Berufsbildung. Schweizer Solidaritätsbeitrag an die EU-Ost-Erweiterung

ShortId
03.3376
Id
20033376
Updated
10.04.2024 12:49
Language
de
Title
Berufsbildung. Schweizer Solidaritätsbeitrag an die EU-Ost-Erweiterung
AdditionalIndexing
08;32;Gewerbebetrieb;wirtschaftliche Zusammenarbeit;Erweiterung der Gemeinschaft;berufsbildender Unterricht;Zusammenarbeit mit osteuropäischen Staaten;berufliche Bildung
1
  • L03K130202, berufliche Bildung
  • L04K10010218, Zusammenarbeit mit osteuropäischen Staaten
  • L04K10010215, wirtschaftliche Zusammenarbeit
  • L05K0703060202, Gewerbebetrieb
  • L03K130203, berufsbildender Unterricht
  • L03K090203, Erweiterung der Gemeinschaft
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>1. Die Erfahrungen mit der Osteuropahilfe der Neunzigerjahre sind zwiespältig. Zahlreiche Grosskredite und Mischkredite sind in ineffizienten Projekten, Korruption und unangepassten Strukturen versickert. Die Osteuropahilfe wurde zum Teil zu einem Selbstbedienungsladen für Exportfirmen. Aus diesen Erfahrungen sollen Lehren gezogen werden für die künftige Osteuropa-Hilfe der Schweiz.</p><p>2. Die Bildungsstrukturen in den osteuropäischen Ländern sind auf Hochschulstufe (Universitäten, Ingenieurschulen) hoch entwickelt. Jedoch besteht ein Mangel an mittleren Kadern und an berufspraktischer Ausbildung, die die Schaffung von kleinen und mittleren Unternehmungen und die berufliche Selbstorganisation ermöglicht. Es besteht in den meisten Ländern kein Berufsbildungssystem, welches eine theoretische und berufspraktische Ausbildung kombiniert und zu einem berufsbefähigenden Abschluss auf mittlerer Bildungsstufe (Sekundarstufe II und Tertiärstufe ausserhalb der Universitäten) führt.</p><p>3. In den Ost-Erweiterungsländern werden in den nächsten Jahren im Zuge der Rationalisierung Millionen von Erwerbstätigen aus dem Landwirtschafts- und Bergbausektor hinaus gedrängt werden. Die blosse Industrialisierung und die Entwicklung des Dienstleistungssektors in Grossfirmen vermag diese Beschäftigten wohl nicht aufzunehmen, wenn nicht auch kleine und mittlere Firmen und eine gewerbliche Struktur aufgebaut werden können. Auch aus diesem Blickwinkel des Strukturwandels ist die Ausbildung einer mittleren Berufsbildungsstufe vordringlich.</p><p>4. Die Schweiz ist eines der wenigen Länder Europas mit einem dualen Berufsbildungssystem (das allerdings nach dem Bologna-Modell nicht genügend valorisiert und anerkannt wird). Es wäre immerhin sinnvoll zu prüfen, ob in osteuropäischen Ländern ein Bedarf und der politische Wille vorhanden ist, das Angebot der Schweiz für die Aufbauhilfe für ein eigenes Berufsbildungssystem anzunehmen. Es versteht sich, dass durch diese Unterstützungsmassnahmen auch das schweizerische Berufsbildungssystem und zahlreiche Fachleute einen Impuls erhalten würden.</p>
  • <p>Der Kern des Postulates hat zum Ziel, zukünftige verstärkte Unterstützungsmassnahmen im Bereich der Berufsbildung abklären zu lassen, was der Bundesrat unterstützt. Nicht einig ist der Bundesrat hingegen mit der im Postulat zum Ausdruck gebrachten Einschätzung der von der Schweiz in den Neunzigerjahren geleisteten Unterstützungsmassnahmen zugunsten Osteuropas. Diese Einschätzung entspricht in keiner Weise den Resultaten vorangehender unabhängiger Evaluationen sowie auch der Bilanz der Ostzusammenarbeit, welche zurzeit als Basis für den Rahmenkredit IV ausgearbeitet wird. Auf Anfrage der EU-Kommission prüft zurzeit der Bundesrat, unter welchen Voraussetzungen und in welchem Rahmen sich die Schweiz zugunsten der wirtschaftlichen und sozialen Kohäsion der neuen EU-Mitgliedstaaten beteiligen könnte.</p> Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
  • <p>Im Rahmen der EU-Ost-Erweiterung wird die Europäische Union von der Schweiz eine finanzielle Beteiligung am Aufbau der neuen Wachstumsmärkte in Osteuropa verlangen, von denen auch die Schweizer Wirtschaft grossen Nutzen ziehen wird.</p><p>Der Bundesrat wird beauftragt, ein besseres und effizienteres Modell der Wirtschaftshilfe an die zehn neuen EU-Länder und die weiteren Beitrittskandidaten in dem Sinne zu prüfen, dass die Schweiz beim Aufbau eines dualen Berufsbildungssystems mithilft, dieses mitfinanziert und mit Beratungen und Lehrpersonal fördert.</p>
  • Berufsbildung. Schweizer Solidaritätsbeitrag an die EU-Ost-Erweiterung
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>1. Die Erfahrungen mit der Osteuropahilfe der Neunzigerjahre sind zwiespältig. Zahlreiche Grosskredite und Mischkredite sind in ineffizienten Projekten, Korruption und unangepassten Strukturen versickert. Die Osteuropahilfe wurde zum Teil zu einem Selbstbedienungsladen für Exportfirmen. Aus diesen Erfahrungen sollen Lehren gezogen werden für die künftige Osteuropa-Hilfe der Schweiz.</p><p>2. Die Bildungsstrukturen in den osteuropäischen Ländern sind auf Hochschulstufe (Universitäten, Ingenieurschulen) hoch entwickelt. Jedoch besteht ein Mangel an mittleren Kadern und an berufspraktischer Ausbildung, die die Schaffung von kleinen und mittleren Unternehmungen und die berufliche Selbstorganisation ermöglicht. Es besteht in den meisten Ländern kein Berufsbildungssystem, welches eine theoretische und berufspraktische Ausbildung kombiniert und zu einem berufsbefähigenden Abschluss auf mittlerer Bildungsstufe (Sekundarstufe II und Tertiärstufe ausserhalb der Universitäten) führt.</p><p>3. In den Ost-Erweiterungsländern werden in den nächsten Jahren im Zuge der Rationalisierung Millionen von Erwerbstätigen aus dem Landwirtschafts- und Bergbausektor hinaus gedrängt werden. Die blosse Industrialisierung und die Entwicklung des Dienstleistungssektors in Grossfirmen vermag diese Beschäftigten wohl nicht aufzunehmen, wenn nicht auch kleine und mittlere Firmen und eine gewerbliche Struktur aufgebaut werden können. Auch aus diesem Blickwinkel des Strukturwandels ist die Ausbildung einer mittleren Berufsbildungsstufe vordringlich.</p><p>4. Die Schweiz ist eines der wenigen Länder Europas mit einem dualen Berufsbildungssystem (das allerdings nach dem Bologna-Modell nicht genügend valorisiert und anerkannt wird). Es wäre immerhin sinnvoll zu prüfen, ob in osteuropäischen Ländern ein Bedarf und der politische Wille vorhanden ist, das Angebot der Schweiz für die Aufbauhilfe für ein eigenes Berufsbildungssystem anzunehmen. Es versteht sich, dass durch diese Unterstützungsmassnahmen auch das schweizerische Berufsbildungssystem und zahlreiche Fachleute einen Impuls erhalten würden.</p>
    • <p>Der Kern des Postulates hat zum Ziel, zukünftige verstärkte Unterstützungsmassnahmen im Bereich der Berufsbildung abklären zu lassen, was der Bundesrat unterstützt. Nicht einig ist der Bundesrat hingegen mit der im Postulat zum Ausdruck gebrachten Einschätzung der von der Schweiz in den Neunzigerjahren geleisteten Unterstützungsmassnahmen zugunsten Osteuropas. Diese Einschätzung entspricht in keiner Weise den Resultaten vorangehender unabhängiger Evaluationen sowie auch der Bilanz der Ostzusammenarbeit, welche zurzeit als Basis für den Rahmenkredit IV ausgearbeitet wird. Auf Anfrage der EU-Kommission prüft zurzeit der Bundesrat, unter welchen Voraussetzungen und in welchem Rahmen sich die Schweiz zugunsten der wirtschaftlichen und sozialen Kohäsion der neuen EU-Mitgliedstaaten beteiligen könnte.</p> Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
    • <p>Im Rahmen der EU-Ost-Erweiterung wird die Europäische Union von der Schweiz eine finanzielle Beteiligung am Aufbau der neuen Wachstumsmärkte in Osteuropa verlangen, von denen auch die Schweizer Wirtschaft grossen Nutzen ziehen wird.</p><p>Der Bundesrat wird beauftragt, ein besseres und effizienteres Modell der Wirtschaftshilfe an die zehn neuen EU-Länder und die weiteren Beitrittskandidaten in dem Sinne zu prüfen, dass die Schweiz beim Aufbau eines dualen Berufsbildungssystems mithilft, dieses mitfinanziert und mit Beratungen und Lehrpersonal fördert.</p>
    • Berufsbildung. Schweizer Solidaritätsbeitrag an die EU-Ost-Erweiterung

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