Befristete Schutzmassnahmen für die Exportindustrie gegen den Dollarzerfall
- ShortId
-
03.3281
- Id
-
20033281
- Updated
-
10.04.2024 11:56
- Language
-
de
- Title
-
Befristete Schutzmassnahmen für die Exportindustrie gegen den Dollarzerfall
- AdditionalIndexing
-
15;Devisenkontrolle;Ausfuhrpolitik;sektorale Beihilfe;Erhaltung von Arbeitsplätzen;Exportindustrie;Wechselkurs;USA
- 1
-
- L04K07010301, Ausfuhrpolitik
- L05K0705070201, Exportindustrie
- L04K11030302, Devisenkontrolle
- L04K11030304, Wechselkurs
- L05K0704010109, sektorale Beihilfe
- L04K03050305, USA
- L05K0702030308, Erhaltung von Arbeitsplätzen
- PriorityCouncil1
-
Nationalrat
- Texts
-
- <p>Der Dollarkurs ist seit 2001 von Fr. 1.69 (Jahresmittel) auf Fr. 1.30 (Mai 2003) gefallen, was einer Abwertung von rund 23 Prozent entspricht. Für Exporteure, die zu einem grossen Produktionsanteil in den Dollarraum liefern, stellt dieser Kurssturz - auch wenn eine Kurskorrektur wegen der amerikanischen Zahlungsbilanzdefizite voraussehbar war - kurzfristig eine enorme Einbusse dar. Es besteht die Gefahr, dass nicht nur Ertrags- und Liquiditätsprobleme entstehen, sondern dass schweizerische Firmen Märkte im Ausland verlieren oder die Produktion ins Ausland verlegen, was meist irreversibel ist.</p><p>Es versteht sich, dass es nicht bloss um Exporte nach den USA geht, sondern nach allen Ländern, die im Auslandgeschäft in Dollar fakturieren oder ihre Währung faktisch an den Dollar binden. Es geht dabei um Nordamerika, Lateinamerika und grosse Teile Asiens.</p><p>Die bisherige Geld- und Währungspolitik der SNB ist fast gänzlich ausgeschöpft. Im Moment (Juni 2003) kann auch nicht von einer generellen Frankenüberbewertung gesprochen werden, da die Franken-Euro-Relation für die Exportwirtschaft günstiger geworden ist. Das Wechselkursproblem ist momentan ein Dollarkursproblem. (Es ist unbestritten, dass die USA mit der herbeigeführten Dollarschwäche ihre Wirtschaftsflaute auf die anderen Länder abwälzen, indem sie auf Kosten der Anderen ihre Importe verteuern und die Exporte verbilligen.)</p><p>Eine feste Kursrelation des Dollartausches durch die SNB müsste zeitlich befristet werden, z. B. auf drei Monate zu Fr. 1.50 und dann drei Monate zu Fr. 1.40 usw. Denkbar wäre auch die Limitierung der Wechselkurssumme nach Branchen. Es versteht sich, dass diese vorübergehende Spaltung des Wechselkurses in einen Export- und einen Finanzsektor eine Art Subvention darstellt, die aus den Währungsreserven der SNB finanziert wird. Die SNB hält jedoch heute noch 40 Prozent ihrer Devisenreserven in Dollar und erfährt ohnehin einen Buchverlust durch den Dollarzerfall. Ob nun der Buchverlust aufgrund gehorteter oder getauschter Dollars entsteht, ist unseres Erachtens unerheblich.</p><p>Die von uns vorgeschlagene Massnahme ist zwar langfristig nicht tragfähig, aber sie würde immerhin die Last der Anpassung zeitlich verschieben und sowohl eine konjunkturelle als auch strukturelle Wirkung zeitigen: Konjunkturell würde sie den Währungsschock überbrücken und den Liquiditätseinbruch korrigieren und damit Entlassungen verhindern; und strukturell würde sie die rasche Produktionsverlegung ins Ausland (die meist irreversibel ist) auffangen.</p><p>Die von uns in der Interpellation angeregte Idee eines zeitlich befristeten Dollar-Franken-Tauschs durch die SNB ist neu und ungewöhnlich. (Allerdings hatte sich die SNB in der Zeit 1978-1980 auch mit Kurssicherungsgeschäften engagiert.) Die Massnahme erweitert die bisherige Praxis und das in den letzten Jahren angewandte Notenbankinstrumentarium und widerspricht dem gängigen geldpolitischen Dogma, auch wenn es Autoren gibt, die die starke Volatilität der freien Wechselkurse für den Welthandel als schädlich betrachten (z. B. Jörg Huffschmid: Politische Ökonomie der Finanzmärkte, Hamburg 2002). Es ist uns bewusst, dass diese Idee dem Mainstream der gängigen Lehrmeinung widerspricht, aber erstens hat dieser geldpolitische Mainstream in den letzten zwei, drei Jahrzehnten wegen Fehlleistungen immer wieder gekehrt, und zweitens benötigen ausserordentliche Situationen auch ausserordentliche Massnahmen. Mit unserer Interpellation möchten wir dem Bundesrat und den Währungsbehörden zur Sprengung des geldpolitischen Denkkorsetts verhelfen, und zwar mit dem Oberziel, in der Exportindustrie den kurzfristigen Arbeitsplatzabbau zu verhindern.</p>
- <p>Die vorgeschlagene zeitlich befristete Gewährung eines Sonderwechselkurses für Schweizer Exporte in den Dollarraum stellt weder den teilweisen Übergang zu einem fixen Wechselkurssystem noch ein neues geldpolitisches Instrument dar. Vielmehr handelt es sich, wie auch in der Begründung des Postulates erwähnt, um eine aus Notenbankgewinnen bezahlte Subvention für einen bestimmten Kreis der Schweizer Exporteure. Die vorgeschlagene Massnahme ist somit nicht mit der Ankündigung eines Wechselkurszieles, wie sie 1978 vorgenommen wurde (Kurs der DM über Fr. 80.00), zu vergleichen. Eher könnte sie mit den Vorzugskonditionen zur Erleichterung der Kurssicherung von Exporterlösen verglichen werden, welche die Nationalbank in den Siebzigerjahren zunächst einzelnen Industrien (Uhren, Textil) und später sämtlichen Exporteuren angeboten hat. Das Ausmass der damaligen - ordnungspolitisch ebenfalls äusserst fragwürdigen - Subventionierung war indessen bedeutend geringer als das im Postulat vorgeschlagene. Zudem waren damals die an den heutigen Finanzmärkten existierenden Möglichkeiten für Kursabsicherungsgeschäfte noch nicht verfügbar.</p><p>Die vorgeschlagene Massnahme ist nach Auffassung des Bundesrates weder wirtschaftlich sinnvoll noch geeignet, die im Postulat genannten Ziele zu erfüllen. Zudem wäre sie verfassungswidrig.</p><p>Der Dollar hat sich in der Tat deutlich abgeschwächt, und der Bundesrat ist sich bewusst, dass der schwächere Dollarkurs Mindereinnahmen für die Schweizer Exporteure in den Dollarraum zur Folge hat. Allerdings ist die gegenwärtige Wechselkurslage nicht infolge einer übermässigen Erstarkung des Frankens entstanden; vielmehr handelt es sich um eine - angesichts des Leistungsbilanzdefizits der USA notwendige und zu erwartende - Korrektur der vorhergegangenen Überbewertung des Dollars. Nachdem der US-Dollar Mitte 2001 real einen Höchststand erreicht hatte, wertete er sich kontinuierlich ab, und der reale Wechselkursindex des Frankens gegenüber dem Dollar lag im Juni 2003 wieder in etwa auf dem Niveau von Anfang 1999. Der gegenwärtige Dollarkurs dürfte eher den wirtschaftlichen Fundamentaldaten entsprechen als die vorübergehende Überbewertung des Dollars in den vergangenen zwei Jahren.</p><p>Die Nationalbank richtet ihre Geldpolitik auf das Ziel der Preisstabilität aus und beachtet dabei die konjunkturelle Entwicklung. Weil in der Schweiz als offener Volkswirtschaft die Wechselkurse einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung von Teuerung und Konjunktur haben, stellt die Wechselkurssituation einen wichtigen Faktor bei den geldpolitischen Entscheiden der SNB dar. So hat die SNB denn auch anlässlich ihrer letzten geldpolitischen Lagebeurteilung im Juni am gegenwärtig expansiven Kurs festgehalten und betont, dass sie einer massiven Frankenaufwertung entschieden entgegentreten würde.</p><p>Nicht Aufgabe der SNB ist es hingegen, mittels Nationalbankgewinnen gezielt Subventionen an einzelne Wirtschaftszweige auszurichten. Würden heute die Exporteure in den Dollarraum finanziell unterstützt, müssten künftig bei einer allfälligen Abschwächung von Euro, Pfund oder Yen die Exporteure in diese Währungsräume ebenfalls Nationalbanksubventionen erhalten. Zudem stellte sich die Frage, weshalb nur durch Wechselkursschwankungen verursachte Probleme von Exportfirmen mittels Subventionen gemildert würden und nicht etwa auch durch Konjunkturschwankungen verursachte Probleme von im Binnenmarkt tätigen Unternehmen. Die vorgeschlagene Subventionierung von Exporteuren in den Dollarraum würde somit unweigerlich weitere Ansprüche an die SNB nach sich ziehen. Dadurch würde die finanzielle Notenbankunabhängigkeit infrage gestellt.</p><p>Verfassungswidrig wäre die Begünstigung von Exporteuren in den Dollarraum zudem, weil die Geldpolitik im Gesamtinteresse des Landes, u. a. ohne Bevorzugung von Partikularinteressen einzelner Regionen oder Branchen, geführt werden muss.</p><p>Schliesslich schreibt das geltende Recht die Gewinnverteilung der SNB zu einem Drittel an den Bund und zu zwei Drittel an die Kantone vor - eine finanzielle Unterstützung der Exportindustrie ist nicht vorgesehen.</p><p>Abgesehen von diesen grundsätzlichen Vorbehalten muss auch bezweifelt werden, dass die vorgeschlagene Massnahme die im Postulat genannten Ziele erreichen kann: Die Exportindustrie leidet gegenwärtig eher unter der mangelnden Nachfrage aus dem Ausland als unter fehlender preislicher Wettbewerbsfähigkeit. Zudem ist insbesondere die Wahl des Produktionsstandortes ein langfristiger strategischer Unternehmensentscheid, der kaum durch eine befristete Subventionierung der Exporte in den Dollarraum beeinflusst wird.</p><p>Zu beachten ist auch, dass die Nationalbank einen langfristigen Anlagehorizont hat, sodass sich über die Zeit Kursverluste in der Regel wieder durch Kursgewinne ausgleichen. Die nun erlittenen Buchverluste auf den Dollarbeständen der SNB können so über die Zeit wieder aufgefangen werden. Im Gegensatz dazu würde die vorgeschlagene Massnahme zu einem definitiven bzw. realisierten Verlust für die SNB führen.</p><p>Schliesslich ist offensichtlich, dass ein solcher Mechanismus in der Praxis nicht durchführbar wäre und unerwünschte Anreize schaffen würde. Er könnte dazu führen, dass viele Exporteure in Zukunft (auch diejenigen, die ihre Produkte z. B. in die EU exportieren) ihre Exporte nur noch in Dollar fakturieren lassen würden, um ihre Dollarbestände anschliessend der SNB zu einem überhöhten Kurs verkaufen zu können.</p> Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
- <p>Der rasche und starke Zerfall des Dollarkurses bringt die schweizerischen Exporteure, die in den Dollarraum exportieren, kurzfristig in grosse Schwierigkeiten. Dieser dramatische Einbruch verstärkt, zusammen mit dem allgemeinen Nachfragerückgang, die Rezession und die Arbeitslosigkeit. Angesichts der dramatischen Situation drängen sich neue und unkonventionelle Massnahmen auf.</p><p>Der Bundesrat wird beauftragt, folgende Massnahme zur kurzfristigen Abfederung des Einbruchs zu prüfen: Die Schweizerische Nationalbank tauscht zeitlich befristet den Dollar für die schweizerischen Exporteure zu einem bestimmten Dollar-Franken-Umtauschverhältnis (z. B. zu einem Wechselkurs von Fr. 1.50 pro Dollar) und hilft mit einem solchen Kurssicherungsgeschäft mit, den wechselkursbedingten, volkswirtschaftlich ins Gewicht fallenden Einbruch aufzufangen und die Last zeitlich zu verteilen.</p>
- Befristete Schutzmassnahmen für die Exportindustrie gegen den Dollarzerfall
- State
-
Erledigt
- Related Affairs
-
- Drafts
-
-
- Index
- 0
- Texts
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- <p>Der Dollarkurs ist seit 2001 von Fr. 1.69 (Jahresmittel) auf Fr. 1.30 (Mai 2003) gefallen, was einer Abwertung von rund 23 Prozent entspricht. Für Exporteure, die zu einem grossen Produktionsanteil in den Dollarraum liefern, stellt dieser Kurssturz - auch wenn eine Kurskorrektur wegen der amerikanischen Zahlungsbilanzdefizite voraussehbar war - kurzfristig eine enorme Einbusse dar. Es besteht die Gefahr, dass nicht nur Ertrags- und Liquiditätsprobleme entstehen, sondern dass schweizerische Firmen Märkte im Ausland verlieren oder die Produktion ins Ausland verlegen, was meist irreversibel ist.</p><p>Es versteht sich, dass es nicht bloss um Exporte nach den USA geht, sondern nach allen Ländern, die im Auslandgeschäft in Dollar fakturieren oder ihre Währung faktisch an den Dollar binden. Es geht dabei um Nordamerika, Lateinamerika und grosse Teile Asiens.</p><p>Die bisherige Geld- und Währungspolitik der SNB ist fast gänzlich ausgeschöpft. Im Moment (Juni 2003) kann auch nicht von einer generellen Frankenüberbewertung gesprochen werden, da die Franken-Euro-Relation für die Exportwirtschaft günstiger geworden ist. Das Wechselkursproblem ist momentan ein Dollarkursproblem. (Es ist unbestritten, dass die USA mit der herbeigeführten Dollarschwäche ihre Wirtschaftsflaute auf die anderen Länder abwälzen, indem sie auf Kosten der Anderen ihre Importe verteuern und die Exporte verbilligen.)</p><p>Eine feste Kursrelation des Dollartausches durch die SNB müsste zeitlich befristet werden, z. B. auf drei Monate zu Fr. 1.50 und dann drei Monate zu Fr. 1.40 usw. Denkbar wäre auch die Limitierung der Wechselkurssumme nach Branchen. Es versteht sich, dass diese vorübergehende Spaltung des Wechselkurses in einen Export- und einen Finanzsektor eine Art Subvention darstellt, die aus den Währungsreserven der SNB finanziert wird. Die SNB hält jedoch heute noch 40 Prozent ihrer Devisenreserven in Dollar und erfährt ohnehin einen Buchverlust durch den Dollarzerfall. Ob nun der Buchverlust aufgrund gehorteter oder getauschter Dollars entsteht, ist unseres Erachtens unerheblich.</p><p>Die von uns vorgeschlagene Massnahme ist zwar langfristig nicht tragfähig, aber sie würde immerhin die Last der Anpassung zeitlich verschieben und sowohl eine konjunkturelle als auch strukturelle Wirkung zeitigen: Konjunkturell würde sie den Währungsschock überbrücken und den Liquiditätseinbruch korrigieren und damit Entlassungen verhindern; und strukturell würde sie die rasche Produktionsverlegung ins Ausland (die meist irreversibel ist) auffangen.</p><p>Die von uns in der Interpellation angeregte Idee eines zeitlich befristeten Dollar-Franken-Tauschs durch die SNB ist neu und ungewöhnlich. (Allerdings hatte sich die SNB in der Zeit 1978-1980 auch mit Kurssicherungsgeschäften engagiert.) Die Massnahme erweitert die bisherige Praxis und das in den letzten Jahren angewandte Notenbankinstrumentarium und widerspricht dem gängigen geldpolitischen Dogma, auch wenn es Autoren gibt, die die starke Volatilität der freien Wechselkurse für den Welthandel als schädlich betrachten (z. B. Jörg Huffschmid: Politische Ökonomie der Finanzmärkte, Hamburg 2002). Es ist uns bewusst, dass diese Idee dem Mainstream der gängigen Lehrmeinung widerspricht, aber erstens hat dieser geldpolitische Mainstream in den letzten zwei, drei Jahrzehnten wegen Fehlleistungen immer wieder gekehrt, und zweitens benötigen ausserordentliche Situationen auch ausserordentliche Massnahmen. Mit unserer Interpellation möchten wir dem Bundesrat und den Währungsbehörden zur Sprengung des geldpolitischen Denkkorsetts verhelfen, und zwar mit dem Oberziel, in der Exportindustrie den kurzfristigen Arbeitsplatzabbau zu verhindern.</p>
- <p>Die vorgeschlagene zeitlich befristete Gewährung eines Sonderwechselkurses für Schweizer Exporte in den Dollarraum stellt weder den teilweisen Übergang zu einem fixen Wechselkurssystem noch ein neues geldpolitisches Instrument dar. Vielmehr handelt es sich, wie auch in der Begründung des Postulates erwähnt, um eine aus Notenbankgewinnen bezahlte Subvention für einen bestimmten Kreis der Schweizer Exporteure. Die vorgeschlagene Massnahme ist somit nicht mit der Ankündigung eines Wechselkurszieles, wie sie 1978 vorgenommen wurde (Kurs der DM über Fr. 80.00), zu vergleichen. Eher könnte sie mit den Vorzugskonditionen zur Erleichterung der Kurssicherung von Exporterlösen verglichen werden, welche die Nationalbank in den Siebzigerjahren zunächst einzelnen Industrien (Uhren, Textil) und später sämtlichen Exporteuren angeboten hat. Das Ausmass der damaligen - ordnungspolitisch ebenfalls äusserst fragwürdigen - Subventionierung war indessen bedeutend geringer als das im Postulat vorgeschlagene. Zudem waren damals die an den heutigen Finanzmärkten existierenden Möglichkeiten für Kursabsicherungsgeschäfte noch nicht verfügbar.</p><p>Die vorgeschlagene Massnahme ist nach Auffassung des Bundesrates weder wirtschaftlich sinnvoll noch geeignet, die im Postulat genannten Ziele zu erfüllen. Zudem wäre sie verfassungswidrig.</p><p>Der Dollar hat sich in der Tat deutlich abgeschwächt, und der Bundesrat ist sich bewusst, dass der schwächere Dollarkurs Mindereinnahmen für die Schweizer Exporteure in den Dollarraum zur Folge hat. Allerdings ist die gegenwärtige Wechselkurslage nicht infolge einer übermässigen Erstarkung des Frankens entstanden; vielmehr handelt es sich um eine - angesichts des Leistungsbilanzdefizits der USA notwendige und zu erwartende - Korrektur der vorhergegangenen Überbewertung des Dollars. Nachdem der US-Dollar Mitte 2001 real einen Höchststand erreicht hatte, wertete er sich kontinuierlich ab, und der reale Wechselkursindex des Frankens gegenüber dem Dollar lag im Juni 2003 wieder in etwa auf dem Niveau von Anfang 1999. Der gegenwärtige Dollarkurs dürfte eher den wirtschaftlichen Fundamentaldaten entsprechen als die vorübergehende Überbewertung des Dollars in den vergangenen zwei Jahren.</p><p>Die Nationalbank richtet ihre Geldpolitik auf das Ziel der Preisstabilität aus und beachtet dabei die konjunkturelle Entwicklung. Weil in der Schweiz als offener Volkswirtschaft die Wechselkurse einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung von Teuerung und Konjunktur haben, stellt die Wechselkurssituation einen wichtigen Faktor bei den geldpolitischen Entscheiden der SNB dar. So hat die SNB denn auch anlässlich ihrer letzten geldpolitischen Lagebeurteilung im Juni am gegenwärtig expansiven Kurs festgehalten und betont, dass sie einer massiven Frankenaufwertung entschieden entgegentreten würde.</p><p>Nicht Aufgabe der SNB ist es hingegen, mittels Nationalbankgewinnen gezielt Subventionen an einzelne Wirtschaftszweige auszurichten. Würden heute die Exporteure in den Dollarraum finanziell unterstützt, müssten künftig bei einer allfälligen Abschwächung von Euro, Pfund oder Yen die Exporteure in diese Währungsräume ebenfalls Nationalbanksubventionen erhalten. Zudem stellte sich die Frage, weshalb nur durch Wechselkursschwankungen verursachte Probleme von Exportfirmen mittels Subventionen gemildert würden und nicht etwa auch durch Konjunkturschwankungen verursachte Probleme von im Binnenmarkt tätigen Unternehmen. Die vorgeschlagene Subventionierung von Exporteuren in den Dollarraum würde somit unweigerlich weitere Ansprüche an die SNB nach sich ziehen. Dadurch würde die finanzielle Notenbankunabhängigkeit infrage gestellt.</p><p>Verfassungswidrig wäre die Begünstigung von Exporteuren in den Dollarraum zudem, weil die Geldpolitik im Gesamtinteresse des Landes, u. a. ohne Bevorzugung von Partikularinteressen einzelner Regionen oder Branchen, geführt werden muss.</p><p>Schliesslich schreibt das geltende Recht die Gewinnverteilung der SNB zu einem Drittel an den Bund und zu zwei Drittel an die Kantone vor - eine finanzielle Unterstützung der Exportindustrie ist nicht vorgesehen.</p><p>Abgesehen von diesen grundsätzlichen Vorbehalten muss auch bezweifelt werden, dass die vorgeschlagene Massnahme die im Postulat genannten Ziele erreichen kann: Die Exportindustrie leidet gegenwärtig eher unter der mangelnden Nachfrage aus dem Ausland als unter fehlender preislicher Wettbewerbsfähigkeit. Zudem ist insbesondere die Wahl des Produktionsstandortes ein langfristiger strategischer Unternehmensentscheid, der kaum durch eine befristete Subventionierung der Exporte in den Dollarraum beeinflusst wird.</p><p>Zu beachten ist auch, dass die Nationalbank einen langfristigen Anlagehorizont hat, sodass sich über die Zeit Kursverluste in der Regel wieder durch Kursgewinne ausgleichen. Die nun erlittenen Buchverluste auf den Dollarbeständen der SNB können so über die Zeit wieder aufgefangen werden. Im Gegensatz dazu würde die vorgeschlagene Massnahme zu einem definitiven bzw. realisierten Verlust für die SNB führen.</p><p>Schliesslich ist offensichtlich, dass ein solcher Mechanismus in der Praxis nicht durchführbar wäre und unerwünschte Anreize schaffen würde. Er könnte dazu führen, dass viele Exporteure in Zukunft (auch diejenigen, die ihre Produkte z. B. in die EU exportieren) ihre Exporte nur noch in Dollar fakturieren lassen würden, um ihre Dollarbestände anschliessend der SNB zu einem überhöhten Kurs verkaufen zu können.</p> Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
- <p>Der rasche und starke Zerfall des Dollarkurses bringt die schweizerischen Exporteure, die in den Dollarraum exportieren, kurzfristig in grosse Schwierigkeiten. Dieser dramatische Einbruch verstärkt, zusammen mit dem allgemeinen Nachfragerückgang, die Rezession und die Arbeitslosigkeit. Angesichts der dramatischen Situation drängen sich neue und unkonventionelle Massnahmen auf.</p><p>Der Bundesrat wird beauftragt, folgende Massnahme zur kurzfristigen Abfederung des Einbruchs zu prüfen: Die Schweizerische Nationalbank tauscht zeitlich befristet den Dollar für die schweizerischen Exporteure zu einem bestimmten Dollar-Franken-Umtauschverhältnis (z. B. zu einem Wechselkurs von Fr. 1.50 pro Dollar) und hilft mit einem solchen Kurssicherungsgeschäft mit, den wechselkursbedingten, volkswirtschaftlich ins Gewicht fallenden Einbruch aufzufangen und die Last zeitlich zu verteilen.</p>
- Befristete Schutzmassnahmen für die Exportindustrie gegen den Dollarzerfall
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