Bericht über die erhöhte Arbeitsbelastung und die sozialen Auswirkungen der neuen Agrarpolitik
- ShortId
-
02.3355
- Id
-
20023355
- Updated
-
14.11.2025 06:23
- Language
-
de
- Title
-
Bericht über die erhöhte Arbeitsbelastung und die sozialen Auswirkungen der neuen Agrarpolitik
- AdditionalIndexing
-
55;Lebensbedingungen;Arbeitszeit;Expertise;landwirtschaftliche Erwerbsbevölkerung;Agrarpolitik (speziell);soziale Verhältnisse;Agrarstrukturpolitik;sozialer Konflikt
- 1
-
- L04K14010302, Agrarpolitik (speziell)
- L04K14010402, Agrarstrukturpolitik
- L04K14010506, landwirtschaftliche Erwerbsbevölkerung
- L03K010904, soziale Verhältnisse
- L05K0109040201, Lebensbedingungen
- L04K01090401, sozialer Konflikt
- L04K02020601, Expertise
- L05K0702050302, Arbeitszeit
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Die Globalisierung der Wirtschaft, die WTO- und Gatt-Abkommen sowie die Erhöhung der Produktivität in der Landwirtschaft haben eine neue Agrarpolitik in den europäischen Ländern wie auch in der Schweiz erforderlich gemacht. Die Reform der Agrarpolitik in der Schweiz, zuerst "AP 2002" und dann "AP 2007" genannt, wurde seit Mitte des letzten Jahrzehnts schrittweise umgesetzt. Sie beinhaltet eine strukturelle Reform und die Einführung von Direktzahlungen an die Landwirtinnen und Landwirte. Die Direktzahlungen gelten als Lohn für die Leistungen, die sie in der Landschaftspflege und der Entwicklung umweltfreundlicher Methoden erbringen. </p><p>Die strukturellen Reformen beinhalten den Abbau von mindestens einem Drittel, wenn nicht der Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe. Betroffen sind im Allgemeinen die kleinen Betriebe, manchmal aber auch grössere, die zu stark verschuldet sind und in Konkurs gehen. Ihr Land wird von anderen Landwirten übernommen (gepachtet oder aufgekauft), die so ihren landwirtschaftlichen Betrieb vergrössern. Durch den Kauf dieses Landes entstehen zwangsläufig zusätzliche Betriebskosten. Zudem muss der Landwirt oft in teureres Material investieren, um seine Ausrüstung an die neue Grösse seines Betriebes anzupassen.</p><p>Was also die Politiker "umstrukturieren" nennen und als einzigen Weg darstellen, um die landwirtschaftlichen Betriebe zu erhalten, erhöht in Wirklichkeit die Kosten und die Arbeitsbelastung der Landwirtinnen oder Landwirte. Diese und oft auch ihre Familienangehörigen müssen nämlich, um die neue Situation zu bewältigen, ihr Arbeitspensum noch mehr erhöhen. Diejenigen Bäuerinnen und Bauern hingegen, die ihren Betrieb nicht vergrössern können, müssen Arbeitskräfte entlassen, die sie eigentlich brauchen, und kostspieliges Material kaufen, um diesen Abbau von Arbeitskräften zu kompensieren. Auch in diesem Fall erhöht sich die Arbeitsbelastung, obwohl diese schon gross genug wäre. Zudem können die Landwirtinnen und Landwirte in einer solchen Situation häufig ihre Familie nicht durchbringen, ohne daneben noch einen anderen Beruf auszuüben und somit die Zahl ihrer Arbeitsstunden über das vernünftige Mass hinaus zu erhöhen.</p><p>Wie diese kurze Darstellung zeigt, hat die Umsetzung der "AP 2002" und "AP 2007" für die Landwirtschaft Auswirkungen, die der allgemeinen Entwicklung der Arbeitszeit in der Gesellschaft zuwiderlaufen. Dies zieht beträchtliche soziale Folgen nach sich. Die oben beschriebenen Situationen lösen zwischen den Familienmitgliedern oft Beziehungsprobleme aus, die aus der Übermüdung wie auch mangelnder Freizeit und Teilnahme am sozialen Leben entstehen. Dies führt zu Depressionen, Scheidungen, Alkoholabhängigkeit und anderen existenziellen Problemen, die im Zusammenhang mit der Umsetzung der Agrarreform immer häufiger auftreten.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
- <p>Um die negativen Auswirkungen der neuen Agrarpolitik zu erfassen und mögliche Lösungen für die Probleme zu finden, ist es wichtig, zuerst ihr Ausmass zu kennen. Deshalb fordere ich den Bundesrat auf, die Entwicklung dieser Problematik von 1990 bis heute zu untersuchen und darüber einen Bericht und Schlussfolgerungen vorzulegen. Dieser Bericht soll zudem ein Szenario für die nächsten zehn Jahre enthalten, das über die Arbeitsbelastung in der Landwirtschaft und über die voraussichtlichen sozialen Auswirkungen der neuen Agrarpolitik Auskunft gibt.</p>
- Bericht über die erhöhte Arbeitsbelastung und die sozialen Auswirkungen der neuen Agrarpolitik
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Die Globalisierung der Wirtschaft, die WTO- und Gatt-Abkommen sowie die Erhöhung der Produktivität in der Landwirtschaft haben eine neue Agrarpolitik in den europäischen Ländern wie auch in der Schweiz erforderlich gemacht. Die Reform der Agrarpolitik in der Schweiz, zuerst "AP 2002" und dann "AP 2007" genannt, wurde seit Mitte des letzten Jahrzehnts schrittweise umgesetzt. Sie beinhaltet eine strukturelle Reform und die Einführung von Direktzahlungen an die Landwirtinnen und Landwirte. Die Direktzahlungen gelten als Lohn für die Leistungen, die sie in der Landschaftspflege und der Entwicklung umweltfreundlicher Methoden erbringen. </p><p>Die strukturellen Reformen beinhalten den Abbau von mindestens einem Drittel, wenn nicht der Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe. Betroffen sind im Allgemeinen die kleinen Betriebe, manchmal aber auch grössere, die zu stark verschuldet sind und in Konkurs gehen. Ihr Land wird von anderen Landwirten übernommen (gepachtet oder aufgekauft), die so ihren landwirtschaftlichen Betrieb vergrössern. Durch den Kauf dieses Landes entstehen zwangsläufig zusätzliche Betriebskosten. Zudem muss der Landwirt oft in teureres Material investieren, um seine Ausrüstung an die neue Grösse seines Betriebes anzupassen.</p><p>Was also die Politiker "umstrukturieren" nennen und als einzigen Weg darstellen, um die landwirtschaftlichen Betriebe zu erhalten, erhöht in Wirklichkeit die Kosten und die Arbeitsbelastung der Landwirtinnen oder Landwirte. Diese und oft auch ihre Familienangehörigen müssen nämlich, um die neue Situation zu bewältigen, ihr Arbeitspensum noch mehr erhöhen. Diejenigen Bäuerinnen und Bauern hingegen, die ihren Betrieb nicht vergrössern können, müssen Arbeitskräfte entlassen, die sie eigentlich brauchen, und kostspieliges Material kaufen, um diesen Abbau von Arbeitskräften zu kompensieren. Auch in diesem Fall erhöht sich die Arbeitsbelastung, obwohl diese schon gross genug wäre. Zudem können die Landwirtinnen und Landwirte in einer solchen Situation häufig ihre Familie nicht durchbringen, ohne daneben noch einen anderen Beruf auszuüben und somit die Zahl ihrer Arbeitsstunden über das vernünftige Mass hinaus zu erhöhen.</p><p>Wie diese kurze Darstellung zeigt, hat die Umsetzung der "AP 2002" und "AP 2007" für die Landwirtschaft Auswirkungen, die der allgemeinen Entwicklung der Arbeitszeit in der Gesellschaft zuwiderlaufen. Dies zieht beträchtliche soziale Folgen nach sich. Die oben beschriebenen Situationen lösen zwischen den Familienmitgliedern oft Beziehungsprobleme aus, die aus der Übermüdung wie auch mangelnder Freizeit und Teilnahme am sozialen Leben entstehen. Dies führt zu Depressionen, Scheidungen, Alkoholabhängigkeit und anderen existenziellen Problemen, die im Zusammenhang mit der Umsetzung der Agrarreform immer häufiger auftreten.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
- <p>Um die negativen Auswirkungen der neuen Agrarpolitik zu erfassen und mögliche Lösungen für die Probleme zu finden, ist es wichtig, zuerst ihr Ausmass zu kennen. Deshalb fordere ich den Bundesrat auf, die Entwicklung dieser Problematik von 1990 bis heute zu untersuchen und darüber einen Bericht und Schlussfolgerungen vorzulegen. Dieser Bericht soll zudem ein Szenario für die nächsten zehn Jahre enthalten, das über die Arbeitsbelastung in der Landwirtschaft und über die voraussichtlichen sozialen Auswirkungen der neuen Agrarpolitik Auskunft gibt.</p>
- Bericht über die erhöhte Arbeitsbelastung und die sozialen Auswirkungen der neuen Agrarpolitik
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