Personalnotstand in der Pflege

ShortId
01.3046
Id
20013046
Updated
10.04.2024 09:38
Language
de
Title
Personalnotstand in der Pflege
AdditionalIndexing
2841;arztähnlicher Beruf;Krankenpflege;Arbeitskräftebedarf;Qualitätssicherung;Stress
1
  • L06K010505110101, Krankenpflege
  • L04K01050401, arztähnlicher Beruf
  • L05K0702020302, Arbeitskräftebedarf
  • L07K07020502010104, Stress
  • L06K070305020401, Qualitätssicherung
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Personalsituation in Spitälern und Heimen hat sich in den letzten Jahren zusehends verschärft. Auch in der Schweiz zeichnet sich immer offensichtlicher ein Pflegenotstand ab. Wie auch in der Vergangenheit hat die gute Konjunktur den Nebeneffekt, dass das Interesse an Pflegeberufen nachlässt. Neu an der heutigen prekären Pflegepersonalsituation ist, dass der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal nicht nur regional oder schweizerisch, sondern europaweit zu beobachten ist. Während in der letzten Hochkonjukturphase Personal aus Holland, Schweden und Deutschland rekrutiert werden konnte, ist dies - trotz höherem Lohnniveau - heute kaum mehr möglich.</p><p>Der Personalmangel hat in allen Bereichen des Gesundheitswesens Auswirkungen auf die Versorgungsqualität, insbesondere im Bereich der Geriaterie, Psychogeriatrie und in anderen Langzeitpflegebereichen. In verschiedenen Betrieben sind bis zu 10 Prozent der offenen Stellen nicht besetzt. Zurzeit sind in der Schweiz mehr als 2000 Pflegestellen offen. Dies führt zunehmend zum Burn-out-Syndrom des umso stärker belasteten verbleibenden Personals. Immer mehr diplomiertes Personal verlässt das Berufsfeld, weil der enorm gestiegene Leistungsdruck für viele nicht mehr auszuhalten ist. Nachwuchs ist schwierig zu rekrutieren.</p><p>Die Folgen des Personalnotstandes in der Pflege sind hinlänglich bekannt (s. Motion Joder 00.3521, Für eine Aufwertung der Krankenpflege). Die Rekrutierung junger Menschen für den Beruf ist in den letzten Monaten drastisch zurückgegangen. Die Pflegeschulen können ihre Lehrstellenplätze nur noch teilweise besetzen. Zu einem Wiedereinstieg in den Beruf nach einer Familienphase ist unter den heutigen Bedingungen fast niemand mehr bereit. Wegen zu hohen Anforderungen im Pflegealltag nimmt zudem die Ausstiegsquote zu. Und das Schlimmste: Die Pflegequalität entspricht teilweise den Mindestanforderungen nicht mehr, was zu Komplikationen und verlängerten Spitalaufenthalten führt. Dies bewirkt nicht nur höhere Gesundheitskosten, sondern insbesondere unverantwortbare Zustände in Alters- und Pflegeheimen sowie teilweise auch in Spitälern. Leidtragende sind die Kranken.</p><p>Die bisher von den Kantonen zum Teil ergriffenen Massnahmen sind absolut ungenügend. Der Bundesrat macht es sich zu einfach, wenn er in der Stellungnahme zur Motion Joder beklagt, dass sein Einfluss auf die Arbeitsbedingungen in der Pflege begrenzt sei. Gerade weil die Kantone keine oder nur ungenügend wirksame Massnahmen einzuleiten bereit sind, braucht es Anstrengungen des Bundes.</p><p>Der Bundesrat trägt eine Mitverantwortung zur Qualitätssicherung. Die anstehende Bildungsrevision kann möglicherweise dazu beitragen, die Attraktivität der Pflegeberufe zu fördern. Dies allein vermag aber keine dringend nötige Trendwende einzuleiten und darf nicht als Argument herbeigezogen werden, um auf wirksame andere Massnahmen zu verzichten. Wenn in Zukunft Kranke auf adäquate professionelle Pflege Anspruch haben dürfen, müssen wir uns heute etwas einfallen lassen.</p>
  • <p>Mit seiner Stellungnahme zur Motion Joder 00.3521 hat der Bundesrat die in dieser Interpellation gestellten Fragen in der Hauptsache bereits beantwortet.</p><p>1./2. Die Situation scheint in unserem Land tatsächlich relativ schwierig zu sein, jedenfalls in gewissen Regionen. Nach Ansicht des Bundesrates obliegt es den verschiedenen Verantwortlichkeitsbereichen, die Situation im Detail zu analysieren und gemeinsam die kurz-, mittel- und langfristig erforderlichen Massnahmen im Bildungs- und Informationsbereich sowie für die Anerkennung der Pflegeberufe auszuarbeiten, damit die hoch stehende Krankenpflegequalität weiterhin gewährleistet werden kann.</p><p>3. Der Bundesrat weist erneut darauf hin, dass sein Handlungsspielraum aufgrund der Kompetenzaufteilung eingeschränkt ist. Er erklärt sich indes bereit, bei Bedarf als Bundeskoordinationsstelle zwischen den verschiedenen betroffenen Instanzen wie beispielsweise der Erziehungsdirektoren- und der Gesundheitsdirektorenkonferenz zu fungieren. Gestützt auf Artikel 58 des Krankenversicherungsgesetzes hat das Bundesamt für Sozialversicherung einer Expertengruppe den Auftrag erteilt, Massnahmenvorschläge zur Erhöhung der Patientensicherheit zu erarbeiten. Der Bericht wurde am 9. April 2001 vorgestellt. Darin werden u. a. auch die Arbeitsbedingungen und der Stellenetat bei den Leistungserbringern als beeinflussende Faktoren für Defizite in der Patientensicherheit angesprochen. Diese Aussagen betreffen die verschiedenen Berufsgruppen und müssen denn auch im Kontext der teambasierten Arbeit angegangen werden. Die Expertengruppe "Patientensicherheit" wird in den kommenden Monaten die vorgeschlagenen Massnahmen unter Einbezug der betroffenen Partner weiter konkretisieren.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie beurteilt er den gegenwärtigen Personalnotstand in der Pflege?</p><p>2. In welchen Bereichen glaubt er, dass die Kantone aktiv werden sollten?</p><p>3. Welchen Einfluss gedenkt er geltend zu machen, um dem zunehmenden Pflegenotstand etwas Wirksames entgegenzuhalten? Was gedenkt er zu tun, damit in Zukunft eine optimale Pflegequalität gewährleistet werden kann und die Kosten aufgrund fehlenden Personals nicht weiterhin ansteigen?</p>
  • Personalnotstand in der Pflege
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Personalsituation in Spitälern und Heimen hat sich in den letzten Jahren zusehends verschärft. Auch in der Schweiz zeichnet sich immer offensichtlicher ein Pflegenotstand ab. Wie auch in der Vergangenheit hat die gute Konjunktur den Nebeneffekt, dass das Interesse an Pflegeberufen nachlässt. Neu an der heutigen prekären Pflegepersonalsituation ist, dass der Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal nicht nur regional oder schweizerisch, sondern europaweit zu beobachten ist. Während in der letzten Hochkonjukturphase Personal aus Holland, Schweden und Deutschland rekrutiert werden konnte, ist dies - trotz höherem Lohnniveau - heute kaum mehr möglich.</p><p>Der Personalmangel hat in allen Bereichen des Gesundheitswesens Auswirkungen auf die Versorgungsqualität, insbesondere im Bereich der Geriaterie, Psychogeriatrie und in anderen Langzeitpflegebereichen. In verschiedenen Betrieben sind bis zu 10 Prozent der offenen Stellen nicht besetzt. Zurzeit sind in der Schweiz mehr als 2000 Pflegestellen offen. Dies führt zunehmend zum Burn-out-Syndrom des umso stärker belasteten verbleibenden Personals. Immer mehr diplomiertes Personal verlässt das Berufsfeld, weil der enorm gestiegene Leistungsdruck für viele nicht mehr auszuhalten ist. Nachwuchs ist schwierig zu rekrutieren.</p><p>Die Folgen des Personalnotstandes in der Pflege sind hinlänglich bekannt (s. Motion Joder 00.3521, Für eine Aufwertung der Krankenpflege). Die Rekrutierung junger Menschen für den Beruf ist in den letzten Monaten drastisch zurückgegangen. Die Pflegeschulen können ihre Lehrstellenplätze nur noch teilweise besetzen. Zu einem Wiedereinstieg in den Beruf nach einer Familienphase ist unter den heutigen Bedingungen fast niemand mehr bereit. Wegen zu hohen Anforderungen im Pflegealltag nimmt zudem die Ausstiegsquote zu. Und das Schlimmste: Die Pflegequalität entspricht teilweise den Mindestanforderungen nicht mehr, was zu Komplikationen und verlängerten Spitalaufenthalten führt. Dies bewirkt nicht nur höhere Gesundheitskosten, sondern insbesondere unverantwortbare Zustände in Alters- und Pflegeheimen sowie teilweise auch in Spitälern. Leidtragende sind die Kranken.</p><p>Die bisher von den Kantonen zum Teil ergriffenen Massnahmen sind absolut ungenügend. Der Bundesrat macht es sich zu einfach, wenn er in der Stellungnahme zur Motion Joder beklagt, dass sein Einfluss auf die Arbeitsbedingungen in der Pflege begrenzt sei. Gerade weil die Kantone keine oder nur ungenügend wirksame Massnahmen einzuleiten bereit sind, braucht es Anstrengungen des Bundes.</p><p>Der Bundesrat trägt eine Mitverantwortung zur Qualitätssicherung. Die anstehende Bildungsrevision kann möglicherweise dazu beitragen, die Attraktivität der Pflegeberufe zu fördern. Dies allein vermag aber keine dringend nötige Trendwende einzuleiten und darf nicht als Argument herbeigezogen werden, um auf wirksame andere Massnahmen zu verzichten. Wenn in Zukunft Kranke auf adäquate professionelle Pflege Anspruch haben dürfen, müssen wir uns heute etwas einfallen lassen.</p>
    • <p>Mit seiner Stellungnahme zur Motion Joder 00.3521 hat der Bundesrat die in dieser Interpellation gestellten Fragen in der Hauptsache bereits beantwortet.</p><p>1./2. Die Situation scheint in unserem Land tatsächlich relativ schwierig zu sein, jedenfalls in gewissen Regionen. Nach Ansicht des Bundesrates obliegt es den verschiedenen Verantwortlichkeitsbereichen, die Situation im Detail zu analysieren und gemeinsam die kurz-, mittel- und langfristig erforderlichen Massnahmen im Bildungs- und Informationsbereich sowie für die Anerkennung der Pflegeberufe auszuarbeiten, damit die hoch stehende Krankenpflegequalität weiterhin gewährleistet werden kann.</p><p>3. Der Bundesrat weist erneut darauf hin, dass sein Handlungsspielraum aufgrund der Kompetenzaufteilung eingeschränkt ist. Er erklärt sich indes bereit, bei Bedarf als Bundeskoordinationsstelle zwischen den verschiedenen betroffenen Instanzen wie beispielsweise der Erziehungsdirektoren- und der Gesundheitsdirektorenkonferenz zu fungieren. Gestützt auf Artikel 58 des Krankenversicherungsgesetzes hat das Bundesamt für Sozialversicherung einer Expertengruppe den Auftrag erteilt, Massnahmenvorschläge zur Erhöhung der Patientensicherheit zu erarbeiten. Der Bericht wurde am 9. April 2001 vorgestellt. Darin werden u. a. auch die Arbeitsbedingungen und der Stellenetat bei den Leistungserbringern als beeinflussende Faktoren für Defizite in der Patientensicherheit angesprochen. Diese Aussagen betreffen die verschiedenen Berufsgruppen und müssen denn auch im Kontext der teambasierten Arbeit angegangen werden. Die Expertengruppe "Patientensicherheit" wird in den kommenden Monaten die vorgeschlagenen Massnahmen unter Einbezug der betroffenen Partner weiter konkretisieren.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:</p><p>1. Wie beurteilt er den gegenwärtigen Personalnotstand in der Pflege?</p><p>2. In welchen Bereichen glaubt er, dass die Kantone aktiv werden sollten?</p><p>3. Welchen Einfluss gedenkt er geltend zu machen, um dem zunehmenden Pflegenotstand etwas Wirksames entgegenzuhalten? Was gedenkt er zu tun, damit in Zukunft eine optimale Pflegequalität gewährleistet werden kann und die Kosten aufgrund fehlenden Personals nicht weiterhin ansteigen?</p>
    • Personalnotstand in der Pflege

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