Dreisprachige Schweizer Bevölkerung
- ShortId
-
00.3463
- Id
-
20003463
- Updated
-
25.06.2025 01:43
- Language
-
de
- Title
-
Dreisprachige Schweizer Bevölkerung
- AdditionalIndexing
-
Konflikt zwischen Sprachregionen;Mehrsprachigkeit;EDK;französische Sprache;Sprachunterricht
- 1
-
- L05K0106010306, Mehrsprachigkeit
- L04K13020102, Sprachunterricht
- L04K13030109, EDK
- L05K0106010204, Konflikt zwischen Sprachregionen
- L05K0106010304, französische Sprache
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Kürzlich hat der Kanton Zürich entschieden, auf Kosten des Französischen Englisch als erste Fremdsprache zu unterrichten. Damit hat er die Romands verärgert, was den Sprachkonflikt in der Schweiz erst recht angeheizt hat. Um dem zu begegnen, hat Nationalrat Berberat einen Vorschlag eingereicht, in dem er verlangt, dass die Kantone dafür sorgen, dass nach der Amtssprache des Kantons oder der Region als zweite Sprache jeweils eine der Amtssprachen des Bundes unterrichtet wird.</p><p>Mit diesem Vorstoss, den ich übrigens unterstütze, könnte der Zusammenhalt der Schweiz gesichert werden. Dennoch bleibt ein anderer wesentlicher Aspekt noch offen. In einer Welt, in welcher der wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Austausch immer wichtiger wird, sollten alle wenn möglich drei Sprachen beherrschen. Für Jean-William Lapierre, einen angesehenen Fachmann auf diesem Gebiet, handelt es sich hier um eine europäische Herausforderung. Er schreibt, es sei eine der Hauptaufgaben der Kulturpolitik eines jeden europäischen Landes, dass die Entfaltung der verschiedenen Sprachen der europäischen Völker (auch der Minderheitenvölker) gefördert werde, ohne dabei jedoch eine bestimmte zu bevorzugen. Ein geeignetes Bildungssystem solle dafür sorgen, dass alle Europäerinnen und Europäer in der Lage seien, in mindestens drei Sprachen zu kommunizieren. Erstens in ihrer Muttersprache (oder Erstsprache, auch wenn diese lediglich von einer Minderheit gesprochen wird), zweitens in der Sprache ihres nächsten Nachbarn und drittens in einer der Weltsprachen (wobei hier das Angloamerikanische aufgrund der Wirtschaftsstärke der USA nach wie vor dominiert). Lapierre ist überzeugt, dass nur ein multikulturelles Europa fortbestehen wird.</p><p>Das bedeutet für unser Land, dass möglichst viele Schweizerinnen und Schweizer mindestens zwei unserer drei Amtssprachen Französisch, Deutsch und Italienisch sowie Englisch oder Spanisch oder eine andere Weltsprache beherrschen sollten. Auch wenn dieses Ziel ehrgeizig erscheint, kommen wir mittel- oder langfristig nicht darum herum, es zu verwirklichen. Andernfalls werden die Schweizerinnen und Schweizer - aber auch die übrigen Europäerinnen und Europäer - immer mehr Mühe haben, sich zu verstehen und miteinander zu kommunizieren. Zwei Punkte verdienen dabei besonders Beachtung:</p><p>- Auch wenn Deutsch hinsichtlich seiner internationalen Bedeutung bei weitem nicht die gleiche Reichweite wie Englisch hat, so spielt es auf unserem Kontinent doch noch eine grosse Rolle. So zum Beispiel in Deutschland, Österreich, der Schweiz, aber auch in gewissen Ländern Osteuropas.</p><p>- In der Schweiz ist Französisch für die Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer weniger wichtig als Deutsch für die Romands oder den italienischsprachigen Teil der Bevölkerung. Dennoch sollten die Deutschsprachigen nicht vergessen, dass bei manchen internationalen Organisationen und Gemeinschaften, namentlich der EU, Französisch nach wie vor häufiger verwendet wird als Deutsch.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
- <p>Ich ersuche den Bundesrat, in Zusammenarbeit mit der Erziehungsdirektorenkonferenz Konzepte zu entwickeln, so dass in Zukunft möglichst viele Schweizerinnen und Schweizer mindestens drei Sprachen beherrschen werden, nämlich ihre Muttersprache, eine zweite Amtssprache sowie eine der Weltsprachen, wie zum Beispiel Englisch.</p>
- Dreisprachige Schweizer Bevölkerung
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Kürzlich hat der Kanton Zürich entschieden, auf Kosten des Französischen Englisch als erste Fremdsprache zu unterrichten. Damit hat er die Romands verärgert, was den Sprachkonflikt in der Schweiz erst recht angeheizt hat. Um dem zu begegnen, hat Nationalrat Berberat einen Vorschlag eingereicht, in dem er verlangt, dass die Kantone dafür sorgen, dass nach der Amtssprache des Kantons oder der Region als zweite Sprache jeweils eine der Amtssprachen des Bundes unterrichtet wird.</p><p>Mit diesem Vorstoss, den ich übrigens unterstütze, könnte der Zusammenhalt der Schweiz gesichert werden. Dennoch bleibt ein anderer wesentlicher Aspekt noch offen. In einer Welt, in welcher der wirtschaftliche, soziale, politische und kulturelle Austausch immer wichtiger wird, sollten alle wenn möglich drei Sprachen beherrschen. Für Jean-William Lapierre, einen angesehenen Fachmann auf diesem Gebiet, handelt es sich hier um eine europäische Herausforderung. Er schreibt, es sei eine der Hauptaufgaben der Kulturpolitik eines jeden europäischen Landes, dass die Entfaltung der verschiedenen Sprachen der europäischen Völker (auch der Minderheitenvölker) gefördert werde, ohne dabei jedoch eine bestimmte zu bevorzugen. Ein geeignetes Bildungssystem solle dafür sorgen, dass alle Europäerinnen und Europäer in der Lage seien, in mindestens drei Sprachen zu kommunizieren. Erstens in ihrer Muttersprache (oder Erstsprache, auch wenn diese lediglich von einer Minderheit gesprochen wird), zweitens in der Sprache ihres nächsten Nachbarn und drittens in einer der Weltsprachen (wobei hier das Angloamerikanische aufgrund der Wirtschaftsstärke der USA nach wie vor dominiert). Lapierre ist überzeugt, dass nur ein multikulturelles Europa fortbestehen wird.</p><p>Das bedeutet für unser Land, dass möglichst viele Schweizerinnen und Schweizer mindestens zwei unserer drei Amtssprachen Französisch, Deutsch und Italienisch sowie Englisch oder Spanisch oder eine andere Weltsprache beherrschen sollten. Auch wenn dieses Ziel ehrgeizig erscheint, kommen wir mittel- oder langfristig nicht darum herum, es zu verwirklichen. Andernfalls werden die Schweizerinnen und Schweizer - aber auch die übrigen Europäerinnen und Europäer - immer mehr Mühe haben, sich zu verstehen und miteinander zu kommunizieren. Zwei Punkte verdienen dabei besonders Beachtung:</p><p>- Auch wenn Deutsch hinsichtlich seiner internationalen Bedeutung bei weitem nicht die gleiche Reichweite wie Englisch hat, so spielt es auf unserem Kontinent doch noch eine grosse Rolle. So zum Beispiel in Deutschland, Österreich, der Schweiz, aber auch in gewissen Ländern Osteuropas.</p><p>- In der Schweiz ist Französisch für die Deutschschweizerinnen und Deutschschweizer weniger wichtig als Deutsch für die Romands oder den italienischsprachigen Teil der Bevölkerung. Dennoch sollten die Deutschsprachigen nicht vergessen, dass bei manchen internationalen Organisationen und Gemeinschaften, namentlich der EU, Französisch nach wie vor häufiger verwendet wird als Deutsch.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
- <p>Ich ersuche den Bundesrat, in Zusammenarbeit mit der Erziehungsdirektorenkonferenz Konzepte zu entwickeln, so dass in Zukunft möglichst viele Schweizerinnen und Schweizer mindestens drei Sprachen beherrschen werden, nämlich ihre Muttersprache, eine zweite Amtssprache sowie eine der Weltsprachen, wie zum Beispiel Englisch.</p>
- Dreisprachige Schweizer Bevölkerung
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