Massnahmenplan für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf *

ShortId
03.3603
Id
20033603
Updated
14.11.2025 06:51
Language
de
Title
Massnahmenplan für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf *
AdditionalIndexing
28;Sozialpartner;Geburtenhäufigkeit;Gemeinde;Erwerbsleben;Kanton;Nichtregierungsorganisation;Koordination;Familienpolitik;Kinderbetreuung;berufstätige Mutter;Familie (speziell);Frauenarbeit
1
  • L06K070202010402, Erwerbsleben
  • L03K010303, Familie (speziell)
  • L06K070203020501, berufstätige Mutter
  • L04K01030304, Familienpolitik
  • L04K01040207, Kinderbetreuung
  • L06K080701020108, Kanton
  • L06K080701020106, Gemeinde
  • L05K0702040102, Sozialpartner
  • L02K1501, Nichtregierungsorganisation
  • L04K08020314, Koordination
  • L04K01070304, Geburtenhäufigkeit
  • L05K0702030205, Frauenarbeit
PriorityCouncil1
Nationalrat
Texts
  • <p>Nach wie vor ist es in der Schweiz sehr schwierig, Beruf und Familie zu vereinbaren. Das führt u. a. dazu, dass immer mehr Frauen auf Kinder verzichten, weil sie sich im Dilemma zwischen Beruf und Kinder für den Beruf entscheiden. So bleibt heute jede dritte Frau kinderlos. Bei den Akademikerinnen verzichten mittlerweile gar vier von zehn Frauen auf Kinder.</p><p>Die Geburtenrate widerspiegelt diese Tendenz. Hatte vor 30 Jahren jede Frau in der Schweiz durchschnittlich 2,5 Kinder, sind es heute 1,5 Kinder (bei den Schweizerinnen 1,2 Kinder, bei den Ausländerinnen 1,8 Kinder). Um die Bevölkerung ohne Einwanderung zu stabilisieren, bräuchte es eine Geburtenrate von 2,1 Kindern.</p><p>Gleichzeitig zeichnen sich erste Engpässe auf dem Arbeitsmarkt ab. Vor allem in den konjunkturresistenten Bereichen wie Pflege und Unterricht (interessanterweise Berufe, in denen vor allem Frauen tätig sind) werden wir bald mit personellen Engpässen zu kämpfen haben. Der Ruf nach den Frauen für den Arbeitsmarkt wird rasch lauter werden.</p><p>Familien mit kleinen und mittleren Einkommen sind finanziell zunehmend unter Druck. In der Regel müssen in diesen Haushalten beide Eltern einer Erwerbsarbeit nachgehen, wenn sie ihre Existenz aus eigener Kraft sichern und die Abhängigkeit von der Sozialhilfe vermeiden wollen. Da vielerorts die Betreuung der Kinder nicht geregelt ist, sind die Eltern gezwungen, ihre Kinder schon früh alleine zu lassen. Gemäss Aussagen des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes sind in der Schweiz 40 Prozent der schulpflichtigen Kinder regelmässig unbetreut.</p><p>Immer offensichtlicher wird, dass unsere Kinder mehr und früher in ihrem Leben Gelegenheiten zum sozialen Lernen brauchen. Die Kleinfamilien bieten dazu wenig Trainingsmöglichkeiten. Sieben von zehn Kindern haben höchstens ein Geschwister. Jedes vierte Kind ist ein Einzelkind. Wenn man bedenkt, dass soziales Lernen vor allem in altersgemischten Gruppen statt finden kann, erstaunt es nicht, dass die Fortschritte in diesem Bereich in den klassischen Jahrgangskindergärten und Jahrgangsklassen eher klein sind. Altersgemischte Vorschulangebote wie Krippen und qualifizierte Tagesfamilien bleiben nach wie vor wenigen Kindern vorenthalten. </p><p>Erschreckendes hat die Pisa-Studie an den Tag gebracht. Durch die späte Einschulung, fehlende Tagesschulen und die mangelhafte Vorschulbetreuung sind Kinder aus sozial schwächeren Familien schulisch in der Schweiz stark benachteiligt. Unser Schulsystem vermag die Herkunft der Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu anderen Ländern deutlich weniger gut auszugleichen.</p><p>Wenn Familie und Beruf dank guter Rahmenbedingungen befriedigend vereinbart werden können, eröffnen sich neue Chancen. Junge Frauen haben eine Perspektive, auch mit Kindern beruflich aktiv und ökonomisch selbstständig zu bleiben. Väter, deren Partnerin ebenfalls erwerbstätig ist, tragen nicht mehr die volle Erwerbsverantwortung und sehen damit eher eine Möglichkeit, ihr Pensum etwas zu reduzieren. Familien in finanziell angespannten Verhältnissen wissen ihre Kinder gut betreut, während sie arbeiten. Kinder erhalten vermehrt die Chancen, ausserhalb der Kleinfamilie stabile und eigenständige Beziehungen zu Erwachsenen und Kindern zu pflegen und damit ihre Sozialkompetenz zu entwickeln. Damit kann auch die Chancengleichheit zwischen den Kindern gestärkt werden.</p><p>Die Schweiz hat also alles Interesse daran, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachdrücklich zu fördern. Um die Umsetzung voran zu bringen, muss der Bund einen umfassenden Massnahmenkatalog erarbeiten. Damit dieser nicht zum Papiertiger verkommt, sind die verschiedenen Akteure von Anfang an mit einzubeziehen: Bund, Kantone und Gemeinden, aber auch die Sozialpartner und die NGO müssen zusammenarbeiten. Der Bund muss den Prozess leiten, die verschiedenen Akteure zu Partnern machen und dafür besorgt sein, dass die Massnahmen kongruent, klar zugewiesen, wirksam und rasch umsetzbar sind.</p>
  • <p>Es trifft zu, dass viele Familien in der Schweiz Probleme haben, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Damit können unerwünschte Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum, den sozialen Ausgleich, die Gleichstellung von Frau und Mann sowie auf die Ausbildung verbunden sein. Im Zusammenhang mit der OECD-Studie "Vereinbarkeit von Beruf und Familie", die gegenwärtig für die Schweiz fertig gestellt wird und deren Ergebnisse (Analyse und Empfehlungen) im Herbst publiziert werden, wird der Bundesrat auf die Problematik zurückkommen. Bei der Ausarbeitung des Massnahmenplans wird der verfassungsmässigen Kompetenzordnung in der Schweiz sowie der Lage und den Perspektiven der öffentlichen Finanzen, insbesondere auch des Bundeshaushaltes, besondere Beachtung geschenkt werden müssen.</p> Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion.
  • <p>Der Bundesrat wird eingeladen, einen umfassenden Massnahmenplan für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erarbeiten. Er bezieht dabei Kantone, Gemeinden, Sozialpartner und NGO mit ein.</p>
  • Massnahmenplan für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf *
State
Erledigt
Related Affairs
Drafts
  • Index
    0
    Texts
    • <p>Nach wie vor ist es in der Schweiz sehr schwierig, Beruf und Familie zu vereinbaren. Das führt u. a. dazu, dass immer mehr Frauen auf Kinder verzichten, weil sie sich im Dilemma zwischen Beruf und Kinder für den Beruf entscheiden. So bleibt heute jede dritte Frau kinderlos. Bei den Akademikerinnen verzichten mittlerweile gar vier von zehn Frauen auf Kinder.</p><p>Die Geburtenrate widerspiegelt diese Tendenz. Hatte vor 30 Jahren jede Frau in der Schweiz durchschnittlich 2,5 Kinder, sind es heute 1,5 Kinder (bei den Schweizerinnen 1,2 Kinder, bei den Ausländerinnen 1,8 Kinder). Um die Bevölkerung ohne Einwanderung zu stabilisieren, bräuchte es eine Geburtenrate von 2,1 Kindern.</p><p>Gleichzeitig zeichnen sich erste Engpässe auf dem Arbeitsmarkt ab. Vor allem in den konjunkturresistenten Bereichen wie Pflege und Unterricht (interessanterweise Berufe, in denen vor allem Frauen tätig sind) werden wir bald mit personellen Engpässen zu kämpfen haben. Der Ruf nach den Frauen für den Arbeitsmarkt wird rasch lauter werden.</p><p>Familien mit kleinen und mittleren Einkommen sind finanziell zunehmend unter Druck. In der Regel müssen in diesen Haushalten beide Eltern einer Erwerbsarbeit nachgehen, wenn sie ihre Existenz aus eigener Kraft sichern und die Abhängigkeit von der Sozialhilfe vermeiden wollen. Da vielerorts die Betreuung der Kinder nicht geregelt ist, sind die Eltern gezwungen, ihre Kinder schon früh alleine zu lassen. Gemäss Aussagen des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes sind in der Schweiz 40 Prozent der schulpflichtigen Kinder regelmässig unbetreut.</p><p>Immer offensichtlicher wird, dass unsere Kinder mehr und früher in ihrem Leben Gelegenheiten zum sozialen Lernen brauchen. Die Kleinfamilien bieten dazu wenig Trainingsmöglichkeiten. Sieben von zehn Kindern haben höchstens ein Geschwister. Jedes vierte Kind ist ein Einzelkind. Wenn man bedenkt, dass soziales Lernen vor allem in altersgemischten Gruppen statt finden kann, erstaunt es nicht, dass die Fortschritte in diesem Bereich in den klassischen Jahrgangskindergärten und Jahrgangsklassen eher klein sind. Altersgemischte Vorschulangebote wie Krippen und qualifizierte Tagesfamilien bleiben nach wie vor wenigen Kindern vorenthalten. </p><p>Erschreckendes hat die Pisa-Studie an den Tag gebracht. Durch die späte Einschulung, fehlende Tagesschulen und die mangelhafte Vorschulbetreuung sind Kinder aus sozial schwächeren Familien schulisch in der Schweiz stark benachteiligt. Unser Schulsystem vermag die Herkunft der Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu anderen Ländern deutlich weniger gut auszugleichen.</p><p>Wenn Familie und Beruf dank guter Rahmenbedingungen befriedigend vereinbart werden können, eröffnen sich neue Chancen. Junge Frauen haben eine Perspektive, auch mit Kindern beruflich aktiv und ökonomisch selbstständig zu bleiben. Väter, deren Partnerin ebenfalls erwerbstätig ist, tragen nicht mehr die volle Erwerbsverantwortung und sehen damit eher eine Möglichkeit, ihr Pensum etwas zu reduzieren. Familien in finanziell angespannten Verhältnissen wissen ihre Kinder gut betreut, während sie arbeiten. Kinder erhalten vermehrt die Chancen, ausserhalb der Kleinfamilie stabile und eigenständige Beziehungen zu Erwachsenen und Kindern zu pflegen und damit ihre Sozialkompetenz zu entwickeln. Damit kann auch die Chancengleichheit zwischen den Kindern gestärkt werden.</p><p>Die Schweiz hat also alles Interesse daran, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nachdrücklich zu fördern. Um die Umsetzung voran zu bringen, muss der Bund einen umfassenden Massnahmenkatalog erarbeiten. Damit dieser nicht zum Papiertiger verkommt, sind die verschiedenen Akteure von Anfang an mit einzubeziehen: Bund, Kantone und Gemeinden, aber auch die Sozialpartner und die NGO müssen zusammenarbeiten. Der Bund muss den Prozess leiten, die verschiedenen Akteure zu Partnern machen und dafür besorgt sein, dass die Massnahmen kongruent, klar zugewiesen, wirksam und rasch umsetzbar sind.</p>
    • <p>Es trifft zu, dass viele Familien in der Schweiz Probleme haben, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Damit können unerwünschte Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum, den sozialen Ausgleich, die Gleichstellung von Frau und Mann sowie auf die Ausbildung verbunden sein. Im Zusammenhang mit der OECD-Studie "Vereinbarkeit von Beruf und Familie", die gegenwärtig für die Schweiz fertig gestellt wird und deren Ergebnisse (Analyse und Empfehlungen) im Herbst publiziert werden, wird der Bundesrat auf die Problematik zurückkommen. Bei der Ausarbeitung des Massnahmenplans wird der verfassungsmässigen Kompetenzordnung in der Schweiz sowie der Lage und den Perspektiven der öffentlichen Finanzen, insbesondere auch des Bundeshaushaltes, besondere Beachtung geschenkt werden müssen.</p> Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion.
    • <p>Der Bundesrat wird eingeladen, einen umfassenden Massnahmenplan für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erarbeiten. Er bezieht dabei Kantone, Gemeinden, Sozialpartner und NGO mit ein.</p>
    • Massnahmenplan für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf *

Back to List