Einheitskrankenkasse?

ShortId
01.3722
Id
20013722
Updated
25.06.2025 01:50
Language
de
Title
Einheitskrankenkasse?
AdditionalIndexing
2841;Krankenkassenprämie;Krankenkasse;Monopol
1
  • L05K0104010902, Krankenkasse
  • L05K0104010903, Krankenkassenprämie
  • L05K0703010103, Monopol
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Die Stellung und die Rolle der Krankenkassen innerhalb des Krankenversicherungssystems haben sich in den letzten zehn Jahren stark verändert. Man denke nur an: </p><p>- den Fusions- und Konzentrationsprozess, durch den eine beschränkte Zahl von Krankenkassen zusätzlich an Bedeutung gewannen;</p><p>- die schwindende Bedeutung des Grundsatzes der Gegenseitigkeit, auf dem die Krankenkassen beruhen, weil sie sich immer mehr an der Privatwirtschaft orientieren (Zusatzversicherungen und Taggeld auf der Grundlage des VVG);</p><p>- die Verstärkung des Wettbewerbes seit Beginn der Neunzigerjahre und die damit einhergehende Entsolidarisierung, die sich darin ausdrückt, dass sich die Kassen gegenseitig die so genannt "guten Risiken" abwerben.</p><p>In diesem Zusammenhang sind die Prämienunterschiede zwischen den einzelnen Kassen immer weniger akzeptabel. Die Unterschiede setzen im Übrigen völlig widersprüchliche Mechanismen in Gang. Man schafft Anreize für einen stärkeren Wettbewerb und strebt somit an, dass die Prämienunterschiede die Versicherten zum Übertritt in eine weniger teure Kasse veranlassen. Würden genügend Versicherte ihre Krankenkasse wechseln (was bis heute noch nicht der Fall ist), so käme es zu einer Angleichung der Prämien. Wir würden uns faktisch in Richtung eines Systems gleich hoher Prämien bewegen. Das Gleiche gilt für das Modell des Risikoausgleiches unter den verschiedenen Kassen: Je wirkungsvoller das Modell ist, desto stärker werden die Prämien angeglichen. Deshalb scheint es mir sinnvoller, ein System einzuführen, das bereits von Anfang an auf einheitlichen Prämien je Versichertenkategorie beruht.</p><p>Was die Abläufe anbelangt, hat das gegenwärtige Modell zahlreiche Schwächen. So hat die ungenügende Transparenz der Verwaltung der Krankenkassen wiederholt Unverständnis hervorgerufen. Sie führte bei den zuständigen öffentlichen Ämtern zu Schwierigkeiten bei der Ausübung der Aufsicht. Ähnliche Fragen stellen sich bei einer näheren Betrachtung der Reserven, über welche die Kassen verfügen. Zu bedenken sind die unterschiedlich hohen Beträge der Reserven im Verhältnis zu den Versicherten, die Art und Weise der Prämienanpassung sowie das Problem der "Bindung" der Versicherten an ihre Kassen im Falle eines Austrittes.</p><p>Die Frage, ob das Krankenkassensystem mit einer anderen Organisationsstruktur nicht rationeller und effizienter sein könnte, ist alles andere als verwegen. Es scheint deshalb angebracht, das Problem ganzheitlich anzugehen. Gedanken machen müsste man sich insbesondere zu den folgenden zwei Hauptpunkten:</p><p>- Übergang zu einem System einheitlicher Prämien pro Versichertenkategorie, und dies wenigstens auf kantonaler Ebene;</p><p>- Alternativen zum jetzigen System, das auf einer Vielzahl von Krankenkassen beruht (eine einzige Krankenkasse; Modell, das sich teilweise an der Arbeitslosenversicherung orientiert; angepasster "Status quo").</p>
  • Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
  • <p>Die Entwicklung im Bereich der sozialen Krankenversicherung wirft immer mehr Fragen zu der Rolle der Krankenkassen auf. Die Voraussagen verschiedenster Organisationen aus dem Krankenversicherungsbereich bewahrheiten sich mehr und mehr. Da es sich um eine ebenso folgenreiche wie heikle Angelegenheit handelt, ist es wünschenswert, sie in einem ersten Schritt genau zu analysieren und dann, gestützt auf diese Analyse, die geeignetsten Entscheide zu treffen.</p><p>Deshalb lade ich den Bundesrat ein, einen Bericht auszuarbeiten, der insbesondere Folgendes erlaubt:</p><p>- die Hauptmerkmale sowie die positiven und die negativen Aspekte des jetzigen Systems mit einer Vielzahl von Krankenkassen zu bewerten;</p><p>- mögliche Alternativen zu vertiefen, namentlich Alternativen, die es erlauben, für jede Kategorie von Versicherten ein einheitliches Prämiensystem einzuführen;</p><p>- zu prüfen, ob allenfalls ein System zweckmässig ist, das sich teilweise an der Arbeitslosenversicherung orientiert. Den Kassen könnte weiterhin eine Mittlerrolle zukommen (Inkasso der Prämien und Auszahlung der Leistungen);</p><p>- die möglichen Alternativen von einem geographischen Standpunkt aus zu beurteilen (vereinheitlichtes System je Kanton oder landesweit).</p>
  • Einheitskrankenkasse?
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Die Stellung und die Rolle der Krankenkassen innerhalb des Krankenversicherungssystems haben sich in den letzten zehn Jahren stark verändert. Man denke nur an: </p><p>- den Fusions- und Konzentrationsprozess, durch den eine beschränkte Zahl von Krankenkassen zusätzlich an Bedeutung gewannen;</p><p>- die schwindende Bedeutung des Grundsatzes der Gegenseitigkeit, auf dem die Krankenkassen beruhen, weil sie sich immer mehr an der Privatwirtschaft orientieren (Zusatzversicherungen und Taggeld auf der Grundlage des VVG);</p><p>- die Verstärkung des Wettbewerbes seit Beginn der Neunzigerjahre und die damit einhergehende Entsolidarisierung, die sich darin ausdrückt, dass sich die Kassen gegenseitig die so genannt "guten Risiken" abwerben.</p><p>In diesem Zusammenhang sind die Prämienunterschiede zwischen den einzelnen Kassen immer weniger akzeptabel. Die Unterschiede setzen im Übrigen völlig widersprüchliche Mechanismen in Gang. Man schafft Anreize für einen stärkeren Wettbewerb und strebt somit an, dass die Prämienunterschiede die Versicherten zum Übertritt in eine weniger teure Kasse veranlassen. Würden genügend Versicherte ihre Krankenkasse wechseln (was bis heute noch nicht der Fall ist), so käme es zu einer Angleichung der Prämien. Wir würden uns faktisch in Richtung eines Systems gleich hoher Prämien bewegen. Das Gleiche gilt für das Modell des Risikoausgleiches unter den verschiedenen Kassen: Je wirkungsvoller das Modell ist, desto stärker werden die Prämien angeglichen. Deshalb scheint es mir sinnvoller, ein System einzuführen, das bereits von Anfang an auf einheitlichen Prämien je Versichertenkategorie beruht.</p><p>Was die Abläufe anbelangt, hat das gegenwärtige Modell zahlreiche Schwächen. So hat die ungenügende Transparenz der Verwaltung der Krankenkassen wiederholt Unverständnis hervorgerufen. Sie führte bei den zuständigen öffentlichen Ämtern zu Schwierigkeiten bei der Ausübung der Aufsicht. Ähnliche Fragen stellen sich bei einer näheren Betrachtung der Reserven, über welche die Kassen verfügen. Zu bedenken sind die unterschiedlich hohen Beträge der Reserven im Verhältnis zu den Versicherten, die Art und Weise der Prämienanpassung sowie das Problem der "Bindung" der Versicherten an ihre Kassen im Falle eines Austrittes.</p><p>Die Frage, ob das Krankenkassensystem mit einer anderen Organisationsstruktur nicht rationeller und effizienter sein könnte, ist alles andere als verwegen. Es scheint deshalb angebracht, das Problem ganzheitlich anzugehen. Gedanken machen müsste man sich insbesondere zu den folgenden zwei Hauptpunkten:</p><p>- Übergang zu einem System einheitlicher Prämien pro Versichertenkategorie, und dies wenigstens auf kantonaler Ebene;</p><p>- Alternativen zum jetzigen System, das auf einer Vielzahl von Krankenkassen beruht (eine einzige Krankenkasse; Modell, das sich teilweise an der Arbeitslosenversicherung orientiert; angepasster "Status quo").</p>
    • Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
    • <p>Die Entwicklung im Bereich der sozialen Krankenversicherung wirft immer mehr Fragen zu der Rolle der Krankenkassen auf. Die Voraussagen verschiedenster Organisationen aus dem Krankenversicherungsbereich bewahrheiten sich mehr und mehr. Da es sich um eine ebenso folgenreiche wie heikle Angelegenheit handelt, ist es wünschenswert, sie in einem ersten Schritt genau zu analysieren und dann, gestützt auf diese Analyse, die geeignetsten Entscheide zu treffen.</p><p>Deshalb lade ich den Bundesrat ein, einen Bericht auszuarbeiten, der insbesondere Folgendes erlaubt:</p><p>- die Hauptmerkmale sowie die positiven und die negativen Aspekte des jetzigen Systems mit einer Vielzahl von Krankenkassen zu bewerten;</p><p>- mögliche Alternativen zu vertiefen, namentlich Alternativen, die es erlauben, für jede Kategorie von Versicherten ein einheitliches Prämiensystem einzuführen;</p><p>- zu prüfen, ob allenfalls ein System zweckmässig ist, das sich teilweise an der Arbeitslosenversicherung orientiert. Den Kassen könnte weiterhin eine Mittlerrolle zukommen (Inkasso der Prämien und Auszahlung der Leistungen);</p><p>- die möglichen Alternativen von einem geographischen Standpunkt aus zu beurteilen (vereinheitlichtes System je Kanton oder landesweit).</p>
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