Kein Urwaldholz aus Raubbau für Bundesbauten
- ShortId
-
01.3622
- Id
-
20013622
- Updated
-
25.06.2025 01:50
- Language
-
de
- Title
-
Kein Urwaldholz aus Raubbau für Bundesbauten
- AdditionalIndexing
-
52;tropischer Regenwald;Tropenholz;Holzgewinnung;Abholzung;Waldschutz;Umweltzeichen
- 1
-
- L05K0705040109, Tropenholz
- L06K140107010502, Holzgewinnung
- L05K1401070207, tropischer Regenwald
- L05K1401070108, Waldschutz
- L04K06020201, Abholzung
- L06K070101030401, Umweltzeichen
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Urwaldzerstörung hat in den letzten 30 Jahren drastisch zugenommen. Gemäss dem World Ressources Institute und dessen Bericht "The Last Frontier Forests: Ecosystems and Economies on the Edge" sind weltweit nur noch etwa 20 Prozent der ursprünglichen Urwälder erhalten. In den meisten dieser Urwälder ist die Holzindustrie eine der stärksten Faktoren, die direkt oder indirekt zur Zerstörung führen.</p><p>Nigeria, Ghana und die Elfenbeinküste haben schon fast alle Regenwälder verloren. Nach Schätzung der Weltbank wird in Kamerun bis zu 90 Prozent illegal eingeschlagen. Im brasilianischen Amazonas sind es rund 80 Prozent, und in Indonesien ist die Schätzung bei rund 70 Prozent. Staatliche Kontrollen versagen in vielen Ländern, und was legal geschlagen wird, ist meistens weder sozial noch ökologisch nachhaltig.</p><p>Auch die Schweiz importiert Holz aus Urwaldzerstörung, sowohl aus den Tropen wie auch aus Kanada und zunehmend aus Russland (Sibirien). Nahm beispielsweise der Tropenholzimport in die Schweiz bis 1997 ab, so steigt er seither wieder an, obwohl die Situation sich verschärft hat. Der einzige Nachweis, dass das Holz aus einer sanften Bewirtschaftung stammt, ist das Zertifikat des FSC. Nur dieses ist weltweit abgestützt, demokratisch aufgebaut, transparent ausgerichtet und geniesst breite Unterstützung unter allen am Wald interessierten Gruppierungen.</p><p>Die Urwaldvernichtung führt zur Zerstörung eines Ökosystems, das sowohl für die Tier- und Pflanzenwelt als auch für die Menschheit unerlässlich ist. Mit der Unterstützung der Agenda 21 für eine nachhaltige Entwicklung des Rio-Gipfels von 1992 versprach die Schweiz u. a., einen Beitrag zur Bekämpfung dieser Abholzung zu leisten. Und im Zusammenhang mit den Vorstössen rund um die Deklarationspflicht für Tropenhölzer bekundete der Bundesrat den Willen, seinen Beitrag zur Eindämmung der Abholzung von Tropenwäldern zu leisten.</p><p>Für die Zerstörung der letzten Urwälder ist, entgegen den allgemein verbreiteten Angaben, vor allem die Holzindustrie verantwortlich. Dies belegt die Studie des World Ressources Institute von 1997 eindrücklich. Die Wälder Indonesiens, Malaysias, Kameruns, Gabuns und grosse Teile des Amazonas sowie in Sibirien und Kanada werden vor allem durch die Holzindustrie zerstört. Weltweit verbrauchen die Bauten von Regierungen eine ansehnliche Menge an diesen Ressourcen.</p><p>Erschütternd ist, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit der bekannte Schweizer Regenwaldschützer Bruno Manser sein Leben im Kampf gegen die Regenwaldzerstörung verloren hat. Sein unermüdlicher, mutiger Einsatz soll darum gerade in seiner Heimat nicht vergebens gewesen sein.</p><p>Dass die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung hinter Bruno Mansers jahrelangen Forderungen steht, beweist die Meinungsumfrage des Buwal von 1999. Danach sind 52 Prozent der Auffassung, dass nur ökologisch produziertes Tropenholz importiert werden sollte, und 40 Prozent sind gar der Meinung, dass die Importe generell verboten werden sollten. Dies bedeutet, dass mehr als 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung auf Urwaldholz aus Raubbau verzichten möchte.</p><p>Der Bundesrat sollte dieser deutlichen Haltung der Schweizer Bevölkerung unbedingt Rechnung tragen, indem er zumindest bei seinen Bundesbauten und den Bauten, die er finanziert, auf Urwaldholz aus Raubbau verzichtet. Eine klare Haltung und ein deutliches Zeichen der Schweizer Regierung setzt darüber hinaus ein Signal und bedeutet einen wichtigen Beitrag zum Schutz der letzten Urwälder. In anderen Ländern, auch in der EU, sind ähnliche Vorstösse eingereicht worden.</p>
- <p>Der Bundesrat ist sich der Bedeutung und Dringlichkeit des Schutzes der Tropenwälder bewusst, und er verfolgt seit längerem eine aktive Politik zugunsten der Tropenwälder. Die Politik des Bundesrates bezüglich des Tropenwaldes und des Tropenholzes, aber auch der Importrestriktionen oder des Holz-Labellings ist bei der Beantwortung zahlreicher früherer parlamentarischer Vorstösse dargelegt worden, so z. B.: Interpellation der Grünen Fraktion 88.360 vom 9. März 1988, Interpellation Hollenstein 96.3234 vom 5. Juni 1996, Motionen Eymann 97.3474 vom 9. Oktober 1997 und 99.3542 vom 8. Oktober 1999.</p><p>Der Bundesrat hat stets auf die aktive Rolle der Schweiz im Rahmen von internationalen Organisationen zum Schutze der Wälder hingewiesen - aber gleichzeitig auch auf die durch internationale Handelsabkommen und Verträge beschränkten Möglichkeiten bzw. auf die Gefahren aufmerksam gemacht, welche unilaterale staatliche Massnahmen bringen könnten.</p><p>Walddegradation, Entwaldung und Verwüstung halten - ausser in Europa - weltweit unvermindert an. Zwischen 1990 und 2000 nahm die globale Waldfläche jährlich um 9,4 Millionen Hektaren ab (14,6 Millionen Hektare zerstörte Waldfläche gegenüber 5,2 Millionen Hektare neue Waldfläche). Die Konsequenzen der Waldabnahme gehen über die Landesgrenzen hinaus und erfordern dementsprechend internationales Engagement. Seit Rio (1992) hat sich die Schweiz im internationalen Walddialog stark eingesetzt, ihre Erfahrung eingebracht und mit finanzieller Unterstützung wesentliche Prozesse ermöglicht.</p><p>Im Oktober 2000 wurde das Uno-Waldforum (United Nations Forum on Forests, UNFF) als Unterorgan des United Nations Economic and Social Council geschaffen. Mit einem vorerst auf fünf Jahre beschränkten Mandat tritt es die Nachfolge des Intergovernmental Forum on Forests an. Das UNFF ist beauftragt, die Bewirtschaftung, den Schutz und die nachhaltige Entwicklung aller Arten von Wäldern zu fördern und zu diesem Zweck das längerfristige politische Engagement auf internationaler Ebene sicherzustellen. Mit dieser letzteren Formulierung ist auch die Absicht verbunden, gestützt auf den in der Agenda 21 enthaltenen Auftrag die Schaffung einer internationalen Waldkonvention noch einmal zu überprüfen. Die Schweiz nimmt an den Arbeiten des UNFF aktiv und engagiert teil. Sie setzt sich dabei insbesondere für die Umsetzung der bestehenden internationalen Empfehlungen zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung ein, z. B. durch bilaterale Partnerschaften zwischen Industrieländern und Ländern des Südens, sowie für die Entwicklung eines rechtlich verbindlichen internationalen Instrumentes zum Schutz und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder. Die Schweiz setzt sich für diese Ziele auch im Rahmen anderer internationaler Institutionen wie der Biodiversitätskonvention, der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) oder der International Tropical Timber Organization (ITTO) ein.</p><p>Waldzertifizierung und Holz-Labelling waren lange Zeit stark umstritten. Erst in den letzen Jahren nahm die zertifizierte Waldfläche signifikant zu. Gemäss neuesten Erkenntnissen (FAO, State of the Worlds Forests, 2001; Stand Frühjahr 2001) dürften weltweit an die 90 Millionen Hektare bzw. rund 2 Prozent der globalen Waldfläche zertifiziert sein, mit steigender Tendenz. 95 Prozent der zertifizierten Wälder befinden sich in den industrialisierten Ländern. In 15 europäischen Ländern wurden bisher rund 36 Millionen Hektaren gemäss Pan-European Forest Certification (PEFC) zertifiziert. Indonesien und Malaysia arbeiten daran, eigene Systeme gemäss ITTO-Richtlinien auszuarbeiten. Eigene Systeme haben beispielsweise Finnland und Kanada entwickelt. Eine gegenseitige Anerkennung dieser Systeme ist wünschenswert, aber momentan schwer zu erreichen. In der Schweiz waren Ende 2000 rund 100 000 Hektaren Wald zertifiziert, teils nach dem Forest Stewardship Council (FSC), teils nach Q-Label (das mittlerweile vom PEFC anerkannt ist), teils nach beiden Systemen; dies entspricht etwa 10 Prozent der Waldfläche der Schweiz. Beide Systeme richten sich nach den "Nationalen Standards für die Waldzertifizierung in der Schweiz", die 1999 durch die beteiligten Verbände und Organisationen mit Unterstützung durch den Bund entwickelt wurden.</p><p>Der Bund befürwortet und unterstützt die Verwendung von Holz als ökologischen, nachwachsenden Rohstoff. Seit den Siebzigerjahren hat der Bund verschiedene Impuls- bzw. Förderprogramme für das Holz ermöglicht:</p><p>- Nationales Forschungsprogramm 7 "Rohstoff- und Materialprobleme" (1978-1986) mit einem Spezialteil für Wald und Holz;</p><p>- Nationales Forschungsprogramm 12 "Holz - erneuerbarer Rohstoff und Energieträger" (1983-1991);</p><p>- Impulsprogramm Holz (1986-1991);</p><p>- Informationskampagne Schweizer Holz (1990);</p><p>- Aktionsplan Holz 2000 (1998-2000);</p><p>- Förderprogramm holz21 (2001-2003).</p><p>Der Bundesrat teilt die in der vorliegenden Motion geäusserten Sorgen um die Zerstörung der Urwälder. Er ist weiter ebenfalls der Ansicht, dass geeignete Massnahmen zum Schutz der Urwälder notwendig sind. Zu beachten ist dabei aber, dass der Urwald nicht nur durch die Nachfrage nach tropischem Nutzholz bedroht ist, sondern auch durch die Umwandlung von Waldgebieten in landwirtschaftliche Produktionszonen und durch die Gewinnung von Brennholz, das in Entwicklungsländern immer noch 15 Prozent der Primärenergie liefert (World Resources 2000-2001, S. 88).</p><p>Der Bundesrat unterstützt das Anliegen, kein Holz aus illegalen Einschlägen zu verwenden, sondern nur solches aus bekannten Quellen. Daher ist er auch gewillt, bei allen Holzprodukten, die beim Bund eingesetzt werden, diejenigen Produkte zu berücksichtigen, die von einer international anerkannten Zertifizierungsorganisation gekennzeichnet sind, die den Kriterien des FSC oder des PEFC entspricht. Der Bundesrat wird daher unter Respektierung des Beschaffungsrechtes und im Rahmen unserer internationalen Verpflichtungen entsprechende Empfehlungen an die Beschaffungsstellen abgeben, wie sie beim Einkauf von Holzprodukten vorzugehen haben.</p><p>Aufgrund der steigenden Nachfrage nach nachhaltig produziertem Holz wird sich auch dessen Produktion ausweiten. Die Stärkung der ökonomischen Bedeutung eines nachhaltig bewirtschafteten Waldes motiviert die Produzenten, ihre Waldwirtschaft neu auszurichten.</p><p>Indem der Bund bei seinen Beschaffungen Holz aus nachhaltiger Produktion berücksichtigt, erübrigen sich weitergehende Massnahmen wie insbesondere Import- oder Verwendungsverbote. Dies umso mehr, als der Bundesrat seit langem der Auffassung ist, dass die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern nicht durch repressive Massnahmen erreicht werden kann. Der Bundesrat erachtet es als wichtig, mit den entsprechenden Produzentenstaaten im Dialog zu bleiben und diesen nicht durch, wie es diese Staaten sehen könnten, "Einmischungsversuche von aussen" zu gefährden. Auf diese Weise kann die Schweiz einen Beitrag zu einer globalen Nachhaltigkeit leisten.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
- <p>Der Bundesrat erlässt verbindliche Weisungen und Vorschriften mit dem Ziel, kein Urwaldholz aus Raubbau zu verwenden. Dies gilt für sämtliche Bundesbauten und Bauten, die vom Bund massgeblich mitfinanziert werden, sowie für deren Einrichtungen.</p><p>Bei allen Holzprodukten, die beim Bund eingesetzt werden, sollen diejenigen Produkte bevorzugt werden, die von einer international anerkannten, breit unterstützten Zertifizierungsorganisation gekennzeichnet sind, die mindestens den Kriterien des Forest Stewardship Councils (FSC) entspricht.</p>
- Kein Urwaldholz aus Raubbau für Bundesbauten
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die Urwaldzerstörung hat in den letzten 30 Jahren drastisch zugenommen. Gemäss dem World Ressources Institute und dessen Bericht "The Last Frontier Forests: Ecosystems and Economies on the Edge" sind weltweit nur noch etwa 20 Prozent der ursprünglichen Urwälder erhalten. In den meisten dieser Urwälder ist die Holzindustrie eine der stärksten Faktoren, die direkt oder indirekt zur Zerstörung führen.</p><p>Nigeria, Ghana und die Elfenbeinküste haben schon fast alle Regenwälder verloren. Nach Schätzung der Weltbank wird in Kamerun bis zu 90 Prozent illegal eingeschlagen. Im brasilianischen Amazonas sind es rund 80 Prozent, und in Indonesien ist die Schätzung bei rund 70 Prozent. Staatliche Kontrollen versagen in vielen Ländern, und was legal geschlagen wird, ist meistens weder sozial noch ökologisch nachhaltig.</p><p>Auch die Schweiz importiert Holz aus Urwaldzerstörung, sowohl aus den Tropen wie auch aus Kanada und zunehmend aus Russland (Sibirien). Nahm beispielsweise der Tropenholzimport in die Schweiz bis 1997 ab, so steigt er seither wieder an, obwohl die Situation sich verschärft hat. Der einzige Nachweis, dass das Holz aus einer sanften Bewirtschaftung stammt, ist das Zertifikat des FSC. Nur dieses ist weltweit abgestützt, demokratisch aufgebaut, transparent ausgerichtet und geniesst breite Unterstützung unter allen am Wald interessierten Gruppierungen.</p><p>Die Urwaldvernichtung führt zur Zerstörung eines Ökosystems, das sowohl für die Tier- und Pflanzenwelt als auch für die Menschheit unerlässlich ist. Mit der Unterstützung der Agenda 21 für eine nachhaltige Entwicklung des Rio-Gipfels von 1992 versprach die Schweiz u. a., einen Beitrag zur Bekämpfung dieser Abholzung zu leisten. Und im Zusammenhang mit den Vorstössen rund um die Deklarationspflicht für Tropenhölzer bekundete der Bundesrat den Willen, seinen Beitrag zur Eindämmung der Abholzung von Tropenwäldern zu leisten.</p><p>Für die Zerstörung der letzten Urwälder ist, entgegen den allgemein verbreiteten Angaben, vor allem die Holzindustrie verantwortlich. Dies belegt die Studie des World Ressources Institute von 1997 eindrücklich. Die Wälder Indonesiens, Malaysias, Kameruns, Gabuns und grosse Teile des Amazonas sowie in Sibirien und Kanada werden vor allem durch die Holzindustrie zerstört. Weltweit verbrauchen die Bauten von Regierungen eine ansehnliche Menge an diesen Ressourcen.</p><p>Erschütternd ist, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit der bekannte Schweizer Regenwaldschützer Bruno Manser sein Leben im Kampf gegen die Regenwaldzerstörung verloren hat. Sein unermüdlicher, mutiger Einsatz soll darum gerade in seiner Heimat nicht vergebens gewesen sein.</p><p>Dass die grosse Mehrheit der Schweizer Bevölkerung hinter Bruno Mansers jahrelangen Forderungen steht, beweist die Meinungsumfrage des Buwal von 1999. Danach sind 52 Prozent der Auffassung, dass nur ökologisch produziertes Tropenholz importiert werden sollte, und 40 Prozent sind gar der Meinung, dass die Importe generell verboten werden sollten. Dies bedeutet, dass mehr als 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung auf Urwaldholz aus Raubbau verzichten möchte.</p><p>Der Bundesrat sollte dieser deutlichen Haltung der Schweizer Bevölkerung unbedingt Rechnung tragen, indem er zumindest bei seinen Bundesbauten und den Bauten, die er finanziert, auf Urwaldholz aus Raubbau verzichtet. Eine klare Haltung und ein deutliches Zeichen der Schweizer Regierung setzt darüber hinaus ein Signal und bedeutet einen wichtigen Beitrag zum Schutz der letzten Urwälder. In anderen Ländern, auch in der EU, sind ähnliche Vorstösse eingereicht worden.</p>
- <p>Der Bundesrat ist sich der Bedeutung und Dringlichkeit des Schutzes der Tropenwälder bewusst, und er verfolgt seit längerem eine aktive Politik zugunsten der Tropenwälder. Die Politik des Bundesrates bezüglich des Tropenwaldes und des Tropenholzes, aber auch der Importrestriktionen oder des Holz-Labellings ist bei der Beantwortung zahlreicher früherer parlamentarischer Vorstösse dargelegt worden, so z. B.: Interpellation der Grünen Fraktion 88.360 vom 9. März 1988, Interpellation Hollenstein 96.3234 vom 5. Juni 1996, Motionen Eymann 97.3474 vom 9. Oktober 1997 und 99.3542 vom 8. Oktober 1999.</p><p>Der Bundesrat hat stets auf die aktive Rolle der Schweiz im Rahmen von internationalen Organisationen zum Schutze der Wälder hingewiesen - aber gleichzeitig auch auf die durch internationale Handelsabkommen und Verträge beschränkten Möglichkeiten bzw. auf die Gefahren aufmerksam gemacht, welche unilaterale staatliche Massnahmen bringen könnten.</p><p>Walddegradation, Entwaldung und Verwüstung halten - ausser in Europa - weltweit unvermindert an. Zwischen 1990 und 2000 nahm die globale Waldfläche jährlich um 9,4 Millionen Hektaren ab (14,6 Millionen Hektare zerstörte Waldfläche gegenüber 5,2 Millionen Hektare neue Waldfläche). Die Konsequenzen der Waldabnahme gehen über die Landesgrenzen hinaus und erfordern dementsprechend internationales Engagement. Seit Rio (1992) hat sich die Schweiz im internationalen Walddialog stark eingesetzt, ihre Erfahrung eingebracht und mit finanzieller Unterstützung wesentliche Prozesse ermöglicht.</p><p>Im Oktober 2000 wurde das Uno-Waldforum (United Nations Forum on Forests, UNFF) als Unterorgan des United Nations Economic and Social Council geschaffen. Mit einem vorerst auf fünf Jahre beschränkten Mandat tritt es die Nachfolge des Intergovernmental Forum on Forests an. Das UNFF ist beauftragt, die Bewirtschaftung, den Schutz und die nachhaltige Entwicklung aller Arten von Wäldern zu fördern und zu diesem Zweck das längerfristige politische Engagement auf internationaler Ebene sicherzustellen. Mit dieser letzteren Formulierung ist auch die Absicht verbunden, gestützt auf den in der Agenda 21 enthaltenen Auftrag die Schaffung einer internationalen Waldkonvention noch einmal zu überprüfen. Die Schweiz nimmt an den Arbeiten des UNFF aktiv und engagiert teil. Sie setzt sich dabei insbesondere für die Umsetzung der bestehenden internationalen Empfehlungen zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung ein, z. B. durch bilaterale Partnerschaften zwischen Industrieländern und Ländern des Südens, sowie für die Entwicklung eines rechtlich verbindlichen internationalen Instrumentes zum Schutz und zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder. Die Schweiz setzt sich für diese Ziele auch im Rahmen anderer internationaler Institutionen wie der Biodiversitätskonvention, der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) oder der International Tropical Timber Organization (ITTO) ein.</p><p>Waldzertifizierung und Holz-Labelling waren lange Zeit stark umstritten. Erst in den letzen Jahren nahm die zertifizierte Waldfläche signifikant zu. Gemäss neuesten Erkenntnissen (FAO, State of the Worlds Forests, 2001; Stand Frühjahr 2001) dürften weltweit an die 90 Millionen Hektare bzw. rund 2 Prozent der globalen Waldfläche zertifiziert sein, mit steigender Tendenz. 95 Prozent der zertifizierten Wälder befinden sich in den industrialisierten Ländern. In 15 europäischen Ländern wurden bisher rund 36 Millionen Hektaren gemäss Pan-European Forest Certification (PEFC) zertifiziert. Indonesien und Malaysia arbeiten daran, eigene Systeme gemäss ITTO-Richtlinien auszuarbeiten. Eigene Systeme haben beispielsweise Finnland und Kanada entwickelt. Eine gegenseitige Anerkennung dieser Systeme ist wünschenswert, aber momentan schwer zu erreichen. In der Schweiz waren Ende 2000 rund 100 000 Hektaren Wald zertifiziert, teils nach dem Forest Stewardship Council (FSC), teils nach Q-Label (das mittlerweile vom PEFC anerkannt ist), teils nach beiden Systemen; dies entspricht etwa 10 Prozent der Waldfläche der Schweiz. Beide Systeme richten sich nach den "Nationalen Standards für die Waldzertifizierung in der Schweiz", die 1999 durch die beteiligten Verbände und Organisationen mit Unterstützung durch den Bund entwickelt wurden.</p><p>Der Bund befürwortet und unterstützt die Verwendung von Holz als ökologischen, nachwachsenden Rohstoff. Seit den Siebzigerjahren hat der Bund verschiedene Impuls- bzw. Förderprogramme für das Holz ermöglicht:</p><p>- Nationales Forschungsprogramm 7 "Rohstoff- und Materialprobleme" (1978-1986) mit einem Spezialteil für Wald und Holz;</p><p>- Nationales Forschungsprogramm 12 "Holz - erneuerbarer Rohstoff und Energieträger" (1983-1991);</p><p>- Impulsprogramm Holz (1986-1991);</p><p>- Informationskampagne Schweizer Holz (1990);</p><p>- Aktionsplan Holz 2000 (1998-2000);</p><p>- Förderprogramm holz21 (2001-2003).</p><p>Der Bundesrat teilt die in der vorliegenden Motion geäusserten Sorgen um die Zerstörung der Urwälder. Er ist weiter ebenfalls der Ansicht, dass geeignete Massnahmen zum Schutz der Urwälder notwendig sind. Zu beachten ist dabei aber, dass der Urwald nicht nur durch die Nachfrage nach tropischem Nutzholz bedroht ist, sondern auch durch die Umwandlung von Waldgebieten in landwirtschaftliche Produktionszonen und durch die Gewinnung von Brennholz, das in Entwicklungsländern immer noch 15 Prozent der Primärenergie liefert (World Resources 2000-2001, S. 88).</p><p>Der Bundesrat unterstützt das Anliegen, kein Holz aus illegalen Einschlägen zu verwenden, sondern nur solches aus bekannten Quellen. Daher ist er auch gewillt, bei allen Holzprodukten, die beim Bund eingesetzt werden, diejenigen Produkte zu berücksichtigen, die von einer international anerkannten Zertifizierungsorganisation gekennzeichnet sind, die den Kriterien des FSC oder des PEFC entspricht. Der Bundesrat wird daher unter Respektierung des Beschaffungsrechtes und im Rahmen unserer internationalen Verpflichtungen entsprechende Empfehlungen an die Beschaffungsstellen abgeben, wie sie beim Einkauf von Holzprodukten vorzugehen haben.</p><p>Aufgrund der steigenden Nachfrage nach nachhaltig produziertem Holz wird sich auch dessen Produktion ausweiten. Die Stärkung der ökonomischen Bedeutung eines nachhaltig bewirtschafteten Waldes motiviert die Produzenten, ihre Waldwirtschaft neu auszurichten.</p><p>Indem der Bund bei seinen Beschaffungen Holz aus nachhaltiger Produktion berücksichtigt, erübrigen sich weitergehende Massnahmen wie insbesondere Import- oder Verwendungsverbote. Dies umso mehr, als der Bundesrat seit langem der Auffassung ist, dass die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern nicht durch repressive Massnahmen erreicht werden kann. Der Bundesrat erachtet es als wichtig, mit den entsprechenden Produzentenstaaten im Dialog zu bleiben und diesen nicht durch, wie es diese Staaten sehen könnten, "Einmischungsversuche von aussen" zu gefährden. Auf diese Weise kann die Schweiz einen Beitrag zu einer globalen Nachhaltigkeit leisten.</p> Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
- <p>Der Bundesrat erlässt verbindliche Weisungen und Vorschriften mit dem Ziel, kein Urwaldholz aus Raubbau zu verwenden. Dies gilt für sämtliche Bundesbauten und Bauten, die vom Bund massgeblich mitfinanziert werden, sowie für deren Einrichtungen.</p><p>Bei allen Holzprodukten, die beim Bund eingesetzt werden, sollen diejenigen Produkte bevorzugt werden, die von einer international anerkannten, breit unterstützten Zertifizierungsorganisation gekennzeichnet sind, die mindestens den Kriterien des Forest Stewardship Councils (FSC) entspricht.</p>
- Kein Urwaldholz aus Raubbau für Bundesbauten
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