Strategien für die multifunktionale Landwirtschaft
- ShortId
-
02.3769
- Id
-
20023769
- Updated
-
25.06.2025 01:50
- Language
-
de
- Title
-
Strategien für die multifunktionale Landwirtschaft
- AdditionalIndexing
-
55;Bedeutung der Landwirtschaft;Leistungsauftrag;Agrarstruktur;Agrarpolitik (speziell);Agrarreform
- 1
-
- L04K14010302, Agrarpolitik (speziell)
- L05K1401030206, Bedeutung der Landwirtschaft
- L05K1401030204, Agrarreform
- L05K1401040201, Agrarstruktur
- L05K0806010105, Leistungsauftrag
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Auf dem Modell eines multifunktionalen Zielsystems wird die Stützung und Förderung der Landwirtschaft durch öffentliche Finanzen begründet. Die Gesellschaft erwartet von der produzierenden Landwirtschaft Leistungen im Umweltbereich, in der artgerechten Tierhaltung, in der Vorsorge mit lebenswichtigen Gütern und in der Besiedlungspolitik. Die Landwirtschaft könnte diese Ziele nicht ausreichend berücksichtigen, wenn ihre Entwicklung allein den Marktkräften überlassen wäre.</p><p>Auch beim Konsumverhalten ist Multifunktionalität ein Faktor. Je bewusster Konsumentinnen und Konsumenten einkaufen, desto wichtiger ist ihnen der mit der Produktion verbundene Zusatznutzen. Neben der Spezialität und der Qualität können die multifunktionalen Leistungen zu einem weiteren Argument für den Kaufentscheid werden, das an Bedeutung gewinnt. Das ist durchaus rationales Verhalten, denn als Steuerzahlerinnen und Steuerzahler trügen die Konsumenten und Konsumentinnen die Kosten, wenn die Landwirtschaft in der Entwicklung den Pfad der Multifunktionalität verlässt.</p><p>In den WTO-Verhandlungen gehört die Schweiz zu jener Ländergruppe, die mit dem Begriff der Multifunktionalität Massnahmen zum Schutz des Agrarsektors legitimiert. An der "Aussenfront" ist die Schweiz eine sehr aktive Verfechterin des Multifunktionalismus. An der "Innenfront" stellt sich allerdings die Frage, ob die agrarpolitischen Massnahmen auf eine Optimierung der multifunktionalen Landwirtschaft hinwirken.</p><p>Meist wird auf ökologische Indikatoren hingewiesen, um die positive Entwicklung der Schweizer Landwirtschaft zu belegen. Hinter diesen Leistungen stehen Menschen. Für diese Leistungen braucht es motivierte Menschen. Doch wird dem Faktor Mensch die Beachtung geschenkt, die er verdient? Die überwiegend negative Stimmungslage unter den Bauernfamilien lässt Zweifel aufkommen. Die landwirtschaftliche Bevölkerung schrumpft parallel zur Zahl der Betriebe. Das Sektoreinkommen schwindet, die Wertschöpfung je Produkteeinheit sinkt. Der durchschnittliche Arbeitsverdienst stagniert auf tiefem Niveau, zu realen Preisen verlieren die Bauerneinkommen an Boden. Der höhere Input (grössere Betriebsflächen, Investitionen) zeigt gesamthaft keine Wirkung, die man als Verbesserung qualifizieren kann.</p><p>Alle diese Überlegungen führen zur Frage, ob die Strukturentwicklung mit Blick auf das Ziel der Multifunktionalität kongruent ist.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
- <p>Die Schweiz gehört international zu den starken Verfechterinnen einer multifunktionalen Landwirtschaft. Ob die konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung dieser Strategie in der nationalen Agrarpolitik aber in ausreichendem Mass vorhanden ist, bleibt zu hinterfragen.</p><p>Der Bundesrat wird deshalb aufgefordert, zur Beantwortung der folgenden Fragen bei einer unabhängigen Stelle einen Bericht in Auftrag zu geben:</p><p>- Inwiefern ist die derzeitige Strukturentwicklung mit einer auf Multifunktionalität ausgerichteten Agrarpolitik verträglich?</p><p>- Welches sind die Zusammenhänge zwischen Agrarstruktur und multifunktionalen Leistungen?</p><p>- Welche Bedeutung hat die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe und der landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung für die Optimierung der Multifunktionalität?</p><p>- Welchen Einfluss hat eine stetig und rasch abnehmende Zahl von Landwirtschaftsbetrieben und von in der Landwirtschaft tätigen Personen auf die Entwicklung der multifunktionalen Landwirtschaft?</p><p>- Welches sind die Voraussetzungen für eine Optimierung der Multifunktionalität der Schweizer Landwirtschaft?</p><p>- Inwiefern beeinflusst das internationale Umfeld - insbesondere das europäische im Hinblick auf die Osterweiterung sowie das WTO-rechtliche - die Weiterentwicklung der Multifunktionalität der Schweizer Landwirtschaft?</p>
- Strategien für die multifunktionale Landwirtschaft
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
-
- <p>Auf dem Modell eines multifunktionalen Zielsystems wird die Stützung und Förderung der Landwirtschaft durch öffentliche Finanzen begründet. Die Gesellschaft erwartet von der produzierenden Landwirtschaft Leistungen im Umweltbereich, in der artgerechten Tierhaltung, in der Vorsorge mit lebenswichtigen Gütern und in der Besiedlungspolitik. Die Landwirtschaft könnte diese Ziele nicht ausreichend berücksichtigen, wenn ihre Entwicklung allein den Marktkräften überlassen wäre.</p><p>Auch beim Konsumverhalten ist Multifunktionalität ein Faktor. Je bewusster Konsumentinnen und Konsumenten einkaufen, desto wichtiger ist ihnen der mit der Produktion verbundene Zusatznutzen. Neben der Spezialität und der Qualität können die multifunktionalen Leistungen zu einem weiteren Argument für den Kaufentscheid werden, das an Bedeutung gewinnt. Das ist durchaus rationales Verhalten, denn als Steuerzahlerinnen und Steuerzahler trügen die Konsumenten und Konsumentinnen die Kosten, wenn die Landwirtschaft in der Entwicklung den Pfad der Multifunktionalität verlässt.</p><p>In den WTO-Verhandlungen gehört die Schweiz zu jener Ländergruppe, die mit dem Begriff der Multifunktionalität Massnahmen zum Schutz des Agrarsektors legitimiert. An der "Aussenfront" ist die Schweiz eine sehr aktive Verfechterin des Multifunktionalismus. An der "Innenfront" stellt sich allerdings die Frage, ob die agrarpolitischen Massnahmen auf eine Optimierung der multifunktionalen Landwirtschaft hinwirken.</p><p>Meist wird auf ökologische Indikatoren hingewiesen, um die positive Entwicklung der Schweizer Landwirtschaft zu belegen. Hinter diesen Leistungen stehen Menschen. Für diese Leistungen braucht es motivierte Menschen. Doch wird dem Faktor Mensch die Beachtung geschenkt, die er verdient? Die überwiegend negative Stimmungslage unter den Bauernfamilien lässt Zweifel aufkommen. Die landwirtschaftliche Bevölkerung schrumpft parallel zur Zahl der Betriebe. Das Sektoreinkommen schwindet, die Wertschöpfung je Produkteeinheit sinkt. Der durchschnittliche Arbeitsverdienst stagniert auf tiefem Niveau, zu realen Preisen verlieren die Bauerneinkommen an Boden. Der höhere Input (grössere Betriebsflächen, Investitionen) zeigt gesamthaft keine Wirkung, die man als Verbesserung qualifizieren kann.</p><p>Alle diese Überlegungen führen zur Frage, ob die Strukturentwicklung mit Blick auf das Ziel der Multifunktionalität kongruent ist.</p>
- Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
- <p>Die Schweiz gehört international zu den starken Verfechterinnen einer multifunktionalen Landwirtschaft. Ob die konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung dieser Strategie in der nationalen Agrarpolitik aber in ausreichendem Mass vorhanden ist, bleibt zu hinterfragen.</p><p>Der Bundesrat wird deshalb aufgefordert, zur Beantwortung der folgenden Fragen bei einer unabhängigen Stelle einen Bericht in Auftrag zu geben:</p><p>- Inwiefern ist die derzeitige Strukturentwicklung mit einer auf Multifunktionalität ausgerichteten Agrarpolitik verträglich?</p><p>- Welches sind die Zusammenhänge zwischen Agrarstruktur und multifunktionalen Leistungen?</p><p>- Welche Bedeutung hat die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe und der landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung für die Optimierung der Multifunktionalität?</p><p>- Welchen Einfluss hat eine stetig und rasch abnehmende Zahl von Landwirtschaftsbetrieben und von in der Landwirtschaft tätigen Personen auf die Entwicklung der multifunktionalen Landwirtschaft?</p><p>- Welches sind die Voraussetzungen für eine Optimierung der Multifunktionalität der Schweizer Landwirtschaft?</p><p>- Inwiefern beeinflusst das internationale Umfeld - insbesondere das europäische im Hinblick auf die Osterweiterung sowie das WTO-rechtliche - die Weiterentwicklung der Multifunktionalität der Schweizer Landwirtschaft?</p>
- Strategien für die multifunktionale Landwirtschaft
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