Gefährdete Fachhochschulen?

ShortId
02.3306
Id
20023306
Updated
10.04.2024 08:47
Language
de
Title
Gefährdete Fachhochschulen?
AdditionalIndexing
32;Unterrichtsprogramm;Evaluation;Fachhochschule
1
  • L05K1302050102, Fachhochschule
  • L04K08020302, Evaluation
  • L04K13010310, Unterrichtsprogramm
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Im Frühjahr 2001 haben nationale und internationale Experten in ihrem Fachbereich, so genannte Peers, unter der Führung der Eidgenössischen Fachhochschulkommission die Studiengänge an den Fachhochschulen in der Regelungskompetenz des Bundes (Technik, Wirtschaft und Gestaltung) auf ihre wissenschaftliche Substanz, ihren Praxisbezug und die Qualität ihrer Gestaltung überprüft. Diese Peer-Review ist Bestandteil einer Reihe von Überprüfungen, die die Fachhochschulen in der vom Bundesrat bis Ende 2003 festgelegten Aufbauphase durchlaufen. Die Überprüfung der Studiengänge verfolgt mehrere Ziele: Im Zentrum stehen eine Standortbestimmung der Qualität der Lehre an den Fachhochschulen und Hinweise für die weitere Entwicklung der Studiengänge. Im Weiteren hat die Überprüfung zum Ziel, dem Bund die Grundlagen zu verschaffen, um über die weitere Diplomanerkennung der Studiengänge entscheiden zu können.</p><p>Der Bund und die Träger der Fachhochschulen stehen in der Verantwortung, den Studierenden ein praxisorientiertes Studienangebot auf Hochschulstufe anzubieten, das auf berufliche Tätigkeiten vorbereitet, die die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden erfordern. Hochqualifizierte Berufsleute sind die Basis für die Sicherung der Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft. Kompromisse bei der Qualität der Studiengänge ständen nicht nur im Widerspruch zum geforderten Anforderungsprofil eines Hochschulstudienganges, sie würden der Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz schaden und auch der internationalen Anerkennung der Diplome und Reputation der Fachhochschulen einen schlechten Dienst erweisen.</p><p>Das Bild der wissenschaftlichen Überprüfung der Studiengänge ist nicht das einer gefährdeten Hochschuleinrichtung "Fachhochschulen". Vielmehr darf sich die Qualität in der Lehre sehen lassen. Knapp 60 Prozent der Studiengänge erfüllen nach Ansicht der Peers die gesetzlichen Anforderungen, weitere 30 Prozent weisen Mängel auf, die Handlungsbedarf auslösen, und nur gut 10 Prozent der Studiengänge verfügen über Defizite, die die weitere Anerkennung erheblich gefährden.</p><p>Zwischenzeitlich wurden den Trägern die Resultate über die einzelnen Studiengänge eröffnet, die Defizite mitgeteilt und bis am 11. Oktober 2002 Zeit eingeräumt, sich zur Beurteilung zu äussern. Das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement wird anschliessend in einem nächsten Schritt den Trägern mitteilen, ob die Voraussetzungen der Studiengänge für eine weitere Anerkennung der Diplome vorliegen und - wenn nicht - Frist einräumen, um die erforderlichen Korrekturen vorzunehmen. Ziel ist es, dass am Ende der Aufbauphase nur Studiengänge weitergeführt werden, die den Anforderungen eines praxisorientierten Hochschulstudiums entsprechen. Der Bundesrat ist überzeugt, mit diesen Vorkehren nicht nur den gesetzlichen Auftrag zu erfüllen, sondern gleichzeitig den Status der Fachhochschulen als echte und gleichwertige Hochschulinstitution zu stärken und die Attraktivität dieser neuen Hochschuleinrichtung mit einem qualitativ hochstehenden Studienangebot noch zu steigern. </p><p>Das Ganze ist ein Prozess und führt nicht morgen zur Schliessung von Studiengängen. Es steht aber ausser Zweifel, und hier sind sich der Bund und die Träger grundsätzlich einig, dass hinsichtlich der Qualitätserfordernisse in der Lehre im Interesse einer zukunftsträchtigen Hochschuleinrichtung keine Kompromisse eingegangen werden dürfen.</p><p>In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass der Bundesrat den Fachhochschulen im Jahre 1998 bei der Erteilung der Genehmigung der Studiengänge eine Reihe von Konzentrationsauflagen auferlegte. Diese sind, unabhängig von der Qualität der einzelnen Studiengänge, bis Ende 2003 zu erfüllen. Die bisherige Entwicklung zeigt, dass Anstrengungen in Richtung einer stärkeren Bündelung der Kräfte sichtbar sind, der dazugehörige Konzentrationsprozess aber noch keineswegs abgeschlossen ist.</p> Antwort des Bundesrates.
  • <p>In der Presse wurde über die Fachhochschulstudie berichtet, die im Auftrag des Bundesrates von Experten durchgeführt wurde. Gemäss der Schlussfolgerung der Studie hätten zahlreiche Studiengänge die festgelegten Ziele nicht erreicht. Nun steht die Frage im Raum, ob der Bundesrat gestützt auf diese Studie einige Studiengänge streichen möchte. </p><p>Eine solche Entscheidung wäre aber nicht gut für unser Land. Die Zukunft der Schweiz hängt nämlich immer mehr von den Qualifikationen ab, welche die junge Generation erwirbt. Es ist deshalb wichtig, das einmal installierte Bildungssystem zu stärken und nicht zu schwächen; dies umso mehr, als bei bestimmten Studiengängen (besonders im medizinischen und paramedizinischen Bereich) bereits der Numerus clausus eingeführt worden ist, weil die Möglichkeiten zur Berufsausübung eingeschränkt sind.</p><p>Im Übrigen wäre es höchst ungerecht, Studiengänge wieder aufzuheben, zu deren Entwicklung die Kantone mit grossen Leistungen beigetragen haben, besonders wenn man bedenkt, dass die Anpassung der Fachschulen an die neuen Anforderungen nicht von heute auf morgen geschehen kann. Man muss die nötigen Infrastrukturen einrichten, neue Ausbildungspläne ausarbeiten, die geeigneten Lehrkräfte, Forscherinnen und Forscher anwerben und vor allem Partner für die anwendungsorientierte Forschung finden; dies alles nimmt mehrere Jahre in Anspruch.</p><p>Stellt der Bundesrat die bestehenden Fachhochschulstudiengänge in Frage?</p><p>Ist er bereit, vor dem Entscheid, einen Studiengang nicht mehr weiterzuführen, den Fachhochschulen noch einmal eine Chance zu geben, indem er für den betreffenden Studiengang nach einer Besprechung mit der zuständigen kantonalen Behörde die zu erreichenden Ziele festlegt und in Absprache mit dem Kanton eine angemessene Frist für die Erreichung der Ziele setzt?</p>
  • Gefährdete Fachhochschulen?
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Im Frühjahr 2001 haben nationale und internationale Experten in ihrem Fachbereich, so genannte Peers, unter der Führung der Eidgenössischen Fachhochschulkommission die Studiengänge an den Fachhochschulen in der Regelungskompetenz des Bundes (Technik, Wirtschaft und Gestaltung) auf ihre wissenschaftliche Substanz, ihren Praxisbezug und die Qualität ihrer Gestaltung überprüft. Diese Peer-Review ist Bestandteil einer Reihe von Überprüfungen, die die Fachhochschulen in der vom Bundesrat bis Ende 2003 festgelegten Aufbauphase durchlaufen. Die Überprüfung der Studiengänge verfolgt mehrere Ziele: Im Zentrum stehen eine Standortbestimmung der Qualität der Lehre an den Fachhochschulen und Hinweise für die weitere Entwicklung der Studiengänge. Im Weiteren hat die Überprüfung zum Ziel, dem Bund die Grundlagen zu verschaffen, um über die weitere Diplomanerkennung der Studiengänge entscheiden zu können.</p><p>Der Bund und die Träger der Fachhochschulen stehen in der Verantwortung, den Studierenden ein praxisorientiertes Studienangebot auf Hochschulstufe anzubieten, das auf berufliche Tätigkeiten vorbereitet, die die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden erfordern. Hochqualifizierte Berufsleute sind die Basis für die Sicherung der Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft. Kompromisse bei der Qualität der Studiengänge ständen nicht nur im Widerspruch zum geforderten Anforderungsprofil eines Hochschulstudienganges, sie würden der Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz schaden und auch der internationalen Anerkennung der Diplome und Reputation der Fachhochschulen einen schlechten Dienst erweisen.</p><p>Das Bild der wissenschaftlichen Überprüfung der Studiengänge ist nicht das einer gefährdeten Hochschuleinrichtung "Fachhochschulen". Vielmehr darf sich die Qualität in der Lehre sehen lassen. Knapp 60 Prozent der Studiengänge erfüllen nach Ansicht der Peers die gesetzlichen Anforderungen, weitere 30 Prozent weisen Mängel auf, die Handlungsbedarf auslösen, und nur gut 10 Prozent der Studiengänge verfügen über Defizite, die die weitere Anerkennung erheblich gefährden.</p><p>Zwischenzeitlich wurden den Trägern die Resultate über die einzelnen Studiengänge eröffnet, die Defizite mitgeteilt und bis am 11. Oktober 2002 Zeit eingeräumt, sich zur Beurteilung zu äussern. Das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement wird anschliessend in einem nächsten Schritt den Trägern mitteilen, ob die Voraussetzungen der Studiengänge für eine weitere Anerkennung der Diplome vorliegen und - wenn nicht - Frist einräumen, um die erforderlichen Korrekturen vorzunehmen. Ziel ist es, dass am Ende der Aufbauphase nur Studiengänge weitergeführt werden, die den Anforderungen eines praxisorientierten Hochschulstudiums entsprechen. Der Bundesrat ist überzeugt, mit diesen Vorkehren nicht nur den gesetzlichen Auftrag zu erfüllen, sondern gleichzeitig den Status der Fachhochschulen als echte und gleichwertige Hochschulinstitution zu stärken und die Attraktivität dieser neuen Hochschuleinrichtung mit einem qualitativ hochstehenden Studienangebot noch zu steigern. </p><p>Das Ganze ist ein Prozess und führt nicht morgen zur Schliessung von Studiengängen. Es steht aber ausser Zweifel, und hier sind sich der Bund und die Träger grundsätzlich einig, dass hinsichtlich der Qualitätserfordernisse in der Lehre im Interesse einer zukunftsträchtigen Hochschuleinrichtung keine Kompromisse eingegangen werden dürfen.</p><p>In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass der Bundesrat den Fachhochschulen im Jahre 1998 bei der Erteilung der Genehmigung der Studiengänge eine Reihe von Konzentrationsauflagen auferlegte. Diese sind, unabhängig von der Qualität der einzelnen Studiengänge, bis Ende 2003 zu erfüllen. Die bisherige Entwicklung zeigt, dass Anstrengungen in Richtung einer stärkeren Bündelung der Kräfte sichtbar sind, der dazugehörige Konzentrationsprozess aber noch keineswegs abgeschlossen ist.</p> Antwort des Bundesrates.
    • <p>In der Presse wurde über die Fachhochschulstudie berichtet, die im Auftrag des Bundesrates von Experten durchgeführt wurde. Gemäss der Schlussfolgerung der Studie hätten zahlreiche Studiengänge die festgelegten Ziele nicht erreicht. Nun steht die Frage im Raum, ob der Bundesrat gestützt auf diese Studie einige Studiengänge streichen möchte. </p><p>Eine solche Entscheidung wäre aber nicht gut für unser Land. Die Zukunft der Schweiz hängt nämlich immer mehr von den Qualifikationen ab, welche die junge Generation erwirbt. Es ist deshalb wichtig, das einmal installierte Bildungssystem zu stärken und nicht zu schwächen; dies umso mehr, als bei bestimmten Studiengängen (besonders im medizinischen und paramedizinischen Bereich) bereits der Numerus clausus eingeführt worden ist, weil die Möglichkeiten zur Berufsausübung eingeschränkt sind.</p><p>Im Übrigen wäre es höchst ungerecht, Studiengänge wieder aufzuheben, zu deren Entwicklung die Kantone mit grossen Leistungen beigetragen haben, besonders wenn man bedenkt, dass die Anpassung der Fachschulen an die neuen Anforderungen nicht von heute auf morgen geschehen kann. Man muss die nötigen Infrastrukturen einrichten, neue Ausbildungspläne ausarbeiten, die geeigneten Lehrkräfte, Forscherinnen und Forscher anwerben und vor allem Partner für die anwendungsorientierte Forschung finden; dies alles nimmt mehrere Jahre in Anspruch.</p><p>Stellt der Bundesrat die bestehenden Fachhochschulstudiengänge in Frage?</p><p>Ist er bereit, vor dem Entscheid, einen Studiengang nicht mehr weiterzuführen, den Fachhochschulen noch einmal eine Chance zu geben, indem er für den betreffenden Studiengang nach einer Besprechung mit der zuständigen kantonalen Behörde die zu erreichenden Ziele festlegt und in Absprache mit dem Kanton eine angemessene Frist für die Erreichung der Ziele setzt?</p>
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