Fachhochschulen und Bologna-Modell. Bericht des Bundesrates
- ShortId
-
02.3627
- Id
-
20023627
- Updated
-
25.06.2025 01:53
- Language
-
de
- Title
-
Fachhochschulen und Bologna-Modell. Bericht des Bundesrates
- AdditionalIndexing
-
32;Studium;Anerkennung der Zeugnisse;Unterrichtsprogramm;Lehre;Fachhochschule;Angleichung der Normen;gegenseitige Anerkennung;Bologna-Prozess;Hochschulwesen
- 1
-
- L05K1302050102, Fachhochschule
- L04K13020110, Studium
- L04K13010310, Unterrichtsprogramm
- L04K13030102, Anerkennung der Zeugnisse
- L05K0506020501, gegenseitige Anerkennung
- L06K070601020101, Angleichung der Normen
- L04K13020501, Hochschulwesen
- L04K13020204, Lehre
- L04K13030119, Bologna-Prozess
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Das Bologna-Modell ist rein auf die schulische Bildung ausgerichtet. Es valorisiert die praktische Ausbildung, wie sie die schweizerische Berufslehre darstellt, nicht. Die Absolventen der schweizerischen Fachhochschulen, die vorgängig eine drei- oder vierjährige Berufslehre abgeschlossen haben, würden bestraft, wenn das Bologna-Modell einfach nach dem Modell der lateinischen Länder auf die Fachhochschule übertragen würde. Nach diesem Schema würden die schweizerischen Fachhochschulabsolventen und -absolventinnen bloss den Allerweltstitel eines Bachelor zugesprochen erhalten. Eine Anerkennung als Master wiederum würde von ihnen zusätzliche Studiensemester abfordern.</p><p>Der schweizerische Fachhochweg ist gekennzeichnet durch eine einmalige Verbindung von Berufspraxis und höherer Fachausbildung: Der schweizerische FachhochschuIingenieur bzw. die schweizerische Fachhochschulingenieurin beherrscht die Berufspraxis (z. B. als Polymechaniker, Elektronikerin, Maschinenzeichner usw.) von Grund auf und verfügt darüber hinaus über das Ingenieurfachwissen. Dies führt zu einer ausserordentlichen und im europäischen Vergleich einmaligen Qualifikation, die den Wirtschaftsstandort Schweiz stärkt. Sollte das Bologna-Modell einfach dem schweizerischen Fachhochschul-System übergestülpt werden, wird dieses abgewertet. Im Endeffekt wird auch die Berufslehre als Vorstufe zur Fachhochschule abgewertet, ja sie wird zum beschwerlichen Umweg für das Ingenieurstudium.</p><p>Ich stelle mir vor, dass eine europakompatible und Bologna-verträgliche Master-Definition des schweizerischen Fachhochultitels geschaffen werden muss, die der hohen berufspraktischen Vorbildung Rechnung trägt, z. B. (als Denkanstoss) als "Swiss Master" mit besonderen Anforderungen.</p><p>Es wäre eine grobe Unterlassung, wenn jetzt ohne eine solche Variantenprüfung und Diskussion einfach ein Durchmarsch zum Bologna-Modell forciert würde. Ich glaube, dass mit einem Bericht und einer breiten Vernehmlassung kein Zeitverlust eintritt; im Gegenteil, eine Realisierung im Hinblick auf die Schuljahre 2006 oder 2007 ist leichter, wenn geklärt ist, wohin die Reise gehen soll.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament bis spätestens Ende 2003 einen Bericht vorzulegen, der die Möglichkeiten der Anpassung der Studiengänge und -abschlüsse der schweizerischen Fachhochschulen (Master, Bachelor) an das Bologna-Modell prüft.</p><p>Insbesondere sind darin folgende Probleme offenzulegen und zu klären:</p><p>- die internationale Anerkennung der schweizerischen Fachhochschullehrgänge und -abschlüsse;</p><p>- die Valorisierung der schweizerischen Besonderheiten der berufspraktischen Vorbildung und Ausbildung (Berufslehre);</p><p>- die Harmonisierung der Abschlüsse mit dem Studienmodell der Universitäten und die Durchlässigkeit mit diesen;</p><p>- die Möglichkeiten der Entwicklung und Anerkennung eines auf die Schweizer Fachhochschulen zugeschnittenen, europakompatiblen Titels, der die berufspraktische Aus- und Vorbildung valorisiert;</p><p>- der Zeitplan und die Prozedur der Harmonisierung mit dem europäischen System.</p><p>Dieser Bericht und die Frage der Harmonisierung der Fachhochschulen mit dem Bologna-Modell ist den betroffenen Schulen, Kantonen, Parteien und Wirtschaftsverbänden in einer Vernehmlassung zu unterbreiten, bevor wegweisende und irreversible Entscheide zur Anpassung gefällt werden.</p>
- Fachhochschulen und Bologna-Modell. Bericht des Bundesrates
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Das Bologna-Modell ist rein auf die schulische Bildung ausgerichtet. Es valorisiert die praktische Ausbildung, wie sie die schweizerische Berufslehre darstellt, nicht. Die Absolventen der schweizerischen Fachhochschulen, die vorgängig eine drei- oder vierjährige Berufslehre abgeschlossen haben, würden bestraft, wenn das Bologna-Modell einfach nach dem Modell der lateinischen Länder auf die Fachhochschule übertragen würde. Nach diesem Schema würden die schweizerischen Fachhochschulabsolventen und -absolventinnen bloss den Allerweltstitel eines Bachelor zugesprochen erhalten. Eine Anerkennung als Master wiederum würde von ihnen zusätzliche Studiensemester abfordern.</p><p>Der schweizerische Fachhochweg ist gekennzeichnet durch eine einmalige Verbindung von Berufspraxis und höherer Fachausbildung: Der schweizerische FachhochschuIingenieur bzw. die schweizerische Fachhochschulingenieurin beherrscht die Berufspraxis (z. B. als Polymechaniker, Elektronikerin, Maschinenzeichner usw.) von Grund auf und verfügt darüber hinaus über das Ingenieurfachwissen. Dies führt zu einer ausserordentlichen und im europäischen Vergleich einmaligen Qualifikation, die den Wirtschaftsstandort Schweiz stärkt. Sollte das Bologna-Modell einfach dem schweizerischen Fachhochschul-System übergestülpt werden, wird dieses abgewertet. Im Endeffekt wird auch die Berufslehre als Vorstufe zur Fachhochschule abgewertet, ja sie wird zum beschwerlichen Umweg für das Ingenieurstudium.</p><p>Ich stelle mir vor, dass eine europakompatible und Bologna-verträgliche Master-Definition des schweizerischen Fachhochultitels geschaffen werden muss, die der hohen berufspraktischen Vorbildung Rechnung trägt, z. B. (als Denkanstoss) als "Swiss Master" mit besonderen Anforderungen.</p><p>Es wäre eine grobe Unterlassung, wenn jetzt ohne eine solche Variantenprüfung und Diskussion einfach ein Durchmarsch zum Bologna-Modell forciert würde. Ich glaube, dass mit einem Bericht und einer breiten Vernehmlassung kein Zeitverlust eintritt; im Gegenteil, eine Realisierung im Hinblick auf die Schuljahre 2006 oder 2007 ist leichter, wenn geklärt ist, wohin die Reise gehen soll.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
- <p>Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament bis spätestens Ende 2003 einen Bericht vorzulegen, der die Möglichkeiten der Anpassung der Studiengänge und -abschlüsse der schweizerischen Fachhochschulen (Master, Bachelor) an das Bologna-Modell prüft.</p><p>Insbesondere sind darin folgende Probleme offenzulegen und zu klären:</p><p>- die internationale Anerkennung der schweizerischen Fachhochschullehrgänge und -abschlüsse;</p><p>- die Valorisierung der schweizerischen Besonderheiten der berufspraktischen Vorbildung und Ausbildung (Berufslehre);</p><p>- die Harmonisierung der Abschlüsse mit dem Studienmodell der Universitäten und die Durchlässigkeit mit diesen;</p><p>- die Möglichkeiten der Entwicklung und Anerkennung eines auf die Schweizer Fachhochschulen zugeschnittenen, europakompatiblen Titels, der die berufspraktische Aus- und Vorbildung valorisiert;</p><p>- der Zeitplan und die Prozedur der Harmonisierung mit dem europäischen System.</p><p>Dieser Bericht und die Frage der Harmonisierung der Fachhochschulen mit dem Bologna-Modell ist den betroffenen Schulen, Kantonen, Parteien und Wirtschaftsverbänden in einer Vernehmlassung zu unterbreiten, bevor wegweisende und irreversible Entscheide zur Anpassung gefällt werden.</p>
- Fachhochschulen und Bologna-Modell. Bericht des Bundesrates
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