorsprung in Europa aus, verringern wir den Rückstand auf die USA, und verwirklichen wir die Vision einer zukunftsorientierten Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft, die ihre einzige natürliche und sowohl standort- als auch zeitunabhängige Ressource - Kopf und Herz - zielgerichtet und zum Wohle aller einsetzt, so wie wir dies übrigens verschiedentlich in der Vergangenheit auch getan haben: im 19. Jahrhundert (Industrialisierung) beispielsweise oder in der Nachkriegszeit (Finanzdienstleistungen).</p><p>Damit sollen die in verschiedenen Bereichen (s. u. a. den Bericht der KIG, Antworten auf parlamentarische Vorstösse; Bildungsoffensiven in einzelnen Kantonen, ZH, AR; Revision des Bildungswesens; Initiativen der Wirtschaft betreffend Aus- und Weiterbildung usw.) eingeleiteten oder umgesetzten Massnahmen nicht etwa marginalisiert oder in ihrer Bedeutung geschmälert werden. Sie sind wichtig und richtig und sollen mit aller Kraft vorangetrieben werden. Was aber zu fehlen scheint, ist eine Gesamtstrategie; zur Zielerreichung derselben haben der Staat und die Wirtschaft am gleichen Strick zu ziehen.</p>
  • <p>1. Der Bundesrat hat, beginnend im Jahre 1990, die Ziele und Instrumente der Technologie- und Innovationspolitik immer wieder sehr intensiv und unter Beizug namhafter Experten und Expertinnen hinterfragt und optimiert. Als Resultat hat sich eine Grundausrichtung ergeben, die Globalisierung, technischen Fortschritt und weltweiten Innovationswettbewerb als Herausforderung und Chance für unsere Volkswirtschaft und unser Land als Ganzes sieht. Die Stichworte "Marsch in die Wissensgesellschaft", "nationales Innovationssystem Schweiz" oder "Dynamisierung durch Unternehmensgründung" umschreiben diese Einstellung treffend.</p><p>Die gegenwärtig ablaufende Revolution im Informations- und Kommunikationsbereich (IuK) hat die Notwendigkeit einer solchen Grundeinstellung und der daraus hervorgegangenen Massnahmen noch erheblich verstärkt. Mit Blick auf die spezifischen Anforderungen der Informatik, der Software-Produktion und der Nutzung des Internets verweisen wir auf unsere Antwort auf die Interpellation Hess Peter vom 7. März 2000 (00.3028).</p><p>Der Bundesrat legt Wert auf die Feststellung, dass die Herausforderungen und Chancen des IuK-Zeitalters nicht etwa auf dieses Technologiefeld beschränkt sind, sondern Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes betreffen: Herausforderung und Chance ist die Wissensbasierung, die steigende Wissensintensität des Wirtschaftens, die "knowledge-based economy". Am Standort Schweiz muss der Fokus auf Wissen, Bildung und Know-how gerichtet sein. Die wahren technologischen oder innovatorischen Aktiva unseres Landes liegen in seiner Fähigkeit, komplexe Zukunftsprobleme im Team und/oder in Gruppen von Unternehmen, Hochschulen, Forschungs- und Entwicklungs-Labors usw. zu lösen. Wenn der Begriff der "Gesamtvision" angewendet werden soll, dann ist er nach unserer Auffassung in diesem umfassenden Sinne zu verstehen.</p><p>2. Der Bundesrat hat diese Strategien - sofern die technologie- und innovationspolitischen Fragen in ihrer Allgemeinheit angesprochen sind - u. a. in folgenden Dokumenten ausführlich niedergeschrieben:</p><p>- Bericht des Bundesrates: "Technologiepolitik des Bundes" (Bern, 1992);</p><p>- Bericht des Bundesrates über die Umsetzung der Technologiepolitik des Bundes (Bern, 1997);</p><p>- Botschaft vom 25. November 1998 über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2000-2003.</p><p>Darüber hinaus ist die Bundesverwaltung seit Jahren intensiv damit befasst, die Chancen und Herausforderungen des globalisierten und technisierten Innovationswettbewerbs in Zusammenarbeit mit renommierten Instituten im In- und Ausland zu analysieren und geeignete Massnahmen zu entwerfen. Zu nennen sind beispielsweise:</p><p>- die in Zusammenarbeit mit der Konjunkturforschungsstelle der ETHZ, der Prognos AG Basel und dem Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung unter der Federführung des Bundesamtes für Konjunkturfragen (heute Bundesamt für Berufsbildung und Technologie, BBT) entstandene Studie "Modernisierung am Standort Schweiz" (Zürich, 1995);</p><p>- die im Rahmen des BBT erarbeitete Schrift "Wissen als Chance. Globalisierung als Herausforderung für die Schweiz" (Hotz-Hart/Küchler, Zürich, 1999);</p><p>- der Bericht des Perspektivstabs der Bundesverwaltung: "Herausforderungen 1999-2003. Trendentwicklung und mögliche Zukunftsthemen für die Bundespolitik" der Bundeskanzlei (Bundesamt für Statistik, BFS, 1998, Neuenburg).</p><p>Im Hinblick auf die spezifischen technischen Herausforderungen der IuK-Technologien verweisen wir auf die Antwort des Bundesrates auf die Interpellation Hess Hans vom 7. März 2000, in der insbesondere die Strategie des Bundesrates für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz dargelegt wird.</p><p>3. Hier sieht der Bundesrat eine der wichtigsten Herausforderungen der IuK-Revolution. Im Rahmen der "Bildungsoffensive", der Strategie des Bundesrates für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz, kommt der Aus- und Weiterbildung daher erste Priorität zu. Die präzisen strategischen Ziele und Träger der Massnahmen sind im entsprechenden Dokument niedergelegt. </p><p>Der Bundesrat unterstreicht die Bedeutung, die der Attraktivität technischer Berufe im Hinblick auf die zukünftige Innovationskraft der Schweiz zukommt. In diesem Zusammenhang ist einerseits auf die bereits vollzogene Schaffung der Berufsmatur hinzuweisen, die einen neuen Zugang zum Studium an den Fachhochschulen sichert. Zum anderen ist die Lehrstellenkampagne des BBT zu nennen, in deren Rahmen namentlich Mädchen angesprochen werden. Ein verstärkter Einbezug der weiblichen Bevölkerung in die technischen Berufe könnte dem Standort Schweiz einen erheblichen Kompetenzzuwachs bescheren. </p><p>In die gleiche Richtung zielt die Reform bzw. Neuschaffung von Lehrberufen, wie etwa im Fall "Informatiker/Informatikerin". Gerade in Anbetracht der Branchenstruktur unserer Wirtschaft ist es von grosser Bedeutung, qualifizierte Berufsleute in Berufen mit Zukunft auszubilden und sich nicht etwa mit der Einführung von PC im Schulunterricht zu begnügen. Der Bundesrat ist zuversichtlich, dass die Gesamtheit der skizzierten Massnahmen - nicht einzelne Instrumente - das Kompetenzportfolio unserer Wirtschaft und Gesellschaft dynamisieren werden.</p><p>Im Rahmen des beginnenden Nationalen Forschungsprogramms (NFP) "Bildung und Beschäftigung" ist die Untersuchung des Themenkomplexes IuK-Technologien und Bildungssystem vorgesehen. Dabei geht es ausdrücklich auch um den sinnvollen Einsatz der IuK-technischen Mittel in Schulunterricht. Die IuK-Technologien sind darüber hinaus Querschnittsthema des NFP. Der Bundesrat verspricht sich von diesem NFP weitere Gedankenanstösse im Hinblick auf konkrete Massnahmen.</p><p>4. Um die in der Interpellation angesprochenen, derzeit noch bestehenden Schwachstellen im Bereich E-Government zu beheben, wurde eine interdepartementale Arbeitsgruppe unter der Leitung der Bundeskanzlei ins Leben gerufen. Diese Arbeitsgruppe, in der auch Vertreter des Bundesgerichtes sowie der Parlamentsdienste mitwirken, hat soeben ihren Bericht mit dem Titel "Guichet virtuel: Der elektronische Weg zu Verwaltung, Parlament und Gericht" fertig gestellt. Darin wird vorgeschlagen, ein Internet-Portal zu schaffen, dessen Aufbau nicht an Struktur und Arbeitsweise der Verwaltung orientiert ist, sondern das die gesellschaftlichen Alltagssorgen und -probleme anspricht (Bürger und Bürgerinnen, Einwohnerschaft, Unternehmen usw.). Der Bundesrat begrüsst die Grundausrichtung dieser Arbeiten, deren Resultate in den zweiten Bericht der Koordinationsgruppe Informationsgesellschaft (KIG) aufgenommen werden, und die daher vor Ablauf des ersten Semesters 2000 vorliegen müssen.</p><p>Um gesellschaftlich wirksam zu sein, ist es unabdingbar, dass der "guichet virtuel" in enger Zusammenarbeit mit Kantonen und Gemeinden realisiert wird. Aus diesem Grunde hat die Bundeskanzlei bereits die Schweizerische Staatsschreiberkonferenz von diesem Projekt informiert und sie zur Mitarbeit eingeladen. Parallel dazu haben zahlreiche Bundesämter im Rahmen ihrer laufenden Bemühungen um Modernisierung und Rationalisierung ihrer Arbeitsprozesse E-Government-Projekte entwickelt. Diese Projekte werden im Rahmen der bestehenden Finanzplanung des Bundes angegangen. Der Bundesrat hat die Ausgaben für Informatik und Telekommunikation plafoniert. Die Koordination zwischen den Projekten geschieht im Rahmen der Arbeitsgruppe E-Government. Einen Überblick erhält man jederzeit auf dem durch das Sekretariat der KIG geführten Server Information Society Project Switzerland unter http://www.isps.ch. Da keine zusätzlichen Finanzmittel zur Verfügung stehen, hängt die Geschwindigkeit dieser Arbeiten von Mittelumschichtungen innerhalb der beteiligten Departemente und Ämter ab.</p><p>Darüber hinaus hat sich die Bundeskanzlei zum Ziel gesetzt, etappenweise bis zum Jahre 2010 die Ausübung sämtlicher politischer Rechte via Internet zu ermöglichen. In einem ersten Schritt ist vorgesehen, den Auslandschweizern und -schweizerinnen ihr Stimmmaterial via Internet zuzusenden. </p><p>Zahlreiche E-Government-Projekte können aber erst dann umgesetzt werden, wenn die digitale Unterschrift volle Rechtsgültigkeit hat. Der Bundesrat hofft daher, dass die damit zusammenhängende Rechtslage in kürzester Zeit revidiert werden kann.</p><p>5. In seiner Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2000-2003 hat der Bundesrat bekräftigt, dass er Bildung, Forschung und Technologie für die wichtigsten Ressourcen der Schweiz hält, und hat daraus die entsprechenden Schlüsse für die nächsten Jahre gezogen. Aussagen über die fernere Zukunft haben den Charakter von Mutmassungen, und es können daraus noch keine konkreten Massnahmen abgeleitet werden. Immerhin ist aber aufgrund der Entwicklung der verschiedenen Technologien zu vermuten, dass das durchschnittliche Alter der Bevölkerung noch zunehmen und dass die Monats-, Jahres- bzw. Lebensarbeitszeiten eher sinken werden. Dies bedeutet, dass das Augenmerk im Bildungsbereich nicht nur auf die neuen Technologien zu richten ist, sondern dass auch "traditionelle" Tätigkeiten wichtig bleiben, wie z. B. Tourismus-, Freizeit-, Gesundheits-, Sozial- und kulturelle Berufe.</p><p>Unser Wirtschaftssystem geht von der Vorstellung aus, dass die Wirtschaft selbst am besten auf neue Entwicklungen reagiert. In Abhängigkeit davon regelt der Bund die Berufsbildung mit zwei Hauptzielen, nämlich einerseits der Wirtschaft genügend gut qualifizierte Arbeitskräfte zuzuführen und andererseits die Individuen zu befähigen, in Wirtschaft und Gesellschaft einen "guten" Platz zu finden. Dabei stösst die Berufsbildung auf ein grundlegendes Problem: Werden zu einem bestimmten Zeitpunkt neue berufliche Qualifikationsanforderungen bekannt, so verstreicht eine gewisse Zeit, bis die entsprechenden Ausbildungen vermittelt sind; im Falle der beruflichen Grundausbildung dauert dies drei bis vier Jahre, auf der Ingenieurstufe sieben bis acht Jahre. Im Bereich der neuen Technologien ist dieses Phänomen aufgrund des raschen Wandels besonders ausgeprägt. Angesichts dieser Tatsache versucht die Berufsbildung nicht, um Jahre vorausschauend am grünen Tisch Bildungsinhalte festzulegen, sondern den Jugendlichen in einem bestimmten Wirtschaftbereich (z. B. im Handel den kaufmännischen Angestellten oder bei den Informationstechnologien den Informatikern und Informatikerinnen) vergleichsweise breite Basiskenntnisse und -fertigkeiten zu vermitteln; parallel dazu sind Weiterbildungsstrukturen zu erhalten und weiterzuentwickeln, welche die Leute befähigen, sich im Verlaufe des ganzen Lebens auf neue Gegebenheiten einzustellen.</p><p>Für den Standort Schweiz sind Unternehmen bevorzugt, die einen hohen Wertschöpfungsgrad aufweisen und Arbeitsplätze schaffen und erhalten.</p><p>6. Die Zusammenarbeit und gegenseitige Befruchtung von Privatwirtschaft und dem Bereich Wissenschaft/Forschung/Hochschulen stellt nach Auffassung des Bundesrates einen Kernbereich der Wettbewerbsfähigkeit dar. Im Hinblick darauf verweisen wir auf folgende Massnahmenbereiche:</p><p>- Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und Forschungsstellen. Hier ist die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) das Kerninstrument auf Bundesbene. Der Modus der Mittelvergabe im Rahmen dieser Institution stellt - nach Überzeugung aller Fachleute - einen optimalen und unverzerrten Technologietransfer in den Unternehmen sicher. Die KTI wird auch in Zukunft im Mittelpunkt der Technologiepolitik des Bundes stehen.</p><p>- Fachhochschulen: Diese stellen ein wirksames Bindeglied zwischen Technikerzeugung und -entwicklung einerseits und (vor allem kleinstrukturierter) Privatwirtschaft andererseits dar. Der Leistungsauftrag des Techniktransfers der Fachhochschulen soll sicherstellen, dass sich die gewünschte Kooperation in Zukunft noch intensiviert. Der Bundesrat sieht die Schaffung der Fachhochschulen als zukunftsweisende institutionelle Innovation an.</p><p>- Unternehmensgründungen: Technik- und Know-how-Transfer kann nicht nur über die Anstellung wissenschaftlichen Personals oder die fallweise Entwicklungszusammenarbeit erfolgen, sondern insbesondere auch durch die Gründung von Unternehmen durch Wissenschafter und Ingenieure. Im Hinblick darauf ist - neben den zahlreichen Initiativen der Privatwirtschaft, der Kantone und Gemeinden - auf die Start-up-Initiative der KTI zu verweisen. Den sich präsentierenden Jungunternehmen wird - nach intensiver Begutachtung durch renommierte Experten - ein Label als "Gütesiegel" verliehen. Dieses Label wirkt praktisch als Türöffner.</p><p>- Auch zwischen Universitäten und Privatwirtschaft ist ein intensiverer Austausch - bei Respektierung der jeweiligen Eigenheiten - möglich. Wir verweisen an dieser Stelle auf das Konzept des "schweizerischen Innovationsnetzes", das Staatssekretär Kleiber von der Gruppe für Wissenschaft und Forschung (GWF) in seiner Publikation "Die Universität von morgen" dargelegt hat. Es handelt sich um einen konzertierten Massnahmenkatalog, der die Zusammenarbeit über die Grenzen der Hochschulen hinaus stimulieren und fördern soll. </p><p>- Eine Schwerpunktbildung bei Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Privatwirtschaft erfolgt weiter im Rahmen des "TOP Nano". In diesem Programm wird das zukunftsentscheidende Feld der Nanotechnologie bearbeitet.</p><p>7. Primar- und Sekundarstufe I liegen vollumfänglich im Kompetenzbereich der Kantone, und der Bundesrat hat nicht die Absicht, in diesen Bildungsbereich einzugreifen; dies umso mehr, als die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) seit Jahrzehnten für die Harmonisierung der Ausbildung besorgt ist.</p><p>Für den gymnasialen und allgemein bildenden Bereich der Sekundarstufe II sind ebenfalls in erster Linie die Kantone zuständig, doch übt der Bund (zusammen mit den Kantonen - Reglement der EDK vom 16. Januar 1995) mittels der Verordnung vom 15. Februar 1995 über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen einen gewissen harmonisierenden Einfluss aus, indem er die Anerkennung von kantonalen und kantonal anerkannten gymnasialen Maturitätsausweisen regelt, welche als Beleg für die allgemeine Hochschulreife dienen.</p><p>Im berufsbildenden Bereich der Sekundarstufe II ist der Bund zuständig. Das Bundesgesetz über die Berufsbildung wird gegenwärtig revidiert, und der Bundesrat wird die entsprechende Botschaft dem Parlament in der ersten Jahreshälfte unterbreiten. Im Mittelpunkt der Bemühungen des Bundes liegen dabei eine breite berufliche Grundausbildung der Jugendlichen in Betrieb und Berufsschule sowie eine strukturierte Weiterbildung, die der Vertiefung und Spezialisierung des Wissens und Könnens in den jeweiligen Wirtschaftsfeldern dient. Alle diese Massnahmen können aber nur zum Tragen kommen, wenn auch die Wirtschaft bereit ist, ihre Verantwortung wahrzunehmen, liegt es doch in einem auf dem Markt beruhenden Wirtschaftssystem in erster Linie an ihr, für den beruflichen Nachwuchs zu sorgen, während der Staat dafür besorgt ist, die dazu erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen und den Jugendlichen zu ermöglichen, den Einstieg in die Arbeitswelt zu finden.</p><p>Im Bereich der neuen Informationstechnologien hat das BBT bereits eine Reihe von Massnahmen getroffen, die den Mangel an Informatikfachleuten mildern sollen. Wie er in seiner Antwort auf eine Motion (KVF-N 00.3005, Umschulungsoffensive Informatik; 99.450) bereits ausführlich dargestellt hat, sind dies: Gesamtkonzept zur Neuordnung der Informatikberufe, Basislehrjahr Informatik, neue Reglementierung bei Berufs- und höheren Fachprüfungen im Informatikbereich, Entwicklung der Fachhochschulen und Aktionsprogramm für Praxislehrgänge. Zurzeit mehren sich Stimmen, die vom Bund zusätzlich die Durchführung von Sondermassnahmen zur Berufsbildung in Informatik- und Hightech-Berufen fordern. Der Bundesrat prüft gegenwärtig, ob sich ein solches Programm auch tatsächlich aufdrängt.</p><p>8. Der Bundesrat ist der Auffassung, dass Ängste in der Bevölkerung nur durch einen glaubhaften und komplexen Kommunikationsprozess abgebaut werden können. Wie die Erfahrung im In- und Ausland zeigt, sind einseitige Propagandafeldzüge, seien sie auch noch so gut argumentativ untermauert, erfolglos. Es muss vielmehr ein Dialog zwischen Bürgern und Bürgerinnen und Wissenschafter und Wissenschafterinnen in Gang gebracht werden. </p><p>Im Zentrum aller Anstrengungen müssen - aufseiten der Wissenschaft - die Forscherinnen und Forscher selbst stehen. Der Bund selbst nimmt seine Verantwortung in mehreren Formen wahr: zunächst durch die wissenschaftlichen Akademien, zu deren Hauptaufgaben es gehört, das Verständnis der Öffentlichkeit für die Wissenschaft zu verbessern - der Bund hat den Akademien dafür namhafte Beträge zur Verfügung gestellt; des Weitern ist auf die Anstrengungen der Hochschulen selbst - auch derjenigen des Bundes - hinzuweisen; der Schweizerische Wissenschafts- und Technologierat ist auf mannigfache Weise mit dem Ziel aktiv, das Bewusstsein der breiteren Öffentlichkeit zugunsten von Wissenschaft und Forschung zu beeinflussen; schliesslich im Rahmen der 1998 gegründeten Stiftung "Science et Cité" - diese Stiftung wird auf nationaler Ebene vor allem die Kommunikations- und Vulgarisierungsarbeit leisten. Näheres hierzu findet sich in der Schrift "Die Universität von morgen" (Staatsekretär Kleiber, GWF, 1999).</p><p>Im Hinblick auf die IuK-Technologien (Informationsgesellschaft) hat der Bundesrat Ziele und Massnahmen der Bewusstseinsbildung im Konzept und Aktionsplan "Bildungsoffensive" beschrieben: Dabei stehen Information und Weiterbildung im Mittelpunkt. So ist z. B. für den Herbst 2000 eine Publikation zum Stand der Informationsgesellschaft Schweiz zu erwarten, die unter der Federführung des BFS erstellt wird. Das BFS erarbeitet ebenfalls Instrumente zum regelmässigen Monitoring der Informationsgesellschaft, die die Aspekte E-Commerce und IT-Anwendung und -Forschung beinhaltet.</p><p>Eine Massnahme, die das Bewusstsein der Bevölkerung für den Graben zwischen den Menschen, die im Besitz von IuKT sind und damit umgehen können, und anderen, bei denen das nicht der Fall ist, schärfen soll, ist ein Wettbewerb mit der Verleihung eines "prix de sensibilisation", der von den Bundesämtern für Kultur, Kommunikation sowie Berufsbildung und Technologie zusammen mit Sponsoren aus der Wirtschaft veranstaltet wird. Ausgezeichnet werden Projekte und Initiativen, in denen auf kreative und innovative Weise Individuen oder Gruppen der Bevölkerung in der Schweiz der Gebrauch von IuKT ermöglicht oder erleichtert wird. Es wird hier vor allem an Menschen gedacht, die nicht in ihrer Ausbildung oder im Berufsleben mit den IuKT konfrontiert werden, so z. B. Arbeitslose, Menschen mit Behinderungen, Bewohner und Bewohnerinnen abgelegener Regionen oder Hausfrauen. Der Preis wird in den kommenden Monaten zum ersten Mal ausgeschrieben und soll im Frühjahr 2001 erstmals verleihen werden. Es wird zwei Kategorien geben, eine davon Jugendliche, um deren besonderes Potenzial auszuschöpfen und zu honorieren.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Ich ersuche den Bundesrat (im Nachgang an die Einreichung bzw. Beantwortung der Vorstösse Ehrler, Nabholz, Lalive d'Epinay, Strahm, Theiler) um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>Zum Thema moderne Informationstechnologien (IT):</p><p>1. Welche "Gesamtvision" einer Schweiz im Internetzeitalter hat der Bundesrat (unter klarer Berücksichtigung der Aufgabenteilung zwischen der öffentlichen Hand und den privaten Initiativen, zwischen dem Bund und den Kantonen, was nicht gleichbedeutend mit einer Zementierung des Status quo sein muss)?</p><p>2. Welche zukunftsgerichteten Strategien (nicht Einzelmassnahmen) sieht bzw. unternimmt er, um den Anschluss der Schweizer Gesellschaft und Wirtschaft an die Informationsgesellschaft sicherzustellen bzw. ihre Stellung auszubauen, die Vision zu verwirklichen und nachhaltigen volkswirtschaftlichen Nutzen zu schaffen? Welche Schwerpunktbildung und kontrollierbaren Massnahmen sieht der Bundesrat, und welche konkreten, messbaren Ziele hat er sich für die laufende Legislaturperiode in diesem Bereich gesetzt?</p><p>3. Wie wird - in Zusammenarbeit mit den Kantonen - sichergestellt, dass die IT-Ausbildung auch die heutigen Lehrkräfte, vor allem auf der ersten Stufe, erfasst, so dass bereits in jungen Jahren eine positive Einstellung zu eher technisch anmutenden Berufszweigen gelegt werden kann?</p><p>4. Im Bericht der Koordinationsgruppe Informationsgesellschaft (KIG) wird im Bereich E-Government ein signifikantes Defizit festgestellt. Wie ist der Stand in Bezug auf: "Vision", "Strategie", "Massnahmen" und "Zeitplan"? Wie wird die Zusammenarbeit bzw. der Einbezug der "Betroffenen" (Bürgerinnen und Bürger sowie beispielsweise KMU) sichergestellt? Gerade aus diesem Bereich könnten wertvolle Impulse zur Belebung unseres demokratischen, föderalistischen Systems kommen, ganz zu schweigen von administrativen Vereinfachungen für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen im Umgang mit den Behörden.</p><p>Zum Thema Schlüsselkompetenzen bzw. Schlüsselwissen:</p><p>5. Inwieweit hat der Bundesrat eine mit der Wirtschaft abgesprochene Vision von einem Wirtschaftsstandort Schweiz 2005, 2010, 2025? Welche Kompetenzgebiete zeichnen den künftigen Wirtschaftsstandort Schweiz aus? Welche Kern- bzw. Schlüsselwissensbereiche und -kompetenzen sind bis dahin aufzubauen? Welche Ausbildungsschwerpunkte sind zu setzen? Welche Unternehmen sind bevorzugt für den Standort Schweiz zu motivieren?</p><p>6. Wie stellt der Bundesrat heute, vor allem aber in Zukunft, die wichtige und notwendige Zusammenarbeit bzw. den Austausch mit der Wirtschaft (auf allen Stufen) sicher, u. a. mit dem Ziel, der privatwirtschaftlichen Initiative zwar den Vorrang zu geben, sie aber zielgerichtet zu unterstützen bzw. die Rahmenbedingungen entsprechend auszugestalten?</p><p>7. Wie stellt er in Zusammenarbeit mit den Kantonen (bzw. eventuell im Rahmen einer gewissen Harmonisierung der Ausbildungsschwergewichts-Themen und der Ausbildungsmittel) und der Privatwirtschaft in Zukunft die rechtzeitige Ausbildung in Schlüsselkompetenzen sicher, speziell im primären und sekundären Bereich? Kann er sich vorstellen, mit der Wirtschaft eine gemeinsame Ausbildungsoffensive zu starten (die u. a. beispielsweise privat und nur teilweise von der öffentlichen Hand finanziert würde)?</p><p>8. Welche messbaren Massnahmen unternimmt er, um das Bewusstsein in der breiten Bevölkerung zu stärken bzw. die Angst zu nehmen, sich mit den neuen Technologien und deren Anwendung (IT- und E-Commerce, Biotechnologie, Gentechnologie usw.) auseinander zu setzen? Und welche Massnahmen bzw. Initiativen kann er sich vorstellen, um die jüngere Generation für die Erlernung zukunftsorientierter Schlüsselkompetenzen unserer Gesellschaft zu motivieren?</p>
  • Kernkompetenzen für die Zukunft der Schweiz
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die modernen Technologien werden unser Leben und vor allem unsere Wettbewerbsfähigkeit und damit unsere Volkswirtschaft und Gesellschaft entscheidend mitbeeinflussen. Das haben die westlichen Industrienationen - allen voran die USA - sowie Asien längst erkannt. Die EU plant mit der Initiative "eEurope" bzw. der "Strategien für eine Beschäftigung in der Informationsgesellschaft" eine eigentliche IT-Offensive. In Singapur z. B. wurde ein speziell auf erfahrene und hoch qualifizierte Hightech- und IT-Spezialisten ausgerichtetes Immigrantengesetz geschaffen. Deutschland will via spezielle Ausländerkontingente zusätzliche IT-Arbeitskräfte rekrutieren. Die Zukunft - ob uns dies passt oder nicht - findet zu einem grossen Teil auf dem Internet statt. Entsprechend wurden auch in der Schweiz verschiedene Vorstösse zum Thema Informationsgesellschaft für alle eingereicht (u. a. von Herrn Ehrler, Frau Nabholz und Herrn Strahm), die zum Teil bereits beantwortet worden sind. Die IT-Kompetenz einer Volkswirtschaft ist eine der wesentlichen Fähigkeiten für einen Wirtschaftsstandort der Zukunft (siehe Vorstoss Theiler).</p><p>Die modernen Informationen sind aber nicht die einzige Schlüsselkompetenz, die für die Schweiz, wenn sie am allgemeinen Wachstum teilhaben will, entscheidend sein können. Ebenso wichtig sind beispielsweise in Zukunft ausgewiesene Kompetenzen im Bereich der Naturwissenschaften. Gefragt ist die Kombination der beiden Wissens- und Erfahrungsbereiche, z. B. die Biotechnologie. Auch hier sind uns die USA einen Schritt voraus. Ihre Rekrutierungsanstrengungen in diesem Bereich und die damit verbundenen Erleichterungen, die der Wirtschaft gewährt werden, sind enorm.</p><p>Gerade der Standort Schweiz ist darauf angewiesen, die eigenen Kompetenzen der Bevölkerung laufend auch mit hoch qualifizierten ausländischen Arbeitskräften zu ergänzen, sei dies in der Wirtschaft, sei dies in der Aus- und Weiterbildung. Eine unlängst von der Regierung Genfs durchgeführte Studie belegt klar, dass der Zuzug von hoch qualifizierten Arbeitskräften (im Gegensatz zu wenig qualifizierten Arbeitskräften) als Ergänzung zu den eigenen Kompetenzen die gesamte Wirtschaft einer entsprechenden Region langfristig stimuliert. Das zeigt auch ein Blick in unsere Geschichte: Nur durch den Zuzug von qualifizierten Ausländern ist der Ausbildungs- wie der Industriestandort Schweiz gross geworden.</p><p>Die Chancen der Schweiz sind intakt; vieles ist in Bearbeitung oder bereits in der Umsetzung; was - zumindest in der Wirkung nach aussen - fehlt, ist eine Gesamtstrategie, in der alle Anstrengungen gebündelt und auf ein übergeordnetes Ziel ausgerichtet werden.</p><p>Die Schweiz schneidet im internationalen Vergleich und vor allem gegenüber der EU in Bezug auf ihre IT-Tauglichkeit beispielsweise als Ganzes nicht schlecht ab: Man attestiert ihr - nach Anfangswehen - hohe Wachstumsraten betreffend Marktentwicklung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien. Und auch bezüglich der IT-Ausgaben in Prozenten des Bruttosozialproduktes schneidet sie mit 3,41 Prozent im Jahre 1998 (USA: 4,38; EU: 2,51 Prozent) nicht schlecht ab. Dasselbe gilt für die Anzahl PC pro 100 Einwohner, wo die Schweiz mit 39 (USA mit 51 und die EU mit 20) nicht schlecht dasteht. Auch betreffend Risikobereitschaft zum Aufbau und Investitionen in sogenannte Internet- und Hightech-Unternehmen hat sich einiges getan, auch wenn der Drang zum eigenen Unternehmen in der Schweiz noch nicht zum Volkssport geworden und die Schweiz noch kein Silicon Valley diesseits des Ozeans ist. Aber sie könnte es - im übertragenen Sinne, vom Symbolgehalt her und natürlich mit schweizerischer Eigenständigkeit versehen - durchaus werden; die Voraussetzungen dazu sind vorhanden. Die Schweiz gilt nach wie vor als attraktiver Standort - vor allem, was die Lebensqualität betrifft. Ausländische Experten und Spezialisten sind relativ einfach in die Schweiz zu bringen - sofern die Ausländerkontingentierung diesbezüglich gelockert wird und für entsprechende Unternehmen und Vorhaben günstige Einstiegsbedingungen geschaffen werden. Wir haben ein multikulturelles Erbe, das ausbaufähig ist; der begrenzte Raum und die damit verbundene "Übersichtlichkeit" sind ein Vorteil. Wir haben eine gut gemischte Wirtschaft (hoher Anteil an KMU); unser Ausbildungssystem ist zwar nicht mehr das, was es angeblich einmal war, aber auch hier sind die Chancen intakt, wieder an die Spitze aufzuschliessen.</p><p>Es stellt sich deshalb zu Recht die Frage, ob sich die Schweiz mit einer koordinierten gesamtheitlichen Vorwärtsstrategie und einer klaren Schwerpunktbildung (im Gegensatz z. B. zur EU-Initiative) unter Einbezug und in enger Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und öffentlicher Hand und unter klarer Berücksichtigung der Aufgabenteilung zwischen öffentlicher Hand und privaten Initiativen, zwischen Bund und Kantonen (was nicht gleichbedeutend mit einer Zementierung des Status quo sein muss) nicht die notwendigen Wettbewerbsvorteile schaffen soll und kann, um in einer Informationsgesellschaft von morgen eine wichtige Funktion einzunehmen. Bauen wir doch unseren relativen Vorsprung in Europa aus, verringern wir den Rückstand auf die USA, und verwirklichen wir die Vision einer zukunftsorientierten Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft, die ihre einzige natürliche und sowohl standort- als auch zeitunabhängige Ressource - Kopf und Herz - zielgerichtet und zum Wohle aller einsetzt, so wie wir dies übrigens verschiedentlich in der Vergangenheit auch getan haben: im 19. Jahrhundert (Industrialisierung) beispielsweise oder in der Nachkriegszeit (Finanzdienstleistungen).</p><p>Damit sollen die in verschiedenen Bereichen (s. u. a. den Bericht der KIG, Antworten auf parlamentarische Vorstösse; Bildungsoffensiven in einzelnen Kantonen, ZH, AR; Revision des Bildungswesens; Initiativen der Wirtschaft betreffend Aus- und Weiterbildung usw.) eingeleiteten oder umgesetzten Massnahmen nicht etwa marginalisiert oder in ihrer Bedeutung geschmälert werden. Sie sind wichtig und richtig und sollen mit aller Kraft vorangetrieben werden. Was aber zu fehlen scheint, ist eine Gesamtstrategie; zur Zielerreichung derselben haben der Staat und die Wirtschaft am gleichen Strick zu ziehen.</p>
    • <p>1. Der Bundesrat hat, beginnend im Jahre 1990, die Ziele und Instrumente der Technologie- und Innovationspolitik immer wieder sehr intensiv und unter Beizug namhafter Experten und Expertinnen hinterfragt und optimiert. Als Resultat hat sich eine Grundausrichtung ergeben, die Globalisierung, technischen Fortschritt und weltweiten Innovationswettbewerb als Herausforderung und Chance für unsere Volkswirtschaft und unser Land als Ganzes sieht. Die Stichworte "Marsch in die Wissensgesellschaft", "nationales Innovationssystem Schweiz" oder "Dynamisierung durch Unternehmensgründung" umschreiben diese Einstellung treffend.</p><p>Die gegenwärtig ablaufende Revolution im Informations- und Kommunikationsbereich (IuK) hat die Notwendigkeit einer solchen Grundeinstellung und der daraus hervorgegangenen Massnahmen noch erheblich verstärkt. Mit Blick auf die spezifischen Anforderungen der Informatik, der Software-Produktion und der Nutzung des Internets verweisen wir auf unsere Antwort auf die Interpellation Hess Peter vom 7. März 2000 (00.3028).</p><p>Der Bundesrat legt Wert auf die Feststellung, dass die Herausforderungen und Chancen des IuK-Zeitalters nicht etwa auf dieses Technologiefeld beschränkt sind, sondern Wirtschaft und Gesellschaft als Ganzes betreffen: Herausforderung und Chance ist die Wissensbasierung, die steigende Wissensintensität des Wirtschaftens, die "knowledge-based economy". Am Standort Schweiz muss der Fokus auf Wissen, Bildung und Know-how gerichtet sein. Die wahren technologischen oder innovatorischen Aktiva unseres Landes liegen in seiner Fähigkeit, komplexe Zukunftsprobleme im Team und/oder in Gruppen von Unternehmen, Hochschulen, Forschungs- und Entwicklungs-Labors usw. zu lösen. Wenn der Begriff der "Gesamtvision" angewendet werden soll, dann ist er nach unserer Auffassung in diesem umfassenden Sinne zu verstehen.</p><p>2. Der Bundesrat hat diese Strategien - sofern die technologie- und innovationspolitischen Fragen in ihrer Allgemeinheit angesprochen sind - u. a. in folgenden Dokumenten ausführlich niedergeschrieben:</p><p>- Bericht des Bundesrates: "Technologiepolitik des Bundes" (Bern, 1992);</p><p>- Bericht des Bundesrates über die Umsetzung der Technologiepolitik des Bundes (Bern, 1997);</p><p>- Botschaft vom 25. November 1998 über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2000-2003.</p><p>Darüber hinaus ist die Bundesverwaltung seit Jahren intensiv damit befasst, die Chancen und Herausforderungen des globalisierten und technisierten Innovationswettbewerbs in Zusammenarbeit mit renommierten Instituten im In- und Ausland zu analysieren und geeignete Massnahmen zu entwerfen. Zu nennen sind beispielsweise:</p><p>- die in Zusammenarbeit mit der Konjunkturforschungsstelle der ETHZ, der Prognos AG Basel und dem Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung unter der Federführung des Bundesamtes für Konjunkturfragen (heute Bundesamt für Berufsbildung und Technologie, BBT) entstandene Studie "Modernisierung am Standort Schweiz" (Zürich, 1995);</p><p>- die im Rahmen des BBT erarbeitete Schrift "Wissen als Chance. Globalisierung als Herausforderung für die Schweiz" (Hotz-Hart/Küchler, Zürich, 1999);</p><p>- der Bericht des Perspektivstabs der Bundesverwaltung: "Herausforderungen 1999-2003. Trendentwicklung und mögliche Zukunftsthemen für die Bundespolitik" der Bundeskanzlei (Bundesamt für Statistik, BFS, 1998, Neuenburg).</p><p>Im Hinblick auf die spezifischen technischen Herausforderungen der IuK-Technologien verweisen wir auf die Antwort des Bundesrates auf die Interpellation Hess Hans vom 7. März 2000, in der insbesondere die Strategie des Bundesrates für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz dargelegt wird.</p><p>3. Hier sieht der Bundesrat eine der wichtigsten Herausforderungen der IuK-Revolution. Im Rahmen der "Bildungsoffensive", der Strategie des Bundesrates für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz, kommt der Aus- und Weiterbildung daher erste Priorität zu. Die präzisen strategischen Ziele und Träger der Massnahmen sind im entsprechenden Dokument niedergelegt. </p><p>Der Bundesrat unterstreicht die Bedeutung, die der Attraktivität technischer Berufe im Hinblick auf die zukünftige Innovationskraft der Schweiz zukommt. In diesem Zusammenhang ist einerseits auf die bereits vollzogene Schaffung der Berufsmatur hinzuweisen, die einen neuen Zugang zum Studium an den Fachhochschulen sichert. Zum anderen ist die Lehrstellenkampagne des BBT zu nennen, in deren Rahmen namentlich Mädchen angesprochen werden. Ein verstärkter Einbezug der weiblichen Bevölkerung in die technischen Berufe könnte dem Standort Schweiz einen erheblichen Kompetenzzuwachs bescheren. </p><p>In die gleiche Richtung zielt die Reform bzw. Neuschaffung von Lehrberufen, wie etwa im Fall "Informatiker/Informatikerin". Gerade in Anbetracht der Branchenstruktur unserer Wirtschaft ist es von grosser Bedeutung, qualifizierte Berufsleute in Berufen mit Zukunft auszubilden und sich nicht etwa mit der Einführung von PC im Schulunterricht zu begnügen. Der Bundesrat ist zuversichtlich, dass die Gesamtheit der skizzierten Massnahmen - nicht einzelne Instrumente - das Kompetenzportfolio unserer Wirtschaft und Gesellschaft dynamisieren werden.</p><p>Im Rahmen des beginnenden Nationalen Forschungsprogramms (NFP) "Bildung und Beschäftigung" ist die Untersuchung des Themenkomplexes IuK-Technologien und Bildungssystem vorgesehen. Dabei geht es ausdrücklich auch um den sinnvollen Einsatz der IuK-technischen Mittel in Schulunterricht. Die IuK-Technologien sind darüber hinaus Querschnittsthema des NFP. Der Bundesrat verspricht sich von diesem NFP weitere Gedankenanstösse im Hinblick auf konkrete Massnahmen.</p><p>4. Um die in der Interpellation angesprochenen, derzeit noch bestehenden Schwachstellen im Bereich E-Government zu beheben, wurde eine interdepartementale Arbeitsgruppe unter der Leitung der Bundeskanzlei ins Leben gerufen. Diese Arbeitsgruppe, in der auch Vertreter des Bundesgerichtes sowie der Parlamentsdienste mitwirken, hat soeben ihren Bericht mit dem Titel "Guichet virtuel: Der elektronische Weg zu Verwaltung, Parlament und Gericht" fertig gestellt. Darin wird vorgeschlagen, ein Internet-Portal zu schaffen, dessen Aufbau nicht an Struktur und Arbeitsweise der Verwaltung orientiert ist, sondern das die gesellschaftlichen Alltagssorgen und -probleme anspricht (Bürger und Bürgerinnen, Einwohnerschaft, Unternehmen usw.). Der Bundesrat begrüsst die Grundausrichtung dieser Arbeiten, deren Resultate in den zweiten Bericht der Koordinationsgruppe Informationsgesellschaft (KIG) aufgenommen werden, und die daher vor Ablauf des ersten Semesters 2000 vorliegen müssen.</p><p>Um gesellschaftlich wirksam zu sein, ist es unabdingbar, dass der "guichet virtuel" in enger Zusammenarbeit mit Kantonen und Gemeinden realisiert wird. Aus diesem Grunde hat die Bundeskanzlei bereits die Schweizerische Staatsschreiberkonferenz von diesem Projekt informiert und sie zur Mitarbeit eingeladen. Parallel dazu haben zahlreiche Bundesämter im Rahmen ihrer laufenden Bemühungen um Modernisierung und Rationalisierung ihrer Arbeitsprozesse E-Government-Projekte entwickelt. Diese Projekte werden im Rahmen der bestehenden Finanzplanung des Bundes angegangen. Der Bundesrat hat die Ausgaben für Informatik und Telekommunikation plafoniert. Die Koordination zwischen den Projekten geschieht im Rahmen der Arbeitsgruppe E-Government. Einen Überblick erhält man jederzeit auf dem durch das Sekretariat der KIG geführten Server Information Society Project Switzerland unter http://www.isps.ch. Da keine zusätzlichen Finanzmittel zur Verfügung stehen, hängt die Geschwindigkeit dieser Arbeiten von Mittelumschichtungen innerhalb der beteiligten Departemente und Ämter ab.</p><p>Darüber hinaus hat sich die Bundeskanzlei zum Ziel gesetzt, etappenweise bis zum Jahre 2010 die Ausübung sämtlicher politischer Rechte via Internet zu ermöglichen. In einem ersten Schritt ist vorgesehen, den Auslandschweizern und -schweizerinnen ihr Stimmmaterial via Internet zuzusenden. </p><p>Zahlreiche E-Government-Projekte können aber erst dann umgesetzt werden, wenn die digitale Unterschrift volle Rechtsgültigkeit hat. Der Bundesrat hofft daher, dass die damit zusammenhängende Rechtslage in kürzester Zeit revidiert werden kann.</p><p>5. In seiner Botschaft über die Förderung von Bildung, Forschung und Technologie in den Jahren 2000-2003 hat der Bundesrat bekräftigt, dass er Bildung, Forschung und Technologie für die wichtigsten Ressourcen der Schweiz hält, und hat daraus die entsprechenden Schlüsse für die nächsten Jahre gezogen. Aussagen über die fernere Zukunft haben den Charakter von Mutmassungen, und es können daraus noch keine konkreten Massnahmen abgeleitet werden. Immerhin ist aber aufgrund der Entwicklung der verschiedenen Technologien zu vermuten, dass das durchschnittliche Alter der Bevölkerung noch zunehmen und dass die Monats-, Jahres- bzw. Lebensarbeitszeiten eher sinken werden. Dies bedeutet, dass das Augenmerk im Bildungsbereich nicht nur auf die neuen Technologien zu richten ist, sondern dass auch "traditionelle" Tätigkeiten wichtig bleiben, wie z. B. Tourismus-, Freizeit-, Gesundheits-, Sozial- und kulturelle Berufe.</p><p>Unser Wirtschaftssystem geht von der Vorstellung aus, dass die Wirtschaft selbst am besten auf neue Entwicklungen reagiert. In Abhängigkeit davon regelt der Bund die Berufsbildung mit zwei Hauptzielen, nämlich einerseits der Wirtschaft genügend gut qualifizierte Arbeitskräfte zuzuführen und andererseits die Individuen zu befähigen, in Wirtschaft und Gesellschaft einen "guten" Platz zu finden. Dabei stösst die Berufsbildung auf ein grundlegendes Problem: Werden zu einem bestimmten Zeitpunkt neue berufliche Qualifikationsanforderungen bekannt, so verstreicht eine gewisse Zeit, bis die entsprechenden Ausbildungen vermittelt sind; im Falle der beruflichen Grundausbildung dauert dies drei bis vier Jahre, auf der Ingenieurstufe sieben bis acht Jahre. Im Bereich der neuen Technologien ist dieses Phänomen aufgrund des raschen Wandels besonders ausgeprägt. Angesichts dieser Tatsache versucht die Berufsbildung nicht, um Jahre vorausschauend am grünen Tisch Bildungsinhalte festzulegen, sondern den Jugendlichen in einem bestimmten Wirtschaftbereich (z. B. im Handel den kaufmännischen Angestellten oder bei den Informationstechnologien den Informatikern und Informatikerinnen) vergleichsweise breite Basiskenntnisse und -fertigkeiten zu vermitteln; parallel dazu sind Weiterbildungsstrukturen zu erhalten und weiterzuentwickeln, welche die Leute befähigen, sich im Verlaufe des ganzen Lebens auf neue Gegebenheiten einzustellen.</p><p>Für den Standort Schweiz sind Unternehmen bevorzugt, die einen hohen Wertschöpfungsgrad aufweisen und Arbeitsplätze schaffen und erhalten.</p><p>6. Die Zusammenarbeit und gegenseitige Befruchtung von Privatwirtschaft und dem Bereich Wissenschaft/Forschung/Hochschulen stellt nach Auffassung des Bundesrates einen Kernbereich der Wettbewerbsfähigkeit dar. Im Hinblick darauf verweisen wir auf folgende Massnahmenbereiche:</p><p>- Zusammenarbeit zwischen Privatwirtschaft und Forschungsstellen. Hier ist die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) das Kerninstrument auf Bundesbene. Der Modus der Mittelvergabe im Rahmen dieser Institution stellt - nach Überzeugung aller Fachleute - einen optimalen und unverzerrten Technologietransfer in den Unternehmen sicher. Die KTI wird auch in Zukunft im Mittelpunkt der Technologiepolitik des Bundes stehen.</p><p>- Fachhochschulen: Diese stellen ein wirksames Bindeglied zwischen Technikerzeugung und -entwicklung einerseits und (vor allem kleinstrukturierter) Privatwirtschaft andererseits dar. Der Leistungsauftrag des Techniktransfers der Fachhochschulen soll sicherstellen, dass sich die gewünschte Kooperation in Zukunft noch intensiviert. Der Bundesrat sieht die Schaffung der Fachhochschulen als zukunftsweisende institutionelle Innovation an.</p><p>- Unternehmensgründungen: Technik- und Know-how-Transfer kann nicht nur über die Anstellung wissenschaftlichen Personals oder die fallweise Entwicklungszusammenarbeit erfolgen, sondern insbesondere auch durch die Gründung von Unternehmen durch Wissenschafter und Ingenieure. Im Hinblick darauf ist - neben den zahlreichen Initiativen der Privatwirtschaft, der Kantone und Gemeinden - auf die Start-up-Initiative der KTI zu verweisen. Den sich präsentierenden Jungunternehmen wird - nach intensiver Begutachtung durch renommierte Experten - ein Label als "Gütesiegel" verliehen. Dieses Label wirkt praktisch als Türöffner.</p><p>- Auch zwischen Universitäten und Privatwirtschaft ist ein intensiverer Austausch - bei Respektierung der jeweiligen Eigenheiten - möglich. Wir verweisen an dieser Stelle auf das Konzept des "schweizerischen Innovationsnetzes", das Staatssekretär Kleiber von der Gruppe für Wissenschaft und Forschung (GWF) in seiner Publikation "Die Universität von morgen" dargelegt hat. Es handelt sich um einen konzertierten Massnahmenkatalog, der die Zusammenarbeit über die Grenzen der Hochschulen hinaus stimulieren und fördern soll. </p><p>- Eine Schwerpunktbildung bei Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Privatwirtschaft erfolgt weiter im Rahmen des "TOP Nano". In diesem Programm wird das zukunftsentscheidende Feld der Nanotechnologie bearbeitet.</p><p>7. Primar- und Sekundarstufe I liegen vollumfänglich im Kompetenzbereich der Kantone, und der Bundesrat hat nicht die Absicht, in diesen Bildungsbereich einzugreifen; dies umso mehr, als die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) seit Jahrzehnten für die Harmonisierung der Ausbildung besorgt ist.</p><p>Für den gymnasialen und allgemein bildenden Bereich der Sekundarstufe II sind ebenfalls in erster Linie die Kantone zuständig, doch übt der Bund (zusammen mit den Kantonen - Reglement der EDK vom 16. Januar 1995) mittels der Verordnung vom 15. Februar 1995 über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen einen gewissen harmonisierenden Einfluss aus, indem er die Anerkennung von kantonalen und kantonal anerkannten gymnasialen Maturitätsausweisen regelt, welche als Beleg für die allgemeine Hochschulreife dienen.</p><p>Im berufsbildenden Bereich der Sekundarstufe II ist der Bund zuständig. Das Bundesgesetz über die Berufsbildung wird gegenwärtig revidiert, und der Bundesrat wird die entsprechende Botschaft dem Parlament in der ersten Jahreshälfte unterbreiten. Im Mittelpunkt der Bemühungen des Bundes liegen dabei eine breite berufliche Grundausbildung der Jugendlichen in Betrieb und Berufsschule sowie eine strukturierte Weiterbildung, die der Vertiefung und Spezialisierung des Wissens und Könnens in den jeweiligen Wirtschaftsfeldern dient. Alle diese Massnahmen können aber nur zum Tragen kommen, wenn auch die Wirtschaft bereit ist, ihre Verantwortung wahrzunehmen, liegt es doch in einem auf dem Markt beruhenden Wirtschaftssystem in erster Linie an ihr, für den beruflichen Nachwuchs zu sorgen, während der Staat dafür besorgt ist, die dazu erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen und den Jugendlichen zu ermöglichen, den Einstieg in die Arbeitswelt zu finden.</p><p>Im Bereich der neuen Informationstechnologien hat das BBT bereits eine Reihe von Massnahmen getroffen, die den Mangel an Informatikfachleuten mildern sollen. Wie er in seiner Antwort auf eine Motion (KVF-N 00.3005, Umschulungsoffensive Informatik; 99.450) bereits ausführlich dargestellt hat, sind dies: Gesamtkonzept zur Neuordnung der Informatikberufe, Basislehrjahr Informatik, neue Reglementierung bei Berufs- und höheren Fachprüfungen im Informatikbereich, Entwicklung der Fachhochschulen und Aktionsprogramm für Praxislehrgänge. Zurzeit mehren sich Stimmen, die vom Bund zusätzlich die Durchführung von Sondermassnahmen zur Berufsbildung in Informatik- und Hightech-Berufen fordern. Der Bundesrat prüft gegenwärtig, ob sich ein solches Programm auch tatsächlich aufdrängt.</p><p>8. Der Bundesrat ist der Auffassung, dass Ängste in der Bevölkerung nur durch einen glaubhaften und komplexen Kommunikationsprozess abgebaut werden können. Wie die Erfahrung im In- und Ausland zeigt, sind einseitige Propagandafeldzüge, seien sie auch noch so gut argumentativ untermauert, erfolglos. Es muss vielmehr ein Dialog zwischen Bürgern und Bürgerinnen und Wissenschafter und Wissenschafterinnen in Gang gebracht werden. </p><p>Im Zentrum aller Anstrengungen müssen - aufseiten der Wissenschaft - die Forscherinnen und Forscher selbst stehen. Der Bund selbst nimmt seine Verantwortung in mehreren Formen wahr: zunächst durch die wissenschaftlichen Akademien, zu deren Hauptaufgaben es gehört, das Verständnis der Öffentlichkeit für die Wissenschaft zu verbessern - der Bund hat den Akademien dafür namhafte Beträge zur Verfügung gestellt; des Weitern ist auf die Anstrengungen der Hochschulen selbst - auch derjenigen des Bundes - hinzuweisen; der Schweizerische Wissenschafts- und Technologierat ist auf mannigfache Weise mit dem Ziel aktiv, das Bewusstsein der breiteren Öffentlichkeit zugunsten von Wissenschaft und Forschung zu beeinflussen; schliesslich im Rahmen der 1998 gegründeten Stiftung "Science et Cité" - diese Stiftung wird auf nationaler Ebene vor allem die Kommunikations- und Vulgarisierungsarbeit leisten. Näheres hierzu findet sich in der Schrift "Die Universität von morgen" (Staatsekretär Kleiber, GWF, 1999).</p><p>Im Hinblick auf die IuK-Technologien (Informationsgesellschaft) hat der Bundesrat Ziele und Massnahmen der Bewusstseinsbildung im Konzept und Aktionsplan "Bildungsoffensive" beschrieben: Dabei stehen Information und Weiterbildung im Mittelpunkt. So ist z. B. für den Herbst 2000 eine Publikation zum Stand der Informationsgesellschaft Schweiz zu erwarten, die unter der Federführung des BFS erstellt wird. Das BFS erarbeitet ebenfalls Instrumente zum regelmässigen Monitoring der Informationsgesellschaft, die die Aspekte E-Commerce und IT-Anwendung und -Forschung beinhaltet.</p><p>Eine Massnahme, die das Bewusstsein der Bevölkerung für den Graben zwischen den Menschen, die im Besitz von IuKT sind und damit umgehen können, und anderen, bei denen das nicht der Fall ist, schärfen soll, ist ein Wettbewerb mit der Verleihung eines "prix de sensibilisation", der von den Bundesämtern für Kultur, Kommunikation sowie Berufsbildung und Technologie zusammen mit Sponsoren aus der Wirtschaft veranstaltet wird. Ausgezeichnet werden Projekte und Initiativen, in denen auf kreative und innovative Weise Individuen oder Gruppen der Bevölkerung in der Schweiz der Gebrauch von IuKT ermöglicht oder erleichtert wird. Es wird hier vor allem an Menschen gedacht, die nicht in ihrer Ausbildung oder im Berufsleben mit den IuKT konfrontiert werden, so z. B. Arbeitslose, Menschen mit Behinderungen, Bewohner und Bewohnerinnen abgelegener Regionen oder Hausfrauen. Der Preis wird in den kommenden Monaten zum ersten Mal ausgeschrieben und soll im Frühjahr 2001 erstmals verleihen werden. Es wird zwei Kategorien geben, eine davon Jugendliche, um deren besonderes Potenzial auszuschöpfen und zu honorieren.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Ich ersuche den Bundesrat (im Nachgang an die Einreichung bzw. Beantwortung der Vorstösse Ehrler, Nabholz, Lalive d'Epinay, Strahm, Theiler) um die Beantwortung folgender Fragen:</p><p>Zum Thema moderne Informationstechnologien (IT):</p><p>1. Welche "Gesamtvision" einer Schweiz im Internetzeitalter hat der Bundesrat (unter klarer Berücksichtigung der Aufgabenteilung zwischen der öffentlichen Hand und den privaten Initiativen, zwischen dem Bund und den Kantonen, was nicht gleichbedeutend mit einer Zementierung des Status quo sein muss)?</p><p>2. Welche zukunftsgerichteten Strategien (nicht Einzelmassnahmen) sieht bzw. unternimmt er, um den Anschluss der Schweizer Gesellschaft und Wirtschaft an die Informationsgesellschaft sicherzustellen bzw. ihre Stellung auszubauen, die Vision zu verwirklichen und nachhaltigen volkswirtschaftlichen Nutzen zu schaffen? Welche Schwerpunktbildung und kontrollierbaren Massnahmen sieht der Bundesrat, und welche konkreten, messbaren Ziele hat er sich für die laufende Legislaturperiode in diesem Bereich gesetzt?</p><p>3. Wie wird - in Zusammenarbeit mit den Kantonen - sichergestellt, dass die IT-Ausbildung auch die heutigen Lehrkräfte, vor allem auf der ersten Stufe, erfasst, so dass bereits in jungen Jahren eine positive Einstellung zu eher technisch anmutenden Berufszweigen gelegt werden kann?</p><p>4. Im Bericht der Koordinationsgruppe Informationsgesellschaft (KIG) wird im Bereich E-Government ein signifikantes Defizit festgestellt. Wie ist der Stand in Bezug auf: "Vision", "Strategie", "Massnahmen" und "Zeitplan"? Wie wird die Zusammenarbeit bzw. der Einbezug der "Betroffenen" (Bürgerinnen und Bürger sowie beispielsweise KMU) sichergestellt? Gerade aus diesem Bereich könnten wertvolle Impulse zur Belebung unseres demokratischen, föderalistischen Systems kommen, ganz zu schweigen von administrativen Vereinfachungen für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen im Umgang mit den Behörden.</p><p>Zum Thema Schlüsselkompetenzen bzw. Schlüsselwissen:</p><p>5. Inwieweit hat der Bundesrat eine mit der Wirtschaft abgesprochene Vision von einem Wirtschaftsstandort Schweiz 2005, 2010, 2025? Welche Kompetenzgebiete zeichnen den künftigen Wirtschaftsstandort Schweiz aus? Welche Kern- bzw. Schlüsselwissensbereiche und -kompetenzen sind bis dahin aufzubauen? Welche Ausbildungsschwerpunkte sind zu setzen? Welche Unternehmen sind bevorzugt für den Standort Schweiz zu motivieren?</p><p>6. Wie stellt der Bundesrat heute, vor allem aber in Zukunft, die wichtige und notwendige Zusammenarbeit bzw. den Austausch mit der Wirtschaft (auf allen Stufen) sicher, u. a. mit dem Ziel, der privatwirtschaftlichen Initiative zwar den Vorrang zu geben, sie aber zielgerichtet zu unterstützen bzw. die Rahmenbedingungen entsprechend auszugestalten?</p><p>7. Wie stellt er in Zusammenarbeit mit den Kantonen (bzw. eventuell im Rahmen einer gewissen Harmonisierung der Ausbildungsschwergewichts-Themen und der Ausbildungsmittel) und der Privatwirtschaft in Zukunft die rechtzeitige Ausbildung in Schlüsselkompetenzen sicher, speziell im primären und sekundären Bereich? Kann er sich vorstellen, mit der Wirtschaft eine gemeinsame Ausbildungsoffensive zu starten (die u. a. beispielsweise privat und nur teilweise von der öffentlichen Hand finanziert würde)?</p><p>8. Welche messbaren Massnahmen unternimmt er, um das Bewusstsein in der breiten Bevölkerung zu stärken bzw. die Angst zu nehmen, sich mit den neuen Technologien und deren Anwendung (IT- und E-Commerce, Biotechnologie, Gentechnologie usw.) auseinander zu setzen? Und welche Massnahmen bzw. Initiativen kann er sich vorstellen, um die jüngere Generation für die Erlernung zukunftsorientierter Schlüsselkompetenzen unserer Gesellschaft zu motivieren?</p>
    • Kernkompetenzen für die Zukunft der Schweiz

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