Projekt Waldgrenze

ShortId
00.3750
Id
20003750
Updated
10.04.2024 14:25
Language
de
Title
Projekt Waldgrenze
AdditionalIndexing
52;Aufforstung;Schutzwald;Berggebiet;Klimaveränderung;Katastrophe;Anbau des Waldes;Naturgefahren;Unwetter
1
  • L05K1401070101, Anbau des Waldes
  • L06K140107010101, Aufforstung
  • L04K06030102, Berggebiet
  • L05K1401070206, Schutzwald
  • L04K06020206, Katastrophe
  • L05K0602020604, Unwetter
  • L05K0601030202, Naturgefahren
  • L04K06020209, Klimaveränderung
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>1. Als Folge der heute wissenschaftlich gesicherten globalen Erwärmung ist auch in unserem Land mit zunehmenden Klimaveränderungen und heftiger werdenden Wetterauswirkungen zu rechnen. Viel spricht leider dafür, dass daher die Lawinengefahr im Winter für unser Berggebiet zunimmt. Im Sommer andererseits steigt die Gefahr von übermässigen Niederschlägen mit Erdrutschen, Schlammlawinen und Überschwemmungen.</p><p>2. Der Wald hat bei der Verminderung dieser Gefahren eine zentrale Funktion, sei es beim Rückhalt von Niederschlägen oder als Schutzwald vor Lawinen. Würde es in besonders gefährdeten Regionen gelingen, die Waldgrenze um 200 bis 300 Höhenmeter anzuheben, könnte durch diesen neuen Wald eine wesentliche Entschärfung der drohenden Gefahr erreicht werden.</p><p>3. Zwar ist damit zu rechnen, dass bei der kommenden Erwärmung die Waldgrenze natürlich, d. h. von selbst ansteigt. Dieser Prozess wird aber langsam sein und kann zudem nur stattfinden, wenn der Boden zuvor nicht durch die vermehrten Niederschläge erodiert worden ist.</p><p>4. Es ist daher im Interesse der Talschaften, dass der Prozess der Anhebung der Waldgrenze durch den Menschen beschleunigt und stabilisiert wird.</p><p>5. Hierfür braucht es ein breit angelegtes Forschungsprojekt, mit dem beurteilt werden soll, welche Bäume unter welchen Umständen auch in grösseren Höhen noch ein erfreuliches Wachstum aufweisen könnten. Unter Umständen müssen in die Versuche Bäumen aus anderen Teilen der Welt, die dort in grösseren Höhen wachsen, mit einbezogen werden.</p><p>6. Das Projekt sollte vom Bund mit seinen fachlich kompetenten Anstalten initiiert und in enger Zusammenarbeit mit den Bergkantonen realisiert werden.</p><p>7. Schliesslich sei darauf hingewiesen, dass für die Finanzierung des Projektes wohl auch mit der Unterstützung derjenigen Versicherungen gerechnet werden kann, die heute die Hauptlast der enormen Schäden zu tragen haben, die sich als Folge der immer häufigeren Unwetter ergeben.</p>
  • <p>Der Bundesrat teilt die im vorliegenden Postulat geäusserten Sorgen um die Auswirkungen der Klimaveränderung im Berggebiet, die vermehrt Lawinen, Rutschungen, Murgänge und Überschwemmungen zur Folge haben können. Er ist sich auch bewusst, dass die Zusammenhänge zwischen Klimaerwärmung, Häufung von Naturereignissen und Schutzwirkung des Bergwaldes für die Zukunft von grosser Bedeutung sind und in den kommenden Jahren sorgfältig verfolgt werden müssen. Dies gilt insbesondere auch für die Forschung, die ihre langjährigen Beobachtungsreihen aus dem letzten Jahrhundert auch in den kommenden Jahrzehnten weiterzuführen und Entwicklungsprognosen zu liefern hat.</p><p>Der Bundesrat lehnt aber das Postulat, das eine künstlich beschleunigte Anhebung der Waldgrenze fordert, ab. In der Begründung des Postulates wird zwar richtig argumentiert, dass sich durch die Klimaveränderung die Waldgrenze allmählich nach oben verschiebt. Nach Ansicht der Forschung dürften sich jedoch grössere Änderungen hinsichtlich der Waldgrenze im Zeitraum von Jahrhunderten und nicht von Jahrzehnten abwickeln. Ob die vorausgesagte Erwärmung mit Hilfe von Aufforstungen zu einem raschen Ansteigen der Waldgrenze führen würde, ist sehr fraglich. Auch die Untersuchung von verschiedenen Pflanzmethoden an der Waldgrenze und die Förderung bestimmter Provenienzen von Baumarten, die für eine stabile Waldgrenze geeignet sind, haben nach nun bald 50 Jahre dauernden Forschungen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) am Stillberg bei Davos und im Nationalpark gezeigt: Ein zeitliches "Überholen" der natürlichen Sukzession der Vegetation auf Höhen im Bereich der aktuellen Waldgrenze (über 1800 Metern über Meer) ist weder mittel- noch langfristig zu erreichen, da die Ausfallquote künstlicher Pflanzungen zu gross ist. Im Übrigen ist aufgrund von Versuchen der WSL im Zeitraum 1960-1975 und bisheriger Erfahrungen davon abzuraten, das Problem mit standortsfremden oder fremdländischen Baumarten anzugehen. Es ist ungewiss, wie sich fremdländische Pflanzen im Laufe eines Baumalters bewähren und welche ökologischen Risiken von ihnen ausgehen.</p><p>Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Zusammenhänge zwischen Klimaerwärmung, Häufung von Naturereignissen und Schutzwirkung des Bergwaldes sehr komplex sind. Die angesprochene Problematik ist deshalb umfassend anzugehen. Aus diesem Grund sind Forschungs- und langfristige Überwachungsprojekte, die dem Verständnis für die Interaktionen zwischen Klima, Vegetation, Boden und Naturgefahrenprozessen in den Berggebieten dienen, zu unterstützen. Da es sich um schleichende Veränderungen handelt und die einzelnen Prozesse über mehrere Jahrzehnte gehen können, kommt den eingangs erwähnten wissenschaftlichen Langzeitbeobachtungen eine zentrale Bedeutung zu. Um fundierte Aussagen machen zu können, ist der Bundesrat auch bemüht, die Weiterführung der teilweise bereits seit Jahrzehnten laufenden Beobachtungsreihen betreffend Wald, Boden, Klima, Schnee, Gletscher und Vegetation sicherzustellen.</p> Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
  • <p>Der Bundesrat wird aufgefordert, ein Projekt zu initiieren, das zum Ziel hat, die Waldgrenze an exponierten Stellen unseres Berggebietes in grössere Höhen zu verschieben.</p>
  • Projekt Waldgrenze
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>1. Als Folge der heute wissenschaftlich gesicherten globalen Erwärmung ist auch in unserem Land mit zunehmenden Klimaveränderungen und heftiger werdenden Wetterauswirkungen zu rechnen. Viel spricht leider dafür, dass daher die Lawinengefahr im Winter für unser Berggebiet zunimmt. Im Sommer andererseits steigt die Gefahr von übermässigen Niederschlägen mit Erdrutschen, Schlammlawinen und Überschwemmungen.</p><p>2. Der Wald hat bei der Verminderung dieser Gefahren eine zentrale Funktion, sei es beim Rückhalt von Niederschlägen oder als Schutzwald vor Lawinen. Würde es in besonders gefährdeten Regionen gelingen, die Waldgrenze um 200 bis 300 Höhenmeter anzuheben, könnte durch diesen neuen Wald eine wesentliche Entschärfung der drohenden Gefahr erreicht werden.</p><p>3. Zwar ist damit zu rechnen, dass bei der kommenden Erwärmung die Waldgrenze natürlich, d. h. von selbst ansteigt. Dieser Prozess wird aber langsam sein und kann zudem nur stattfinden, wenn der Boden zuvor nicht durch die vermehrten Niederschläge erodiert worden ist.</p><p>4. Es ist daher im Interesse der Talschaften, dass der Prozess der Anhebung der Waldgrenze durch den Menschen beschleunigt und stabilisiert wird.</p><p>5. Hierfür braucht es ein breit angelegtes Forschungsprojekt, mit dem beurteilt werden soll, welche Bäume unter welchen Umständen auch in grösseren Höhen noch ein erfreuliches Wachstum aufweisen könnten. Unter Umständen müssen in die Versuche Bäumen aus anderen Teilen der Welt, die dort in grösseren Höhen wachsen, mit einbezogen werden.</p><p>6. Das Projekt sollte vom Bund mit seinen fachlich kompetenten Anstalten initiiert und in enger Zusammenarbeit mit den Bergkantonen realisiert werden.</p><p>7. Schliesslich sei darauf hingewiesen, dass für die Finanzierung des Projektes wohl auch mit der Unterstützung derjenigen Versicherungen gerechnet werden kann, die heute die Hauptlast der enormen Schäden zu tragen haben, die sich als Folge der immer häufigeren Unwetter ergeben.</p>
    • <p>Der Bundesrat teilt die im vorliegenden Postulat geäusserten Sorgen um die Auswirkungen der Klimaveränderung im Berggebiet, die vermehrt Lawinen, Rutschungen, Murgänge und Überschwemmungen zur Folge haben können. Er ist sich auch bewusst, dass die Zusammenhänge zwischen Klimaerwärmung, Häufung von Naturereignissen und Schutzwirkung des Bergwaldes für die Zukunft von grosser Bedeutung sind und in den kommenden Jahren sorgfältig verfolgt werden müssen. Dies gilt insbesondere auch für die Forschung, die ihre langjährigen Beobachtungsreihen aus dem letzten Jahrhundert auch in den kommenden Jahrzehnten weiterzuführen und Entwicklungsprognosen zu liefern hat.</p><p>Der Bundesrat lehnt aber das Postulat, das eine künstlich beschleunigte Anhebung der Waldgrenze fordert, ab. In der Begründung des Postulates wird zwar richtig argumentiert, dass sich durch die Klimaveränderung die Waldgrenze allmählich nach oben verschiebt. Nach Ansicht der Forschung dürften sich jedoch grössere Änderungen hinsichtlich der Waldgrenze im Zeitraum von Jahrhunderten und nicht von Jahrzehnten abwickeln. Ob die vorausgesagte Erwärmung mit Hilfe von Aufforstungen zu einem raschen Ansteigen der Waldgrenze führen würde, ist sehr fraglich. Auch die Untersuchung von verschiedenen Pflanzmethoden an der Waldgrenze und die Förderung bestimmter Provenienzen von Baumarten, die für eine stabile Waldgrenze geeignet sind, haben nach nun bald 50 Jahre dauernden Forschungen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) am Stillberg bei Davos und im Nationalpark gezeigt: Ein zeitliches "Überholen" der natürlichen Sukzession der Vegetation auf Höhen im Bereich der aktuellen Waldgrenze (über 1800 Metern über Meer) ist weder mittel- noch langfristig zu erreichen, da die Ausfallquote künstlicher Pflanzungen zu gross ist. Im Übrigen ist aufgrund von Versuchen der WSL im Zeitraum 1960-1975 und bisheriger Erfahrungen davon abzuraten, das Problem mit standortsfremden oder fremdländischen Baumarten anzugehen. Es ist ungewiss, wie sich fremdländische Pflanzen im Laufe eines Baumalters bewähren und welche ökologischen Risiken von ihnen ausgehen.</p><p>Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Zusammenhänge zwischen Klimaerwärmung, Häufung von Naturereignissen und Schutzwirkung des Bergwaldes sehr komplex sind. Die angesprochene Problematik ist deshalb umfassend anzugehen. Aus diesem Grund sind Forschungs- und langfristige Überwachungsprojekte, die dem Verständnis für die Interaktionen zwischen Klima, Vegetation, Boden und Naturgefahrenprozessen in den Berggebieten dienen, zu unterstützen. Da es sich um schleichende Veränderungen handelt und die einzelnen Prozesse über mehrere Jahrzehnte gehen können, kommt den eingangs erwähnten wissenschaftlichen Langzeitbeobachtungen eine zentrale Bedeutung zu. Um fundierte Aussagen machen zu können, ist der Bundesrat auch bemüht, die Weiterführung der teilweise bereits seit Jahrzehnten laufenden Beobachtungsreihen betreffend Wald, Boden, Klima, Schnee, Gletscher und Vegetation sicherzustellen.</p> Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
    • <p>Der Bundesrat wird aufgefordert, ein Projekt zu initiieren, das zum Ziel hat, die Waldgrenze an exponierten Stellen unseres Berggebietes in grössere Höhen zu verschieben.</p>
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