Sollvorschrift "Fahren mit Licht am Tag". Begleituntersuchung
- ShortId
-
01.3632
- Id
-
20013632
- Updated
-
25.06.2025 01:55
- Language
-
de
- Title
-
Sollvorschrift "Fahren mit Licht am Tag". Begleituntersuchung
- AdditionalIndexing
-
48;Auto;Fahrzeugausrüstung;Fussgänger/in;Sicherheit im Strassenverkehr;Forschungsvorhaben
- 1
-
- L05K1802020301, Sicherheit im Strassenverkehr
- L04K18010401, Fahrzeugausrüstung
- L06K180102010102, Fussgänger/in
- L05K1803010101, Auto
- L04K16020206, Forschungsvorhaben
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Es gibt zwar einige Studien über die Auswirkungen von Fahren mit Licht am Tag (FLT), doch fehlen Untersuchungen über die Auswirkungen auf die Unbeleuchteten, namentlich die Fussgängerinnen und Fussgänger. Die Auswirkungen, generell auf den Innerortsverkehr, sind bisher nur in wenigen Studien thematisiert worden. Die bisherigen spärlichen Resultate zeigen u. a., dass sich die Unfallzahlen von Fussgängern in einzelnen Ländern erhöht haben, so in Dänemark (statistisch signifikant) und in Israel (statistisch nicht signifikant). Das einzig signifikant positive Resultat für die Fussgänger wurde in Finnland gefunden, wo FLT nur ausserorts und im Winter vorgeschrieben ist. Damit können aber keine Schlüsse auf Unfälle innerorts gezogen werden, wo über 90 Prozent der Fussgänger verunglücken. Überall sonst wurden statistisch nicht signifikante positive und negative Werte gefunden, was bedeutet, dass sie auch zufällig zustande gekommen sein können. Es kann deshalb keineswegs die Rede davon sein, dass die Fussgänger von FLT besonders profitieren. Alle Resultate hängen zudem stark mit der jeweils gewählten Methodik zusammen. Dies zeigt gerade die holländische Metastudie "The Safety Effects of Daytime Running Lights" von "Stichting Wetenschappelijk Onderzoek Verkeersveiligheid (SWOV, 1997)".</p><p>Es gibt bisher keine Forschungsresultate zur Wahrnehmung bei FLT mit Bezug auf die Fussgänger (s. SWOV, S. 21ff.). Es ist insbesondere unklar, welche Auswirkungen FLT auf die Abschätzung der Geschwindigkeit des herannahenden Fahrzeuges durch Fussgänger hat (u. a. von Kindern) und ob es zu Blendeffekten kommt, z. B. bei älteren Verkehrsteilnehmenden. Bekanntlich können mit FLT nur die Fussgänger die Autos besser sehen, aber nicht umgekehrt Autofahrer die Fussgänger, da Fussgänger kein Licht haben. Die Fussgänger, vor allem die Kleineren unter ihnen, werden schlechter wahrgenommen und gehen im "Lichtermeer" unter. Im Gegensatz zu den im Erläuterungsbericht gemachten Angaben gibt es keine Studien (auch in der SWOV-Studie sind keine erwähnt), in denen die Sichtbarkeit von Fussgängern untersucht wurde. Es sind deshalb dazu vertiefte Abklärungen notwendig.</p><p>Die Beratungsstelle für Unfallverhütung hat, vor allem Bezug nehmend auf die Erfahrungen in Ungarn (vergleichbare Lichteinstrahlung wegen der geographisch ähnlichen Lage), das Potenzial in der Schweiz von geretteten Leben durch FLT auf 41 pro Jahr veranschlagt. Ungarn schreibt jedoch FLT nur ausserorts vor. Um das Rettungspotenzial in der Schweiz seriös abschätzen zu können, müssten nach meinem Erarchten auch Zahlen zu Innerortsunfällen vorliegen. In Ungarn wurden zudem die Auswirkungen von FLT auf die Fussgänger nicht untersucht (SWOV, S. 132).</p><p>Gemäss Unfallstatistik liegen 70 bis 80 Prozent aller Unfallursachen zwischen Fussgängern und Fahrzeugen allein bei den Lenkenden (s. z. B. Expertenbericht zu tödlichen Unfällen am Zebrastreifen, 1998). Diese Zahlen deuten darauf hin, dass es vor allem die Autofahrer sind, welche die Fussgänger übersehen und nicht umgekehrt.</p><p>Unter den gegebenen Umständen erscheint es als unerlässlich, dass mit der Einführung des fakultativen Fahrens mit Licht am Tag eine entsprechende wissenschaftliche Begleituntersuchung stattfindet.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
- <p>Die Einführung der Sollvorschrift "Fahren mit Licht am Tag" ist durch eine wissenschaftliche Untersuchung zu begleiten.</p><p>Für jede Gruppe von Verkehrsteilnehmenden sind die Folgen (Vorteile, Nachteile, Veränderung der Verkehrssicherheit) differenziert zu erheben. Neben den Auswirkungen auf den motorisierten (beleuchteten) Verkehr sind die Untersuchungen auf Unbeleuchtete, namentlich auf Fussgängerinnen und Fussgänger, Kinder, ältere Leute auszurichten.</p><p>Die Untersuchung soll dabei folgende Aspekte abdecken:</p><p>- Unfallzahlen: Differenziert nach verschiedenen Verkehrsteilnehmergruppen und Situationen;</p><p>- Wahrnehmung (Sichtbarkeit und subjektive Einschätzungen): Differenziert nach verschiedenen Verkehrsteilnehmergruppen und Situationen;</p><p>- Verhalten der Verkehrsteilnehmer (z. B. Wartezeiten von Fussgängern beim Überqueren der Fahrbahn bei beleuchteten und unbeleuchteten Fahrzeugen).</p>
- Sollvorschrift "Fahren mit Licht am Tag". Begleituntersuchung
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Es gibt zwar einige Studien über die Auswirkungen von Fahren mit Licht am Tag (FLT), doch fehlen Untersuchungen über die Auswirkungen auf die Unbeleuchteten, namentlich die Fussgängerinnen und Fussgänger. Die Auswirkungen, generell auf den Innerortsverkehr, sind bisher nur in wenigen Studien thematisiert worden. Die bisherigen spärlichen Resultate zeigen u. a., dass sich die Unfallzahlen von Fussgängern in einzelnen Ländern erhöht haben, so in Dänemark (statistisch signifikant) und in Israel (statistisch nicht signifikant). Das einzig signifikant positive Resultat für die Fussgänger wurde in Finnland gefunden, wo FLT nur ausserorts und im Winter vorgeschrieben ist. Damit können aber keine Schlüsse auf Unfälle innerorts gezogen werden, wo über 90 Prozent der Fussgänger verunglücken. Überall sonst wurden statistisch nicht signifikante positive und negative Werte gefunden, was bedeutet, dass sie auch zufällig zustande gekommen sein können. Es kann deshalb keineswegs die Rede davon sein, dass die Fussgänger von FLT besonders profitieren. Alle Resultate hängen zudem stark mit der jeweils gewählten Methodik zusammen. Dies zeigt gerade die holländische Metastudie "The Safety Effects of Daytime Running Lights" von "Stichting Wetenschappelijk Onderzoek Verkeersveiligheid (SWOV, 1997)".</p><p>Es gibt bisher keine Forschungsresultate zur Wahrnehmung bei FLT mit Bezug auf die Fussgänger (s. SWOV, S. 21ff.). Es ist insbesondere unklar, welche Auswirkungen FLT auf die Abschätzung der Geschwindigkeit des herannahenden Fahrzeuges durch Fussgänger hat (u. a. von Kindern) und ob es zu Blendeffekten kommt, z. B. bei älteren Verkehrsteilnehmenden. Bekanntlich können mit FLT nur die Fussgänger die Autos besser sehen, aber nicht umgekehrt Autofahrer die Fussgänger, da Fussgänger kein Licht haben. Die Fussgänger, vor allem die Kleineren unter ihnen, werden schlechter wahrgenommen und gehen im "Lichtermeer" unter. Im Gegensatz zu den im Erläuterungsbericht gemachten Angaben gibt es keine Studien (auch in der SWOV-Studie sind keine erwähnt), in denen die Sichtbarkeit von Fussgängern untersucht wurde. Es sind deshalb dazu vertiefte Abklärungen notwendig.</p><p>Die Beratungsstelle für Unfallverhütung hat, vor allem Bezug nehmend auf die Erfahrungen in Ungarn (vergleichbare Lichteinstrahlung wegen der geographisch ähnlichen Lage), das Potenzial in der Schweiz von geretteten Leben durch FLT auf 41 pro Jahr veranschlagt. Ungarn schreibt jedoch FLT nur ausserorts vor. Um das Rettungspotenzial in der Schweiz seriös abschätzen zu können, müssten nach meinem Erarchten auch Zahlen zu Innerortsunfällen vorliegen. In Ungarn wurden zudem die Auswirkungen von FLT auf die Fussgänger nicht untersucht (SWOV, S. 132).</p><p>Gemäss Unfallstatistik liegen 70 bis 80 Prozent aller Unfallursachen zwischen Fussgängern und Fahrzeugen allein bei den Lenkenden (s. z. B. Expertenbericht zu tödlichen Unfällen am Zebrastreifen, 1998). Diese Zahlen deuten darauf hin, dass es vor allem die Autofahrer sind, welche die Fussgänger übersehen und nicht umgekehrt.</p><p>Unter den gegebenen Umständen erscheint es als unerlässlich, dass mit der Einführung des fakultativen Fahrens mit Licht am Tag eine entsprechende wissenschaftliche Begleituntersuchung stattfindet.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
- <p>Die Einführung der Sollvorschrift "Fahren mit Licht am Tag" ist durch eine wissenschaftliche Untersuchung zu begleiten.</p><p>Für jede Gruppe von Verkehrsteilnehmenden sind die Folgen (Vorteile, Nachteile, Veränderung der Verkehrssicherheit) differenziert zu erheben. Neben den Auswirkungen auf den motorisierten (beleuchteten) Verkehr sind die Untersuchungen auf Unbeleuchtete, namentlich auf Fussgängerinnen und Fussgänger, Kinder, ältere Leute auszurichten.</p><p>Die Untersuchung soll dabei folgende Aspekte abdecken:</p><p>- Unfallzahlen: Differenziert nach verschiedenen Verkehrsteilnehmergruppen und Situationen;</p><p>- Wahrnehmung (Sichtbarkeit und subjektive Einschätzungen): Differenziert nach verschiedenen Verkehrsteilnehmergruppen und Situationen;</p><p>- Verhalten der Verkehrsteilnehmer (z. B. Wartezeiten von Fussgängern beim Überqueren der Fahrbahn bei beleuchteten und unbeleuchteten Fahrzeugen).</p>
- Sollvorschrift "Fahren mit Licht am Tag". Begleituntersuchung
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